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123

buch

Kinder des Meeres

Charlotte Lyne

EUR 19,99 *
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50

22.11.2014

„Eine starke Freundschaft zu Zeiten Henry VIII”

Charlotte Lyne ist ein Phänomen unter den Autorinnen. Sie schreibt unter drei Namen und arbeitet außerdem auch noch als Übersetzerin und Lektorin. Charlotte Lyne ist ihr Name für historische Stoffe, die häufig in England spielen. Ich selbst habe von ihr bereits „Die zwölfte Nacht“ gelesen welches mir unglaublich gut gefallen hat. Dieses Buch wurde übrigens gerade als e-book wiederaufgelegt. Mit diesen Büchern ist sie eine wunderbare Alternative für Rebecca Gablé Leser/innen. Als Charlotte Roth kennen einige von Ihnen sie vielleicht auch bereits, denn da hab ich Ihnen „Als wir unsterblich waren“ ans Herz gelegt. Unter diesem Namen schreibt sie Bücher, die die jüngere deutsche Vergangenheit betreffen. Im April 2015 kommt ihr neues Buch „Als der Himmel uns gehörte“, welches u.a. von der Olympiade 1936 in Berlin handelt. Ich freue mich schon sehr darauf und werde an dieser Stelle darüber berichten. Und der dritte Name ist Carmen Lobato. Doch unter diesem Namen habe ich noch keine Bücher von ihr gelesen. Im Februar 2015 erscheint unter diesem Namen “Die Stadt der schweigenden Berge“ Doch nun zu ihrem aktuellen Roman:

„Kinder des Meeres“ spielt im England von Henry VIII. Die Hauptpersonen sind die drei Werftkinder Sylvester, Anthony und Fenella, die zusammen aufwachsen, und die eine unverbrüchliche Freundschaft verbindet. Das Buch beginnt 1511, wo in Portsmouth das neue Kriegsschiff Mary Rose vom Stapel läuft. Anthony liebt Schiffe über alles und hat dafür auch ein Händchen. Doch er wird von seinem Vater immer wieder zurückgesetzt, weil sein älterer Bruder Ralph in die Fußstapfen des Vaters treten soll. Außerdem hat Anthony ein Handicap, sein eines Bein ist verkrüppelt. Fenella ist ein Einzelkind, welches von ihrem Vater nicht gewollt wurde. Und Sylvester, der noch eine Zwillingsschwester namens Geraldine hat, ist ein musisch begabter Junge, der sich immer wieder Geschichten und Lieder für die drei ausdenkt. 1511 beim Stapellauf kommt es zu einem schrecklichen Unfall, bei dem ein Mensch ums Leben kommt. Dieser Unfall wird die drei Werftkinder ihr Leben lang verfolgen. Und so verfolgen wir das Leben und die Liebe der drei bis ins Jahr 1545, wo die Mary Rose mit ca. 700 Seeleuten und Soldaten untergeht. Mit an Bord sind Sylvester und Anthony, aber nur einer wird dieses Unglück überleben. Fenella liebt Anthony, aber auch Sylvester. Und Sylvester tut alles für seinen Freund Anthony. Anthony hingegen ist ein sehr eigensinniger Bursche, der sich an keine Regeln hält. Er lebt für den Schiffbau und seine größte Liebe neben Fenella ist die Mary Rose.

Natürlich spielt die ganze Geschichte nicht nur im Schifffahrtsmilieu, sondern auch am Hofe Henry VIII., wohin es Geraldine, Sylvesters Zwillingsschwester, geschafft hat. Es ist ein bis zur letzten Seiten ausgesprochen spannender Roman, indem wie bei Rebecca Gablé Liebe, Intrige und großartig recherchierter historischer Hintergrund sich zu einem großen Ganzen vereinen. Die Zeit ist natürlich auch ausgesprochen spannend. Es ist die Zeit der Renaissance, in der ganz viel Neues passiert. Geistliche greifen die Katholische Kirche an, Bibeln werden in verschiedene Sprachen übersetzt und Ketzer werden verbrannt. Henry VIII legt den Grundstein für die englische Seemacht, die unter seiner Tochter erst richtig groß wird. Sehr interessant ist die Darstellung von Henry VIII als auch von Anne Boleyn, die ich mir bisher anders vorgestellt hatte. Und die Mary Rose gab es wirklich, und man kann heute in Portsmouth noch Teile von ihr besichtigen. 1982 wurde sie aus dem Uferschlamm des Solent gehoben und seit 2013 gibt es ein neues Museum, im welchem sie zu sehen ist.

