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Bücherzeit
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1063

Bücherzeits Rezensionen

12345

buch

Geheime Tochter

Shilpi Somaya Gowda

EUR 9,99 *
auf Merkliste

40

25.09.2012

„Spurensuche”

Zwei Familien werden durch ein kleines Mädchen verbunden: Kavita und Jasu können sich in der Armut Indiens kein Mädchen „leisten“, sodass für Kavita nur der geheime Besuch in einem Kinderheim bleibt, um ihr kleines Mädchen zu retten. Währenddessen sehnen sich Somer und Kris in den USA nach einem Kind. Ihr Kinderwunsch bleibt jedoch unerfüllt, sodass sie sich für eine Adoption entscheiden. Wie werden sich die Leben der beiden Familien und der kleinen Asha entwickeln?

Der Roman begleitet die Familien auf eine außergewöhnlich berührende, einfühlsame und fesselnde Art über mehrere Jahrzehnte, zeigt die Gefühle, Gedanken und Wünsche eines jeden einzelnen Charakters auf natürliche Weise. Der Autorin gelingt es, sehr bildlich viele Facetten von Eindrücken zu vermitteln, insbesondere die liebevolle, würzige und farbenfrohe Beschreibung Indiens ist überaus gelungen, wobei neben schillerndem Glanz auch Armut, Gewalt und Verzweiflung ihren Platz im Alltag und in ihrer Schilderung finden. Die parallele Führung der beiden Handlungsstränge in Indien und in den USA sowie deren Zusammenführung ist erzählerisch sehr gut gemacht, allerdings wirken manche Details wiederum konstruiert und künstlich. Das Glossar mit indischen Begriffen ist sehr interessant und liefert wichtige Informationen, ist jedoch leider nicht ganz vollständig.

Insgesamt ist „Geheime Tochter“ wirklich ein sehr interessanter, gefühlvoller und nuancenreicher Roman über Liebe, Familie und das Loslassen-Können von Menschen, die man liebt, um ihnen den Freiraum zu geben, den sie brauchen, und um selbst wieder aufatmen zu können. Sehr zu empfehlen!

30

01.02.2012

„Psychiaterin auf heißer Spur”

Unfall, fahrlässige Tötung oder Mord? Die Details, die den Ermittlern Hinweise geben, liegen oft im Verborgenen, können jedoch gelegentlich selbst nach Jahrzehnten den Täter überführen.
In Val McDermids Roman „Alle Rache will Ewigkeit“ ermittelt die psychiatrische Gutachterin Charlie Flint aus persönlichen Motiven. In ihrem alten College in Oxford wird der Bräutigam einer Hochzeitsfeier ermordet. Steht diese Tat mit anderen Todesfällen in Zusammenhang? Kann sie sich durch einen Erfolg in diesem Fall nach einer schweren beruflichen Niederlage rehabilitieren?
Der Roman baut eher zwischen den Zeilen und durch die dargestellten zwischenmenschlichen Konflikte eine tiefgründige Spannung auf und weniger durch handlungsreiche Szenen, gefährliche Momente oder Nerven zerreißende Überraschungen. Die verschiedenen Perspektivenwechsel waren abwechslungs- und aufschlussreich und charakterisieren die Hauptfiguren näher. Auch wenn ich mir den Roman anders vorgestellt habe, fühlte ich mich trotz gewisser Redundanzen gut unterhalten.

40

18.01.2012

„Schwarzer Schwan”

