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Name:
Xirxe Top 100 Rezensent
Ort:
Hannover
Rezensionen:
503 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 61

nicht hilfreich: 25

Rang:
54
Über mich:

lese und lese und lese....und trotzdem gibt es noch immer zu viele Bücher die ich nicht gelesen habe.

Xirxes Rezensionen

123
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40

21.11.2014

„ Liebeserklärung an Barcelona - mit einem Krimi ;-)”

Anna, 36 Jahre, ohne Familie und völlig ungebunden, reist nach Barcelona, die Heimatstadt ihrer Mutter, um dort einen Reiseführer zu schreiben. Ein guter Freund, Rafael, bringt sie zu ihrer Unterkunft, wo sie fast unmittelbar vor der Tür auf einen Toten stoßen. Wie sie später von Rafaels Freund Quim erfahren, der Leiter der Mordkommission ist, war es Mord - der siebte innerhalb von sieben Wochen. Doch es sind keinerlei Verbindungen zwischen den Verbrechen erkennbar, sodass die Polizei völlig im Dunkeln tappt. Da überfällt Anna in der Kathedrale des Heiligen Kreuzes und der Heiligen Eulàlia eine Erkenntnis...
Da Anna keine wirkliche Ermittlerin in diesem Krimi ist, sondern eher per Zufall von der Mordserie erfährt, erlebt man als LeserIn wie auch Anna selbst die Geschichte aus einem gewissen Abstand. Zwar bleibt das Ganze so recht unblutig und gewaltfrei, doch durch die Einschübe vor jedem neuen Kapitel, die die Gedankenwelt des Täters vermitteln (ohne jedoch zuviel zu verraten), währt die Spannung über den unheimlichen Mörder bis zum Ende.
Dass die Autorin Barcelona sehr gut kennt und diese Stadt liebt, ist sicherlich nicht übertrieben zu behaupten. Anna als Protagonistin streift mit offenen Sinnen durch die Stadt und schildert begeistert die Schönheit der verschiedenen Seiten dieser Metropole. Doch sie verschließt auch nicht die Augen vor den Schattenseiten: die zunehmende Gentrifizierung, Vertreibung alteingesessener Mieter durch kriminelle Methoden, die anwachsende Zahl der Einwanderer, die viele heimischen Händler verdrängen undundund. Auf diese Weise entsteht ein recht umfassendes Bild Barcelonas, sodass dieser Krimi durchaus den Wunsch wecken kann, mal einen Abstecher in die Hauptstadt Kataloniens zu machen.

ebooks

Das Werk der Bücher

Stephan Naumann

EUR 9,99 *
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20

21.11.2014

„Tolles Cover - aber sonst...”

You Can’t Judge a Book by the Cover - das hat Bo Diddley schon vor über 40 Jahren gesungen und es trifft noch immer zu. Leider! Der Totenkopf inmitten der antiquarischen Folianten, das Ganze aufgemacht wie ein altes Gemälde, all das hat mich dazu verleitet, dieses Buch zu kaufen von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Auch der Inhalt klang interessant: Der Sohn des Teufels sollte Gutenbergs Buchdruck dazu nutzen, Satans Botschaft in die Welt zu bringen. Doch statt eines spannenden Mittelalterkrimis mit mysthischen Elementen entsprach die erste Hälfte eher einer historischen Vorlesung zur Entwicklung mittelalterlicher Städte und Gebiete. Über vier bis fünf Seiten hinweg werden immer wieder detailliert geschichtliche Entwicklungen nicht nur von Gebäuden aufgezeigt, sodass ich irgendwann anfing, nur noch diagonal darüber hinwegzulesen. Keine Frage, in einem Sachbuch wäre das sicherlich alles sehr gut angebracht gewesen, aber in einem historischen Roman?
Die Geschichte an sich ist schnell erzählt: Ein widerlicher Richter, grausam und ohne Mitleid, geht mit dem Teufel einen Pakt ein, um einen Sohn zu bekommen. Doch es ist des Teufels Sohn, Nathan, den der Richter unwissentlich groß zieht. Als er stirbt, zieht der siebenjährige Nathan, über allerlei dunkle Mächte verfügend, allein in die Welt, um den Auftrag seines Vaters zu erfüllen - siehe oben. Das entspricht circa der ersten Hälfte des Buches. Im zweiten Teil dreht sich alles um diese Aufgabe, wobei Nathan sich diversen Widrigkeiten entgegenstemmen muss.
Auffallend ist die Sprache der Lektüre, die durchweg in einer altertümlichen Form daherkommt, die man aber recht schnell annimmt. Woran ich mich jedoch überhaupt nicht gewöhnen konnte, war die 'Marotte' des Autors, wörtliche Rede in Reimform darzustellen. Der tiefere Sinn hierfür? Keine Ahnung. Leider sind die Reime nur minderer Qualität ('Lass dich gewarnt sein, vor der Gefahr von dem Krankheitskeim'), sodass ich recht glücklich war, dass nur wenige direkte Gespräche wiedergegeben wurden.
Schade - denn der Ansatz der Geschichte ist nicht schlecht und die Aufmachung hätte wirklich einen besseren Inhalt verdient.

