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8217

Rezensionen

buch

Saeculum

Ursula Poznanski

EUR 14,95 *
auf Merkliste

40

07.05.2012

„Saeculum”

or dem Lesen war ich sehr skeptisch, was Mittelalter-Rollenspiele betrifft, denn das ist überhaupt nicht mein Ding – und da ging es mir genauso, wie Bastian, der tatsächlich viel lieber für sein Medizin-Studium büffeln würde, als fünf Tage und Nächte in einem Wald zu verbringen. So hatte ich gleich Zugang zum Protagonisten und auch das Thema Mittelalter war schneller wieder vom Tisch, als ich angenommen hatte.

Schon kurz nachdem die Rollenspieler den Wald betreten und anschließend besiedelt haben, hat mich ein mulmiges Gefühl beschlichen. Das Gefühl, das etwas nicht stimmt. Wie bereits in „Erebos“ zieht die Autorin geschickt zur richtigen Zeit an den richtigen Fäden und weiß, den Leser in Schach zu halten. Immer wieder stellt sie die Leserschaft vor neue Rätsel: Warum verhält sich Sandra plötzlich so abweisend? Wer schreibt die mysteriösen Nachrichten? Ist das alles nur ein inszeniertes Spiel oder ist ihnen vielleicht doch jemand gefolgt? Und wenn ja, was könnte diese Person von ihnen wollen? Wer steckt hinter all dem?
Schnell ist klar, dass man niemanden vertrauen kann. Die Situation spitzt sich immer weiter zu, Mitspieler verschwinden, das Misstrauen wächst immer schneller, jeder verdächtigt jeden, die Gruppe erleidet Todesangst. Und schon bald keimt eine Frage auf: Wie weit würdest du gehen, um zu überleben?
Nachdem man den etwas langwierigen Einstieg überstanden hat, wird man mit einer verdammt spannenden Story belohnt. Die Seiten flogen nur so an mir vorüber, teilweise bin ich über die Worte gestolpert, weil ich gar nicht so schnell weiterlesen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Leider geriet die Geschichte immer wieder kurz ins Stocken und störte damit meinen Lesefluss. Dennoch lohnt es sich, am Ball zu bleiben.
Auch die Figuren waren etwas ganz Besonderes, jede einzelne hat eine unverkennbare Persönlichkeit und eine Vergangenheit. Jeder birgt so seine Geheimnisse. Ursula Poznanski hat eine ziemlich bunte Gruppe zusammen gewürfelt. Besonders auffällig ist natürlich Doro, die an den Fluch um den Wald glaubt, sich selbst für eine Hexe hält und damit von Anfang für Ärger sorgt. Iris verhält sich ebenfalls sehr merkwürdig, indem sie nie über sich selbst spricht. Auch die schöne Lisbeth und ihr Freund Georg, der sie immer von allem fernhalten möchte und sie kontrolliert, scheinen ein Geheimnis zu haben. Aber auch Carina, Warze, Steinchen, Alma und selbst Paul, der Spielleiter, wirken auf den Leser verdächtig.

Letztendlich hat mir „Saeculum“ zwar sehr gut gefallen, aber es war mir einfach etwas zu lang. Für mich hat die Geschichte mit dem Verlassen des Waldes an Fahrt verloren und hätte gerne 100 Seiten kürzer sein können. Das Ende war nicht nur ermüdend und langweilig, sondern meiner Meinung nach auch völlig unnötig in die Länge gezogen. Dennoch ist “Saeculum” ein atemberaubendes Buch und wer Filme wie “The Blair Witch Project” mag, sollte unbedingt auch zum zweiten Jugendbuch von Ursula Pozanski greifen.

40

07.05.2012

„von der Nacht verzaubert”

