Neukunde?

Hier starten

Erweiterte Suche
Name:
Wird nicht angezeigt Top 10 Rezensent
Rezensionen:
1306 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 142

nicht hilfreich: 7

Rang:
9

Rezensionen

123
auf Merkliste

40

26.02.2015

„Einfach machen!”

Manche von Ihnen kennen Antje Szillat wahrscheinlich aus der Kinder- und Jugendbuchabteilung, wo sie mit ihren Reihen um „Super Jumper“ und Rick sowie diversen Einzeltiteln viele Kinderherzen erobert hat. Jetzt hat die gelernte Journalistin und Mutter von vier Kindern auch einen Roman für die Frauen geschrieben.

Und dieser Roman ist so ein richtig schöner, lustiger Wohlfühl-Roman für Mütter und Frauen, die gerne über Mütter und ihre „Probleme“ lesen mögen. Die Hauptperson, die so gar nichts mit der Autorin zu tun hat, ist Clara Obermueller, die mit ihrem Ehemann Paul, einem Ingenieur, der andauernd auf Reisen ist, zwei entzückende Töchter im Kindergartenalter hat. Sie arbeitet stundenweise in der Jeans-Boutique ihrer Freundin Julia. Und eigentlich ist sie mit ihrem Leben ganz zufrieden. Doch dann stürmt plötzlich ganz viel auf sie ein, und sie muss überlegen, in welche Richtung sich ihr bisher wohlgehütetes Leben weiterentwickeln soll. Doch das ist natürlich nicht so einfach, denn ihre beiden Mädchen Lillie und Luzie bekommen jede Menge Ärger im Kindergarten und Clara mit der tollen Vorzeigemama Gesina, der Hund Maya gehorcht nicht so, wie er soll und dann taucht auch noch die ungeliebte, weil herrische Schwiegermutter Henrietta auf. Und das zu der Zeit, wo in Clara gerade ein Plan heranreift.

Herausgekommen ist ein ausgesprochen humorvoller Roman über eine patente Mutter, die ihr Glück in die eigenen Hände nimmt. Sie trotzt einigen Irrungen und Wirrungen, doch am Ende geht sie trotz ihrer Zweifel als Siegerin hervor. Und so hat sogar ein Unterhaltungsroman eine kleine Moral. Wenn man sich selbst vertraut und bei Problemen nicht gleich aufgibt, dann gibt es immer einen Weg, sein Glück zu finden. Und für sein Glück ist man selbst verantwortlich. Und um dies noch einmal zu verdeutlichen, sind jedem Kapitel Zitate zum Thema Glück von bekannten und unbekannten Autoren vorangestellt. Am Ende des Buches gibt es außerdem noch einige Tipps, um dem persönlichen Wohlbefinden auf die Sprünge zu helfen. Was dies aber für Tipps sind, verrate ich ihnen an dieser Stelle nicht. Lassen Sie sich überraschen!

Für Leserinnen von Kerstin Gier.

auf Merkliste

40

26.02.2015

„Der Kuchen zum Glück”

Sylvia Lott ist eine Journalistin, die u.a. für Reisemagazine schreibt. Daher kommt es wahrscheinlich, dass ihre Bücher gerne immer auch z.T. in fremden Ländern spielen. In ihrem ersten Roman „Die Rose von Darjeeling“ ist es Indien. Der aktuelle spielt in weiten Teilen in New York. Und im August erscheint ihr neuer Roman „ Die Lilie von Bela Vista“, der uns nach Brasilien entführt.

Sylvia Lott ist aber auch eine gebürtige Ostfriesin, und genau dort startet die eigentliche Geschichte des Romans „Die Glücksbäckerin von Long Island“. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. In 2003 feiert die gebürtige Ostfriesin Marie in den USA ihren 90. Geburtstag. Zu diesem Anlass würde sie gerne noch einmal ihren jüngeren Bruder Jonny sehen. Und Jonny, ebenfalls schon in den Achtzigern, reist tatsächlich zusammen mit seiner Enkelin Rona nach Long Island. Und so haben wir schon die beiden weiblichen Hauptpersonen – Marie und Rona. Rona, selbst gerade in einer schwierigen Umbruchphase, lernt ihre Großtante richtig kennen und erfährt ihre Lebensgeschichte. Und diese Lebensgeschichte hilft ihr auf ganz unerwartete Weise weiter, so dass sie endlich weiß, wie es in ihrem Leben weitergehen soll.