buch

Der Zug der Waisen

Christina Baker Kline

EUR 19,99 *
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40

19.11.2014

„Für einen Vater, dessen Kind stirbt, stirbt die Zukunft. Für ein Kind, dessen Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit.”

Was Berthold Auerbach schon vor vielen Jahren niederschrieb, wird in diesem Buch an den beiden Protagonistinnen Vivian und Molly überdeutlich, von denen die eine einen ziemlich unrühmlichen Teil der Vergangenheit der USA miterleben musste.
Vivian, die als Niamh mit ihrer Familie aus Irland nach New York kam, verliert mit neun Jahren bei einem Brand ihre gesamte Familie. Sie wird, wie damals üblich, mit vielen anderen elternlosen Kindern in einen Zug verfrachtet, der sie in den Mittleren Westen der USA bringt. Dort sollen sie ein neues Zuhause finden, was aber zumeist bedeutet, dass sie als billige Arbeitskräfte ein erbärmliches Dasein fristen müssen. Auch Niamh bildet hier keine Ausnahme und so folgen wir dem Schicksal des kleinen Mädchens von einem Unglück ins nächste, bis sie zu der Vivian wurde, die Molly kennenlernt.
Auch Molly wächst ohne ihre Eltern auf: Mit 17 Jahren hat sie bereits diverse Pflegeeltern kennengelernt. Und auch wenn ihr die materielle Not unbekannt ist, die Vivian durchleben musste, verbindet die beiden vieles: das Gefühl nicht geliebt zu werden, behandelt zu werden wie ein Gegenstand, ständige Unsicherheit über das Morgen und das Empfinden einer völligen Einsamkeit. Doch zum Leidwesen ihrer Pflegeeltern lässt sie sich nicht mehr alles gefallen, was zu ständigen Streitereien führt. Im Rahmen einer Sozialarbeit lernt sie Vivian kennen und die beiden freunden sich an.
Das zentrale Thema dieses Buches sind die Erinnerungen Vivians, während Mollys Geschichte eher eine Art Rahmenhandlung darstellt, die Vivians Vergangenheit in die Gegenwart zurückbringt. Erzählt wird in einer recht schlichten Sprache, was ich jedoch nicht als Nachteil empfand, da die Zeit der Waisenzüge aus der Sicht einer Neunjährigen geschildert wird. Ein anspruchsvollerer Schreibstil wäre mir unglaubwürdig vorgekommen.
Auch wenn zwischen dem Erleben als Kind bzw. als Jugendliche zwischen den beiden Hauptpersonen viele Jahrzehnte liegen, zeigt sich eines überdeutlich: Mindestens ebenso schlimm wie die materielle Not ist die seelische. Geliebt, akzeptiert und respektiert zu werden, zu wissen wo man hingehört - so lässt sich auch materielle Not ertragen.

buch

Der Sohn

Jo Nesbo

EUR 22,99 *
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50

14.11.2014

„Klasse Krimi - auch ohne Harry Hole”

