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13

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50

26.05.2013

„Der große Sprung nach vorn”

Lisa See ist eine wunderbare amerikanische Autorin mit chinesischen Wurzeln. Ihren Durchbruch schaffte sie mit ihrem Roman „Der Seidenfächer“, der in der Zwischenzeit sogar verfilmt wurde. Ihr neuester Roman „Tochter der Freude“ ist die Fortsetzung von „Töchter aus Shanghai“ (Blanvalet Taschenbuch), den ich Ihnen 2011 schon an dieser Stelle sehr empfohlen habe.

Joy ist die Tochter von May und Nichte von Pearl deren Geschichte in dem ersten Buch erzählt wurde. Die Vorgeschichte ist zwar nicht zwingend erforderlich, denn die Autorin gibt genügend Tipps, um der Handlung logisch folgen zu können, aber Sie würden sich dann um das Vergnügen an diesem Buch bringen! Das Buch beginnt damit, wo die „Töchter aus Shanghai“ geendet hat, allerdings diesmal aus der Sicht von Joy. Joy hat gerade erfahren, dass ihre Eltern Pearl und Sam überhaupt nicht ihre Eltern sind, sondern ihre Tante May und ein großer Künstler namens Z.G. beziehungsweise im chinesischen Li Zhi-ge genannt ist. Da sie sich politisch eh gerade sehr für Mao und seine Revolution interessiert, bricht sie in einer Nacht und Nebel Aktion nach China auf, um ihren Vater zu finden. Dies gelingt ihr schnell, denn ihr Vater ist ein anerkannter Propagandamaler und dementsprechend bekannt. Sie kommt aber gerade zu einer unglücklichen Zeit an. Ihr Vater ist in Ungnade gefallen und muss aufs Land fahren, um der einfachen Bauernbevölkerung das Malen beizubringen. Er nimmt Joy kurzerhand mit in das Gründrachendorf. Joy ist beeindruckt und begeistert vom neuen China, erliegt der sehr geschickten Propaganda und will unbedingt dort bleiben und beim Aufbau des kommunistischen Staates helfen. Hinzu kommt noch, dass sie sich in diesem Dorf in Tao verliebt hat. Pearl fliegt ebenfalls nach China, um Joy zu finden und wieder in die USA zurückzubringen. Als Joy sich weigert, bleibt auch sie, um ihrer Tochter in schwierigen Zeiten ggf. zur Seite zu stehen. Und diese Zeiten kommen, denn der Roman spielt in der Zeit von 1957 bis ca. 1960. Diese Zeit wurde als die Zeit „Großer Sprung nach vorn“ bezeichnet. Mao forderte die Bevölkerung auf, alles dafür zu geben, um die imperialistischen Länder der USA und Großbritannien wirtschaftlich zu überholen. Dafür wurden einige verheerende Fehlentscheidungen getroffen, woraus eine verhängnisvolle Hungersnot entstand in der nach heutigem Forschungsstand 45 Millionen Menschen verhungerten.

Lisa See hat wieder einen sehr intensiven und hervorragend recherchierten Roman über China geschrieben. Es macht viel Spaß ihn zu lesen, und man erfährt viel über das Leben in dieser Zeit in China, welches auch für viele Westeuropäer erstrebenswert war. Die Wahrheit, wie es dort wirklich war, kam zu der Zeit bei uns ja niemals an. Die Covergestaltung sowohl des Taschenbuchs des ersten Teils als auch des aktuellen Buchs haben mich sehr erstaunt, denn sie passen mal wieder überhaupt nicht zum Buch. Für das zweite Buch hätte sich eine Art Propaganda-Plakat aus China angeboten, aber da hatte der Verlag wahrscheinlich Angst, dass das Buch sich nicht verkaufen würde. Und der Klappentext ist falsch, denn Joy gerät nicht in die Zeit der Kulturrevolution. Die ist erst in dem Zeitraum von 1966 bis 1976!

