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Rezensionen:
137 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 12

nicht hilfreich: 5

Rang:
245

Rezensionen

buch

Jáchymov

Josef Haslinger

EUR 19,95 *
auf Merkliste

50

12.11.2011

„Spannend und traurig”

Josef Haslinger zeigt in diesem Buch wieder einmal seine Vorliebe für Begebenheiten aus der jüngeren Vergangenheit und ebenso sein Talent, diese in fesselnde Romane zu verpacken. Ein düsteres Thema ist es auch diesmal wieder, nämlich der Willkür der Justiz und der Umgang mit angeblichen Verrätern in den Ländern des Eisernen Vorhangs.

Als Beispiel für ein solches Schicksal dient der einst gefeierte tschechische Eishockeyspieler Bohumil Modry, der nach seiner Gefängnishaft und Zwangsarbeit in den radioaktiven Minen schließlich an der Strahlenkrankheit stirbt.
Seine Zeit in den Bergwerken von Jachymov und sein Sterben sind nicht sehr detailliert beschrieben; das wäre wohl allzu traurig. Dafür schreibt der Autor viel zu den Umständen, die seiner Verhaftung vorausgehen, über die staatlichen Zwänge, die einen Menschen zum Denunzianten machen, und vor allem über die Auswirkungen, die der Prozess und das Urteil auf Modrys Familie haben. An der Ich-Erzählerin, Modrys jüngster Tochter, sieht man, ebenso wie nach dem Zweiten Weltkrieg, wie erlittene Traumata auch die nachfolgenden Generation beeinflussen.

Sehr spannend und beklemmend zu lesen fand ich auch die vielen kleinen Beispiele, wie die Restriktionen des Staates das Privatleben und die Kommunikation der Menschen, selbst unter Freunden und Geliebten beeinflusst hat, so etwa die Zeichensprache, die Nachbarn entwickelt haben, um sich von Fenster zu Fenster verständigen zu können. Wer die Bücher von Orlando Figes über das Leben in der Stalin-Ära gelesen hat, wird hier einiges aus der Geschichte wiedererkennen.

Ein spannender Roman und gleichzeitig eine Dokumentation von Ereignissen aus der Geschichte, die nicht vergessen werden sollten.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

40

17.10.2011

„Potentieller Kinder-Klassiker”

Joan Aiken hat viele sehr unterhaltsame Frauenkrimis, Familiengeschichten und historische Romane geschrieben, die inzwischen leider nicht mehr lieferbar sind. "Wölfe ums Schloß", das zu meinen Lieblingsbüchern in der Kinderzeit gehört hat, ist zum Glück noch immer erhältlich. Es geht um zwei Waisenkinder, ein unheimliches Schloß, eine strenge Internatsschule, Intrigen und schließlich Kinder, die sich gegenüber den Erwachsenen behaupten und ihren eigenen Weg gehen - also alle Elemente, die man braucht, um sich an einem dunklen Winterabend beim Lesen im warmen Zimmer wohlig zu gruseln.

50

15.10.2011

„Erinnerungen eines nicht mehr so sentimentalen Dinosauriers”

Wer von uns, geschätzte Leser und Freunde, hat nicht nach „Die Stadt der Träumenden Bücher“ begierig eine Fortsetzung der Erlebnisse des sentimentalen Dinosauriers erwartet? Viel zu lange hat es für den ungeduldigen Leser wie mich gedauert, bis Hildegunst von Mythenmetz und sein Übersetzer Walter Moers uns wieder mit Nachrichten aus Zamonien versorgt haben.

Mythenmetz lässt nichts aus: Selbstkritisch schildert er zu Anfang seines neuen Buches, wie er nach mehreren hundert Jahren als verwöhnter und mit Preisen überhäufter Schriftsteller Gefahr läuft, Opfer seines Erfolgs zu werden. Seine alten Freunde und das wahre Autorenhandwerk vergessend, zieht er sich auf die Lindwurmfeste zurück und droht , sich in Selbstbeweihräucherung zu verlieren. Es wäre jedoch kein klassischer Entwicklungsroman, würde er nicht durch ein einschneidendes Ereignis – in Gestalt eines kakaogetränkten Croissants – auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

Mythenmetz ist, von seiner egozentrischen Phase einmal abgesehen, erwachsen geworden, und genauso scheint Buchhaim auf den ersten Blick, als er dahin zurückkehrt: Aus der düster-geheimnisvollen, verwinkelten Stadt ist eine strukturierte Metropole geworden, in der Unheimliches bestenfalls noch als Touristenattraktion vorzukommen scheint. Spiegelt hier etwa die Außenwelt das Innenleben des Protagonisten wieder, wie es auch bei der Eisenstädter Literatur der Fall ist? Auf jeden Fall ist in Buchhaim nicht alles so wohlgeordnet, wie es zunächst wirkt, und auf unseren inzwischen gereiften Helden warten neue Geheimnisse, die ergründet werden wollen, sowie, was ja für den begierigen Leser von größter Bedeutung ist, mannigfaltige neue literarische Inspirationen.