Ich gestehe, als überzeugter Harry-Hole-Fan bin ich bei Büchern von Jo Nesbø wohl ein bisschen voreingenommen: Die können einfach nur gut sein ;-) Und das ist das neue Buch 'Der Sohn' auch tatsächlich.
Ein junger Mann, Sonny, sitzt seit Jahren wegen zweier Morde im Gefängnis, wo er eine besondere Rolle einnimmt: Da seine Mitgefangenen ein aussergewöhnliches Vertrauen zu ihm haben, beichten sie ihm statt dem offiziellen Seelsorger ihre Sünden, die er ihnen daraufhin vergibt. Dabei erfährt er, dass sein Vater keinen Selbstmord verübte, sondern einem Verbrechen zum Opfer fiel. Er war offenbar der Korruption in den Reihen der Polizei, der er selbst angehörte, zu dicht auf der Spur, sodass man ihn loswerden wollte. Sonnys Lebensgeister erwachen und er macht sich auf, Rache zu nehmen...
Gleich zu Beginn wird klar, dass die Korruption bis ganz nach oben reicht. Es wirkt unglaublich, mit welchen Mitteln und Methoden hier reiche Personen mit besonderen Beziehungen sich wirklich alles erlauben können, was dann gezielt Anderen in die Schuhe geschoben wird. Misshandlungen, Vergewaltigungen, Mord - es gibt nichts, wofür sich kein Schuldiger finden lässt, der dafür büßen muss. Sonny scheint einen aussichtslosen Kampf auszufechten, denn seine Gegner sind mächtig und reichen weit in die höchsten Gesellschaftsschichten hinein. Doch was sie nicht wissen: Durch all die Beichten die er abgenommen hat, ist er über Dinge informiert, die strengstens unter Verschluss gehalten werden. Und diesen Wissensvorsprung nutzt er gnadenlos aus. Damit trifft er seine Widersacher an ihren empfindlichsten Stellen. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod!
Obwohl meist klar ist, wem der nächste Schlag gilt und es somit weniger ein Krimi mit der typischen Who-done-it-Suche ist, bleibt das Buch durchweg spannend. Sonnys Rachefeldzüge kommen immer wieder überraschend und so voller Wucht, dass ich manche Seiten beinahe mit angehaltenem Atem umblätterte. Ein klasse Krimi - trotzdem: Wann kommt der nächste Harry Hole ;-) ?

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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40

28.10.2014

„Ein Unglück? Oder nicht?”

Um ehrlich zu sein, bin ich schon etwas erstaunt über all die schlechten Kritiken anderswo zu diesem Buch. Klar, es ist kein Krimi im herkömmlichen Sinn, denn Ermittlungsarbeit findet kaum statt, da es zum Leidwesen der Polizei nur wenig zu ermitteln gibt. Ein kleiner Junge ertrinkt in einem See und nichts deutet auf ein Gewaltverbrechen hin. Auch als bei der Obduktion eine Unstimmigkeit auftaucht, kann diese von der Mutter sofort einleuchtend erklärt werden - mehr oder weniger zum Bedauern Hauptkommissar Sejers, denn seine Intuition sagt ihm, dass etwas nicht stimmt. Doch ohne Beweise und Zeugen sind weitere Ermittlungen -gelinde gesagt- schwierig und Sejers fügt sich in sein Schicksal.
Das Buch konzentriert sich in erster Linie auf das Innenleben der beiden Hauptfiguren, die Eltern des kleinen Jungen. Während der Vater vor Kummer fast umkommt, scheint die Mutter ihr bisheriges Leben unbekümmert fortzuführen. Auch wenn die Verdachtslage klar erscheint, es gibt keinerlei Beweise für ein Verbrechen und so schwankt man beim Lesen bis zum Ende ständig hin und her: War's nun ein Unglück? Oder doch nicht? Auch der Kommissar ist hin- und hergerissen und diese Unsicherheit wird bis zum Schluss bemerkenswert gut aufrechterhalten. Lediglich das Ende war, nun ja, doch sehr vom Zufall dominiert. Natürlich darf die Polizei auch mal Glück haben um an die Wahrheit zu gelangen ;-) aber sooo?
Ein ruhiger, eher verhaltener Krimi ohne Blutvergießen und Gewaltexzesse, der fast schon als Psychogramm daherkommt - mir hat's gefallen.

buch

Drei auf Reisen

David Nicholls

EUR 22,90 *
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50

22.10.2014

„Unterwegs in Europa”

Gegensätzlicher kann ein Paar wohl kaum sein als Conny und Douglas. Sie lebensfroh, chaotisch und Künstlerin. Er sehr zurückhaltend, Wissenschaftler und klar strukturiert. Doch wider Erwarten scheint es eine harmonische Beziehung zu sein bis nach mehr als 20 Jahren Conny ihrem Mann plötzlich eröffnet, dass sie sich von ihm trennen möchte. Douglas ist völlig unvorbereitet, denn sie hatten gemeinsam mit ihrem Sohn Albie eine große Tour durch Europa geplant, bevor dieser auszieht um ins College zu gehen. Doch die Reise soll stattfinden und Douglas plant, seine Frau wiederzugewinnen und seinem Sohn endlich näherzukommen.
Erzählt wird die Geschichte von Douglas, der abwechselnd von ihrer Fahrt berichtet und wie sich das Verhältnis von Conny und ihm im Laufe der Zeit entwickelt hat. Wie sie sich kennenlernten, zusammenzogen, eine Familie gründeten undundund. Während zu Beginn ihrer Liebe ihre Verschiedenartigkeit ihr beider Leben bereicherte, scheint es im Laufe der Zeit eher zur Belastung geworden zu sein, was sich während ihres Unterwegsseins in Europa recht deutlich zeigt. Doch ist das wirklich der Grund für die Entfremdung?
Auf den ersten Blick scheint dieser Roman auf amüsante Art die typischen Probleme einer Ehe zu erzählen, in der beide Partner zu verschieden sind. Doch tatsächlich geht es meiner Meinung nach darum, welche Prioritäten man sich in seinem Leben setzt und ob man hinter dem, was man liebt und tut, voll und ganz steht. Sicherheit und materieller Reichtum sind nicht das Wichtigste, häufig kosten sie ein glückliches Leben.
Douglas hat auf dieser Reise, die völlig anders verläuft als geplant, eine Reihe ungewöhnlicher Erlebnisse, die ihn veranlassen, manche Dinge anders zu betrachten. Er erzählt dies alles, die Reise wie auch die Vergangenheit, ohne jedes Selbstmitleid, eher in einem trockenen Ton, der mich immer wieder grinsen ließ. Erwähnt werden sollten auch die ausgiebigen Beschreibungen der Städte und Museen, die er mit und ohne Conny aufsucht - manchem/r könnte das fast zuviel sein ;-)
Eine richtig schöne Lektüre!