30

26.05.2013

„Hamburg Hafencity oder Geld allein macht auch nicht glücklich”

Stefan Moster hat in seinem zweiten Roman über ein Ehepaar geschrieben, welches gerne ein Kind hätte, dies aber nicht ohne Hilfe bekommen kann. Seine beiden Protagonisten Ines und Daniel leben jetzt seit anderthalb Jahren in einer tollen gemieteten Wohnung in der Hafencity in direkter Nachbarschaft zum Marco Polo Tower. Beide stammen ursprünglich aus der Pfalz, doch dort konnten sie nicht richtig Karriere machen. Also haben sie sich umorientiert. Und als Daniel ein gut bezahlter Job als Projektmanager bei einer der wichtigsten Unternehmensberatungen in Hamburg angeboten wird, nehmen sie an. Seine Frau Ines betreibt mehr als Hobby denn lukrativ ein kleines Weingeschäft mit heimischen Weinen aus der Pfalz in Hamburg-Uhlenhorst. Das Leben der beiden könnte eigentlich wunderschön sein. Sie haben die gleichen Interessen und an Geld mangelt es ihnen auch nicht. Aber in der Zwischenzeit wünschen sie sich ein Kind, um ihre Familie zu vervollständigen. Und dies klappt nicht so wie geplant. Also lassen sie sich helfen, und dies bestimmt fortan ihr ganzes Leben.

Stefan Moster beschreibt das Leben und die Gefühle von David und Ines im Wechsel. Wir sehen, wie die Situation sich für die beiden immer weiter zuspitzt, denn immer wieder werden sie enttäuscht. Irgendwann wirkt es sich dann auch auf die berufliche Laufbahn von David aus. Wie geht dieses Paar damit um?

Auch wenn Stefan Moster sich eine wunderbare Umgebung für seinen Roman ausgesucht hat, hat mich dieser Roman nicht wirklich überzeugt. Die beiden Hauptpersonen Ines und David und ihre Beziehung bleiben etwas zweidimensional. Unter dem Titel „Lieben sich zwei“ hatte ich mir mehr Liebe und Gefühl versprochen. Die beiden leben zusammen, aber ihr ganzes Leben kommt mir doch sehr oberflächig vor, und sie sprechen auch nicht wirklich miteinander. Vielleicht war dies aber auch die Absicht des Autors, die mir nur nicht aufgegangen ist. Allerdings beschreibt er Hamburg sehr schön. Jeder, der Hamburg ein wenig näher kennt, wird sich die Orte, an denen der Roman spielt, vorstellen können.

50

26.05.2013

„Der große Sprung nach vorn”

Lisa See ist eine wunderbare amerikanische Autorin mit chinesischen Wurzeln. Ihren Durchbruch schaffte sie mit ihrem Roman „Der Seidenfächer“, der in der Zwischenzeit sogar verfilmt wurde. Ihr neuester Roman „Tochter der Freude“ ist die Fortsetzung von „Töchter aus Shanghai“ (Blanvalet Taschenbuch), den ich Ihnen 2011 schon an dieser Stelle sehr empfohlen habe.

Joy ist die Tochter von May und Nichte von Pearl deren Geschichte in dem ersten Buch erzählt wurde. Die Vorgeschichte ist zwar nicht zwingend erforderlich, denn die Autorin gibt genügend Tipps, um der Handlung logisch folgen zu können, aber Sie würden sich dann um das Vergnügen an diesem Buch bringen! Das Buch beginnt damit, wo die „Töchter aus Shanghai“ geendet hat, allerdings diesmal aus der Sicht von Joy. Joy hat gerade erfahren, dass ihre Eltern Pearl und Sam überhaupt nicht ihre Eltern sind, sondern ihre Tante May und ein großer Künstler namens Z.G. beziehungsweise im chinesischen Li Zhi-ge genannt ist. Da sie sich politisch eh gerade sehr für Mao und seine Revolution interessiert, bricht sie in einer Nacht und Nebel Aktion nach China auf, um ihren Vater zu finden. Dies gelingt ihr schnell, denn ihr Vater ist ein anerkannter Propagandamaler und dementsprechend bekannt. Sie kommt aber gerade zu einer unglücklichen Zeit an. Ihr Vater ist in Ungnade gefallen und muss aufs Land fahren, um der einfachen Bauernbevölkerung das Malen beizubringen. Er nimmt Joy kurzerhand mit in das Gründrachendorf. Joy ist beeindruckt und begeistert vom neuen China, erliegt der sehr geschickten Propaganda und will unbedingt dort bleiben und beim Aufbau des kommunistischen Staates helfen. Hinzu kommt noch, dass sie sich in diesem Dorf in Tao verliebt hat. Pearl fliegt ebenfalls nach China, um Joy zu finden und wieder in die USA zurückzubringen. Als Joy sich weigert, bleibt auch sie, um ihrer Tochter in schwierigen Zeiten ggf. zur Seite zu stehen. Und diese Zeiten kommen, denn der Roman spielt in der Zeit von 1957 bis ca. 1960. Diese Zeit wurde als die Zeit „Großer Sprung nach vorn“ bezeichnet. Mao forderte die Bevölkerung auf, alles dafür zu geben, um die imperialistischen Länder der USA und Großbritannien wirtschaftlich zu überholen. Dafür wurden einige verheerende Fehlentscheidungen getroffen, woraus eine verhängnisvolle Hungersnot entstand in der nach heutigem Forschungsstand 45 Millionen Menschen verhungerten.