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40

07.11.2014

„Der schwierige Weg einer starken Frau”

Beate Sauer ist eine deutsche Autorin, die sich auf historische Themen spezialisiert hat. „Die Rache der Heilerin“ ist die Fortsetzung von „Am Hofe der Löwin“, die beide im Goldmann Taschenbuchverlag erschienen sind. Man kann allerdings beide Bücher für sich alleine lesen. Mir ist vor der Lektüre nicht bewusst gewesen, dass ich erst mit dem 2. Band begonnen habe.

Beate Sauer erzählt in „Die Rache der Heilerin“ die Geschichte der jungen Adela. Adela lebt glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Francis, einem Ritter, und ihrem Sohn Luce in der Normandie. Als Richard Löwenherz zusammen mit seinem Bruder einen Aufstand gegen ihren Vater Henry II. anzettelt, muss Francis auf ihrer Seite in den Krieg ziehen. Dort verliert er sein Leben, und Adela bleibt alleine zurück. Doch damit beginnt erst ihr Leiden, denn eine Familienfehde aus dem Buch „Am Hofe der Löwin“ bricht wieder aus. William de Thorigny will endlich Rache dafür, dass seine Familie damals das Anwesen Adelas Eltern abtreten musste. Er stöbert Adela auf und rächt sich auf brutalste Weise an ihr. Dann brennt er das Anwesen ab. Doch Adela und ihr Sohn überleben. Und so beginnt eine Flucht nach England, bei der Adela immer wieder um ihr Leben und das ihrer Liebsten fürchten muss. Doch es kommt der Tag der Rache.

Dieser Roman liest sich sehr spannend. Die Autorin erzählt nicht nur die Geschichte von Adela und Luce, sondern auch von ihrer Schwester Ann, die als Nonne in einem Kloster in der Normandie lebt. Eine weitere wichtige Rolle nimmt Simon de Bohun ein, der der beste Freund von Francis war und jetzt als adeliger Spielmann die Herzen der Frauen erobert. Er hat von Francis die Aufgabe bekommen, sich nach dessen Tod um Adela und Luce zu kümmern. Doch dafür muss er sie erst einmal finden. Und im Hintergrund versuchen Richard Löwenherz und seine Stiefschwester Matilda einige Fäden zu ziehen und Ränke zu schmieden.

Herausgekommen ist ein sehr spannender Roman, der in einer turbulenten Zeit spielt. Durch den häufigen Wechsel der unterschiedlichen Hauptpersonen bleibt die Spannung extra lange bestehen. Dies ist das richtige Lesefutter für Fans von den Romanen um „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz.

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50

07.11.2014

„Ein opulentes Fest für die Sinne”

Lawrence Norfolk ist ein britischer Autor, der bereits mit seinem ersten Roman „Lempière’s Wörterbuch“ 1992 einen riesigen Erfolg verbuchen konnte. Auch sein zweiter Roman „Ein Nashorn für den Papst“ konnte an diesen Erfolg anschließen. Allerdings sind beide Romane anscheinend auf Deutsch leider nicht mehr erhältlich. 2012 erschien ein neuer Roman, der vom Knaus Verlag wunderschön gestaltet herausgebracht wurde. Und jetzt gibt es das Buch auch als Taschenbuch, wobei mir die Gestaltung bei weitem nicht so gut gefällt.

