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931 Rezensionen
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hilfreich: 79

nicht hilfreich: 4

Rang:
13

Rezensionen

50

24.03.2013

„Verlorene Generationen?”

2008 habe ich mich das erste Mal an den finnlandschwedischen AutorenKjell Westö gewagt. Damals habe ich Ihnen „Wo sie einst gingen)“ (btb Taschenbuch) vorgestellt. Kjell Westö ist kein einfach zugänglicher Autor. Und anders als sein finnischer Autorenkollegen Arto Paasilinna schreibt er keine schrägen, skurrilen Romane, sondern klassische Gesellschaftsromane, für die er vielfach preisgekrönt wurde.

Der Buchtitel „Geh nicht einsam in die Nacht“ ist der Titel eines Musikstücks, welches für die Handlung dieses Romans ausgesprochen wichtig ist. Kjell Westö erzählt in diesem Roman die Geschichte von zwei Generationen. Da ist zum einen die Generation, die Ende des 2. Weltkriegs und die Generation des Ich-Erzählers, die Anfang der sechziger Jahre geboren wurde.

Der erste Teil des Romans ist die Geschichte einer Jugendfreundschaft. Jouni und Ariel sind zwei junge Männer, die aus einfachsten Verhältnissen stammen. Obwohl sie extrem unterschiedlich sind, werden sie die besten Freunde. Jouni, der drei Jahre jünger ist, ist ein tougher, aber auch extrem intelligenter Bursche Ganz anders sein Freund Ariel. Ariel ist sehr sensibel, schmächtig und stottert in Stresssituationen. Seine einzige wirkliche Stärke ist die Musik. Zu dieser Jugendfreundschaft gehört noch Adriana. Adriana entstammt einer wohlhabenden Familie, steht altersmäßig zwischen den beiden Männern und ist mit beiden befreundet. Anfang der sechziger Jahre nehmen sie zu dritt eine Single auf, die leider kein Erfolg wird. Kurz danach trennten sich ihre Wege. Jounis bekommt ein Angebot, für einen Radiosender als Reporter zu arbeiten und wird darin sehr erfolgreich. Adriana wird ein erfolgreiches Fotomodell, doch dabei verliert sie sich immer mehr. Und Ariel versinkt immer tiefer in der Sucht nach Alkohol und Drogen, die er mit Kleinkriminalität finanziert.

Der zweite Teil des Buches ist dann Franks Geschichte, die er von 2009 rückblickend erzählt. Auch hier gibt es wieder eine ungewöhnliche Dreier-Freundschaft. Franks bester Freund ist Pete. Und ausgerechnet mit Pete geht Eva Mansnerus, die dreizehn Jahre jüngere Schwester von Adriana, in die Frank schon seit seinem 13. Lebensjahr heimlich verliebt ist. Frank erzählt die Geschichte dieser drei, die sich immer mal wieder verlieren und doch Zeit ihres Lebens befreundet bleiben. Doch wie gehören die beiden Teile zusammen? Am Ende des zweiten Teils wird dies aufgelöst und im dritten Teil werden die Lücken gefüllt. Daraus ergibt sich dann ein großartiges Porträt dieser beiden Generationen.

Am Anfang ist das Buch etwas sperrig, aber das Durchhalten lohnt sich, denn es entspinnt sich ein ausgesprochen interessanter und kluger Gesellschaftsroman. Finnland hat zwar eine ganz andere Geschichte als Deutschland, aber die grundsätzliche Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg und die Generationskonflikte verliefen offensichtlich doch ähnlich. Und der Autor schafft dieses hervorragend herauszuarbeiten und regt dabei mit seinen teilweise weisen und philosophischen Betrachtungen zum Nachdenken an. Bei diesem Roman ging es mir nach längerer Zeit mal wieder so, dass ich mir einige wirklich schöne Textstellen herausgeschrieben habe, um sie an anderer Stelle zu verwenden.




buch

Cat Content

Katja Berlin

EUR 8,99 *
auf Merkliste

50

24.03.2013

„Für die Verrückten unter uns, die einer Katze gehören”

Es gibt nutzlose Bücher und es gibt nutzlose Bücher, die viel Spaß machen. Zum Glück empfindet das jeder anders. Ich habe jetzt so ein herrliches, kleines, nutzloses Buch gefunden, das mich köstlich amüsiert hat. Leider war es viel zu schnell zu Ende!