Lisa See hat wieder einen sehr intensiven und hervorragend recherchierten Roman über China geschrieben. Es macht viel Spaß ihn zu lesen, und man erfährt viel über das Leben in dieser Zeit in China, welches auch für viele Westeuropäer erstrebenswert war. Die Wahrheit, wie es dort wirklich war, kam zu der Zeit bei uns ja niemals an. Die Covergestaltung sowohl des Taschenbuchs des ersten Teils als auch des aktuellen Buchs haben mich sehr erstaunt, denn sie passen mal wieder überhaupt nicht zum Buch. Für das zweite Buch hätte sich eine Art Propaganda-Plakat aus China angeboten, aber da hatte der Verlag wahrscheinlich Angst, dass das Buch sich nicht verkaufen würde. Und der Klappentext ist falsch, denn Joy gerät nicht in die Zeit der Kulturrevolution. Die ist erst in dem Zeitraum von 1966 bis 1976!

50

20.05.2013

„Nicht nur für junge Mütter”

Fiona Higgins ist eine australische Autorin und selber Mutter. In ihrem ersten Roman „Mit euch an meiner Seite“ erzählt sie die Geschichte von sechs jungen Frauen, die gerade Mütter geworden sind. Der Klappentext des Buches wird dem Inhalt des Buches nicht wirklich gerecht, denn es bietet viel mehr als dieser es vermuten lässt.

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel. Dadurch bekommt jede junge Mutter ihr eigenes Kapitel, in dem ihre eigene Geschichte genauer vorgestellt, die eigentliche Handlung aber weiter vorangetrieben wird. Ginie ist eine sehr karriereorientierten junge Frau, die ihr Kind schon früh einem Kindermädchen anvertraut, damit sie selbst wieder arbeiten kann. Made ist eine junge Frau aus Bali, die mit einem deutlich älteren Mann verheiratet ist. Suzie wurde von dem Vater ihres Kindes während der Schwangerschaft verlassen und hat das Glück, dass sie einen neuen kennenlernt, der ein Traummann zu sein scheint. Miranda war beruflich sehr erfolgreich. Sie heiratet einen sehr dominanten und erfolgreichen Witwer, der bereits einen kleinen Sohn hat. Jetzt versucht sie beiden Kindern gerecht zu werden. Pippa ist sehr zurückhaltend. Es dauert lange bis die anderen Mütter erfahren, was sie bedrückt. Und Cara ist eine ausgesprochen warmherzige Person, die es schafft diese unterschiedlichen Frauen zu Freundinnen zu machen. Doch dann passiert etwas, was die Müttergruppe und ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt.

Das ich dieses Buch gelesen haben, war ein Zufall. Der Klappentext hatte mich nämlich nicht angesprochen. Da erschien mir das Buch viel zu banal. Jetzt bin ich froh, dass ich es doch zur Hand genommen habe. Denn dieses Buch ist wieder ein Beispiel für die von mir schon so oft gepriesen angelsächsischen Unterhaltungsromane, die vordergründig gut unterhalten und doch etwas zu erzählen haben. Keine dieser Frauen ist perfekt, jede hat ihr Päckchen zu schleppen, aber die anderen helfen, so gut sie können. Trotzdem wissen sie nicht alles voneinander, wie sie am Ende leidvoll erfahren müssen.

Die Autorin spricht in diesem Roman viele Probleme an, mit denen junge Mütter häufig alleingelassen werden. Es ist in so einem Roman natürlich sehr verdichtet, aber gerade das macht auch den Reiz eines solchen Buchs aus.

Mich hat dieses Buch fast so tief berührt wie zuletzt Jojo Moyes „Ein ganzes halbes Jahr“.