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40

12.10.2014

„Ein Sniper geht um”

Scheinbar wahllos werden kurz vor Weihnachten Menschen erschossen ohne jeden Hinweis auf einen möglichen Täter (Sniper sind doch immer männlich, oder ;-) ?). Pia Kirchhoff, die seit Jahren endlich mal wieder einen längeren Urlaub machen wollte, verzichtet spontan darauf um ihren Chef Oliver von Bodenstein zu unterstützen und befindet sich unversehens im schlimmsten Fall ihres Lebens. Zwar scheint sich nach und nach ein Motiv für die Taten des Snipers abzuzeichnen, doch der Polizei gelingt es nicht, mögliche Opfer zu identifizieren. Und so gibt es weitere Tote...
Obwohl schon nach weniger als einem Drittel des Buches klar wird, in welchem Umfeld der Täter zu finden ist und die mögliche Zahl sich auf vier begrenzt, gelingt es Nele Neuhaus, die Spannung bis zum Schluss beizubehalten. Was mich im vorherigen Band noch störte (zu viele Handlungsstränge, die meiner Meinung nach überflüssige Längen verursachten), taucht in der neuen Folge kaum noch auf. Gut, ja, auf einen Todesfall hätte man verzichten können - den empfand ich doch als etwas sehr weit hergeholt. Doch ansonsten konzentriert sich die Geschichte auf die Aufklärung der Tat, wobei die privaten Verhältnisse der beiden Kommissare dennoch nicht unerwähnt bleiben. Auch hätte ich mir etwas mehr Informationen zur Thematik der Organtransplantationen gewünscht, die in diesem Buch zwar eine wichtige Rolle spielen, doch letzten Endes lediglich als Hintergrund für die Taten des Snipers dienen.
Es ist der siebte Fall um Pia Kirchhoff und ihren Chef Oliver von Bodenstein, doch man kann problemlos mit diesem Band in die Serie einsteigen. Zurückliegende Geschehnisse und Beziehungen werden ausreichend erklärt, sodass sich 'neue' LeserInnen ohne Schwierigkeiten zurechtfinden werden. Ein spannender Krimi, der mir nur einige (wenige) Male etwas zu 'gefühlig' war.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Licht

Christoph Meckel

EUR 6,95 *
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40

06.10.2014

„Poetisch, traurig, schön”

Das kleine Büchlein beginnt mit einem wunderbaren Liebesbrief, geschrieben von Dole, der Geliebten des Ich-Erzählers Gil - doch leider ist er nicht an ihn, sondern an einen anderen Mann gerichtet. Gil entdeckt dieses Schreiben im Laub auf der Terrasse, wo es offenbar verloren gegangen ist, behält diesen Fund aber für sich. Stattdessen wird er zum Misstrauenden und zum Beobachter Doles: 'Und nachdem ich es (das Vertrauen) verloren habe, jetzt, dieses unerbittliche Hinsehn, kalt, scharf, skrupellos und genau.....Unabwendbarer, unablässiger Blick. Unruhe, Zweifel und instinktive Beschuldigung. Dole kann jetzt sagen was sie will - nichts mehr ist glaubhaft.' Doch gleichzeitig blickt er auf ihre gemeinsame Zeit zurück, ihre Reisen, ihr Leben in der Stadt, ihre Vorlieben und Abneigungen.
Es ist keine Geschichte mit Spannungsbögen oder einer Handlung die auf einen Höhepunkt zusteuert, die hier erzählt wird. Gil schildert stattdessen in einer sehr poetischen Sprache in eher kurzen Episoden seine Erinnerungen an die glückliche Zeit mit Dole, wie auch sein Empfinden nach der Entdeckung des Briefes. So lebt das Buch mehr von der Atmosphäre als von der tatsächlichen Geschichte.