Katja Berlin hat das gemacht, was in Gedanken sicherlich ganz viele Menschen machen, die denken, dass sie eine Katze besitzen. Sie hat die Gedanken, bzw. Gespräche mit ihrem Kater aufgeschrieben. Allerdings nicht so altmodisch. Ihr Kater ist ein Genie (sind das nicht alle Katzen?) und kann SMS schreiben. Herausgekommen ist eine köstliche Sammlung von SMSs zu den verschiedensten Themen. Das sind so typische Themen wie Katzenfutter, Katzenstreu und Mäuse, aber auch so herrliche wie warum Frauchen keinen Mann findet und grundsätzliche philosophischen Betrachtungen.

So etwas möchte ich gerne als Abonnement auf mein Handy oder meinen E-Mail-Account haben. Dann kann ich wenigstens einmal am Tag garantiert lachen!

50

24.03.2013

„Eine feindselige Wohnung?”

Sie wollen mal wieder einen richtig schön schrägen Roman lesen? Dann sollten Sie sich dieses Buch mit dem schon total verrückten Titel „Die nachhaltige Pflege von Holzböden“ holen. Der britische Autor hat wirklich einen herrlich verrückten Roman geschrieben, fast ist es schon ein Krimi geworden! Und danach überlegen Sie es sich mindestens dreimal, ob Sie eine befreundete Person beauftragen würden, Ihre Wohnung und Ihre Haustiere zu sitten!

Der Ich-Erzähler reist in eine osteuropäische Hauptstadt, um seinem Freund und Studienkollegen Oskar einen Gefallen zu tun. Oskar, ein berühmter Komponist, muss nämlich in die USA reisen, um sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Derweil soll sich der Ich-Erzähler um die exquisite Wohnung und die beiden Katzen kümmern. Es gibt nur einen Haken bei dieser Geschichte: Oskar ist ein totaler Ordnungsfanatiker, sein Ordnungssinn grenzt schon fast an eine Zwangsneurose, und der Ich-Erzähler ist ein totaler Chaot. Kaum in der Wohnung angekommen, findet der Ich-Erzähler überall Zettel, auf denen steht, was er zu tun oder zu lassen hat. Besonders wichtig sind Oskar sein herrlicher Holzfußboden und sein Ledersofa! Und es kommt, wie es kommen muss! Bereits in der ersten alkoholgetränkten Nacht kommt es zur Katastrophe. Der Ich-Erzähler hat ein Rotweinglas ohne schützenden Untersetzer auf den empfindlichen Holzboden abgestellt. Und das hat natürlich Flecken hinterlassen. Der Ich-Erzähler versucht alles, um dieses Unglück wieder zu beseitigen, doch es kommt noch viel schlimmer! Wie soll er dies bloß seinem Freund beichten? Der Ich-Erzähler kommt auf immer abwegigere Ideen. Und dann ruft Oskar an, und das Buch nimmt eine total überraschende Wendung.

Ich habe mich total köstlich amüsiert. Der Autor hat schon großartige Ideen gehabt. Und zwischen den ganzen verrückten Ideen hat er sogar noch ein wenig Lebensphilosophie gepackt. Wer hat wohl mehr vom Leben? Der Ordnungsfanatiker oder der Chaot?


50

23.03.2013

„Verlorene Generationen?”

2008 habe ich mich das erste Mal an den finnlandschwedischen AutorenKjell Westö gewagt. Damals habe ich Ihnen „Wo sie einst gingen)“ (btb Taschenbuch) vorgestellt. Kjell Westö ist kein einfach zugänglicher Autor. Und anders als sein finnischer Autorenkollegen Arto Paasilinna schreibt er keine schrägen, skurrilen Romane, sondern klassische Gesellschaftsromane, für die er vielfach preisgekrönt wurde.

Der Buchtitel „Geh nicht einsam in die Nacht“ ist der Titel eines Musikstücks, welches für die Handlung dieses Romans ausgesprochen wichtig ist. Kjell Westö erzählt in diesem Roman die Geschichte von zwei Generationen. Da ist zum einen die Generation, die Ende des 2. Weltkriegs und die Generation des Ich-Erzählers, die Anfang der sechziger Jahre geboren wurde.