Reveants, sogenannte Wiedergänger, stehen drei Tage nach ihrem Tod wieder auf. Dieses Phänomen tritt nur unter bestimmten Bedingungen auf; eine Voraussetzung dafür ist es, anstelle eines anderen gestorben zu sein. Nach ihrer Wiederauferstehung sind sie schlaflos, ruhen nur einmal im Monat für 3 Tage. Außerdem haben sie eine besondere Wahrnehmung und den Drang, Menschen vor dem Tod zu schützen. Sollten sie dabei sterben, wachen sie erneut drei Tage später wieder auf und nehmen dann den Körper und das Alter an, mit dem sie zum ersten Mal gestorben sind.
Für Wiedergänger gibt es nur eine Möglichkeit, um für immer zu sterben: Sie müssen getötet und anschließend verbrannt werden, bevor sie wiederauferstehen. Und genau das ist das Ziel der sogenannten Numa, die das Gegenstück der Reveants darstellen: Sie wollen die Menschen nicht retten, sondern in den Selbstmord treiben und die gutartigen Wiedergänger auslöschen.
Man wird nach und nach die Welt der Reveants eingeführt, lernt ihre düsteren Geheimnisse und Fähigkeiten kennen. Die Handlung hat zwar wenige Aha-Momente, aber ist phasenweise immer wieder sehr spannend. Der Titel verspricht übrigens nicht zu viel, denn der Schreibstil der Autorin ist wirklich zauberhaft. Außerdem punktet sie auch mit der Wahl des Schauplatzes, das Pariser Flair passt nicht nur gut zur Geschichte, sondern gibt dem Buch auch einen ganz besonderen Charme.
Trotz allem muss ich sagen, dass mir das Verhältnis von Kate und Vincent nicht gefällt. Auch wenn Kate anfangs noch Zweifel hegt, ob eine sie eine solche Liebe ertragen kann, die sie immer wieder an den Tod ihrer Eltern erinnert, stürzt sich dann aber doch Hals über Kopf in die Beziehung mit Vincent. Sie betet ihren wunderschönen, makellosen Gott an und denkt immer nur daran, wie schön er doch ist. Zusätzlich gibt Vincent auch noch den perfekten Schwiegersohn ab: Benimmt sich immer korrekt, hat sich seit Jahrzehnten in kein anderes Mädchen verliebt, will mit dem Sex warten und macht Kate sehr teure Geschenke.
Meiner Meinung nach hat eine solch glatte Beziehung nichts mit der Realität zu tun und vor allem nichts in einem Jugendbuch zu suchen. Niemanden sollte vermittelt werden, dass der richtige Partner perfekt, wunderschön und reich sein muss oder dass er keine Macken haben darf. Außerdem passt es auch nicht so richtig zur Geschichte, dafür hat Kate einfach zu viel Skepsis an den Tag gelegt und ihre Gefühle zu oft in Frage gestellt. In der Beziehung der beiden gibt es so viele Ungereimtheiten, die nicht für eine glückliche Zukunft sprechen, dass es meiner Meinung nach im nächsten Band auch mal ordentlich knallen könnte.

Große Überraschungen hält der Roman nicht bereit, dennoch habe ich ihn äußerst gerne gelesen und hoffe, dass Amy Plum im nächsten Teil mit mehr Action aufwartet. Streckenweise hat sie bereits mit dem Auftakt der Trilogie bewiesen, dass sie ein anständiges Erzähltempo drauf hat und nicht erst lange um den heißen Brei herum redet. Ich freue mich schon auf weitere Abenteuer mit Kate und Vincent.

buch

Gute Geister

Kathryn Stockett

EUR 21,99 *
auf Merkliste

50

06.07.2011

„Gute Geister”

In Kathyrn Stocketts “Gute Geister” geht es um farbige Dienstmädchen, 1962 in Jackson, Mississippi. Aus der Sicht drei sehr verschiedener Frauen liest man von Rassismus, Angst und Mut: Zum einem ist da das 52 jährige, dunkelhäutige Hausmädchen Aibileen, das ein kleines Mädchen, das sie für ihre Mutter hält, betreut und für wenig Lohn den Haushalt einer sehr reichen Frau schmeißt. Sie ist äußerst erfahren und definitv der ruhige Pol in der Geschichte. Sie ist mir während des Lesens auch besonders ans Herz gewachsen.

Dann ist da noch Minny, die zwar für ihre fabelhafte Kochkünste, aber auch für ihr loses Mundwerk bekannt ist und aufgrund dessen einen Job nach dem anderen verliert. Bald ist es gar nicht mehr so leicht jemanden zu finden, der sie einstellen möchte. Dafür kursieren mittlerweile zu viele Wahrheiten, aber auch Lügen, über sie in Jackson.

Die Schlüsselperson ist Skeeter, die im Gegensatz zu ihren weißen Freundinnen nicht nur an ihr Aussehen denkt, sondern ihr Leben selbst in die Hand nehmen will. Ihr großer Traum ist es, eines Tages als Journalistin zu arbeiten. Auf dem Weg dahin nimmt sie einen Job in der lokalen Zeitung an und schreibt dort eine Kolumne – ausgerechnet über Haushaltstipps. Schnell erkennt sie, dass sie jetzt die Hilfe der Haushaltshilfen braucht. Bald darauf kommt ihr die gefährliche Idee, ein wahres Buch über farbige Dienstmädchen in Jackson zu schreiben.