50

20.05.2013

„Beeindruckende wahre Liebesgeschichte”

Ganz häufig denke ich, wenn ich vor den Biografien stehe, dass es doch nun langsam mal genug sein müsste mit den Biografien aus der Zeit von 1933 bis 1945. Und doch habe ich jetzt selber wieder eine gelesen, die mir ausgesprochen gut gefallen hat! Denn es gab noch etwas Neues zu entdecken. Es ging um Norwegen in dieser Zeit. Und über die Verbindung von Norwegen und das drittes Reich habe ich bisher so gut wie gar nichts gewusst.

Die Autorin Randi Crott ist eine 1951 in Wuppertal geborene Journalistin, die eine norwegische Mutter und deutschem Vater hat. Erst 1969 hat sie von ihrer Mutter erfahren, dass ihr Vater Halbjude ist. Er hat selber nie mit ihr darüber gesprochen. Und erst als ihr Vater gestorben ist, macht sich Randi Crott daran, der bewegenden Liebesgeschichte ihrer Eltern nachzuforschen. Hierbei kommt ihr natürlich sowohl ihre journalistische Ausbildung zugute, als auch, dass ihre Mutter Tagebuch geführt, die Briefe von damals aufgehoben und ihr alles zur Verfügung gestellt hat. Und herausgekommen ist dabei eine ausgesprochen gut lesbare und zugleich sehr informative Liebesgeschichte, eingebettet in den geschichtlichen Zusammenhang. Denn Randi Crott erzählt nicht nur die Liebesgeschichte ihrer Eltern. Sie informiert sich, wieso es überhaupt dazu gekommen ist, dass Deutschland Norwegen besetzt hat. Sie recherchiert die Lebenssituationen von Kindern, die einen jüdischen Elternteil haben. Und sie beschreibt in ihrem Buch auch die Lage, wie sie sich für die Norweger während der Zeit der Besatzung dargestellt.

Es ist eine bewegende Liebesgeschichte in einer ganz dunklen Zeit von zwei Menschen, die einfach gewusst haben, dass sie unter allen Umständen zusammenbleiben wollen. Sie haben dafür beide einiges aufgeben und viel ertragen müssen, aber am Ende hat die Liebe gesiegt!

40

20.05.2013

„Eine Vater-Sohn-Geschichte”

Patricio Pron ist ein junger argentinischer Autor, der einige Zeit in Göttingen gelebt und studiert hat. Heute lebt er in Barcelona. „Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf“ ist sein erster Roman und wurde auf Spanisch geschrieben.

Vom Alter her könnte die Geschichte autobiografisch geprägt sein, aber der Autor weist selber nie darauf hin. Er erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der aus Deutschland zurück nach Argentinien reist, da sein Vater im Krankenhaus liegt. Er weiß nicht, ob er noch rechtzeitig ankommt. Zurück in Argentinien ist sein Zuhause zwar noch genauso wie er es erinnert, aber trotzdem fühlt er sich völlig fremd. Um seinen Vater, einem Journalisten, wieder näher zu kommen, blättert in dessen Unterlagen. Dabei stößt er auf einen Ordner, der sich mit dem Verschwinden eines Mannes aus dem Geburtsort seines Vaters beschäftigt. Allerdings ist er erst 2008 verschwunden und nicht während der Militärjunta-Zeit. Was hat seinen Vater an dieser Geschichte so fasziniert. Langsam nähert er sich der Geschichte an. Und dabei entdeckt er Einiges aus seiner Vergangenheit, dass er schon für immer vergessen glaubte.

Es ist ein sehr ungewöhnlicher schmaler Roman, der es dem Leser nicht einfach macht. Der Ich-Erzähler ist offensichtlich psychisch krank, war Drogenabhängig und nimmt immer noch vom Arzt verschriebene Medikamente. Durch diese Vorgeschichte weist sein Gedächtnis große Lücken auf. Dies stellt der Autor grandios dadurch dar, dass er die Geschichte fragmentartig zusammensetzt. Gerade im ersten Teil, wo der Ich-Erzähler noch mit sich ringt, ob er nach Argentinien reisen soll, erzählt er in kurzen Kapiteln, wobei immer wieder Kapitel dazwischen fehlen. Der zweite Teil besteht völlig aus dem Inhalt der Mappe, die sich mit dem Verschwinden von Alberto José Burdisso beschäftigt. Und im dritten und vierten Teil kommen alle losen Fäden langsam zusammen.