Der erste Teil des Romans ist die Geschichte einer Jugendfreundschaft. Jouni und Ariel sind zwei junge Männer, die aus einfachsten Verhältnissen stammen. Obwohl sie extrem unterschiedlich sind, werden sie die besten Freunde. Jouni, der drei Jahre jünger ist, ist ein tougher, aber auch extrem intelligenter Bursche Ganz anders sein Freund Ariel. Ariel ist sehr sensibel, schmächtig und stottert in Stresssituationen. Seine einzige wirkliche Stärke ist die Musik. Zu dieser Jugendfreundschaft gehört noch Adriana. Adriana entstammt einer wohlhabenden Familie, steht altersmäßig zwischen den beiden Männern und ist mit beiden befreundet. Anfang der sechziger Jahre nehmen sie zu dritt eine Single auf, die leider kein Erfolg wird. Kurz danach trennten sich ihre Wege. Jounis bekommt ein Angebot, für einen Radiosender als Reporter zu arbeiten und wird darin sehr erfolgreich. Adriana wird ein erfolgreiches Fotomodell, doch dabei verliert sie sich immer mehr. Und Ariel versinkt immer tiefer in der Sucht nach Alkohol und Drogen, die er mit Kleinkriminalität finanziert.

Der zweite Teil des Buches ist dann Franks Geschichte, die er von 2009 rückblickend erzählt. Auch hier gibt es wieder eine ungewöhnliche Dreier-Freundschaft. Franks bester Freund ist Pete. Und ausgerechnet mit Pete geht Eva Mansnerus, die dreizehn Jahre jüngere Schwester von Adriana, in die Frank schon seit seinem 13. Lebensjahr heimlich verliebt ist. Frank erzählt die Geschichte dieser drei, die sich immer mal wieder verlieren und doch Zeit ihres Lebens befreundet bleiben. Doch wie gehören die beiden Teile zusammen? Am Ende des zweiten Teils wird dies aufgelöst und im dritten Teil werden die Lücken gefüllt. Daraus ergibt sich dann ein großartiges Porträt dieser beiden Generationen.

Am Anfang ist das Buch etwas sperrig, aber das Durchhalten lohnt sich, denn es entspinnt sich ein ausgesprochen interessanter und kluger Gesellschaftsroman. Finnland hat zwar eine ganz andere Geschichte als Deutschland, aber die grundsätzliche Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg und die Generationskonflikte verliefen offensichtlich doch ähnlich. Und der Autor schafft dieses hervorragend herauszuarbeiten und regt dabei mit seinen teilweise weisen und philosophischen Betrachtungen zum Nachdenken an. Bei diesem Roman ging es mir nach längerer Zeit mal wieder so, dass ich mir einige wirklich schöne Textstellen herausgeschrieben habe, um sie an anderer Stelle zu verwenden.

50

19.03.2013

„Einfach grandios”

Delphine de Vigan hat mir bereits mit ihrem ersten Buch „No & ich“ sehr imponiert. Umso neugieriger war ich auf ihren neuen Roman. Jetzt habe ich ihn gelesen und bin absolut beeindruckt. Die Autorin hat sich ein ganz anderes Sujet ausgesucht und wieder ein hervorragendes, feines, kleines Buch abgeliefert.

Dieses Mal erzählt sie die Geschichte von zwei Menschen, die beide Anfang vierzig und beruflich erfolgreich sind, denen aber ihr Leben plötzlich zu entgleiten scheint. Da ist zum einen Mathilde. Mathilde ist alleinerziehende Mutter dreier Söhne und bisher beruflich sehr erfolgreich. Doch das ändert sich, als sie einmal wagt, ihrem Vorgesetzen zu widersprechen. Ganz langsam, so dass es ihr am Anfang gar nicht auffällt, beginnt er sie zu mobben. Sie versucht ihr Leben weiterhin zu leben, doch langsam aber sicher zerbricht sie an dieser Situation. Was kann sie noch machen? Gibt es einen positiven Ausweg für sie? Die zweite Hauptperson ist Thibault. Thibault ist eine Art Bereitschaftsarzt. Er arbeitet für eine Agentur, die ihm seine Patienten vermittelt. Als er mit seiner aktuellen Freundin, einer Frau die seine Liebe anscheinend nicht erwidern kann, bricht, fängt er an sein Leben Revue passieren zu lassen. Die ganze Handlung spielt nur an einem Tag!

Delphine de Vigan beschreibt diese Lebenssituationen der beiden so einfühlsam in einer wunderbar poetischen Sprache, dass einen die Grausamkeit dieser Situation noch viel stärker trifft. Eigentlich gibt es kaum eine Handlung, aber trotzdem kann man sich diesem Buch nicht entziehen. Ein hervorragender Roman über ein schwieriges Thema, dass leider in unserer heutigen Zeit immer aktueller wird!

ebooks

No & ich. Roman

Delphine de Vigan

EUR 8,99 *
auf Merkliste

50

19.03.2013

„Ein unglaubliches Buch!”