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40

04.10.2014

„Was für's Herz :-)”

Teddy Overman hat das große Glück, sich in einer Arbeit verwirklichen zu können, die sie über alles liebt: Sie restauriert alte Möbel und es gelingt ihr auch mit Erfolg, diese in ihrem eigenen kleinen Geschäft zu verkaufen. Wie es trotz mancher Widrigkeiten dazu kam, wie ihr Leben überhaupt verlaufen ist, welchen Menschen sie begegnete, die ihr halfen und zur Seite standen - das wie auch die Geschichte ihrer Familie wird in diesem Roman von Teddy selbst erzählt. Es sind schöne wie auch schlimme Dinge von denen sie berichtet. Doch das Gute überwiegt mehr als deutlich, denn beinahe alle Seiten dieser Lektüre strahlen eine Liebe zum Leben, zu Menschen und Tieren aus, dass es einem ganz warm ums Herz wird ;-)
Wie könnte das Leben schön sein, wenn es in der Realität nur ein bisschen mehr so wäre wie in diesem Buch ;-) Im Ernst: Diese Geschichte quillt über vor gutherzigen, rechtschaffenen und wahrhaften Personen - und die wenigen Bösen werden auch recht schnell ihrer gerechten Strafe zugeführt. Zugegeben, das klingt nun sehr nach rosarotem Kitsch und Wölkchen. Und irgendwie ist es das auch, aber trotzdem liest es sich meiner Meinung nach deutlich besser als das 'Zeug' von Hedwig Courths-Mahler oder Rosamunde Pilcher. Auf irgendeine Art und Weise gelingt es der Autorin, all ihren ProtagonistInnen soviel Liebenswertes und Aufrichtiges einzuhauchen, dass man sich mit ihnen freut und fürchtet. Für fünf Sterne ist es mir ein bisschen zu viel heile Welt (auch wenn das Böse oder Schlimme durchaus existiert), aber vier Sterne für eine herzerwärmende Wohlfühllektüre hat sich das Buch schon verdient :-)

buch

Der Schwimmer

Joakim Zander

EUR 14,99 *
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50

29.09.2014

„Überaus spannend und nah an der Realität(?)”

Dass der Krieg ein schmutziges Geschäft ist, dürfte allgemein bekannt sein. Aber sooo schmutzig? Joakim Zander stellt in seinem Erstling eine Seite der privatisierten Kriegsmaschinerie dar, von der man nur hoffen kann dass sie der Phantasie des Autors entspringt. Da dieser jedoch aus dem Milieu kommt in dem sich große Teile der Geschichte abspielen, ist wohl eher das Gegenteil zu befürchten.
Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven: Da ist zum Einen der amerikanische Agent, der vor rund 30 Jahren selbst nur knapp einem Attentat entgangen ist, aber dabei seine Freundin und Mutter ihres gemeinsamen erst vor kurzem geborenen Kindes verloren hat. Dann gibt es Klara, eine junge schwedische Juristin, die in Brüssel Karriere macht. Mahmoud, der Mann den Klara während ihres Studiums über alles liebte und der sie scheinbar grundlos verließ. George, für den Geld und Karriere alles zu sein scheint. Und diverse weitere Personen, die mehr oder weniger wichtiger für den Fortgang der Geschichte sind. Dreh- und Angelpunkt von Allen wird Klara, an die Mahmoud sich wendet, als er unverschuldet in einen Mord verwickelt wird und an Unterlagen gerät, die höchste Regierungskreise und Geheimdienste in die Hände bekommen möchten und dabei vor nichts zurückschrecken. Klara hilft ihm, findet sich selbst plötzlich als Ziel diverser Mordanschläge wieder und macht die Feststellung, dass sie nichts und niemandem mehr trauen kann.
Bis auf die Geschichte des Amerikaners spielt sich beinahe alles in nicht einmal einer Woche ab, das Tempo ist überaus rasant. Schnelle Wechsel der Örtlichkeiten, verschiedene Perspektiven folgen rasch aufeinander - man sieht den Film geradezu schon vor sich. Ich vermute, er wird nicht lange auf sich warten lassen ;-) Doch bis dahin ist das Buch in jedem Fall zu empfehlen. Ein spannender Thriller, der vermutlich (befürchte ich) nicht so weit von der Realität entfernt ist, wie es zu wünschen wäre.

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