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Name:
Svenja Neumann
Ort:
Garbsen
Rezensionen:
3 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 2

nicht hilfreich: 0

Rang:
9261

Svenja Neumanns Rezensionen

buch

Diva

Chuck Palahniuk

EUR 17,99 *
auf Merkliste

30

27.11.2011

„mirror, mirror on the wall..”

Die Definition einer Diva ist in der heutigen Zeit etwas verschwommen, zu verdanken haben wir es den ausschweifenden Exzessen der Popgeneration. Wer sich hier also die Erzählung von einer schicksalsgebeuteten Frau erhofft, die sich ihr Leben im Grunde selbst schwer machte, ist mit diesem Buch falsch verankert. - Mehr oder minder.

Diva ist aus der Sicht des "Dienstmädchens" geschrieben, Hazie. Sie berichtet uns von den Jahren und Taten, die sie Miss Kathie gewidmet hat. Wir bekommen zu hören, wie Hazie im Grunde Miss Kathie erschaffen hat, denn wenn auch das Filmstarlet die Person mit dem Geld und dem Ruhm ist, war Hazie diejenige, die die Grundsteine für das Können legte.
Als Web der III. auftaucht, wittert Hazie erneut Gefahr um ihre Miss Kathie; was sollte so ein Jungspund von ihrer gealterten Königin wollen, mit Außnahme von Geld und Ruhm? Und wie werden Zeuge, dass Hazie's Zweifel berechtigt sind. ..oder doch nicht?

Leider ist dies kein Meisterwerk von Palahniuk. Meine Erwartungen wurden zumindest enttäuscht. Untypisch ist vorallem, dass die Story ziemlich linear abläuft. Zwar ist der Wortwitz im Schreibstil erhalten geblieben, aber leider vermisst man etwas. Der erste Teil des Buches ist ziemlich anstrengend, und auch wenn man im zweiten & dritten Teil für das hindurch wälzen belohnt wird, bleibt die Verwirrung über die Anfangsprobleme erhalten.

Auch vermisste ich den einen oder anderen Twist, was sonst für Palahniuk nunmal auszeichnet ist. Dieses Ende war leider viel zu vorhersehbar.

Lesenswert ist "Diva" allemal. Aber leider keine 5 Sterne wert.

buch

Saeculum

Ursula Poznanski

EUR 14,95 *
auf Merkliste

50

27.11.2011

„So hebet hoch, den Humpen!”

Schon auf den ersten Seiten öffnet Ursula Poznanski dem Leser ein Fenster, dass vor Lebenscharme nur so glüht. Es wird eine neue Welt präsentiert, auch für den Protagonisten, und so wird es einem leicht gemacht, sich in diesem hinein zu fühlen.

Eher widerwillig lebt Bastian im Schatten seines erfolgsorientierten Vaters, als er die lebenslustige Sandra kennenlernt. Aus einem Mittelaltermarkt macht sie ihn mit ihrer Leidenschaft für das Altertümliche und auch Gleichgesinnten dessen bekannt. Bastian, der bisher nur an sein Medizinstudium dachte, und zunächst eigentlich nur von Sandra fasziniert ist, findet schnell gefallen am Mittelalter ' und vorallem an den Gedanken sein Leben zu leben, hatte er sich doch stets seinen Büchern gewidmet. So zögert er auch nicht lange, als man ihn bittet der nächsten Convention der Rollenspielgruppe Saeculum beizuwohnen.

Es scheint, als würde der Leser Zeuge der zarten Augenblicke einer aufkeimenden Liebe und dem Entschluss mit dem tristen Alltag zu brechen; doch nachdem man den Großteil der eher exzentrischen Charaktere kennengelernt hat, und sich mitten in der Wildnis, etliche Kilometer entfernt von der nächsten Ortschaft, ohne Telefon oder einem anderen Gegenstand der für die Neuzeit als Repräsentant gilt, wiederfindet, wird schnell klar, dass nichts ist, wie es am Anfang schien.

