Neukunde?

Hier starten

Erweiterte Suche
Name:
Uli Geißler Top 100 Rezensent
Ort:
Fürth
Rezensionen:
656 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 268

nicht hilfreich: 76

Rang:
23
Über mich:

lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Uli Geißlers Rezensionen

50

18.05.2013

„Alltagstristesse als Lebensprinzip”

Voreingenommen durch die Meisterwerke des Autors las ich das verschollen geglaubte und nun veröffentlichte Frühwerk mit Interesse und gefestigter Position gegenüber dem Autor, immerhin Literaturnobelpreisträger.

Schnell wird man Nachbar und Beobachtender des Lissabonner Lebensalltags zur Zeit der bis 1974 andauernden Diktatur des Antonio de Oliveira Salazar und kämpft gedanklich mit ums schöne Überleben der Protagonistinnen und Protagonisten.
Der Fado des Lebens ist allgegenwärtig und die Frage nach dem je individuellen Glück der so Lebensnah beschriebenen Charaktere und Personen im als Handlungsort gewählten Mietshaus bestimmen jede Zeile des Romans.

Durchsetzt von den Sehnsüchten nach Liebe, Frieden, Lebensqualität erzählt der junge Saramago von den Hoffnungen des Schusters mit seinem kleinen Laden, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit Näharbeiten ihren kargen Lebensunterhalt verdienenden Frauen-Zweck-Wohngemeinschaft, den Liebeschancen der ungewollt korrumpierten Dona Lídia oder der Not einer vom Leben und von der Liebe enttäuschten Justina. Melancholie und Neid bestimmen das Geschriebene.

Claraboia ist ein starkes Buch, welches das eigene – offensichtlich - bessere Leben als Gegenüber aufkeimen und dieses Gefühl der Stärke die Not der gewesenen Existenzen leichter ertragen lässt.
Im Kontext der schon bekannten Saramago-Texte ist das Buch ein posthumer Nachweis entstehender literarischer Qualität. Als zuerst erschienenes Werk wären die Erwartungen an folgende Romane extrem hoch gewesen und es bleibt freilich unbeantwortet, ob der Autor diesem frühen Druck dann Stand gehalten hätte. Heute ist klar: er hat!

(c) 5/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Cycle Love

Simon Akstinat

EUR 16,95 *
auf Merkliste

50

29.04.2013

„Liebende unter Rädern”

Ungewöhnliche und doch alltägliche Portraits finden sich in diesem Büchlein des Fahrradbegeisterten Autors wieder. Dabei ist nicht immer eindeutig, ob es ein Portrait des Fahrrads oder der Fahrradfahrenden Person ist.

Freilich beziehen sich die insgesamt 91 mit jeweils mindestens einem, bisweilen auch mehreren Bildern ausgestatteten Texte auf die eindeutig stolzen Besitzerinnen und Besitzer der mobilen Lebensbegleiter. Denn so ist das Verhältnis der aktiv Beweglichen zu ihren Zweirädern unterschiedlichster Couleur sowieso, aber insbesondere auch vielfältigen Mach- und Materialart. Niemand der in der Deutschen Bundeshauptstadt aufgesuchten und mit ihren Rädern abgelichteten Radfahrenden sieht ein rein funktionales Objekt in dem meistens aufwändig und engagiert gepflegten, selbst zusammengestellten oder gebauten Fahrräder.

Nein – es ist in der Tat die Liebe zum Objekt. Das spürt man bei jedem Interview und noch mehr anhand der Aufnahmen der Räder und ihrer jeweiligen Besitzerinnen und Besitzer. So unterschiedlich wie die Menschen, ihre Lebensweise und –ziele, so finden sich auch alle Arten von Rädern versammelt – vom skurrilen Sonderbau eines Chopper-Rades über das wieder entdeckte DDR-Klapprad, das auffällige Tigerentenrad bis hin zum Fahrrad mit Hängemattensattel oder dem minimalistischen Gang- und Bremsenlosen Edelteil. Das Buch liefert Einblicke in die offensichtlich schöne Welt der Zweiradnutzung in der Stadt, die Abbildungen weisen den Weg zur eigenen individuellen Auswahl zur Fahrradbeschaffung und die Interviews inspirieren zu einer eigenen Lebensphilosophie.