Lawrence Norfolk erzählt in diesem Roman die Geschichte von John Saturnall, der eine fiktive Figur, die er im England des 17. Jahrhunderts angesiedelt hat, ist. Er ist der Sohn von Susan, einer Heilerin und Hebamme, die in einem kleinen Dorf im Tal von Buckland lebt. Allerdings sind sie und ihr Sohn in diesem Dorf Außenseiter. Als im Tal viele Kinder krank werden, eskaliert die Situation. Mutter und Sohn müssen in die umliegenden Wälder fliehen, denn der fundamentalistische Prediger Timothy Marpot verdächtigt Susan der Hexerei. Susan flieht mit John zu einer Ruine im Wald, die der legendären Bellicca, der Begründerin des Geschlechts der Saturnalls, gehört haben soll. Dort zeigt Susan ihrem Sohn ihren heiligsten Schatz – ein altes Buch, in dem die Sage von Saturnalls Fest“ niedergeschrieben wurde. „Saturnalls Fest“ wurde bereits im Paradies mit ausgefallenen Gerichten gefeiert. Alle Menschen kamen zusammen und schmausten. Die gesellschaftliche Rangordnung wurde aufgehoben. Und dieses Fest soll der Legende nach auch in der Ruine von Bellicca begangen worden sein. Doch der Sage nach wurden diese Feste mit dem Aufkommen des Christentums verboten, denn die Christen hielten es für Sünde. Doch im geheimen wurde das Wissen um dieses Fest immer weitergetragen. Susan ist dem kalten Winter im Wald nicht gewachsen und stirbt. John wird von einem alten Priester gerettet und durch einen Helfer ins Herrenhaus von Buckland gebracht. Dort wird er erst Küchenjunge und arbeitet sich durch sein großes Wissen schließlich zum Küchenchef hoch. Das Leben könnte für ihn schön sein, doch es geschehen einige Dinge, die sein Leben völlig auf den Kopf stellen. Zum einen verliebt er sich nicht standesgemäß und zum anderen wird der König abgesetzt und die ganze Küchenmannschaft muss mit dem Lord in den Krieg ziehen. Wird John den Krieg überleben und bekommt seine Liebe eine Chance?

Lawrence Norfolk hat einen unglaublich opulenten Roman geschrieben. Jedem Kapitel wird ein wunderbarer Druck und ein Kapitel „aus Das Buch des John Saturnall, welches verzeichnet die geheimsten Künste des berühmten Kochs, darunter vorzüglich die Rezepte für das Festmahl, welches seinen Ruf befestigt. Gedruckt im Jahre des Herrn sechzehnhunderteinundachtzig.“ vorangestellt, welches die ungeheuerlichsten Gerichte beschreibt. Die eigentliche Handlung ist ausgesprochen spannend und in einer brillanten Sprache geschrieben. Und der Autor versteht es, die grausame Zeit unter Cromwell und seinen Puritaner mit all seinen Schrecken wieder auferstehen zu lassen.

Es ist schon erstaunlich – selten finde ich literarisch anspruchsvolle historische Romane, doch dies ist einmal wieder so einer!

buch

Hannahs Briefe

Ronaldo Wrobel

EUR 9,99 *
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40

07.11.2014

„Max und Hannah – eine Liebesgeschichte?”

Dies vorab: Es ist ein ungewöhnliches Buch und ganz anders als ich es mir an Hand des Klappentextes und des Covers vorgestellt hatte. Denn es ist beim besten Willen keine klassische Liebesgeschichte!

Ronaldo Wrobel ist ein brasilianischer Jude, der als Schriftsteller, Journalist und Rechtsanwalt in Rio de Janeiro lebt. Sein erster Roman wurde vom brasilianischen Kulturministerium, die Übersetzung vom Deutschen Übersetzerfond gefördert. Er erzählt darin einen Teil der jüdischen Geschichte, nämlich den der jüdischen Auswanderen aus dem Osten Europas nach Brasilien.