Der Roman "Schwarzer Schwan" ist ein Roman von einer brandaktuellen Brisanz, der viele Figuren vor der Kulisse von Finanzkrise, politischen Machenschaften und persönlichen Karrierehoffnungen auftreten lässt: Lilly und Patrick, die in einer Welt ausgebeuteter Praktikanten trotz exzellenter Ausbildung keine feste Anstellung erhalten. Dominik Roth, der bei der Polizei in der Abteilung Betrug sein Dasein fristet, jedoch von der großen weiten Welt der Mordkommission träumt. Hanna Kaul, die bei der Rhein Bank AG große Deals vorbereitet und somit ihre Karriere fördern möchte. Ihre Nichte Leonie, die als Teenager zu Besuch bei ihrer Tante von der Freiheit träumt. Lothar Mierscheid, Politiker, der oft im Spannungsfeld verschiedener Interessen agieren muss. Der Roman deckt folglich eine große Palette an Personen und Gruppierungen des Finanzlebens ab und entwickelt eine spannende Verstrickung dieser Bereiche. Zwischen den einzelnen Personen werden Konflikte konstruiert, die sich im Verlauf zuspitzen: Paula, Bekannte von Mierscheid, Lobbyistin der Deutschen Börse AG und Lebensgefährtin des Staatssekretärs, wurde erschossen, Hanna erfährt, dass sie observiert wurde und ihre Nichte Leonie verschwindet plötzlich. Wie hängen diese Ereignisse zusammen? Haben diese etwas mit Hannas Entdeckung der Machenschaften von Pelican Trust zu tun?
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und ist trotz des komplexen Aufbaus aus mehreren parallelen Handlungssträngen leicht und flüssig zu lesen. Die Geschehnisse verdichten sich, die Fäden laufen zusammen, ohne zu viel zu verraten. Die Aufarbeitung aktueller politischer und wirtschaftlicher Themen ist tiefgehend und sehr gut gelungen. Dennoch bleiben am Ende viele Fragen offen, was vermutlich gewünscht ist. Insgesamt hat mich der Roman sehr begeistert, allerdings kamen für mich die emotionalen Seiten viel zu kurz: Das mindert meinen Leseeindruck jedoch nur gering.
"Schwarzer Schwan" ist wirklich ein außergewöhnliches Buch: Horst Eckert gelingt es, selbst die komplizierte Welt der Politik und der Finanzen spannend und entschlüsselnd darzustellen. Der Roman war ein spannendes und informatives Lesevergnügen, das ich gerne empfehlen kann.

buch

Kainszeichen

Sabine Fink

EUR 11,90 *
auf Merkliste

40

18.01.2012

„Wahrheit?”

Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Sind diese beiden Begriffe polar oder gibt es eine große Bandbreite dazwischen? Was ist gerecht?

Sabine Finks Kriminalroman „Kainszeichen“ spielt vielfältig mit diesen Fragen. Ihr Roman handelt von Ereignissen zwischen 2005 und 2009: Mike, Angestellter in einer fränkischen Baufirma kommt 2005 unter mysteriösen Umständen bei einem Unfall in der Nähe einer tschechischen Baustelle für eine große Ferienanlage ums Leben. Mikes Mord wurde als Unfall verkannt, ist deshalb ungelöst, seine skandalösen Enthüllungen über das aktuelle Bauprojekt bleiben unentdeckt. Seine Verlobte Chrissy findet zufällig 2009 die Speicherkarte von Mikes Fotoapparat mit Beweismaterial, sodass die alten Wunden von 2005 erneut aufreißen und sie sich an die Ereignisse der letzten Jahre erinnert. Nach dem Tod ihres Verlobten ist Chrissy in ein gefährliches Spannungsfeld zwischen den Brüdern Ducros, die das Bauunternehmen gemeinsam leiten, geraten. Die Unterschiede zwischen den beiden Brüdern werden deutlich, wobei beide positive und negative Seiten haben und etwas zu verbergen scheinen. Welchen Geheimnissen war Mike auf der Spur? Wer ist in die zweifelhaften Machenschaften verstrickt?

Die kriminalistische Handlung kommt leider nur stockend und langsam voran. Im Vordergrund stehen eher eine Liebesgeschichte und zwischenmenschliche Aspekte, was allerdings in der Kombination sehr interessant wirkt. Beim Lesen haben sich hinsichtlich einiger Details doch einige Ungereimtheiten ergeben, die die Glaubwürdigkeit der Handlung leicht in Frage stellen.

Der Roman ist leicht und unterhaltsam geschrieben und lässt sich flüssig und spannend lesen. Viele Abschnitte sind aus Chrissys Perspektive geschrieben, wobei der Leser sehr einfühlsam und emotional an die Handlung herangeführt wird, ohne Spannung einzubüßen. Wenige Abschnitte sind aus Sicht eines Erzählers geschrieben, sodass der Leser einen deutlichen Wissensvorsprung gegenüber den Hauptfiguren hat. Dieser Kontrast zwischen Erzähler und Chrissys Perspektive ist sehr gut gelungen.