(c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

29.04.2013

„Witzig-informative deutsch-französischer Skurrilität und Eigenheiten”

Knapp 220 Seiten lang kann man in diesem Büchlein leicht und anregend von alltäglichen Verhaltensweisen, den feinen Unterschieden, den merkwürdigen Traditionen oder Hintergründen deutsch-französicher Lebensgewohnheit oder Philosophie erfahren. Ursprünglich eine Fernsehsendung auf dem Kulturkanal ARTE finden sich in diesem Buch vielerlei von der Deutsch-Französin Claire Doutriaux gesammelte Alltagskultur.

Es gibt zu erfahren, wie man in den beiden Ländern Blumensträuße verschenkt, woher der Bierdeckel kommt, warum es hier ein Stövchen und dort aber einen Rechaud gibt, wer was und weshalb stippt und wo hinein. Auch erfährt man, wie die Brezel erfunden wurde und warum westfälisches Dunkelbrot „Pumpernickel“ heißt. Beide Landesflaggen in ihren Farben werden ebenso erläutert, wie Herkunft der Bezeichnung „Burger“ für die bekannte Imbissschnellnahrung und nicht zuletzt die Entstehung der „Weiberfasnacht“.

Kurz und krumm, es ist ein Sammelsurium. Dieses aber nett und spannend, lehrreich und auch mit etwas Witz formuliert. Das trägt zum Verständnis hinsichtlich der angesprochenen Dinge und Begebenheiten einerseits, der beiden Kulturräume andererseits bei. C'est bon.

(c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

28.04.2013

„Fotografische Sicherung unseres Planeten in seiner Ursprünglichkeit”

Ein mächtiges Werk in prächtiger Ausstattung. Dieses Fazit kann gleich am Anfang stehen, so wie eben der Anfang unserer Erde sich auch in ursprünglicher Kraft und Ausstrahlung zeigt.

Der Fotograf zeigt ausschließlich in kontrastreichen, großformatigen Natur-, Landschafts- und Menschenaufnahmen, wie er über die vielen Jahre hinweg unseren Planeten sah und sehen will. Die Erhaltung des Ursprünglichen ist sein Anliegen, eine tiefgreifende Würdigung der so sensiblen und doch mächtigen Urgewalt des Natürlichen seine Methode und Stilmittel.

Entführt werden die Betrachtenden des großformatigen (36,2 x 25,3 x 4,5cm) und gewichtigen (3,4 kg) Prachtbandes in die entlegensten Gebiete unserer Erde. So gelangt man nach einer Einführung des Autors zum Entstehen des Projektes „Genesis“ und einem Geleitwort der UNESCO bedächtig blätternd in den Süden der Erde nach Argentinien, die Falkland-Inseln oder Patagonien mit ihren Felsformationen, gewaltigen Gletscher- und Bergerhebungen oder ungezählten Pinguinen oder den majestätischen Walen.

Das nächste Kapitel führt zu Zufluchtsorten wie die Galapagos-Inseln, Madagaskar oder Sumatra, wo sich urzeitliche Echsen, Schildkröten, aber von den Einflüssen der neuzeitlichen Zivilisation verschont gebliebenen, indigene Menschengruppen befremdlich und doch so offensichtlich zugänglich zeigen. Fantastische Aufnahmen unbekannter Pflanzen, seltener Tiere oder der so extrem fremdartig mit Naturschmuck und –Masken ausgestatteten Menschen lassen Bild für Bild, Aufklappseite um Hochglanzfoto geradezu ehrfürchtig staunen.

Es folgen kunstvolle und intensive Dokumentationen vom Schwarzen Kontinent Afrika sowohl von den Wüsten und Steppen, als auch aus beispielsweise einem der Artenreichsten Gebiete, dem Okavango-Delta in Botswana. Wieder faszinieren oftmals so unglaubliche Entdeckungen von Landschaften, ungewöhnlichen und seltenen Pflanzen oder bildhafte Beschreibungen des Alltags der dort lebenden Menschen durch den Autor und Fotograf, unwirklich, voller künstlerischer Poesie und emotional tief ergreifend zugleich.

Die Nördlichen Weiten beziehen sich im vierten Kapitel auf die Nordpolarregion aber auch die nördlichen Randgebiete Europas, Asiens oder Amerikas. Hier zeigt sich die so unendliche Macht von Eis, Fels, Wasser und Erde in Gletschern und Felstürmen, in Wäldern, Flüssen und endlos wirkenden Flächen, bewohnt von den extrem Lebensfeindlichen Witterungsbedingungen trotzenden Menschen und Tieren.