Nachdem wir erfahren, dass der zum Spiel auserwählte Ort mit einem Fluch aus der Zeit der Ritter, der Jungfrauen in Nöten und der Pest belegt sein soll, lächeln wir noch milde, doch schon ein paar Stunden später zweifeln wir und der Hauptakteur die Entscheidung ins selbst geschaffene Mittelalter zu fahren an.
Als die ersten Prophezeiungen des Fluches eintreffen uns sogar einige Mitglieder der Saeculum-Truppe spurlos verschwinden wird klar, dass hier so mancher Mittelalter-freund nicht nur den Met-krug, sondern auch das eine oder andere Geheimnis mitgebracht hat...

Frau Poznanski macht dem Leser auf eine gut durchdachte, stets Neugier erweckende Weise klar, dass die Flucht vor der Vergangenheit bis hin ins tiefe Mittelalter sinnlos ist.

Ihrem Erstlingswerk 'Erebos', dass große Erfolge verbuchte und für den Jugendliteraturpreis nominiert war, steht 'Saeculum' in nichts nach.
Man muss kein Fan vom Zeitalter der Lanzenträger sein, um sich an der Geschichte oder den Eigenarten der Charaktere erfreuen zu können. Nach dem Beginn der Convention ist Spannung garantiert, sowie auch die eine oder andere Überraschung; wie Hundekuchen werden dem Leser immer wieder Informationen zugeworfen, die einem zum Weiterlesen nahezu drängen.
Auf 493 Seiten wird man dazu angeheizt mit dem Protagonisten mitzufiebern und so manches Rätsel aufzuklären.
Saeculum ist eines jener Bücher, bei denen man fast schon traurig wird, wenn man am Ende angekommen ist.

50

27.11.2011

„..autsch!”

Wir erinnern uns: wachsen tut weh. Jeder von uns klagte als Kind sicherlich mal darüber, dass das Bein, der Arm, sonstwas schmerzte und wir bekamen von unseren Eltern die Antwort: "Vielleicht wächst du, das tut manchmal weh.".
Aber dass das mentale "Erwachsen werden" Schmerzen bereitet, verdrängen wir gut und gern.


Dafür haben wir nun den Roman von Frau Kuttner. Die Protagonisten, Flo & Lu, wagen den ersten von 3 Schritten (Zusammen ziehen - Heiraten - Kind in die Welt setzen), weil es scheinbar einfach an der Zeit ist, weil man Ängste bezwingen sollte, weil man das ja irgendwann doch mal so macht. Zwar erscheinen die beiden sehr euphorisch, jedoch auch sehr panisch; vorallem Lu, die gerade ohnehin mit ihrem Leben zu kämpfen hat, ist überfordert mit all den "letzten- und ersten Malen", die dieser Schritt mit sich bringt.
Und da treffen wir auf den Kern: Luise, die sowohl als auch nach dem Umzug überfordert und vorallem verwirrt (!) ist, die nicht weiss welchen Weg sie gehen soll und auch niemanden findet, der es ihr sagen könnte. Letztendlich ist sie eine erwachsene Frau und hat ihre Entscheidungen allein zu treffen. Doch jeder von uns kennt es - es ist nunmal alles andere als leicht. Und wir wünschen uns in unsere Kindheit zurück, als das Leben noch nicht so kompliziert war...

Frau Kuttner schafft es diese Geschichte mit einer gesunden Portion Humor, mit der richtigen Prise Tragik und einem gesunden Hauch an Ironie zu erzählen. Die Kapitel sind kurz gehalten - sehr verführerisch, denn so entschließt man sich doch noch schnell eines zu lesen; was bei mir dazu führte, dass ich "Wachstumsschmerz" innerhalb von einem Nachmittag verschlang. Fast schon ein wenig reumütig, wenn ich bedenke wie viel Mühe in dieses Werk gelegt wurde. Aber kann es ein größeres Lob geben? ;) Auch die eingeschobenen Memo-Kapitel, in den Luise ein paar Zeilen an Flo notiert, führen ein stetig weiter.

Dieses Buch berührt uns. Und zwar genau da, wo es wehtut. Man erkennt sich selbst wieder. An manchen Stellen war der Gruselfaktor höher als bei King, weil ich mich ein wenig zu sehr wieder erkannt habe. Wir werden berührt, wir werden verstanden, und wir denken dann über unser eigenes kleines Chaos nach - mit der Erkenntnis, dass doch alles halb so schlimm ist.


Ein Prachtstück der Gegenwartsliteratur!

2 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.