Titel, Cover und Layout sind ansprechend gestaltet. Die Wahl des Titels ist sehr treffend gewählt und ist vielfach auf die Handlung zu interpretieren. Das Cover ist sehr schön anzusehen, hat jedoch nur wenige Überschneidungspunkte mit der Handlung.

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch sehr gerne gelesen, fühlte mich sehr gut unterhalten und kann es bedenkenlos an begeisterte Krimi-Leser empfehlen. Die kleineren Widersprüche in der Handlung haben für mich das Lesen eher reizvoll gestaltet, da ich über die Zusammenhänge nachgedacht und diese hinterfragt habe. Kainszeichen ist ein Krimi, der mitten aus dem Leben gegriffen ist, und auch das Leben ist schließlich nicht immer geradlinig und perfekt. Folglich vergebe ich vier Sterne und wünsche allen Lesern viel Freude!

50

18.01.2012

„Sehr zu empfehlen”

Tania Krätschmar greift das Thema Altersunterschied in einer Beziehung mutig in ihrem Roman „Die Wellentänzerin“ auf: Dana van Aken ist eine Frau Mitte Vierzig, die mitten im Leben steht: Ihre drei Töchter sind fast erwachsen und finden ihren eigenen Lebensweg, ihr Hotelschiff „Drei Töchter“ ist inzwischen gut nachgefragt und sie hat die Trauer nach dem Tod ihres Mannes überwunden. Lediglich das Thema Liebe scheint zunächst kein Thema mehr für sie zu sein – bis sie den jungen Künstler Antonius Merano kennen und lieben lernt. Nachdem sie ihre eigenen Vorbehalte überwunden hat, sind es jedoch insbesondere die Vorurteile ihrer Familie und die der Gesellschaft, die sie an dieser Beziehung zweifeln lassen. Hat ihre Liebe zu Antonius eine Chance?

Der Leser nimmt am Familienleben der Familie van Aken hautnah teil und lernt die Wünsche, Hoffnungen, Denkweisen und Ängste jedes Protagonisten kennen. Es ist zunächst geprägt von einem harmonischen, lustigen Miteinander, durch die neue Beziehung der Mutter breiten sich jedoch Dissonanzen aus. Jede der Figuren hat aktuell Entscheidungen zu treffen. Jede der van Aken Frauen hat eigene Verhaltens- und Wirkungsmuster: Während die drei Töchter Gefühle und Gedanken offen, fordernd und unsicher ausleben, wirkt Dana lebenserfahren, vorsichtig, aber auch selbstbewusst - sie ist eine Frau, die mitten im Leben steht und nicht auf eine Liebesbeziehung angewiesen ist, diese jedoch auch nicht verneint. Antonius ist ein mutiger, junger Mann, der sich nicht für Vorbehalte und Vorurteile interessiert, sondern seine Gefühle lebt.

Ich bin ganz bezaubert vom liebevollen Sprachstil der Autorin und den Hauptfiguren, die sehr menschlich und alltäglich dargestellt werden. Nach nur wenigen Seiten habe ich bereits die Hauptfiguren lieb gewonnen, jede für sich, jede mit ihren Stärken und Schwächen. Das Zwischenmenschliche lässt sich zwischen den Zeilen spüren, ich bin als Leserin einfach mitten drin in der Handlung. Außerdem wird Erotik sehr ausdrucksvoll mit in die Handlung eingeflochten: Die Funken zwischen Dana und Antonius, die bereits zu Beginn sprühen, sind förmlich spürbar. Die erotischen Szenen werden in stimmungsvollen, direkten, aber doch würdigen Worten vermittelt. Des Weiteren wird die Kreuzfahrt zwischen Berlin und der Ostsee sehr malerisch und mit einem Blick für jedes Detail beschrieben: Neben Danas aufgewühlten Emotionen sind insbesondere die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Menschen an Bord sehr interessant. Die Fahrt wird auch landschaftlich und kulturell sehr bildlich beschrieben, sodass es eine große Freude war, davon zu lesen. Diese Authentizität und Sprachgewalt in der Darstellungsweise finde ich beeindruckend!