Das Buch findet seinen Ausgang in Amazonien und dem größten Sumpfgebiet der Erde, dem Pantanal im Süden Brasiliens. Wieder sind Bergformationen, Wasserläufe, -fälle und –flächen von unwirklicher Macht, Wälder, Tiere und Menschen zu betrachten, deren Existenz kaum glaubhaft in einer technisierten Welt des 21. Jahrhunderts dokumentiert ist Sie sträuben sich geradezu einer Entdeckung und Beeinflussung entgegen, ohne zu wissen, dass sie es zur Überlebenssicherung auch tun müssen. In einem 32seitigen Beiheft finden sich zu allen Fotos ausführliche Legenden und hintergründige Erläuterungen, welche sonst die so kunstvolle Stille der Bilder beim Betrachten oder Aufblättern der großformatigen Fotos und vielen aufklappbaren Doppelseiten unnötig gestört hätten.
Das eingangs benannte Fazit steht also tatsächlich am Schluss: Ein mächtiges Werk in prächtiger Ausstattung. (c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

40

28.04.2013

„Handbuch für Traditionsbewusste”

Zum Erhalt der christlichen Tradition, eine der zentralen Schlüsselszenen des Glaubens – die Geburt Jesu – optisch und atmosphärisch nachzubilden, bietet das Buch des erfahrenen Krippenbaumeisters eine nachhaltige und fundierte Grundlage. Schnell zeigt sich, dass es beim Krippenbauen nicht um Detailfreudigen Modellbau geht, sondern um die Herzenssache, eindrucksvoll die Geburtsszene des Gottessohnes zu gestalten, bildet sich doch das Zentrum jeder Krippe.

Üppig und reich, oft großformatig oder doppelseitig bebildert oder illustriert und durch Text- und Bildaufteilung sehr gut geordnet und strukturiert führt der Autor in das Thema ein, beschreibt Herkunft, Hintergründe und Entwicklung des Krippenbaus bis hin zu Gestaltungstechniken früher und heutzutage. Der Krippenkalender unterstützt die Aufbau- und Darstellungsabschnitte einer Krippe.

Hilfreich sind Reinalters 10 Krippenbauregeln, die für eine gute Grundeinstellung beim Bau sorgen. Aufstellort, Größe, Krippenart, Ansichtsperspektive, Figurenauswahl bis hin zu den in ihrer Symbolik beschriebenen Farben und den benötigten und ergänzend hilfreichen Werkzeugen und Materialien bleibt nichts unbenannt.

Auch die Beachtung des für größere Krippen so wichtigen perspektivischen Krippenbaus findet man gut dargelegt. In nachvollziehbarer Weise erläutert der Kunsthandwerker, wie die vielen – mit dem deutlichen Hinweis: nicht zu viele! – Atmosphäre und Authentizität schaffenden Bestandteile der Krippe wie Zäune, Türen, Fenster, Mauerwerk, Brunnen, Wasserlauf, Brückenteile, Botanik, Hintergrundmalerei, Besonderheiten wie eine Schnee-, Papier- oder Fastenkrippe bis hin zur Installation der Beleuchtung hergestellt werden. Dennoch ist handwerkliche Erfahrung und Geschick für die Umsetzung nötig.

Alle Aspekte sind mit entsprechendem Bildmaterial gut dargestellt. Einzig die in jeweils 46 Einzelschritten sehr übersichtlich beschriebenen Bauabschnitte einer Heimatlichen sowie einer Orientallischen Krippe hätten durchaus größere Abbildungen verdient. Ein Glossar der Spezialbegriffe sowie eine umfangreiche Liste bestehender Krippenbauvereine oder Organisationen (Schwerpunkt Österreich, aber auch international) runden das wirklich ausgezeichnete Grundlagenwerk Krippenbauer/innen und solche, die es werden wollen, ab. Ein Standardbuch für jede Krippenwerkstatt.

(c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

07.04.2013

„Spiel- und Aktionsideen für mieses Wetter”

Wenn das Wetter wenig einladend ist, will kaum jemand das Haus verlassen. Dabei lassen sich bei schlechtem Wetter eine Menge kleinere und größere Abenteuer und Spiele erleben, an die sich die Beteiligten noch lange erinnern werden.