Dieses Buch möchte ich Ihnen dieses Mal besonders ans Herz legen. Es ist ein unglaubliches und ein unglaubliche tolles Buch! Die Französin Delphine de Vigan erzählt die Geschichte von Lou und No. Lou ist ein dreizehnjähriges Mädchen aus einer wohlsituierten Familie. Sie ist hochbegabt und hat deshalb bereits zwei Klassen übersprungen. Dementsprechend fremd fühlt sie sich in ihrer aktuellen Klasse. Zu Hause ist das Leben im Moment auch sehr schwer, denn ihre kleine Schwester ist vor einiger Zeit am plötzlichen Kindstod gestorben, und ihre Mutter leidet noch an Depressionen. In der Schule soll Lou ein Referat halten und entscheidet sich für das Thema, warum Menschen, speziell junge Frauen, obdachlos werden. Und hier kommt No ins Spiel. Lou lernt die achtzehnjährige No am Bahnhof kennen und gewinnt langsam ihr Vertrauen. Nach und nach freunden sich die beiden Mädchen an und Lou entdeckt, dass sie mehr für No tun möchte. Also wendet sie sich an ihre Eltern. Und damit verändert sich das Leben aller vier Beteiligten.

Delphine de Vigan hat ein wunderbares Buch über ein junges Mädchen geschrieben, das noch nicht so von unserer Welt abgestumpft ist. Lou hat noch Ideale und versucht diese ganz naiv umzusetzen. Es ist ein ganz großartiges kleines Buch entstanden, bei dem die Autorin speziell die beiden Mädchen ganz einfühlsam beschreibt. Dieses Buch macht Mut, auch wenn nicht immer alles glatt geht und uns am Ende alle die Realität wieder einholt. Vielleicht wäre unsere Welt ein klein wenig besser, wenn wir alle ein wenig mehr Idealismus zeigen würden. Ein tolles Buch für jung und alt! Delphine de Vigan ist eine wunderbare Autorin. Auch ihre beiden neueren Bücher sind wieder sehr lesenswert. Und sie verwendet jedes Mal ein ganz anderes Thema!

buch

Hannahs Briefe

Ronaldo Wrobel

EUR 19,99 *
auf Merkliste

40

16.03.2013

„Max und Hannah – eine Liebesgeschichte?”

Dies vorab: Es ist ein ungewöhnliches Buch und ganz anders als ich es mir an Hand des Klappentextes und des Covers vorgestellt hatte. Denn es ist beim besten Willen keine klassische Liebesgeschichte!

Ronaldo Wrobel ist ein brasilianischer Jude, der als Schriftsteller, Journalist und Rechtsanwalt in Rio de Janeiro lebt. Sein erster Roman wurde vom brasilianischen Kulturministerium, die Übersetzung vom Deutschen Übersetzerfond gefördert. Er erzählt darin einen Teil der jüdischen Geschichte, nämlich den der jüdischen Auswanderen aus dem Osten Europas nach Brasilien.

Seine Hauptperson ist Max. Max ist ein jüdischer Schuster, Mitte Dreißig und lebt in Rio de Janeiro. Er lebt ganz unauffällig und allein. Manchmal geht er zu Prostituierten, aber nicht zu den jüdischen, den sogenannten Polacas. Das passt nämlich nicht in sein Weltbild. Eines Tages wird er auf die Polizeistation gebeten, wo man ihn zwangsverpflichtet, dass er Briefe aus dem jiddischen ins portugiesische übersetzt. Und bei dieser Tätigkeit entdeckt er Hannah, die einen regelmäßigen Briefverkehr mit ihrer Schwester Guita in Buenos Aires unterhält. Hannahs Briefe sind so wunderbar, teilweise lebensklug, teilweise poetisch, so dass er sich nur auf Grund dieser Briefe in sie verliebt. Er hat keine Adresse von ihr, und doch versucht er sie ausfindig zu machen. Und eines Tages steht sie in seinem Laden und erkennt sie an Hand ihrer Handschrift. Doch wer ist Hannah wirklich? Erst nach und nach entdeckt er die Wahrheit über Hannah. Und immer, wenn er denkt, er weiß jetzt wirklich alles über sie, erfährt er wieder etwas Neues. Und so jagt er eigentlich ein Phantom.