Seine Hauptperson ist Max. Max ist ein jüdischer Schuster, Mitte Dreißig und lebt in Rio de Janeiro. Er lebt ganz unauffällig und allein. Manchmal geht er zu Prostituierten, aber nicht zu den jüdischen, den sogenannten Polacas. Das passt nämlich nicht in sein Weltbild. Eines Tages wird er auf die Polizeistation gebeten, wo man ihn zwangsverpflichtet, dass er Briefe aus dem jiddischen ins portugiesische übersetzt. Und bei dieser Tätigkeit entdeckt er Hannah, die einen regelmäßigen Briefverkehr mit ihrer Schwester Guita in Buenos Aires unterhält. Hannahs Briefe sind so wunderbar, teilweise lebensklug, teilweise poetisch, so dass er sich nur auf Grund dieser Briefe in sie verliebt. Er hat keine Adresse von ihr, und doch versucht er sie ausfindig zu machen. Und eines Tages steht sie in seinem Laden, und er erkennt sie an Hand ihrer Handschrift. Doch wer ist Hannah wirklich? Erst nach und nach entdeckt er die Wahrheit über Hannah. Und immer, wenn er denkt, er weiß jetzt wirklich alles über sie, erfährt er wieder etwas Neues. Und so jagt er eigentlich ein Phantom.

Das Buch hat mich mehrfach überrascht. Der Autor versteht es fesselnd zu erzählen. Aber er ist auch ein typischer lateinamerikanischer Autor und erzählt seine Geschichte nicht stringent durch, sondern schweift immer mal wieder ab. Und so kommt man der eigentlichen Geschichte nur sehr langsam näher, erfährt aber viel über das jüdische Leben in Polen und Russland Anfang des 20. Jahrhunderts als auch über das jüdische Leben in Brasilien in den dreißiger Jahren. Kennen Sie die Verbrecherorganisation Zwi Migdal? Wenn nicht, werden Sie sie in diesem Roman kennenlernen. Und gerade wo ich dachte, jetzt kommt das große Finale mit der Auflösung, wechselt der Autor plötzlich die Erzählperspektive.

Ein spannendes Buch über einen mir völlig unbekannten Aspekt in der jüngeren jüdischen Geschichte. Es ist teilweise eine Liebesgeschichte und doch auch wieder ein Spionage-Roman. Sehr ungewöhnlich und sehr lesenswert.

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40

07.11.2014

„Der schwierige Weg einer starken Frau”

Beate Sauer ist eine deutsche Autorin, die sich auf historische Themen spezialisiert hat. „Die Rache der Heilerin“ ist die Fortsetzung von „Am Hofe der Löwin“, die beide im Goldmann Taschenbuchverlag erschienen sind. Man kann allerdings beide Bücher für sich alleine lesen. Mir ist vor der Lektüre nicht bewusst gewesen, dass ich erst mit dem 2. Band begonnen habe.

Beate Sauer erzählt in „Die Rache der Heilerin“ die Geschichte der jungen Adela. Adela lebt glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Francis, einem Ritter, und ihrem Sohn Luce in der Normandie. Als Richard Löwenherz zusammen mit seinem Bruder einen Aufstand gegen ihren Vater Henry II. anzettelt, muss Francis auf ihrer Seite in den Krieg ziehen. Dort verliert er sein Leben, und Adela bleibt alleine zurück. Doch damit beginnt erst ihr Leiden, denn eine Familienfehde aus dem Buch „Am Hofe der Löwin“ bricht wieder aus. William de Thorigny will endlich Rache dafür, dass seine Familie damals das Anwesen Adelas Eltern abtreten musste. Er stöbert Adela auf und rächt sich auf brutalste Weise an ihr. Dann brennt er das Anwesen ab. Doch Adela und ihr Sohn überleben. Und so beginnt eine Flucht nach England, bei der Adela immer wieder um ihr Leben und das ihrer Liebsten fürchten muss. Doch es kommt der Tag der Rache.

Dieser Roman liest sich sehr spannend. Die Autorin erzählt nicht nur die Geschichte von Adela und Luce, sondern auch von ihrer Schwester Ann, die als Nonne in einem Kloster in der Normandie lebt. Eine weitere wichtige Rolle nimmt Simon de Bohun ein, der der beste Freund von Francis war und jetzt als adeliger Spielmann die Herzen der Frauen erobert. Er hat von Francis die Aufgabe bekommen, sich nach dessen Tod um Adela und Luce zu kümmern. Doch dafür muss er sie erst einmal finden. Und im Hintergrund versuchen Richard Löwenherz und seine Stiefschwester Matilda einige Fäden zu ziehen und Ränke zu schmieden.