Das kleine Buch bietet eine Menge Anregungen und Vorschläge für Draußenaktivitäten. Ein wenig Überwindung, gute Vorbereitung und schon können Mädchen und Jungen Regentage, die Zeit nach einem Regen, windige Tage, Schnee- oder auch Eistage miteinander Langeweilefrei verbringen.

Die vielen lustigen und großformatigen Fotos zu den einzelnen Spielen, Werkeleien und Aktionen sind so ansprechend, dass man sich Schlechtes Wetter geradezu wünscht. Dann heißt es ausprobieren, ob der selbstgebaute Regenschutz wirklich dicht hält, die Regenmalerei wirkt, die Wasserbahn aus Flaschen, Dosen und Trichtern funktioniert oder die gestaltete Kunst tatsächlich wie Kunst aussieht.

Oder man nutzt den Wind für Fahnen, Wimpel oder Flugobjekte, lässt ihn mit hängenden Küchenutensilien Musik oder wenigstens Lärm machen und tanzt vielleicht dazu. Schnee ist auch ein wunderschönes Spiel- und Gestaltungsmaterial. Gestalten und Skulpturen bis hin zu einem Unterschlupf lassen sich damit bauen, tags werden geformt und gespielt, nachts leuchten Schneelichter.

Sogar filigranes und durchsichtiges Eis von Pfützen, Gewässerrändern oder in eigens aufgestellten Gefäßen „gezüchtet“ lässt sich nutzen. Eishockey oder Rutschpartien mögen bekannt sein, aber Eiskaramell, Eislaternen und –ballons oder Eisfenster und –bilder sind vielleicht mal etwas Neues.

Sicherheitshinweise und Verhaltenstipps ergänzen das Lust auf Nass, Kalt und Draußen machende Buch. Gut für alle, die sich gerne zu ungewöhnlichen Ideen herausfordern lassen.

(c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

buch

Vegan for Fun

Attila Hildmann

EUR 24,95 *
auf Merkliste

30

06.04.2013

„Kochtrend praktisch zum Nachmachen”

Als „Gelegenheitsvegetarier“ (nicht –veganer) interessierte mich der Titel dennoch, lässt dieser doch auf moderne und innovative Tierschützende Rezepte schließen. Unerfahren mit veganer Küche war ich von dem Buch angetan, da mit Lebensfreude und Lockerheit hier eine Lebenseinstellung im großzügigen Schriftsatz und mit vielen „Lifestyle“-Fotos sehr anregend aufbereitet daher kommt.

Dann allerdings stören die unsägliche Selbstinszenierung und Weltverbesserungsplattidüden des Kochbuchautors, da es scheint, als ginge es darum. Doch in einem Kochbuch ist das wahrlich überflüssig. Hier offenbart sich aber das Marketing-Konzept für den inzwischen bekannten Hobbykochs (eine fachliche Ausbildung wurde nicht nachgewiesen oder erwähnt). Gleichzeitig spielt die oftmals für vegan lebende Menschen so wichtige Bedeutung von konsequent Tiererhaltender Lebensweise kaum eine Rolle.

Die – leider wenigen – 59 Rezepte sind etwas merkwürdig unterteilt in die Kapitel Richtig satt, Veggie-Party, Vegan to go, Leicht und lecker sowie Süße Belohnungen. Na gut, da es nicht allzu viele Rezepte sind, findet man schon, was man sucht. Allerdings gibt es kaum wirklich Neues zu entdecken, denn verschiedene Pizza- oder Pasta-Varianten und die wenigen schon immer annähernd oder tatsächlich veganen Desserts oder Drinks machen das Buch nicht wirklich „fett“. Ernährungsphysiologische Hinweise oder Kalorienangaben fehlen, wären aber interessant und hilfreich.

Viele Rezepte sind Abwandlungen bekannter Fast-Food-Gerichte und glänzen einzig durch das Weglassen von Fleisch oder Fett, den Austausch von Milch mit Sojamilch, Butter mit Margarine oder durch die in der Regel schnelle Zubereitungsart. Das allerdings auch nur, wenn man Agavendicksaft, Mandelmus, Hafermilch und -sahne, ein anderes Mal Soja- oder auch Kokosmilch, Guarkernmehl oder Wasabipaste, dazu die frischen Kräuter und anderen Zutaten vorrätig hat.