Der zweite Handlungsstrang erzählt genau die Lebensgeschichte von Marie in der Zeit von 1932 bis 1936. 1932 lebt Marie noch mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Brüder in Ostfriesland. Sie arbeitet als Hilfslehrerin in der Dorfschule, wo sie sich in den Junglehrer Rudolf Meiners verliebt. Doch leider ist ihr Vater gegen die Hochzeit. Und da die Zeiten damals noch ganz anders waren, gehorcht Marie ihrem Vater, wenn auch total widerwillig, und lässt sich von ihm in die USA zu ihren beiden Brüdern Willie und Fritz schicken, die dort in New York eine Kaffeeklappe betreiben. Und dort beginnt ihr neues Leben. Sie verändert sich und wird immer mehr eine junge, selbstbewusste Amerikanerin. Doch sie bleibt ihrem Rudolf treu. Sie schreiben sich Liebesbriefe und warten auf den Zeitpunkt, wo Rudolf endlich eine Stelle als Schulleiter gefunden hat, damit er sie heimholen und für sie sorgen kann. Derweil bringt Marie ihren Brüdern Glück. Denn sie hat von ihrer Tante Frieda ein geheimes Käsekuchenrezept mit in die USA gebracht. Dieser Käsekuchen schlägt ein wie eine Bombe, und durch Flüsterpropaganda wird er in ganz New York bekannt. Doch das Rezept ruft auch Neider auf den Plan. Wie wird die Liebesgeschichte von Marie ausgehen? Und wie wird sich das Leben von Rona entwickeln?

„Die Glücksbäckerin von Long Island“ ist ein wunderbarer Wohlfühlroman, der uns in ein Amerika des Umbruchs entführt. Am Anfang gibt es noch die Prohibition, vielen Menschen sind extrem arm nach dem schwarzen Freitag von 1929. Doch dann geht es langsam wieder aufwärts, und das merken auch die drei Geschwister in ihrer Kaffeeklappe. Es kommen ganz andere Kunden. Und auch in Deutschland verändert sich einiges, was Marie über die Briefe von ihrem Rudolf erfährt. Doch die Deutsche Geschichte dieser Zeit wird nur am Rande erwähnt. Und all dies erzählt Sylvia Lott in einem sehr flüssigen Stil, so dass man einfach in dieses Buch hineingesogen wird. Dazwischen gibt es immer wieder Kapitel, die uns in die Gegenwart zurückholen. Und umso weiter man das Buch gelesen hat, umso mehr verschiebt sich die Geschichte in die Gegenwart, denn in Rona reift ein Plan heran. Und so wird die urspüngliche Rahmenhandlung immer mehr zu einer eigenständigen Geschichte. Mir hat dieses Buch sehr viel Spaß gemacht.

Warnung: Nach diesem Buch werden sie einen unglaublichen Appetit auf Cheese Cake New York Style haben und vielleicht auch einen Urlaub in Ostfriesland in Erwägung ziehen! ;-)

auf Merkliste

40

26.02.2015

„Einfach machen!”

Manche von Ihnen kennen Antje Szillat wahrscheinlich aus der Kinder- und Jugendbuchabteilung, wo sie mit ihren Reihen um „Super Jumper“ und Rick sowie diversen Einzeltiteln viele Kinderherzen erobert hat. Jetzt hat die gelernte Journalistin und Mutter von vier Kindern auch einen Roman für die Frauen geschrieben.

Und dieser Roman ist so ein richtig schöner, lustiger Wohlfühl-Roman für Mütter und Frauen, die gerne über Mütter und ihre „Probleme“ lesen mögen. Die Hauptperson, die so gar nichts mit der Autorin zu tun hat, ist Clara Obermueller, die mit ihrem Ehemann Paul, einem Ingenieur, der andauernd auf Reisen ist, zwei entzückende Töchter im Kindergartenalter hat. Sie arbeitet stundenweise in der Jeans-Boutique ihrer Freundin Julia. Und eigentlich ist sie mit ihrem Leben ganz zufrieden. Doch dann stürmt plötzlich ganz viel auf sie ein, und sie muss überlegen, in welche Richtung sich ihr bisher wohlgehütetes Leben weiterentwickeln soll. Doch das ist natürlich nicht so einfach, denn ihre beiden Mädchen Lillie und Luzie bekommen jede Menge Ärger im Kindergarten und Clara mit der tollen Vorzeigemama Gesina, der Hund Maya gehorcht nicht so, wie er soll und dann taucht auch noch die ungeliebte, weil herrische Schwiegermutter Henrietta auf. Und das zu der Zeit, wo in Clara gerade ein Plan heranreift.