Herausgekommen ist ein sehr spannender Roman, der in einer turbulenten Zeit spielt. Durch den häufigen Wechsel der unterschiedlichen Hauptpersonen bleibt die Spannung extra lange bestehen. Dies ist das richtige Lesefutter für Fans von den Romanen um „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz.

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50

07.11.2014

„Ein opulentes Fest für die Sinne”

Lawrence Norfolk ist ein britischer Autor, der bereits mit seinem ersten Roman „Lempière’s Wörterbuch“ 1992 einen riesigen Erfolg verbuchen konnte. Auch sein zweiter Roman „Ein Nashorn für den Papst“ konnte an diesen Erfolg anschließen. Allerdings sind beide Romane anscheinend auf Deutsch leider nicht mehr erhältlich. 2012 erschien ein neuer Roman, der vom Knaus Verlag wunderschön gestaltet herausgebracht wurde. Und jetzt gibt es das Buch auch als Taschenbuch, wobei mir die Gestaltung bei weitem nicht so gut gefällt.

Lawrence Norfolk erzählt in diesem Roman die Geschichte von John Saturnall, der eine fiktive Figur, die er im England des 17. Jahrhunderts angesiedelt hat, ist. Er ist der Sohn von Susan, einer Heilerin und Hebamme, die in einem kleinen Dorf im Tal von Buckland lebt. Allerdings sind sie und ihr Sohn in diesem Dorf Außenseiter. Als im Tal viele Kinder krank werden, eskaliert die Situation. Mutter und Sohn müssen in die umliegenden Wälder fliehen, denn der fundamentalistische Prediger Timothy Marpot verdächtigt Susan der Hexerei. Susan flieht mit John zu einer Ruine im Wald, die der legendären Bellicca, der Begründerin des Geschlechts der Saturnalls, gehört haben soll. Dort zeigt Susan ihrem Sohn ihren heiligsten Schatz – ein altes Buch, in dem die Sage von Saturnalls Fest“ niedergeschrieben wurde. „Saturnalls Fest“ wurde bereits im Paradies mit ausgefallenen Gerichten gefeiert. Alle Menschen kamen zusammen und schmausten. Die gesellschaftliche Rangordnung wurde aufgehoben. Und dieses Fest soll der Legende nach auch in der Ruine von Bellicca begangen worden sein. Doch der Sage nach wurden diese Feste mit dem Aufkommen des Christentums verboten, denn die Christen hielten es für Sünde. Doch im geheimen wurde das Wissen um dieses Fest immer weitergetragen. Susan ist dem kalten Winter im Wald nicht gewachsen und stirbt. John wird von einem alten Priester gerettet und durch einen Helfer ins Herrenhaus von Buckland gebracht. Dort wird er erst Küchenjunge und arbeitet sich durch sein großes Wissen schließlich zum Küchenchef hoch. Das Leben könnte für ihn schön sein, doch es geschehen einige Dinge, die sein Leben völlig auf den Kopf stellen. Zum einen verliebt er sich nicht standesgemäß und zum anderen wird der König abgesetzt und die ganze Küchenmannschaft muss mit dem Lord in den Krieg ziehen. Wird John den Krieg überleben und bekommt seine Liebe eine Chance?

Lawrence Norfolk hat einen unglaublich opulenten Roman geschrieben. Jedem Kapitel wird ein wunderbarer Druck und ein Kapitel „aus Das Buch des John Saturnall, welches verzeichnet die geheimsten Künste des berühmten Kochs, darunter vorzüglich die Rezepte für das Festmahl, welches seinen Ruf befestigt. Gedruckt im Jahre des Herrn sechzehnhunderteinundachtzig.“ vorangestellt, welches die ungeheuerlichsten Gerichte beschreibt. Die eigentliche Handlung ist ausgesprochen spannend und in einer brillanten Sprache geschrieben. Und der Autor versteht es, die grausame Zeit unter Cromwell und seinen Puritaner mit all seinen Schrecken wieder auferstehen zu lassen.