Ein großer Wermutstropfen bleibt: Das Buch hat ein Ende, sodass sich der Leser irgendwann tatsächlich leider von der Familie van Aken verabschieden muss, nachdem sie sich alle Seite für Seite jeder auf seine Art ins Leserherz geschlichen haben.

Dieses Buch ist wirklich wertvoll, berührend, menschlich. Jede Figur, jeder Charakter wird für sich mit einem besonderen Blick beleuchtet. Der Roman spricht mit einem eindrucksvollen Facettenreichtum die wichtigen Fragen im Leben, das Miteinander und die alltäglichen Details an und verbreitet ein Wohlgefühl beim Lesen, ohne tragische Aspekte auszusparen. Dieser Roman ist mehr als lesenswert!

40

18.01.2012

„Psychopathen und andere Probleme”

Nachdem ich Band 1 und Band 2 mit einem Dauergrinsen gelesen habe, musste ich natürlich wissen, wie es mit dem Eberhofer Franz und seinen Lieben weitergeht. Der neue Fall hört sich auf jeden Fall im wahrsten Sinne des Wortes saukomisch an: Ein Jahr ist inzwischen vergangen, die Sushi kann inzwischen laufen und "Wans" sagen, ansonsten hat sich fast nichts in Niederkaltenkirchen verändert. Franz' gesamter Einsatz wird jedoch gefordert, als der Küstner, ein psychologischer Psychopath, sein Unwesen treibt und einen Rachefeldzug gegen den Richter Moratschek führt. Da sind selbst Schweinsköpfe nicht mehr sicher!
Rita Falk gelingt es, an ihren Erfolg anzuknüpfen. Mit dem Eberhofer Franz ist ihr ein etwas einfältiger, von sich überzeugter Charakter mit Wiedererkennungswert gelungen. Während ich den ersten Teil genial witzig, den zweiten jedoch nur ganz okay fand, bin ich vom dritten wieder begeistert, da sie viele bereits bekannte Figuren zu neuen urkomischen Konstellationen zusammenführt und merkwürdig komische Situationen schafft. Nur gelegentlich driftet die Handlung jedoch nach meinem Geschmack viel zu sehr ins Absurde ab. Die Charaktere finde ich weiterhin außergewöhnlich und unterhaltsam, insbesondere die Oma habe ich wirklich lieb gewonnen. Dass die Hauptfiguren am Ende des Romans noch zu Wort kommen, fand ich etwas komisch, zumal auch einige gefehlt haben (z.B. Panida, Sushi, Simmerl, Flötzinger). Wenn diese Idee schon umgesetzt wurde, finde ich, dann sollte dies auch vollständig sein. Das Ende des Romans knüpft bereits an den nächsten Fall vom Eberhofer Franz an - Die Leser dürfen bereits jetzt gespannt sein, was sich Rita Falk wieder hat einfallen lassen.

50

11.01.2012

„Mit Herz in ein neues Leben”

Bettina Haskamp entführt den Leser mit ihrem Roman „Alles wegen Werner“ an die portugiesische Algarve. Doch die äußerliche Idylle trügt: Gewohnheit und Verletzungen dominieren das Eheleben. Das selbst zerstörerische Eheleben von Clara und Werner im paradiesischen Häuschen in Portugal hat jedoch ein jähes Ende, als Werner nach einem Brasilienurlaub wegen einer Beziehung zu einer schönen Brasilianerin die Scheidung fordert. Clara muss sich und ihr Leben neu finden, nachdem sie sich längst in den festgefahrenen Bahnen ihrer 30jährigen Ehe, im Alkohol und in einem Zustand innerer Leere verloren hat. Ihre Selbsterfahrung stürzt sie in neue Abenteuer im portugiesischen Alentejo. Wie wird ihr ihr Neuanfang gelingen?