Herausgekommen ist ein ausgesprochen humorvoller Roman über eine patente Mutter, die ihr Glück in die eigenen Hände nimmt. Sie trotzt einigen Irrungen und Wirrungen, doch am Ende geht sie trotz ihrer Zweifel als Siegerin hervor. Und so hat sogar ein Unterhaltungsroman eine kleine Moral. Wenn man sich selbst vertraut und bei Problemen nicht gleich aufgibt, dann gibt es immer einen Weg, sein Glück zu finden. Und für sein Glück ist man selbst verantwortlich. Und um dies noch einmal zu verdeutlichen, sind jedem Kapitel Zitate zum Thema Glück von bekannten und unbekannten Autoren vorangestellt. Am Ende des Buches gibt es außerdem noch einige Tipps, um dem persönlichen Wohlbefinden auf die Sprünge zu helfen. Was dies aber für Tipps sind, verrate ich ihnen an dieser Stelle nicht. Lassen Sie sich überraschen!

Für Leserinnen von Kerstin Gier.

auf Merkliste

40

25.02.2015

„Der Kuchen zum Glück”

Sylvia Lott ist eine Journalistin, die u.a. für Reisemagazine schreibt. Daher kommt es wahrscheinlich, dass ihre Bücher gerne immer auch z.T. in fremden Ländern spielen. In ihrem ersten Roman „Die Rose von Darjeeling“ ist es Indien. Der aktuelle spielt in weiten Teilen in New York. Und im August erscheint ihr neuer Roman „ Die Lilie von Bela Vista“, der uns nach Brasilien entführt.

Sylvia Lott ist aber auch eine gebürtige Ostfriesin, und genau dort startet die eigentliche Geschichte des Romans „Die Glücksbäckerin von Long Island“. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. In 2003 feiert die gebürtige Ostfriesin Marie in den USA ihren 90. Geburtstag. Zu diesem Anlass würde sie gerne noch einmal ihren jüngeren Bruder Jonny sehen. Und Jonny, ebenfalls schon in den Achtzigern, reist tatsächlich zusammen mit seiner Enkelin Rona nach Long Island. Und so haben wir schon die beiden weiblichen Hauptpersonen – Marie und Rona. Rona, selbst gerade in einer schwierigen Umbruchphase, lernt ihre Großtante richtig kennen und erfährt ihre Lebensgeschichte. Und diese Lebensgeschichte hilft ihr auf ganz unerwartete Weise weiter, so dass sie endlich weiß, wie es in ihrem Leben weitergehen soll.

Der zweite Handlungsstrang erzählt genau die Lebensgeschichte von Marie in der Zeit von 1932 bis 1936. 1932 lebt Marie noch mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Brüder in Ostfriesland. Sie arbeitet als Hilfslehrerin in der Dorfschule, wo sie sich in den Junglehrer Rudolf Meiners verliebt. Doch leider ist ihr Vater gegen die Hochzeit. Und da die Zeiten damals noch ganz anders waren, gehorcht Marie ihrem Vater, wenn auch total widerwillig, und lässt sich von ihm in die USA zu ihren beiden Brüdern Willie und Fritz schicken, die dort in New York eine Kaffeeklappe betreiben. Und dort beginnt ihr neues Leben. Sie verändert sich und wird immer mehr eine junge, selbstbewusste Amerikanerin. Doch sie bleibt ihrem Rudolf treu. Sie schreiben sich Liebesbriefe und warten auf den Zeitpunkt, wo Rudolf endlich eine Stelle als Schulleiter gefunden hat, damit er sie heimholen und für sie sorgen kann. Derweil bringt Marie ihren Brüdern Glück. Denn sie hat von ihrer Tante Frieda ein geheimes Käsekuchenrezept mit in die USA gebracht. Dieser Käsekuchen schlägt ein wie eine Bombe, und durch Flüsterpropaganda wird er in ganz New York bekannt. Doch das Rezept ruft auch Neider auf den Plan. Wie wird die Liebesgeschichte von Marie ausgehen? Und wie wird sich das Leben von Rona entwickeln?

„Die Glücksbäckerin von Long Island“ ist ein wunderbarer Wohlfühlroman, der uns in ein Amerika des Umbruchs entführt. Am Anfang gibt es noch die Prohibition, vielen Menschen sind extrem arm nach dem schwarzen Freitag von 1929. Doch dann geht es langsam wieder aufwärts, und das merken auch die drei Geschwister in ihrer Kaffeeklappe. Es kommen ganz andere Kunden. Und auch in Deutschland verändert sich einiges, was Marie über die Briefe von ihrem Rudolf erfährt. Doch die Deutsche Geschichte dieser Zeit wird nur am Rande erwähnt. Und all dies erzählt Sylvia Lott in einem sehr flüssigen Stil, so dass man einfach in dieses Buch hineingesogen wird. Dazwischen gibt es immer wieder Kapitel, die uns in die Gegenwart zurückholen. Und umso weiter man das Buch gelesen hat, umso mehr verschiebt sich die Geschichte in die Gegenwart, denn in Rona reift ein Plan heran. Und so wird die urspüngliche Rahmenhandlung immer mehr zu einer eigenständigen Geschichte. Mir hat dieses Buch sehr viel Spaß gemacht.