Wer vorher, vielleicht aufgrund der Nachrichten nach der Verleihung des zamonischen Buchpreises, an Hildegunst von Mythenmetz’ Glaubwürdigkeit und Talent gezweifelt hat – dieses neue Werk spricht für sich und beweist mehr als alle Beteuerungen eines bescheidenen Lesers, dass der große Autor das Orm wiedergefunden hat.

30

06.10.2011

„Biographischer Roman über Kafka”

Ein Roman über die letzten Monate im Leben von Franz Kafka. Er, der vorher immer Schwierigkeiten mit seinen Beziehungen hatte und keine Frau zu nahe an sich heranlassen wollte, erlebte mit Dora Diamant zum ersten Mal wirkliche Nähe, wohnte sogar auf engem Raum mit ihr zusammen, was früher für ihn undenkbar gewesen wäre. Michael Kumpfmüller hat ein Buch über die Liebe der beiden geschrieben, die allerdings schon überschattet war von der Krankheit, an der Kafka schließlich sterben sollte.

Der Autor hält sich in seinen Beschreibungen ganz genau an die biographischen Vorlagen (Tagebücher, Briefe) von Kafka und seinen Freunden und Verwandten. Wer diese oder auch eine ausführliche Kafka-Biographie gelesen hat, wird die Abfolge der Geschehnisse oft bis ins Detail wiedererkennen. Allerdings geht es fast nur um die beiden Hauptfiguren, historische und gesellschaftliche Hintergründe werden fast gar nicht behandelt. Dadurch wirkt die Geschichte losgelöst aus der Historie, was sie teilweise poetisch, oft aber etwas verwischt und wenig konkret erscheinen lässt.

Auch der Schreibstil Kumpfmüllers weist meiner Meinung nach wenig Höhepunkte auf.
Gerade für Leser, die sich für Kafka interessieren, wäre dann vielleicht die Biographie von Rainer Stach, die sich auch sehr genau mit den Personen und ihren Emotionen auseinandersetzt, spannender.

buch

Garou

Leonie Swann

EUR 19,95 *
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50

28.09.2011

„Würdiger Nachfolger”

Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern hat der zweite Teil hier nicht an Qualität verloren, sondern ist genauso gut wie "Glennkill", in manchen Aspekten vielleicht sogar besser. Die Krimi-Handlung fand ich hier besser ausgearbeitet, und die philosophisch veranlagten Ziegen auf der Nachbarweide bringen noch mehr Humor in die Geschichte. Auf jeden Fall beweisen die Schafe bei der Lösung des Falles wieder genauso viel Schlauheit, Mut und Wollensstärke wie im ersten Band.

Hörbuch

Glennkill

Leonie Swann

EUR 9,95 *
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50

27.09.2011

„Schon mehrmals gehört...”

... und immer noch finde ich die Geschichte sehr lustig. Andrea Sawatzki präsentiert sich hier von einer ganz anderen Seite und verleiht einer Herde Schafe (und natürlich auch den Menschen rundherum) ihre Stimme. Die Klugheit, Naivität und die besonderen Fähigkeiten der Schafe sind super beschrieben, und man glaubt beinahe, dass sie tatsächlich auf Mörderjagd gehen könnten.

buch

Totenbraut

Nina Blazon

EUR 9,99 *
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30

26.09.2011

„Traditionelle Vampir-Geschichte”

Ein Jugendroman, der wie viele andere das Trendthema "Vampir" aufgreift; jedoch spielt diese Geschichte im 18. Jahrhundert in Serbien, und die Autorin orientiert sich stark an dem traditionellen Vampirglauben, der in den Balkanländern auch viel später noch lebendig war. Die erste Hälfte des Buches, in der Jana langsam die Geheimnisse ihrer neuen Familie ergründet und man als Leser mehr ahnt als tatsächlich weiß, ist sehr düster und spannend geschrieben. In der zweiten Hälfte gibt es dafür für meiner Meinung nach zu viele Charaktere und zu viele Wendungen in der Handlung, und auch die (natürlich obligatorische) Liebesgeschichte fällt für meinen Geschmack etwas kitschig aus.
Daher fand ich "Totenbraut" eine nette Lektüre für Zwischendurch, etwas wirklich Neues hat es mir nicht geboten.