Clara mit ihrer chaotisch und teilweise eigenbrödlerischen Art wird für den Leser schnell zu einer vertrauten Hauptfigur, mit der man durch die ehrlichen Gedankenverläufe weinen, schmunzeln, sich ärgern, einfach mitfühlen kann. Mit ihr zusammen durchlebt der Leser die menschlichen Höhen und Tiefen des Lebens, entwickelt nach und nach einen Blick für das Schöne und Wichtige im Leben und findet Mut für neue Herausforderungen.

Das Buch ist sehr leicht zu lesen, unterhaltsam und wortwitzig und fesselt mit seiner humorvollen Art. Die menschlichen Schwächen und Stärken der Hauptfiguren werden realistisch und mit einer großen Portion Humor dargestellt. Insbesondere das Titelbild führt bereits in Zusammenschau mit dem Inhalt des Romans zu einem ersten Schmunzeln, wobei die überspitzte Darstellung zwar nicht zur Beschreibung der Figuren, aber zum humorvollen Gehalt des Buches blendend passt und gut auf das Buch einstimmt.

Insgesamt vergebe ich deshalb aufgrund der sehr guten Unterhaltung fünf Sterne.

50

11.01.2012

„Das große und entscheidende Finale”

Stephenie Meyer setzt mit ihrem Buch „Breaking Dawn“, Bis(s) zum Ende der Nacht in der deutschen Übersetzung von Sylke Hachmeister, einen krönenden Abschluss für ihre Bis(s)-Reihe/Twilight-Saga: Bella und Edward heiraten! Doch das von vielen Lesern ersehnte Finale stellt nicht etwa den Schluss der mitreißenden Geschichte dar, sondern ist der Beginn eines fesselnden vierten und letzten Bandes, denn viele Fragen sind ungeklärt: Wird sich Bella verwandeln lassen? Wird Edward diese Herausforderung übernehmen? Wie wird sie sich in diesem neuen Leben zurechtfinden? Wie wird Jacob reagieren? Und wie groß ist die Gefahr, die von den Volturi ausgeht? Aber wie sich herausstellt, sind das nicht die einzigen Probleme, vor denen das Paar steht, denn die noch menschliche Bella erwartet ein Kind, halb Mensch, halb Vampir … .

Der letzte Band zeigt, dass die ganze Geschichte um Bella bis ins letzte Detail durchdacht ist, da die Handlungsstränge der ersten drei Bände in diesem vierten Teil aufgegriffen und zusammengeführt werden. Die bisher vertrauten Personen führen auch in diesem abschließenden Teil mit ihrer charismatischen Art durch die Handlung. Wie auch in den Bänden zuvor fesselt Meyer durch ihre eindrucksvolle und natürliche Beschreibung der Hauptfiguren und der Handlung. Aber zum Schluss möchte ich auf einen kleinen Kritikpunkt hinweisen: Im vierten Band wird es doch etwas „blutrünstiger“ als zuvor, sodass starke Nerven gefordert sind!

Das Titelbild stimmt in gewohnter Weise stimmungsvoll auf den folgenden Inhalt ein.

Insgesamt für exzellente Unterhaltung und fesselnde Spannung 5 Sterne. Für Leser der ersten drei Bände ein absolutes und lohnendes Muss!

buch

Ausgebucht

Steffi von Wolff

EUR 12,99 *
auf Merkliste

20

11.01.2012

„Buchung storniert”

In ihrem Roman „Ausgebucht“ schildert Steffi von Wolff das ungleiche Zwillingsschwesternpaar Dine und Katinka, die das außergewöhnliche Erbe ihrer extravaganten Urgroßmutter annehmen: Wenn die beiden es schaffen, das marode, an der Küste Schleswig-Holsteins gelegene Hotel Friesenzauber innerhalb eines Jahres zu renovieren und wiederzueröffnen und es drei Monate lang in Folge ausgebucht ist, winkt eine Million Euro – für jede! Dieses Angebot können die beiden Schwestern nicht ausschlagen, sodass sie von einem Abenteuer ins nächste stürzen. Das größte Abenteuer ist die Gestaltung ihrer schwierigen schwesterlichen Beziehung, denn so ähnlich ihr Aussehen ist, so verschieden sind sie in ihrem Wesen.