Warnung: Nach diesem Buch werden sie einen unglaublichen Appetit auf Cheese Cake New York Style haben und vielleicht auch einen Urlaub in Ostfriesland in Erwägung ziehen! ;-)

buch

Altes Land

Dörte Hansen

EUR 19,99 *
auf Merkliste

50

21.02.2015

„Zwei Frauen, zwei Schicksale und ein Bauernhof”

Dörte Hansen ist eine Linguistin und Journalistin aus Husum/Schleswig-Holstein, die jetzt ihren ersten Roman veröffentlicht hat.

Sie erzählt darin die Geschichte von zwei Frauen. Die eine Frau ist Vera, die 1945 als fünfjähriges Mädchen mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke aus Ostpreußen geflohen ist. Sie fanden eine Unterkunft auf einem Bauernhof im Alten Land bei Hamburg bei Ida Eckhoff und ihrem Sohn Karl. Karl kam aus dem Krieg mit einem steifen Bein zurück. Und auch psychisch haben die Kriegserlebnisse in Russland ihren Tribut gezollt. Die beiden Frauen Ida und Hildegard kommen nicht miteinander zurecht. Aber Hildegard von Kamcke lässt sich nicht unterkriegen und angelt sich Karl Eckhoff. Doch die Ehe hält nicht. Hildegard findet einen Mann, der besser zu ihr und ihrem Stand passt. Sie bekommt noch eine zweite Tochter, Marlene. Vera bleibt mit Karl auf dem Hof zurück. Sie wird Zahnärztin und gilt als sehr verschroben. Der alte Hof verkommt immer mehr.

Die zweite Frau ist Anna, die Tochter von Veras Halbschwester Marlene. Anna hat einen kleinen vierjährigen Sohn Leon, arbeitet als Erzieherin bei Musimaus, wo kleine Kinder eine musikalische Früherziehung bekommen. Sie ist mit dem Autor Christoph liiert. Als sie jedoch Christoph mit einer anderen Frau in Flagranti erwischt, wirft sie alles hin und zieht zu ihrer Tante ins Alte Land. Der Deal zwischen den beiden Frauen ist, dass Anna das sehr verwahrloste Bauernhaus auf Vordermann bringt und dafür mietfrei bei ihrer Tante wohnen darf.

Und so erzählt Dörte Hansen die Geschichte der beiden Frauen. Es gibt immer wieder Rückblicke in die Kindheit und Jugend von Anna, sowie auf die Erfahrungen, die das Kind Vera auf der Flucht erlebt hat, und die sie nie wirklich vergessen konnte. Beide Frauen sind Frauen, die ihr Leben erkämpfen müssen. Doch als sie im Alten Land zusammenleben, entdecken beide Frauen mehr Gemeinsamkeiten, als sie gedacht hätten. Und sie finden in der jeweilig anderen eine Stütze, die ihnen selber hilft.

Es gibt einige wunderbare Nebenpersonen, die dem ganzen Roman etwas die Schwere und Traurigkeit nehmen. Da ist z.B. der direkte Nachbar von Vera, Heinrich Lührs, der zwar drei Söhne hat, von denen aber niemand seinen Hof übernehmen möchte. Dann ist da Dirk vom Felde, der ein studierter Landwirt ist und dieses ganze Biogedöns nicht verstehen kann. Und herrlich sind Burghard Weißwerth und seine Frau, die aufs Land geflüchtet sind, um dort in Ruhe neu anzufangen.

Die Sprache von Dörte Hansen ist wunderbar knapp, kommt schnell auf den Punkt und entspricht somit genau dem Wesen der spröden, norddeutschen Bauern, die kein Wort zu viel verlieren. Eingeflochten sind immer wieder plattdeutsche Sätze, die aber gut verständlich sind. Eine Übersetzung gibt es nicht. Sie beschreibt die Schwierigkeiten der Bauern im Alten Land sehr genau. Die alten Bauern verstehen nicht, dass die Kinder kein Interesse an den Höfen haben. Sie sogenannten Biobauern werden belächelt. Und auch wir Leser bekommen einen Eindruck davon, dass auch wir teilweise durchaus verhohnepiepelt werden. Ist die Marmelade vom Erlebnishof wirklich selbstgemacht? Auch die Eltern in einem In-Viertel wie Hamburg Ottensen werden aufs Korn genommen. Das Buch glänzt mit sehr viel Scharfsicht und einem sehr eigenwilligem trockenen Humor. Allerdings ist es teilweise auch sehr erschreckend und traurig, wenn es um die Flucht über die Ostsee und die Aufnahme der Flüchtlinge geht. Da kommt sehr viel von dem durch, was die Autorin Sabine Bode in ihren Büchern „Die vergessene Generation“ und „Kriegsenkel“ (beide Klett-Cotta Taschenbuch) beschreibt. Und ausgesprochen aktuell ist überraschenderweise, dass sich die Deutschen nicht geändert haben, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht. Früher waren es die Vertriebenen, heute sind es die Asylbewerber.