Ich geb es zu, ich bin mit diesem Roman nicht wirklich zurechtgekommen. Ich habe mir an Hand des Klappentextes einfach etwas anderes vorgestellt. Mehr in der Richtung von Carolina de Robertis „Perla“ und Wolfram Fleischhauer „Drei Minuten mit der Wirklichkeit“. Aber der Roman ist sprachlich sehr gut und inhaltlich ungewöhnlich erzählt. Für mich war es eher ein Roman, bei dem die literarische Qualität im Vordergrund stand und weniger die politisch-geschichtliche Handlung, die ich aber erwartet hatte.

50

20.05.2013

„Nicht nur für junge Mütter”

Fiona Higgins ist eine australische Autorin und selber Mutter. In ihrem ersten Roman „Mit euch an meiner Seite“ erzählt sie die Geschichte von sechs jungen Frauen, die gerade Mütter geworden sind. Der Klappentext des Buches wird dem Inhalt des Buches nicht wirklich gerecht, denn es bietet viel mehr als dieser es vermuten lässt.

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel. Dadurch bekommt jede junge Mutter ihr eigenes Kapitel, in dem ihre eigene Geschichte genauer vorgestellt, die eigentliche Handlung aber weiter vorangetrieben wird. Ginie ist eine sehr karriereorientierten junge Frau, die ihr Kind schon früh einem Kindermädchen anvertraut, damit sie selbst wieder arbeiten kann. Made ist eine junge Frau aus Bali, die mit einem deutlich älteren Mann verheiratet ist. Suzie wurde von dem Vater ihres Kindes während der Schwangerschaft verlassen und hat das Glück, dass sie einen neuen kennenlernt, der ein Traummann zu sein scheint. Miranda war beruflich sehr erfolgreich. Sie heiratet einen sehr dominanten und erfolgreichen Witwer, der bereits einen kleinen Sohn hat. Jetzt versucht sie beiden Kindern gerecht zu werden. Pippa ist sehr zurückhaltend. Es dauert lange bis die anderen Mütter erfahren, was sie bedrückt. Und Cara ist eine ausgesprochen warmherzige Person, die es schafft diese unterschiedlichen Frauen zu Freundinnen zu machen. Doch dann passiert etwas, was die Müttergruppe und ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt.

Das ich dieses Buch gelesen haben, war ein Zufall. Der Klappentext hatte mich nämlich nicht angesprochen. Da erschien mir das Buch viel zu banal. Jetzt bin ich froh, dass ich es doch zur Hand genommen habe. Denn dieses Buch ist wieder ein Beispiel für die von mir schon so oft gepriesen angelsächsischen Unterhaltungsromane, die vordergründig gut unterhalten und doch etwas zu erzählen haben. Keine dieser Frauen ist perfekt, jede hat ihr Päckchen zu schleppen, aber die anderen helfen, so gut sie können. Trotzdem wissen sie nicht alles voneinander, wie sie am Ende leidvoll erfahren müssen.

Die Autorin spricht in diesem Roman viele Probleme an, mit denen junge Mütter häufig alleingelassen werden. Es ist in so einem Roman natürlich sehr verdichtet, aber gerade das macht auch den Reiz eines solchen Buchs aus.

Mich hat dieses Buch fast so tief berührt wie zuletzt Jojo Moyes „Ein ganzes halbes Jahr“.

40

12.05.2013

„Ein schwieriges Thema”

Anja Röhl hat mit ihrem sehr persönlichen Buch ein sehr schwieriges und mit Sicherheit extrem kontrovers zu diskutierendes Buch geschrieben. Es ist die Erinnerung an eine sehr schwierige Kindheit und Jugend in der Zeitspanne von ca. 1958 bis 1976. Es ist aber auch die Erinnerung an Ulrike Meinhof.

Wie kommt Anja Röhl dazu über Ulrike Meinhof so zu schreiben? Ganz einfach – Ulrike Meinhof ist die zweite Frau ihres Vaters Klaus Rainer Röhl. Anja Röhl war noch sehr jung, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Sie lebte bei der Mutter, die mit der gesamten Situation überfordert war. Zu der Zeit war es für eine Frau noch ein extremer Makel, wenn sie geschieden war, denn eine Frau ohne Mann war nix wert. Als ihr Vater ihr eines Tages an einem „Papitag“ Ulrike Meinhof vorstellt, lernt Anja Röhl eine ganz andere Art mit Menschen umzugehen kennen. Ulrike Meinhof ist eine Frau, die auf sie eingeht, ihr zuhört, ihr Fragen beantwortet, ihr viel erklärt und sich schützend vor das Kind stellt, wenn der Vater mal wieder durchdreht. Das prägt das Leben der jungen Anja Röhl ungemein.