Es ist schon erstaunlich – selten finde ich literarisch anspruchsvolle historische Romane, doch dies ist einmal wieder so einer!

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50

31.10.2014

„Annäherung an die Mutter”

Ich liebe die Bücher von Delphine de Vigan! Sie ist eine Autorin, die es immer wieder schafft, dem Leser schwierige Themen sehr intensiv fühlbar nahezubringen. Ihre ersten beiden Romane sind auf Deutsch bisher leider nicht erhältlich. Aber bereits ihr erstes deutsches Buch ist mir unter die Haut gegangen. In „No & ich“ packt sie die Thema Obdachlosigkeit junger Frauen und Drogensucht an. Im nächsten Buch „Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin“ beschreibt sie eine Frau, die von ihrem Chef gemobbt wird. Beide Bücher habe ich Ihnen bereits an dieser Stelle vorgestellt.

In ihrem neuen Buch „Das Lächeln meiner Mutter“ beschäftigt sie sich mit der Geschichte ihrer Mutter Lucile, die mit 61 Jahren den Freitod gewählt hat. Ursprünglich war es wohl der Wunsch eine Hommage an Lucile zu schreiben. Doch dies stellt sich als schwierig heraus. Wie soll man dieser Familie in all ihren Facetten gerecht werden? „Was beim Lesen lebendig werden sollte, war das besonders Freudige an meiner Familie, diese lärmende, überschäumende Vitalität, diese energische Art, das Tragische zu bekämpfen.“

Es ist eine ungewöhnliche Familie. Lucile ist die drittälteste von insgesamt 8 Geschwistern. Ihre Eltern sind Liane und Georges. Georges, der Vater versucht als Journalist und Besitzer einer kleinen Werbeagentur für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Die Mutter wollte schon immer eine große Familie. Für sie gibt es nichts Schönes als kleine Babys. Nichtdestotrotz ist sie aber keine begnadete Hausfrau und gibt schon früh einen Teil der Verantwortung an ihre älteren Kinder ab. Die Familie scheint einerseits sehr fröhlich und lebhaft zu sein, andererseits sind fast alle Kinder lange Bettnässer gewesen.

Lucile ist anders als ihre Geschwister. Die anderen sind sportlich und laut, sie zieht sich gerne in sich zurück und liest viel. Da in einer so großen Familie der Einzelne leicht untergeht, heiratet Lucile früh und bekommt zwei Töchter. Die Ehe scheitert und langsam kommt zu Tage, dass Lucile psychisch krank ist. Sie ist bipolar(früher manisch-depressiv). Es beginnt eine sehr wechselvolle, schwierige Zeit für sie und ihre Töchter. Doch sie schafft es mit Hilfe von Medikamenten ins wirkliche Leben zurückzufinden.

Die Autorin lässt uns teilhaben an dem Schaffungsprozess zu diesem Buch. Herausgekommen sind eine Mischung aus dem Schaffensprozess und die eigentliche Geschichte. Es ist ein sehr persönliches und intensives Buch. Und es ist eine Hommage an ihre Mutter, auch wenn diese anders geraten ist, als es sich die Autorin wahrscheinlich ursprünglich gewünscht hatte. Außerdem ist ein Buch, das Mut macht.

Wie ordnet man so ein Buch ein? Es ist kein Roman, ist es eine Biografie? Auf jeden Fall ist es eine extrem berührende Mutter-Tochter-Geschichte! Und in diesem Fall sogar eine extrem schwierige Mutter-Tochter-Beziehungsgeschichte. Mich hat sie innehalten und noch einmal über meine Beziehung zu meiner Mutter nachdenken lassen.