Ein großartiger Roman mit viel trockenem Humor, der zum Nachdenken anregt.

ebooks

Das unendliche Blau

Annette Hohberg

EUR 9,99 *
auf Merkliste

50

21.02.2015

„Carpe Diem”

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie von Ihrem Arzt erfahren würden, dass Sie Krebs im Endstadium haben? Genau diese Frage behandelt der aktuelle Roman von Annette Hohberg.

Annette Hohberg erzählt die Geschichte von Martha, einer knapp 50 Jahre alten Journalistin, die erfährt, dass sie Krebs im Endstadium hat. Eine Chemotherapie würde ihr zwar etwas mehr Zeit geben, aber gleichzeitig die Lebensqualität deutlich einschränken. Und so entscheidet Martha sich, auf eine Chemotherapie zu verzichten. Martha ist seit 11 Jahren geschieden und hat sich pflichtbewusst um ihre Tochter Lina und ihren Beruf gekümmert. Auf der Feier ihres Geburtstages veranlasst ein Satz ihrer Freundin sie, ihre eigene Party heimlich zu verlassen und einfach ins Blaue loszufahren. Im Unterbewusstsein hat sie aber durchaus ein Ziel, denn auf einer ihrer letzten Reisen als Journalistin hat sie in Triest eine sehr interessante Italienerin namens Francesca kennengelernt, mit der sie so viel persönliches wie mit keinem anderen Menschen bisher ausgetauscht hat. Die Frauen habe ihre Telefonnummer getauscht. Francesca wohnt in Bologna. Und dahin fährt Martha jetzt. Dort beginnt sie ein neues Leben, welches auch eine neue Liebe umfasst, wohl wissend, dass ihr nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht.

Gleichzeitig erzählt die Autorin aber auch davon, wie Lina und ihr Vater Hans mit der Situation umgehen. Nach der Scheidung ihrer Eltern hat Lina klar Position für ihre Mutter bezogen. Nun müssen ihr Vater und sie sich erst mal wieder kennenlernen.

Dieser Roman ist eine unglaublich intensive und trotz des schwierigen Themas sehr schöne Geschichte, die mich zum Nachdenken gebracht hat. Ich habe mir ganz viele Sätze notiert, die ich mir immer wieder einmal anschauen werde, wenn ich mit meinem Leben und meinen Lebensumständen hadere. Das Buch ist ein Plädoyer für das Leben. Wir müssen einfach sehen, dass wir in der Gegenwart leben und nicht immer mit Groll zurück oder mit Hoffnung in die Zukunft schauen. Was vergangen ist, ist vorbei. Und was Morgen kommt, wissen wir nicht. Für mich ist dieses Buch eine großartige Mischung aus den Büchern von Nina George und den beiden Titel „Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes und „Tanz auf Glas“ von Ka Hancock.

Es ist kein einfaches Thema, aber die Autorin hat es sehr weise behandelt. Ich glaube, dieses Buch ist nichts für ganz junge Frauen. Ein wenig Lebenserfahrung sollte man bei dieser Lektüre schon haben.

ebooks

Altes Land

Dörte Hansen

EUR 15,99 *
auf Merkliste

50

21.02.2015

„Zwei Frauen, zwei Schicksale und ein Bauernhof”

Dörte Hansen ist eine Linguistin und Journalistin aus Husum/Schleswig-Holstein, die jetzt ihren ersten Roman veröffentlicht hat.

Sie erzählt darin die Geschichte von zwei Frauen. Die eine Frau ist Vera, die 1945 als fünfjähriges Mädchen mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke aus Ostpreußen geflohen ist. Sie fanden eine Unterkunft auf einem Bauernhof im Alten Land bei Hamburg bei Ida Eckhoff und ihrem Sohn Karl. Karl kam aus dem Krieg mit einem steifen Bein zurück. Und auch psychisch haben die Kriegserlebnisse in Russland ihren Tribut gezollt. Die beiden Frauen Ida und Hildegard kommen nicht miteinander zurecht. Aber Hildegard von Kamcke lässt sich nicht unterkriegen und angelt sich Karl Eckhoff. Doch die Ehe hält nicht. Hildegard findet einen Mann, der besser zu ihr und ihrem Stand passt. Sie bekommt noch eine zweite Tochter, Marlene. Vera bleibt mit Karl auf dem Hof zurück. Sie wird Zahnärztin und gilt als sehr verschroben. Der alte Hof verkommt immer mehr.