Die Zubereitungsanleitungen werden gut präsentiert, es gibt eine übersichtliche Zutatenliste sowie nachvollziehbare Kochanleitungen im Fließtext. Ob dann tatsächlich alles funktioniert (wie fest wird Sojasahne?) und auch alle Gerichte schmecken, wird die weitere Umsetzungspraxis noch zeigen. Die ersten Versuche gelangen, schmeckten und machten satt. Hier übrigens der Hinweis, dass viele der veganen Gerichte beträchtliche Kalorien aufweisen. Wer nicht gerade eine Sojaallergie oder andere Unverträglichkeiten hat, kann sich mit den kleinen Gerichten schmackhaft und eben komplett Tierproduktefrei ernähren.

© 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

30

02.04.2013

„Gesamtschau Krippenbau”

Dieses Buch ist eine Übersicht zum Thema und offeriert ergänzend sowie teilweise auch wiederholend all das, was der Österreichische Krippenbaumeister im Feld des Krippenbaus an Wissen, Erfahrungen, Praxis und Tipps so zu erzählen und zu zeigen hat.

Der profunde Autor und Praktiker stellt Orientalische, Heimatliche, Kasten-, Fasten- und Papierkrippen vor. So wie sich dieses Ansammlung von Krippenarten anhört, so lässt sich auch der Aufbau und die Gestaltung des Buches bezeichnen. Peter Schrettl selbst weist daraufhin, dass es sich um die Darstellung Altbewährten und Neuem gleichermaßen handelt.

Wird eingangs auf die Begegnung mit einer Krippe und deren Bedeutung oder der Art einer Krippe eingegangen, so finden sich in den einzelnen Kapiteln jeweils eine knappe Aufbauanleitung sowie gut erklärte Anregungen zu Krippendetails wie Balkon und Stiege, Schindeln, Geländern, Zäunen, der botanischen Gestaltung oder der Verwendung von Farben und Werkzeuge.

Mir fehlt es in diesem Buch eindeutig an logischer Stringenz und nachvollziehbarer Ordnung. Man merkt, dass der Autor einige Essentials von jedem Bereich des Krippenbaus auswählte und so ein zwar reichhaltiges, für Krippenbauanfängerinnen und –anfänger aber eher etwas unübersichtliches Werk vorlegt. Für mich wirkt das Buch etwas unruhig, was auch daran liegen mag, dass die unterschiedlichen Krippenarten, insbesondere die Kasten-, Papier- und Fastenkrippen mit vielen Farbabbildungen vorgestellt werden, die Erkenntnisse und Praxisanleitungen zum Nachbau eher etwas zufällig und eingestreut wurden, wie beispielsweise die Beschreibungen der „Loammandel“ und deren Herstellung und Bemalung. Man merkt einfach, dass dieses Buch eine Zusammenstellung aus vorhergehenden Titel, ergänzt um einige neue Inhalte ist.

Trotzdem ist sehr anregend und hilfreich beschrieben, wie besondere Landschaften, Mauern, Windladen, Fenster, Dachbedeckungen, Türen, Zäune oder andere Gestaltungselemente herstellen lassen. Auch bezüglich der Perspektive einer Krippe, dem Bau einer Kastenkrippe, der Botanik und Landschaftsgestaltung gibt Herr Schrettl viele Anregungen für allerdings doch mehr handwerklich versierte und erfahrene Krippenfreundinnen und –freunde.

Wer ein umfangreiches Buch zu vielen verschiedenen – auch hintergründigen - Aspekten des Krippenbaus samt Einblick in eine Krippenwerkstatt sucht, ist mit dem Buch gut bedient. Wer allerdings eine gute und in Arbeitsschritten klar gefasste Praxisanleitung zum Bau einer speziellen Krippe braucht, sollte sich lieber auf diese Praxis konzentrierendes Buch besorgen (z. B. das „Handbuch zum Krippenbau“).

(c) 3/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

Spielwaren

RallyFally (Spiel)

Michael Schackert

EUR 29,99 *
auf Merkliste

50

26.03.2013

„Mit dem Teppich Magnetfelder überwinden”

Dieses Spiel begeistert neben der ansprechenden Grafik, dem orientalisch-geheimnisvollen Thema auch wegen seiner doch etwas ungewöhnlichen Spielweise. Auf dem leicht schräg gekippten Spielplan befinden sich einem Schachbrett ähnlich quadratische Feldeinteilungen. In den vier Ecken sind die Zielorte für die „Fliegenden Teppiche“ der Mistpielenden eingezeichnet. Eine Aufgabenkarte zeigt an, in welcher Reihenfolge Ziele anzufliegen sind, um die bestimmte Sammelobjekte zu erlangen.