Doch schnell stellt sich heraus, dass es gar nicht so leicht ist, jemanden zu finden, der mit ihr über seine Erfahrungen als Dienstmädchen sprechen möchte. Die Frauen haben Angst. Erst vor kurzem wurde ein Farbiger so heftig verprügelt, dass er sein Augenlicht verloren hat. Und das nur, weil er eine Toilette für Weiße benutzt hat, die nicht als solche beschildert war. Was wird dann erst geschehen, wenn man seinen Arbeitgeber derart bloß stellt?


Für ihren Debütroman hat sich die Autorin also wahrlich kein leichtes, aber total spannendes Thema ausgesucht. Sie hat mich mit ihren Worten sehr berührt und vor allem auch zum Nachdenken angeregt. Vergessen werde ich dieses Buch sicherlich nicht mehr.

Kathryn Stockett schreibt so lebendig, dass es mir ein leichtes war, die Vielzahl von Personen auseinander zu halten. Jede hat mindestens ein besonderes Merkmal, sodass ich die Figuren vor meinem geistigen Auge sehen und mir sogar ihre Stimmen vorstellen konnte. Die Personen sind alle sehr logisch durchdacht und wirkten auf mich absolut authentisch. Wüßte ich es nicht besser, würde ich glatt glauben, das “Gute Geister” tatsächlich so entstanden ist, wie es im Buch beschrieben wird.

Dieser Roman hat wirklich alles, was ein gutes Buch braucht: Sehr mutige Frauen, ein heikles Thema, das durchaus einen wahren Kern hat, viel Spannung und trotz allem einen unterhaltsamen Schreibstil. Doch das Wichtigste ist, dass ich viel gelernt habe. Mir war nie bewusst, wie schlimm die Farbigen damals wirklich behandelt wurden. Das war nicht nur erschreckend, sondern hat mir auch dabei geholfen, das Verhalten einiger Farbiger von heute zu verstehen.

50

06.07.2011

„Lebe lieber übersinnlich!”

Evie ist ein sehr lebendiges und vorlautes Mädchen, das immer einen frechen Spruch auf den Lippen hat, und war mir auf Anhieb sympathisch. Sie verpasst keine Folge der Teenie-Soap Easton Heights, ihre Lieblingsfarbe ist rosa und sie liebt Shopping. Eigentlich macht sie ihren Job ganz gerne, doch sie fühlt sich einsam in der IBKP und wünscht sich nichts mehr, als ein normales Leben zu führen: Zur Schule zu gehen (wenn es da auch einen coolen Spind gibt), gleichaltrige Leute zu treffen und - vor allem - ein richtiges Date zu haben.

Besonders gut gefallen hat mir auch Raquel. Sie ist verantwortlich für Evie, hat aber nie Zeit für normale Dinge. Sie ist ständig am Arbeiten, nimmt sich niemals Urlaub und auch sonst ist sie sehr auf Regeln fixiert. Lustig sind aber ihre Seufzer, die mehr Aussagekraft haben als ihre Worte, und von Evie immer passend übersetzt werden. Und diese Dame seufzt ständig!

Ein weiterer Charakter, den ich geliebt habe, war die Meerjungfrau Trisha. Sie lebt ebenfalls in der IBKP und ist die beste Freundin von Evie, kann aber leider nur über einen Sprachcomputer mit ihr kommunizieren. Die Dialoge der beiden sind immer besonders witzig, da die Stimme des Sprachcomputers monoton ist und sämtliche Schimpfworte mit Piep übersetzt werden. Manche Sätze bestehen nur noch aus Bindewörtern.

Die Geschichte hat einen sehr dichten, turbulenten Handlungsverlauf. Kiersten White hat einen sehr spritzigen, flotten Schreibstil und beansprucht dadurch die Lachmuskeln des Lesers. Schon auf der ersten Seite musste ich grinsen und war gleich gefesselt von der Geschichte. Eigentlich wollte ich nur reinlesen, aber aufhören konnte ich dann doch nicht mehr.

Die Autorin hat sich viel Mühe mit der Gestaltung der Figuren gegeben und jede einzelne ist ihr gut gelungen. Außerdem hat die Frau einfach verdammt viel Fantasie: Von Wasserelementen, Moorhexen und Meerjungenfrauen habe ich zumindest in keinem Buch bisher gelesen und das sind bei weitem nicht alle guten Ideen, die sie hatte.

Insgesamt ist "Flames'n'Roses" einfach ein rundes Ding. Von der Covergestaltung, die perfekt zur Protagonistin Evie passt, über die Geschichte bis hin zu den Charakteren hatte ich an allem meinen Spaß. Mit viel Liebe zum Detail konnte die Autorin mich schnell für sich gewinnen und ich freue mich schon sehr auf die nächsten beiden Bände. Wer bereits die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier verschlungen hat, kann man diesem Buch auch nichts falsch machen.