Ein Buch für jede Frau, denn wir sind auf jeden Fall alle Töchter, und viele von uns auch Mütter von Töchtern.

buch

Stoner

John Williams

EUR 19,90 *
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50

24.10.2014

„Was für ein Leben”

Vielen von Ihnen ist dieses Buch wahrscheinlich schon bekannt, denn es ist ja schon lange ein Bestseller. Ich persönlich hatte mich bisher immer von dem sehr düsteren Cover abschrecken lassen. Doch nachdem ich nun schon von einigen guten Freundinnen gehört habe, dass es so ein fantastisches Buch sein soll, habe ich es endlich auch gelesen. Und ich muss zugeben, sie hatten eindeutig Recht – was für ein großartiges Buch! Sehr überrascht hat mich, als ich am Ende des Buchs gelesen habe, dass „Stoner“ ursprünglich bereits 1965 veröffentlich und erst 2006 wiederentdeckt wurde. Danach habe ich dann auch verstanden, warum mir dieses Buch vorkam wie ein Buch aus einer anderen Zeit.

Doch nun ein wenig zum Inhalt des Buchs. Es wird die Geschichte von William Stoner erzählt. Geboren wurde er 1891 als Sohn eines Farmers im tiefsten Missouri. Durch einen zufälligen Hinweis, dass es ein neuartiges Institut an der Universität in Columbia geben sollte, bei dem man Landwirtschaft studieren kann, wird Stoner von seinen Eltern dorthin geschickt. Seinen Lebensunterhalt muss er sich selbst bei einem Vetter seiner Mutter verdienen. Doch es kommt ganz anders als von der Familie geplant. Stoner besucht einen Pflichtkurs zum Thema Einführung in die englische Literatur. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten hat ihn dieses Thema dermaßen fasziniert, dass er beschließt fortan auf englische Literatur umzusatteln. Und so bleibt er bis zu seinem Tod 1956 an dieser Universität. Er verliebt sich und heiratet. Er bekommt eine Tochter. Er unterrichtet leidenschaftlich gern und hat auch einen guten Ruf bei seinen Studenten. Doch obwohl er eigentlich ein unauffälliger Mensch ist, schafft er es einen Kollegen gegen sich aufzubringen. Und dieser versucht sein Leben zu zerstören.

Es ist ein wunderbares Buch, welches sich sehr schwer beschreiben lässt. Es wird das Leben eines Menschen erzählt, der eigentlich einen unglaublichen gesellschaftlichen Sprung geschafft hat, doch aber irgendwie nie angekommen ist. Es ist ein Leben, bei dem ich überlegt habe, ob es ein glückliches oder ein unglückliches Leben ist. Was ist wichtiger und erfüllender? Eine glückliche Beziehung oder ein Beruf, der einen ausfüllt?

Stilistisch und vom Thema erinnert mich dieses Buch sehr an die Bücher des ebenfalls spät wiederentdeckten Autors Richard Yates. Ich kann es Ihnen nur wärmstens empfehlen. Lassen Sie sich nicht von dem Cover abschrecken. Es ist ein tolles Buch, welches einfach verdient, dass es möglichst viele Menschen lesen.

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40

24.10.2014

„Eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft”

„Winterfeldstraße, 2. Stock“ ist ein Debüt und doch kein Debüt. Johanna Friedrich ist nämlich ein Pseudonym einer bekannten deutschen Autorin, die dieses Mal bei einem anderen Verlag veröffentlicht hat.

Johanna Friedrich erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft in einer schwierigen Zeit. Charlotte Berglas ist eine junge Frau, die glücklich verheiratet war bis zu dem Tag, an dem ihr Mann tot aus dem Landwehrkanal gezogen wurde. Alle gehen davon aus, dass es entweder ein Unfall oder Selbstmord war, nur Charlotte selbst nicht. Die Geschichte beginnt Anfang der zwanziger Jahre. Charlotte und ihrem Mann gehört eine Wohnung in der Winterfeldstraße in Berlin. Zum Zeitpunkt des Todes ihres Manns ist Charlotte gerade im fünften Monat schwanger. Geld hat sie keins mehr, denn ihr Mann war als Porträtfotograf schon längere Zeit ohne Arbeit. Inzwischen hat sie auch nichts mehr in der Wohnung, was sich noch versetzten ließe. Dazu kommt noch das Problem, dass ihr jüngerer Bruder Gustav immer wieder in Schwierigkeiten gerät. Allerdings kommt er, wenn auch nicht ganz uneigennützig, auf die geniale Idee, dass sie Zimmer untervermieten sollte. Ihre ersten Bewohner sind Gustav und sein bester Freund, der der Lange genannt wird. Es folgt Theo von Baumberg, ein etwas undurchsichtiger junger Adeliger. Und per Zufall lernt Charlotte noch Claire, eine lesbische Bardame, die schon in den Fünfzigern ist, kennen. Damit ist die Wohngemeinschaft dann komplett. Und so verfolgen wir Leser das Leben dieser 5 Menschen bzw. 6 Menschen bis es zu einem großen Knall kommt.