Das Buch ist durchgängig in der 3. Person geschrieben. Im ersten Teil redet die Autorin von „das Kind“, dann kommt die Zeit der Pubertät und sie spricht von „das Mädchen“. Am Ende des Buches wird die Geschichte von „die junge Frau“ erzählt. Sie erzählt erschreckende Erfahrungen, die sie in der Schule und in Heimen gemacht hat. Sie erzählt auch sehr intime Details, die sie mit ihrem Vater erlebt hat. Ihr Vater war zwar politisch links, aber er hatte eine extrem frauenverachtende Art und Weise an sich, die er früh seiner Tochter mitgeteilt hat. Einzig seine zweite Frau hat es gewagt, ihm zu widersprechen. Dementsprechend bewundert die Autorin ihre Stiefmutter. Das ändert sich allerdings auch nicht, nachdem sich Klaus Rainer Röhl und Ulrike Meinhof haben scheiden lassen, und Ulrike in den Untergrund gegangen ist, bzw. später verhaftet wurde.

Mich hat dieses Buch einerseits sehr erschüttert. Ich bin nur acht Jahre jünger als die Autorin, habe aber zum Glück schon eine ganz andere Kindheit und Jugend gehabt. Ich kann schon verstehen, dass die Autorin als Kind und junges Mädchen zu Ulrike Meinhof aufgesehen hat. Allerdings ist mir ihre Betrachtung später zu undifferenziert. Sie verklärt die späte Ulrike Meinhof und geht überhaupt nicht darauf ein, was in dem Zeitraum passiert ist, nachdem Ulrike Meinhof in den Untergrund gegangen ist. Nichtdestotrotz finde ich dieses Buch auch sehr wichtig, denn es gibt ein Leben der Ulrike Meinhof vor der RAF. Und damals war sie eine sehr angesehene Journalistin. Dies darf man meiner Meinung nach auch nicht vergessen.

Einige Stellen des Buches mussten geschwärzt werden, nachdem die Halbschwestern Anja Röhl juristische Schritte angedroht hatten. Es ist eine sehr persönliche Abrechnung mit dem Vater und eine Hommage an die Stiefmutter.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal dem am 01. Mai 2013 verstorbenen Verleger Lutz Schulenburg danken, der mit seinen Verlagskolleginnen und –kollegen den Mut hatte, dieses schwierige Buch herauszubringen.

50

10.05.2013

„Die Geschichte zweier total verschiedener Schwestern”

Dieser Roman ist das Debüt der kanadischen Autorin Beverly Jensen. Sie erzählt darin die Geschichte ihrer Familie mütterlicherseits.

Der Roman beginnt 1916 in New Brunswick in Kanada, einer kargen, wildromantischen Küstengegend in Kanada. Dort leben die beiden Schwestern Idella und Avis mit ihrem größeren Bruder Dalton und ihren Eltern. Der Vater verdient den Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit Landwirtschaft. Dalton trägt durch Hummerfang noch zusätzlich zum Lebensunterhalt bei. 1916 sind Idella acht und Avis sechs Jahre alt. Im ersten Kapitel geht die Tragödie der Familie gleich richtig los. Die Mutter stirbt bei der Geburt der kleinen Schwester Emma. Da der Vater den Tod seiner Frau nicht verkraften kann und seiner neugeborenen Tochter die Schuld an dem Tod gibt, gibt er sie der Familie seiner Schwägerin zur Pflege. Die anderen drei Kinder bleiben allerdings bei ihm. So versucht Idella den Haushalt zu führen. Unterstützung sucht die Familie immer wieder bei wechselnden französischstämmigen Dienstmädchen, die nie lange bei der Familie bleiben. Doch irgendwann versuchen die Schwestern dem armen kargen Leben in Kanada zu entkommen und versuchen ihr Glück in den USA.