Die zweite Frau ist Anna, die Tochter von Veras Halbschwester Marlene. Anna hat einen kleinen vierjährigen Sohn Leon, arbeitet als Erzieherin bei Musimaus, wo kleine Kinder eine musikalische Früherziehung bekommen. Sie ist mit dem Autor Christoph liiert. Als sie jedoch Christoph mit einer anderen Frau in Flagranti erwischt, wirft sie alles hin und zieht zu ihrer Tante ins Alte Land. Der Deal zwischen den beiden Frauen ist, dass Anna das sehr verwahrloste Bauernhaus auf Vordermann bringt und dafür mietfrei bei ihrer Tante wohnen darf.

Und so erzählt Dörte Hansen die Geschichte der beiden Frauen. Es gibt immer wieder Rückblicke in die Kindheit und Jugend von Anna, sowie auf die Erfahrungen, die das Kind Vera auf der Flucht erlebt hat, und die sie nie wirklich vergessen konnte. Beide Frauen sind Frauen, die ihr Leben erkämpfen müssen. Doch als sie im Alten Land zusammenleben, entdecken beide Frauen mehr Gemeinsamkeiten, als sie gedacht hätten. Und sie finden in der jeweilig anderen eine Stütze, die ihnen selber hilft.

Es gibt einige wunderbare Nebenpersonen, die dem ganzen Roman etwas die Schwere und Traurigkeit nehmen. Da ist z.B. der direkte Nachbar von Vera, Heinrich Lührs, der zwar drei Söhne hat, von denen aber niemand seinen Hof übernehmen möchte. Dann ist da Dirk vom Felde, der ein studierter Landwirt ist und dieses ganze Biogedöns nicht verstehen kann. Und herrlich sind Burghard Weißwerth und seine Frau, die aufs Land geflüchtet sind, um dort in Ruhe neu anzufangen.

Die Sprache von Dörte Hansen ist wunderbar knapp, kommt schnell auf den Punkt und entspricht somit genau dem Wesen der spröden, norddeutschen Bauern, die kein Wort zu viel verlieren. Eingeflochten sind immer wieder plattdeutsche Sätze, die aber gut verständlich sind. Eine Übersetzung gibt es nicht. Sie beschreibt die Schwierigkeiten der Bauern im Alten Land sehr genau. Die alten Bauern verstehen nicht, dass die Kinder kein Interesse an den Höfen haben. Sie sogenannten Biobauern werden belächelt. Und auch wir Leser bekommen einen Eindruck davon, dass auch wir teilweise durchaus verhohnepiepelt werden. Ist die Marmelade vom Erlebnishof wirklich selbstgemacht? Auch die Eltern in einem In-Viertel wie Hamburg Ottensen werden aufs Korn genommen. Das Buch glänzt mit sehr viel Scharfsicht und einem sehr eigenwilligem trockenen Humor. Allerdings ist es teilweise auch sehr erschreckend und traurig, wenn es um die Flucht über die Ostsee und die Aufnahme der Flüchtlinge geht. Da kommt sehr viel von dem durch, was die Autorin Sabine Bode in ihren Büchern „Die vergessene Generation“ und „Kriegsenkel“ (beide Klett-Cotta Taschenbuch) beschreibt. Und ausgesprochen aktuell ist überraschenderweise, dass sich die Deutschen nicht geändert haben, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht. Früher waren es die Vertriebenen, heute sind es die Asylbewerber.

Ein großartiger Roman, der mit viel trockenem Humor, der zum Nachdenken anregt.

buch

Klack

Klaus Modick

EUR 8,99 *
auf Merkliste

50

20.02.2015

„Kennen Sie noch die Agfa Clack?”

Von 1954 bis 1965 produzierte die Firma Agfa ihre sogenannte Box-Kamera Clack. Der Name war Programm, denn das Geräusch, das die Kamera beim Auslösen machte, war „Klack“! Und da eine Agfa Clack eine große Bedeutung in dem neuen Buch von Klaus Modick spielt, hat er dem Buch diesen Titel gegeben.

Ich habe Ihnen von Klaus Modick vor nicht langer Zeit den Roman „Sunset“ vorgestellt, welcher mir sehr gut gefallen hatte. Als jetzt das neue Buch von ihm angekündigt wurde, interessierte es mich natürlich auch wieder. Sehr erstaunlich für mich war, dass dieses Buch komplett anders ist. In „Sunset“ erzählte er eine Geschichte, die sich mit Lion Feuchtwanger und Bert Brecht beschäftigte, in seinem neuen Roman erzählt er eine Geschichte aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders.