Die Idee der Geschichte ist faszinierend und spannend, allerdings gelingt deren Umsetzung leider nicht wirklich. Insbesondere die Kommunikation zwischen den beiden Schwestern ist extrem spitzzüngig und hass-erfüllt, was teilweise etwas künstlich und aufgesetzt wirkt. Hinsichtlich der inhaltlichen Hintergründe und der geschilderten Charaktere bleibt das Buch leider nur an der Oberfläche. Ansonsten ist das Buch flüssig geschrieben und enthält zumindest einige humorvolle Wortwitze. Das Titelbild zeigt eine sehr schöne, ansprechende und lustige Illustration, die Lust auf die Lektüre macht!

Mein Eindruck ist, dass das Buch vor allem junge Erwachsene ansprechen könnte, die die Periode des Sich-Findens und des Sich-Abgrenzens gegenüber anderen gerade durchleben oder vor kurzem durchlebt haben, sodass sie die Denkweise der Zwillinge vielleicht besser nachfühlen können. Ansprechen könnte es auch Leser, die eine kurze Unterhaltung ohne Tiefgang, also eine „leichte Lektüre“ für Zwischendurch suchen. Ich persönlich habe mir von dem Buch mehr versprochen, wobei es dennoch ganz nett zu lesen ist: Deshalb vergebe ich zwei Sterne.

40

11.01.2012

„Perspektivenwechsel”

Alon Hilu entführt uns mit seinem Buch „Das Haus der Rajanis“ ins Israel am Ende des 19. Jahrhunderts. Das frisch vermählte jüdische Ehepaar Luminsky reist mit dem Schiff nach Jaffa, um im Lande Zion ein neues Leben zu beginnen. Der Neubeginn ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich, da es an Arbeit und Grundbesitz mangelt, eine Integration nicht stattfindet, auch gar nicht gewollt ist und zwischenmenschliche Probleme innerhalb der Ehe aufkommen. Diese Ausweglosigkeit wandelt sich, als Jacques Luminsky die arabische Familie Rajani mit ihrem großen und großzügigen Landbesitz kennenlernt, wobei er sich dem psychisch kranken Sohn Salach widmet, die Frau Afifa leidenschaftlich begehrt und schon bald das gesamte Anwesen an sich reißen möchte.

Hilu tabuisiert nichts, sondern er spricht auch Themen wie Sexualität, Begierde und Angst klar und deutlich an. Stilistisch ist es ein Buch, in das sich der Leser aufgrund der besonderen Wortstellung und der metaphorischen Sprache erst einfinden muss, wobei fraglich bleibt, ob der Stil die historische Sprache des 19. Jahrhunderts imitieren möchte, ob die Weise, wie sich der Autor ausdrückt und wie er die Handlung ordnet, kulturell bedingt ist, ob es sich um eine Kunstsprache handelt oder ob der erschwerte Lesefluss durch die Übersetzung bedingt ist. Der Perspektivenwechsel zwischen den Tagebuchaufzeichnungen von Jacques Luminsky und den Ich-Erzählungen von Salach ist einerseits verwirrend, da die Sprache und die Metaphorik wechseln, andererseits auch spannend, da der Perspektivenwechsel zeigt, wie stark sich „Innen- und Außensicht“ unterscheiden und wie sehr diese kulturell geprägt sind. Anhand dieser ausgewählten Beziehungsverstrickung und dieser unterschiedlichen Sichtweise wird deutlich, wie bereits im Kleinen Interessen zwischen Juden und Arabern aufeinanderprallen, sodass die nationalen Auswirkungen verständlich werden. Salachs Visionen und Prophezeiungen erhalten im historischen Rückblick schnell Realität.

Dieses Buch erfordert Zeit, Geduld und Energie, um sich dem Inhalt wirklich ganz widmen zu können, aber diese Investition zahlt sich insofern aus, als das wichtige Thema über die zionistische Bewegung und der Beginn der Konflikte in Israel im Buch ihre Würdigung finden sowie als die Lebens- und Denkweise der Menschen, die dort leben, verständlich und vielschichtig aufgezeigt wird. 4 Sterne.

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