Die Autorin schafft es, diese schwierige Zeit in einem unterhaltsamen Roman wieder auferstehen zu lassen. Wir erfahren, wie schwierig die Situation nach dem 1. Weltkrieg für alle Menschen war und wie unterschiedlich sie damit umgegangen sind. Es gibt in diesem Roman Kleinkriminelle, Kommunisten und Nazis und sogar einen Eintänzer. Die Geschichte ist ausgesprochen spannend erzählt und wird zum Ende sogar fast zum Krimi. Und die Liebe kommt natürlich auch nicht zu kurz.

Eine wunderbare Lektüre für die Leserinnen, die das Buch „Als wir unsterblich waren“ von Charlotte Roth ebenso geliebt haben wie ich.

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40

24.10.2014

„Eine Frau und drei Männer”

Die Meisten von Ihnen kennen Bernhard Schlink wahrscheinlich durch seinen Erfolgsroman „Der Vorleser“. Und seitdem ist er immer ein Garant für sehr gut geschriebene Bücher gewesen. Also war ich sehr neugierig, wie sein neuester Roman wohl sein würde.

Diesmal erzählt er die Geschichte von drei Männern, die Ende der sechziger Jahre alle in die gleiche Frau verliebt waren. Jetzt treffen sie wieder aufeinander und haben einiges aufzuarbeiten. Und dann gibt es da noch das Bild, welches titelgebend für das Buch war. Doch jetzt der Reihe nach. Der Ich-Erzähler ist ein erfolgreicher Anwalt, der gerade geschäftlich in Sydney weilt. Als er eine Art Gallery aufsucht, entdeckt er das Bild „Die Frau auf der Treppe“, welches lange als verschollen galt. Und er erinnert sich zurück an die Zeit, in der er das Bild zum ersten Mal gesehen hat. Als junger Anwalt musste er nämlich einen Konflikt zwischen dem Maler Karl Schwind und dem Käufer Gundlach schlichten. Der Grund für diesen Konflikt war Irene Gundlach, die Ehefrau, die ihren Mann allerdings für den Maler verlassen hat. Und dann verschwindet sie eines Tages spurlos mit dem Bild. Über einen Privatdetektiv findet der Anwalt in Sydney heraus, wo Irene Gundlach jetzt wohnt und macht sich auf den Weg zu ihr. Doch auf diese Idee kam er nicht alleine, und somit treffen alle vier Protagonisten von damals wieder zusammen und versuchen ihre Konflikte von damals endgültig zu klären.

Man merkt diesem Buch an, dass Bernhard Schlink Anwalt ist, denn es geht u.a. darum, wer welche Rechte an einem Bild hat. Und sein anderes Lieblingsthema ist die politische Situation in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Beide Themen werden in dem Buch gestreift, hätten nach meinem Empfinden aber durchaus einen größeren Platz einnehmen dürfen. Gerade das Leben der Irene Gundlach hätte mich persönlich eigentlich am meisten interessiert. Denn es ist ein sehr interessantes Leben, welches auch ein Stück innerdeutscher Geschichte behandelt, welches noch nicht wirklich aufgearbeitet wurde. Doch das ist nicht der Schwerpunkt dieses Buches, sondern die Interaktion der einzelnen Protagonisten zueinander. Herausgekommen ist ein Kammerstück, welches ich mir sehr gut auf einer Theaterbühne vorstellen kann.

Bernhard Schlink kann einfach sprachlich und stilistisch unwahrscheinlich gut schreiben. Allerdings hat mich dieses Mal der Plot etwas enttäuscht, so dass ich dem Buch deshalb nur 4 von 5 Sternen geben konnte.

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