Die Hauptperson ist Markus. Der Roman beginnt damit, dass der Ich-Erzähler nach einem Gewitterschaden auf dem Dachboden einen Karton mit alten Fotos entdeckt. Und dann versinkt er in den Erinnerungen und erzählt uns die Geschichten, die sich hinter den 15 Bilder verbergen. Die Kamera hat er per Zufall auf einer Tombola auf einem Jahrmarkt 1961 gewonnen als er 15 Jahre alt war. Und die Bilder erzählen die Geschichte aus 2 Jahren, der Zeit, wo er sich das erste Mal verliebt hat. In Deutschland geht es wieder aufwärts, trotzdem ist der 2. Weltkrieg noch nicht vergessen. Markus lebt mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester zusammen im Haus der Großmutter mütterlicherseits. Der bereits verstorbene Großvater war Richter, der Vater Soldat im 2. Weltkrieg und hat den Russland-Feldzug mitgemacht. Es ist eine Gesellschaft im Aufbruch. Markus Schwester wird langsam flügge, aber gerade die Großmutter ist extrem darauf bedacht, dass alles seinen ordentlichen, geregelten Gang geht. Sie hat in der Familie das Sagen. Was sollen die Nachbarn sonst denken. Markus entdeckt langsam die Mädchen und damit auch die Sexualität für sich. Dies wird besonders problematisch, als im Nachbarhaus plötzlich eine italienische Familie einzieht, die ausgerechnet eine Tochter in Markus Alter hat. Die Großmutter ist entsetzt und versucht alles, um ihre Familie von diesen Ausländern fernzuhalten.

Es sind herrlich, mit viel Humor erzählte Erinnerungen an diese Zeit. Die ersten Gastarbeiter kommen nach Deutschland, werden aber von den Deutschen nicht immer herzlich willkommen geheißen. Es ist die Hochzeit von Elvis Presley und Horst Buchholz, und die Halbstarken versuchen sich von ihren spießigen Eltern abzusetzen. Klaus Modick erzählt herrlich unterhaltsam, würzt seine Geschichte mit Songtexten und Reklamesprüchen aus dieser Zeit, aber auch mit aktuellen Themen wie z.B. dem Mauerbau oder der großen Flut. Jedes Foto wird eingeführt von einem leicht philosophischen Text, der sich mit der Erinnerung auseinandersetzt.

Dieses Buch ist speziell für all diejenigen interessant, die sich an diese Zeit noch gerne zurückerinnern. Mich hat dieser Roman sehr an die herrlichen Bücher von Gernot Gricksch und Gerhard Henschel erinnert, die ich Ihnen ebenfalls bereits an dieser Stelle empfohlen habe.

auf Merkliste

50

20.02.2015

„Der große Sprung nach vorn”

Lisa See ist eine wunderbare amerikanische Autorin mit chinesischen Wurzeln. Ihren Durchbruch schaffte sie mit ihrem Roman „Der Seidenfächer“, der in der Zwischenzeit sogar verfilmt wurde. Ihr neuester Roman „Tochter der Freude“ ist die Fortsetzung von „Töchter aus Shanghai“ (Blanvalet Taschenbuch), den ich Ihnen 2011 schon an dieser Stelle sehr empfohlen habe.

Joy ist die Tochter von May und Nichte von Pearl deren Geschichte in dem ersten Buch erzählt wurde. Die Vorgeschichte ist zwar nicht zwingend erforderlich, denn die Autorin gibt genügend Tipps, um der Handlung logisch folgen zu können, aber Sie würden sich dann um das Vergnügen an diesem Buch bringen! Das Buch beginnt damit, wo die „Töchter aus Shanghai“ geendet hat, diesmal allerdings aus der Sicht von Joy. Joy hat gerade erfahren, dass ihre Eltern Pearl und Sam überhaupt nicht ihre Eltern sind, sondern ihre Tante May und ein großer Künstler namens Z.G., der im chinesischen Li Zhi-ge genannt wird. Da sie sich politisch eh gerade sehr für Mao und seine Revolution interessiert, bricht sie in einer Nacht und Nebel Aktion nach China auf, um ihren Vater zu finden. Dies gelingt ihr schnell, denn ihr Vater ist ein anerkannter Propagandamaler und dementsprechend bekannt. Sie kommt aber gerade zu einer unglücklichen Zeit an. Ihr Vater ist in Ungnade gefallen und muss aufs Land fahren, um der einfachen Bauernbevölkerung das Malen beizubringen. Er nimmt Joy kurzerhand mit in das Gründrachendorf. Joy ist beeindruckt und begeistert vom neuen China, erliegt der sehr geschickten Propaganda und will unbedingt dort bleiben und beim Aufbau des kommunistischen Staates helfen. Hinzu kommt noch, dass sie sich in diesem Dorf in Tao verliebt hat. Pearl fliegt ebenfalls nach China, um Joy zu finden und sie wieder in die USA zurückzubringen. Als Joy sich weigert, bleibt auch sie, um ihrer Tochter in schwierigen Zeiten ggf. zur Seite zu stehen. Und diese Zeiten kommen, denn der Roman spielt in der Zeit von 1957 bis ca. 1960. Diese Zeit wurde als die Zeit „Großer Sprung nach vorn“ bezeichnet. Mao forderte die Bevölkerung auf, alles dafür zu geben, um die imperialistischen Länder der USA und Großbritannien wirtschaftlich zu überholen. Dafür wurden einige verheerende Fehlentscheidungen getroffen, woraus eine verhängnisvolle Hungersnot entstand, in der nach heutigem Forschungsstand 45 Millionen Menschen verhungerten.