Das Buch hat mich mehrfach überrascht. Der Autor versteht es fesselnd zu erzählen. Aber er ist auch ein typischer lateinamerikanischer Autor und erzählt seine Geschichte nicht stringent durch, sondern schweift immer mal wieder ab. Und so kommt man der eigentlichen Geschichte nur sehr langsam näher, erfährt aber viel über das jüdische Leben in Polen und Russland Anfang des 20. Jahrhunderts als auch über das jüdische Leben in Brasilien in den dreißiger Jahren. Kennen Sie die Verbrecherorganisation Zwi Migdal? Wenn nicht, werden Sie sie in diesem Roman kennenlernen. Und gerade wo ich dachte, jetzt kommt das große Finale mit der Auflösung, wechselt der Autor plötzlich die Erzählperspektive.

Ein spannendes Buch über einen mir völlig unbekannten Aspekt in der jüngeren jüdischen Geschichte. Es ist teilweise eine Liebesgeschichte und doch auch wieder ein Spionage-Roman. Sehr ungewöhnlich und sehr lesenswert.

40

16.03.2013

„Ein ganz anderer Afrika-Roman”

Gina Mayer stelle ich Ihnen an dieser Stelle ja nicht zum ersten Mal vor. Mit diesem Buch kehrt die Autorin einmal mehr zu den Wurzeln ihrer ersten Bücher („Die Protestantin“ und „Das Medaillon“) zurück. Alle drei Bücher beschäftigen sich in irgendeiner Weise mit der protestantischen Kirche.

In diesem Roman erzählt sie die Geschichte von Henriette (genannt Jette) aus ihrer eigenen Sicht, die als siebzehnjähriges Mädchen mit ihrer verwitweten Mutter 1900 nach Deutsch-Südwest ausgewandert ist. Eigentlich war es ihr Traum, Lehrerin zu werden wie ihr Vater. Doch die äußeren Umstände lassen es nicht zu. Und deshalb nimmt ihre Mutter einen Heiratsantrag von einem ihr unbekannten Missionar, den ihr der Pastor der Heimatgemeinde empfohlen hat, in dem deutschen Schutzgebiet an. Weder Henriette noch ihre Mutter haben die leiseste Vorstellung davon, wie es dort aussieht und wie sich ihr Leben dort gestalten wird. Die Missionarsstation Bethanien und der Pastor Freudenreich waren so ganz anders als Henriette es sich vorgestellt hat. Nach einem schweren Schicksalsschlag flieht Henriette mit Hilfe des Ochsentreibers Petrus. Sie will zu der Familie Cordes, die sie während der Überfahrt kennengelernt hat, in die Kap-Region. Unterwegs müssen die beiden Flüchtlinge einige schwierige Situationen bestehen. Dies schweißt sie fester zusammen als es die damalige Moral zulässt. Henriette erfährt einiges über die Schwarzen und ihre Lebensumstände: „Bevor ihr Weißen hier wart, war bestimmt nicht alles gut. … Aber damals waren meine Leute frei. Wir konnten gehen, wohin wir wollten, und leben, wie es uns gefiel. … Und ein einziger Deutji braucht mehr Platz als ein ganzer Nama-Stamm.“ S. 278 und „Die einen sagen, die Kaffer sind Tiere, man kann sie schlagen und treten. Und die anderen sagen, die Schwarzen sind arme Schweine, man muss sie bekehren, damit sie in den Himmel kommen, wenn sie sterben. Aber keiner sagt, dass wir ganz normale Menschen sind wie die Weißen auch.“ S. 300. Henriette bleibt aber weiterhin sehr idealistisch, muss letztendlich aber feststellen, dass die Wirklichkeit doch eine ganz andere ist.

Überraschenderweise ist dieses Buch ursprünglich 2011 im Thienemann Verlag als Jugendbuch für Leser ab 13 Jahren unter dem Titel „Die Wildnis in mir“ erschienen. Während ich dieses Buch gelesen habe, erschien es mir nie wie ein Jugendbuch. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, dieses Buch noch einmal unter einem anderen Titel als Taschenbuch für Erwachsene herauszubringen. Es ist ein wunderbares Buch, welches einem die Augen über die Situation der Menschen in den Regionen Deutsch-Südwest und Kap-Region Anfang des 20. Jahrhunderts öffnet. Und dadurch, dass die Ich-Erzählerin ein junges Mädchen ist, ist es sicherlich auch schon für Mädchen ab 12 Jahren interessant.

Es ist einmal ein ganz anderer Afrika-Roman, hervorragend recherchiert und sehr realistisch.