50

26.09.2011

„Eigenständige Version der griechischen Sage”

Das Leben des Achill, der neben Herkules als der größte Kämpfer in der griechischen Mythologie gilt, hat schon mehrere moderne Autoren zu eigenen Bearbeitungen angeregt, wobei er oft - allen voran bei Christa Wolf - sehr negativ dargestellt wird. Madeline Miller zeichnet einen Achill, der auch andere Seiten hat, einen gutgläubigen, freundlichen, verspielten Jugendlichen, der den Kampf keinesfalls als einzigen Lebensinhalt ansieht. Und trotzdem lässt er sich von dem Versprechen von Ruhm und Ehre blenden und zieht in den Krieg vor das belagerte Troja. Die Frage, wie weit man das eigene Leben unter Kontrolle hat, ob man es selbst gestalten kann oder ob es einer höheren Macht unterliegt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Dieses Thema spielt auch für viele Menschen in unserer Zeit eine Rolle, in Achills Geschichte ist es besonders brisant dargestellt, da ja die Menschen in der griechischen Mythologie ihren Göttern öfter gegenüberstehen und eine göttliche Intervention viel häufiger passiert.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Patroklos, des Freund und Geliebten von Achill, der um ihn bangt und ihn in den Krieg begleitet, obwohl beide den düsteren Ausgang ahnen. Sehr schön ist, dass Patroklos, obwohl er immer im Schatten Achills steht und in der klassischen Sage als Nebenfigur gehandelt wird, in dem Roman ebenso feinfühlig gezeichnet wird und ebenso der Tragik und Ironie des Schicksals ausgesetzt ist.

Die Sprache von Madeline Miller ist einfach, aber poetisch und wunderschön, vor allem in den Liebesszenen kommt dies zum Tragen. Eine spannende und gut lesbare Neuversion, die die besondere Atmosphäre der griechischen Sage nicht verloren hat.

50

26.09.2011

„Eigenständige Version der griechischen Sage”

Das Leben des Achill, der neben Herkules als der größte Kämpfer in der griechischen Mythologie gilt, hat schon mehrere moderne Autoren zu eigenen Bearbeitungen angeregt, wobei er oft - allen voran bei Christa Wolf - sehr negativ dargestellt wird. Madeline Miller zeichnet einen Achill, der auch andere Seiten hat, einen gutgläubigen, freundlichen, verspielten Jugendlichen, der den Kampf keinesfalls als einzigen Lebensinhalt ansieht. Und trotzdem lässt er sich von dem Versprechen von Ruhm und Ehre blenden und zieht in den Krieg vor das belagerte Troja. Die Frage, wie weit man das eigene Leben unter Kontrolle hat, ob man es selbst gestalten kann oder ob es einer höheren Macht unterliegt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Dieses Thema spielt auch für viele Menschen in unserer Zeit eine Rolle, in Achills Geschichte ist es besonders brisant dargestellt, da ja die Menschen in der griechischen Mythologie ihren Göttern öfter gegenüberstehen und eine göttliche Intervention viel häufiger passiert.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Patroklos, des Freund und Geliebten von Achill, der um ihn bangt und ihn in den Krieg begleitet, obwohl beide den düsteren Ausgang ahnen. Sehr schön ist, dass Patroklos, obwohl er immer im Schatten Achills steht und in der klassischen Sage als Nebenfigur gehandelt wird, in dem Roman ebenso feinfühlig gezeichnet wird und ebenso der Tragik und Ironie des Schicksals ausgesetzt ist.

Die Sprache von Madeline Miller ist einfach, aber poetisch und wunderschön, vor allem in den Liebesszenen kommt dies zum Tragen. Eine spannende und gut lesbare Neuversion, die die besondere Atmosphäre der griechischen Sage nicht verloren hat.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Verführungen

Marlene Streeruwitz

EUR 9,95 *
auf Merkliste

50

25.08.2011

„Frauenjahre”

Marlene Streeruwitz erzählt hier ganz einfach vom Alltag einer Frau und ihren Versuchen, diesen so gut als möglich zu bewältigen. Es passiert wenig Spektakuläres, trotzdem entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann, ganz in der Tradition der 70er Jahre, auch das Alltägliche zum Thema der Literatur zu machen: Das Private ist politisch.
Die Sprache erinnert an ein Drehbuch oder an den Stil des inneren Monologs, daher entsteht der Eindruck, beim Lesen der Hauptfigur und ihrer Geschichte ganz nahe zu sein. Bemerkenswert fand ich es außerdem, dass die Körperwahrnehmung und Sexualität der Protagonistin sehr offen und ehrlich geschildert werden - ein Thema, das ja zur Zeit gerne bei Charlotte Roche hervorgehoben wird, bei Marlene Streeruwitz aber seit mehr als zehn Jahren wichtiger Bestandteil ihrer Literatur ist. Bei ihr wirken die entsprechenden Beschreibungen jedoch weit weniger bizarr und provokant und dadurch wiederum näher am Leben.

Meiner Meinung nach das schönste und wichtigste Buch dieser großartigen Autorin!