Lisa See hat wieder einen sehr intensiven und hervorragend recherchierten Roman über China geschrieben. Es macht großen Spaß ihn zu lesen, und man erfährt viel über das Leben in dieser Zeit in China. Viele Westeuropäer fanden das Leben in China zu der Zeit erstrebenswert. Die Wahrheit, wie es dort wirklich war, kam zu der Zeit bei uns niemals an. Die Covergestaltung sowohl des Taschenbuchs des ersten Teils als auch des aktuellen Buchs haben mich sehr erstaunt, denn sie passen mal wieder überhaupt nicht zum Buch. Für das zweite Buch hätte sich eine Art Propaganda-Plakat aus China angeboten, aber da hatte der Verlag wahrscheinlich Angst, dass das Buch sich nicht verkaufen würde. Und der Klappentext ist falsch, denn Joy gerät nicht in die Zeit der Kulturrevolution. Die ist erst in dem Zeitraum von 1966 bis 1976!

Jetzt ist das Taschenbuch erschienen. Und was soll ich sagen – das Cover des Taschenbuchs ist noch viel schlimmer geworden. Ich hätte nicht gedacht, dass das geht!

buch

1913

Florian Illies

EUR 12,00 *
auf Merkliste

40

20.02.2015

„Viel Information unterhaltsam verpackt”

Viele von Ihnen kennen Florian Illies wahrscheinlich durch sein Buch „Generation Golf“. Sein aktuelles Buch ist ein sehr interessantes Buch über das Jahr 1913. Als Leser kann man sich jetzt natürlich fragen, warum er sich gerade dieses eine spezielle Jahr herausgesucht hat. Schließlich wusste damals ja noch niemand, dass ein Jahr später der 1. Weltkrieg ausbrechen würde. Aber, wenn man dieses Buch gelesen hat, weiß man, dass sich in der Kulturlandschaft 1913 einiges getan hat.

Florian Illies erzählt auf sehr unterhaltsame und journalistische Weise in 12 Kapitel (für jeden Monat ein Kapitel), was in diesem Jahr passiert ist. Fußnoten sucht man in diesem Buch vergebens, allerdings gibt es am Ende des Buches eine 5 Seiten umfassende Auswahlbibliografie. Wir erfahren viel über Dichter wie Proust, Kafka, Benn, Döblin, Mann u.a., über Maler und ihre Musen wie z.B. Kokoschka und Alma Mahler, Kirchner, die Künstlergruppen „Die Brücke“ und der „Blaue Reiter“, über Komponisten wie Schönberg, den Streit der Psychoanalytiker Freud und Jung und einige wenige Politiker. Allerdings erfahren wir weniger über die Werke der Künstler, sondern über ihr Leben, ihre Ängste und ihr Wohlbefinden. Dies liest sich ausgesprochen unterhaltsam. Es ist ein Jahr, in dem ganz viel passiert ist. Ein Jahr, in dem sich die Welt bereits zu verändern beginnt. Es ist aber anscheinend auch eine Zeit des Weltschmerzes. Dies hat mich an dem Buch am meisten erschreckt. Denn fast alle Künstler hadern mit ihrem Leben und ihren Ängsten, wenden sich dem Alkohol oder Drogen zu. Anscheinend kann große Kunst nicht von geistig und körperlich gesunden Menschen geschaffen werden!?

Dieses Buch ist ein hervorragendes Geschenk für kulturell interessierte Menschen. Man kann mit diesem Buch sehr viel (un-)nützes Wissen über bekannte Persönlichkeiten entdecken und damit vielleicht in manch einem Gespräch später überraschen.

Und endlich gibt es dieses Buch auch in der schönen Geschenkausgabe des Fischer Verlags.

123