Die eigene Spielfigur zieht (fliegt) dabei nach Flugkarten, die bestimmte Flugetappen vorgeben, mal abgewinkelt, mal geradeaus. Der Clou ist dabei, dass sich unter dem Spielplan Magnete befinden, welche die ebenfalls magnetischen Spielfiguren haften lassen. Befindet sich jedoch unter einem Feld kein Magnet, rutscht der eigene Teppich schon mal ein paar Felder nach unten und verzögert so das Erreichen des augenblicklichen Flugziels. Auch andere Figuren kann man bei so einem Absturz mitreißen oder aber auch mal auf dem Weg zu einem der Zielorte verschieben.

Das Spiel fordert und fördert Räumliches Denken und ein wenig Planungsgeschick und macht wegen der manchmal unverhofft auftretenden Rutschpartien für ausreichend Gaudi beim Sammeln von Säbel, Ring, Wunderlampe oder Schatzkiste. Geeignet ist das etwas geheimnisvolle Spiel für Mädchen und Jungen ab etwa 4 Jahren, denn die Kennzeichnung ab 3 Jahren ist sicher etwas zu früh bemessen. „Rally Fally“ hat zu Recht die Auszeichnung „Deutscher Lernspielpreis“ 2012 erhalten.

(c) 3/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

40

18.03.2013

„Witzig nachdenkliche Verallgemeinerungen”

Alle Leser sind gleich – alle Leserinnen auch … Naja, immerhin verbindet sie, dass sie lesen. Bezüglich der Einschätzungen der Welt, der Kontinente, der einzelnen Länder allerdings gibt es vermutlich so vielseitige Meinungen und Einordnungen, als es Menschen gibt. Und doch weht ein Hauch von Gleichheit durch die Unterhaltungen, wenn es darum geht, schnell und unkompliziert Aussagen über „die Italiener“, „die Engländer“, „die Amerikaner“, „die Chinesen“ usw. zu machen. Schnell sind da die Vorurteile, Tradiertes oder eben noch in der U-Bahn oder in der Kneipe Aufgeschnapptes parat. Wer hat schon Zeit, sich differenziert zu informieren oder zu äußern. Die Schnelllebigkeit relativiert alles doch ohnehin so wunderbar.

Der Autor und an sich Künstler Yank Tsvetko entwickelte eine satirische Europakarte und gestaltete diese mit Länderbezeichnungen als knappe und eindeutig Klischeebehafteten Überschriften, die allesamt direkt vom Stammtisch halbwissender Politikdistanzierter stammen könnten. Und doch haftet jeder noch so oberflächlichen Bezeichnung ein Wahrheitsquäntchen an, welches irritiert und anregt, sich mit derartigen Urteilen auseinanderzusetzen.

So reflektiert man beim Blättern durch die zahlreichen grafisch schlicht gestalteten Länder- und Kontinentalumrisse darüber, ob es nicht doch stimmen kann, dass Europa eine subventionierte Bauern-Union, Russland ein Reich der Großkotze geworden ist oder Deutschland sich klammheimlich doch über seine augenblicklichen Staatsgrenzen hinaus in ein deutlich vergrößertes Merkel-Reich hin entwickelt?!?

Viele der Karten Europas oder auch von Amerika oder Asien beschriftet der Autor aus unterschiedlichen Betrachtungswinkel und macht somit deutlich, dass die Auffassungen und auch Sichtweisen eben Interessensgeleitet sind und Gefühle sowohl als auch Bedürfnisse, Erfahrungen, Wünsche und Ziele dokumentieren. Notwendige Sensibilität gegenüber den jeweils Anderen ist also durchaus eine nötige Grundlage für ein friedfertiges Miteinander und Verstehen. Auf diesem Umstand weist das Buch hin – ansonsten sind die Pseudogeografischen Ansichten samt verbindenden Erläuterungen und durchaus ernst zu nehmenden Überlegungen Tsvetkovs Satire. Die allerdings ist nicht so lustig, wie es scheint, denn zu oft fehlt einfach der wirkliche Witz, weil selbst Vorurteile einen ernsthaften Hintergrund benötigen, der bei einigen der Landkartenbeschriftungen einfach völlig krampfhaft aus der Luft gegriffen ist, und das kostet einen Stern.

(c) 3/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.