50

16.03.2013

„Für die Verrückten unter uns, die einer Katze gehören”

Es gibt nutzlose Bücher und es gibt nutzlose Bücher, die viel Spaß machen. Zum Glück empfindet das jeder anders. Ich habe jetzt so ein herrliches, kleines, nutzloses Buch gefunden, das mich köstlich amüsiert hat. Leider war es viel zu schnell zu Ende!

Katja Berlin hat das gemacht, was in Gedanken sicherlich ganz viele Menschen machen, die denken, dass sie eine Katze besitzen. Sie hat die Gedanken, bzw. Gespräche mit ihrem Kater aufgeschrieben. Allerdings nicht so altmodisch. Ihr Kater ist ein Genie (sind das nicht alle Katzen?) und kann SMS schreiben. Herausgekommen ist eine köstliche Sammlung von SMSs zu den verschiedensten Themen. Das sind so typische Themen wie Katzenfutter, Katzenstreu und Mäuse, aber auch so herrliche wie warum Frauchen keinen Mann findet und grundsätzliche philosophischen Betrachtungen.

So etwas möchte ich gerne als Abonnement auf mein Handy oder meinen E-Mail-Account haben. Dann kann ich wenigstens einmal am Tag garantiert lachen!

40

16.03.2013

„Ein ganz anderer Afrika-Roman”

Gina Mayer stelle ich Ihnen an dieser Stelle ja nicht zum ersten Mal vor. Mit diesem Buch kehrt die Autorin einmal mehr zu den Wurzeln ihrer ersten Bücher („Die Protestantin“ und „Das Medaillon“) zurück. Alle drei Bücher beschäftigen sich in irgendeiner Weise mit der protestantischen Kirche.

In diesem Roman erzählt sie die Geschichte von Henriette (genannt Jette) aus ihrer eigenen Sicht, die als siebzehnjähriges Mädchen mit ihrer verwitweten Mutter 1900 nach Deutsch-Südwest ausgewandert ist. Eigentlich war es ihr Traum, Lehrerin zu werden wie ihr Vater. Doch die äußeren Umstände lassen es nicht zu. Und deshalb nimmt ihre Mutter einen Heiratsantrag von einem ihr unbekannten Missionar, den ihr der Pastor der Heimatgemeinde empfohlen hat, in dem deutschen Schutzgebiet an. Weder Henriette noch ihre Mutter haben die leiseste Vorstellung davon, wie es dort aussieht und wie sich ihr Leben dort gestalten wird. Die Missionarsstation Bethanien und der Pastor Freudenreich waren so ganz anders als Henriette es sich vorgestellt hat. Nach einem schweren Schicksalsschlag flieht Henriette mit Hilfe des Ochsentreibers Petrus. Sie will zu der Familie Cordes, die sie während der Überfahrt kennengelernt hat, in die Kap-Region. Unterwegs müssen die beiden Flüchtlinge einige schwierige Situationen bestehen. Dies schweißt sie fester zusammen als es die damalige Moral zulässt. Henriette erfährt einiges über die Schwarzen und ihre Lebensumstände: „Bevor ihr Weißen hier wart, war bestimmt nicht alles gut. … Aber damals waren meine Leute frei. Wir konnten gehen, wohin wir wollten, und leben, wie es uns gefiel. … Und ein einziger Deutji braucht mehr Platz als ein ganzer Nama-Stamm.“ S. 278 und „Die einen sagen, die Kaffer sind Tiere, man kann sie schlagen und treten. Und die anderen sagen, die Schwarzen sind arme Schweine, man muss sie bekehren, damit sie in den Himmel kommen, wenn sie sterben. Aber keiner sagt, dass wir ganz normale Menschen sind wie die Weißen auch.“ S. 300. Henriette bleibt aber weiterhin sehr idealistisch, muss letztendlich aber feststellen, dass die Wirklichkeit doch eine ganz andere ist.

Während ich dieses Buch gelesen habe, erschien es mir nie wie ein Jugendbuch. Es ist ein wunderbares Buch, welches einem die Augen über die Situation der Menschen in den Regionen Deutsch-Südwest und Kap-Region Anfang des 20. Jahrhunderts öffnet. Und dadurch, dass die Ich-Erzählerin ein junges Mädchen ist, ist es sicherlich auch schon für Mädchen ab 12 Jahren interessant.

Es ist einmal ein ganz anderer Afrika-Roman, hervorragend recherchiert und sehr realistisch.