Beverly Jensen erzählt die Geschichte ihrer Mutter und ihrer Tante in Kurzgeschichten. Da diese Kurzgeschichten aber immer ihre Familie zum Thema haben, konnte man sie wunderbar zu einem Roman zusammenfügen. Sie sind teilweise unterschiedlich in der Art der Erzählweise. Die meisten Geschichten werden von einem außenstehenden Beobachter erzählt, aber es gibt immer wieder Berichte, die von Idella, Avis oder einer Tochter von Idella erzählt werden. Das Buch gliedert sich in vier Teile. Der erste Teil ist die Kindheit der beiden Schwestern, danach kommt die Zeit als junge Frauen in den USA, dann die frische Ehezeit von Idella und zum Schluss das Alter.

Es sind herrliche Geschichten von zwei Frauen, die völlig unterschiedlich sind. Idella ist tatkräftig, packt an und ist sehr in sich gekehrt. Ganz anders ihre Schwester Avis. Avis setzt eher auf ihr Äußeres und bezirzt die Männer. Sie durchleben schwere Zeiten, aber sie lassen sich nie unterkriegen und halten doch auch irgendwie immer zusammen.

Leider werden wir keine weiteren Bücher dieser kanadischen Autorin mehr lesen können, denn sie starb mit 49 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ihre Familie hat dieses Buch erst nach ihrem Tode herausgebracht. Vielleicht hätte sie noch etwas daran verändert, aber auch so ist es eine großartige Geschichte geworden.

Für Leser/innen von Elizabeth Strout „Mit Blick aufs Meer“, Annie Proulx „Schiffsmeldungen“ und David Guterson „Schnee, der auf Zedern fällt“.

50

09.05.2013

„Was ist vor 28 Jahren passiert?”

Ich habe Ihnen an dieser Stelle bereits zwei sehr spannende politische Thriller von Alex Berg vorgestellt – „Machtlos“ und „Die Marionette“. Sie schreibt aber auch unter dem Namen Stefanie Baumm Krimis, die ich bisher allerdings noch nicht gelesen habe. Umso gespannter war ich auf das neue Buch von Alex Berg, das als Roman tituliert war. Ist es ein Krimi oder ein Roman?

Der Roman erzählt die Geschichte von Caroline, genannt Lillie. Caroline wurde in Schweden als Tochter einer Deutschen und eines Schweden geboren. Sie lebte in einem kleinen Ort in Mittelschweden und ihre besten Freunde waren Maybrit, Ulf und Björn. Ulf war ihr Liebster, sie wollten heiraten. Doch plötzlich vor 28 Jahren verlässt sie ihren Heimatort ohne sich von Irgendjemand zu verabschieden. Und niemand weiß, was passiert ist und wohin Caroline gegangen ist. Doch jetzt ist sie plötzlich wieder da. Sie sucht die Einsamkeit ihres Elternhauses, denn ihre Tochter Lianne ist tot. Sie wurde überfahren. Maybrit und Björn leben nach wie vor in diesem kleinen Ort, aber Ulf ist in der Zwischenzeit Kommissar in Stockholm. Per Zufall bekommt er ein Foto auf seinen Schreibtisch – Caroline, die in Schweden geblitzt wurde. Ganz spontan fährt er für ein Wochenende nach Hause. Er will endlich wissen, was damals passiert ist. Und so treffen die vier ehemaligen Freunde plötzlich wieder aufeinander. Bevor Ulf wirklich an Caroline herangekommen ist, erfährt er von seinem direkten Kollegen Hakan, dass Caroline international zur Fahndung ausgeschrieben ist. Er konfrontiert sie nicht direkt. Doch die ganze Situation eskaliert, als Ulf sie endgültig zur Rede stellen will. Caroline und Ulf werden eingeschneit, und Caroline findet nur einen Ausweg aus dieser Situation.

Alex Berg hat ein unglaublich spannendes und stimmiges Buch geschrieben. Die Spannung hält sich wirklich bis zum Ende, wo die Geschichte endlich aufgelöst wird. Mich hat auch die Beschreibung der Landschaft in Schweden fasziniert. Ich habe wirklich gemeint, diese Kälte zu spüren, die sie beschrieben hat.

Und ist es jetzt ein Krimi? Auf gar keinen Fall ein klassischer! Aber ich werde ihn bei uns auf jeden Fall bei den Krimis lassen, denn das Buch ist unglaublich spannend und läuft auf ein großes Finale hinaus.