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Märchenmonds Erben

Märchenmonds Erben

Eine fantastische Geschichte

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Artikeldetails zu Märchenmonds Erben

AutorHeike Hohlbein

Untertitel Eine fantastische Geschichte

Abbildungsvermerk 18,5 cm

  • ISBN-103-453-59500-9
  • ISBN-139783453595002
  • Verlag Heyne Taschenbuch
  • ReiheHeyne-Bücher...
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten531
  • Veröffentlicht06.02.2006
  • GenreRo
  • Gewicht418g
  • Altersempfehlungab 14
  • SpracheDeutsch

Leseprobe aus Märchenmonds Erben

Kim beobachtete eine Gruppe junger Punker, die auf der anderen Straßenseite entlangschlenderte und offensichtlich auf Streit aus war. Die Burschen fielen ihm schon seit einer geraumen Weile auf, schon seit sie die Imbissbude an der Ecke verlassen hatten und immer heftiger herumstänkerten. Angefangen hatte es ganz harmlos – soweit man es als harmlos bezeichnen konnte, wenn ein halbes Dutzend Halbwüchsiger, von denen einige schon fast so groß wie Erwachsene waren, mit grün oder orange gefärbtem Haar, nietenbesetzten Lederjacken, auf deren Rücken Totenköpfe aufgenäht waren, sich zusammenrottete und anfing, ihre Umwelt zu terrorisieren. Zuerst hatte einer von ihnen seine leere Cola-Dose auf den Bürgersteig geworfen; ganz gezielt neben den Papierkorb, der nun wirklich unübersehbar neben dem Eingang der Imbissbude angebracht war. Natürlich waren alle anderen seinem Beispiel sofort begeistert gefolgt. Dann hatten sie sich eine Weile damit amüsiert, die leeren Getränkedosen über den Gehsteig zu kicken, sodass die Passanten, die das Pech hatten, ausgerechnet in diesem Moment dort entlanggehen zu wollen, ihnen mit hastigen Schritten ausweichen mussten und ein paar Mal sogar an Knöchel oder Waden getroffen wurden. Bald war auch dieses Spiel den Punkern langweilig geworden. Vielleicht zwei oder drei Minuten hatten sie einfach tatenlos herumgelungert, ohne dass irgendetwas geschehen wäre – abgesehen davon vielleicht, dass sich der Gehweg auf dieser Straßenseite zusehends leerte. Offensichtlich wagten es immer weniger sich den gefährlich aussehenden Burschen auch nur zu nähern. Einige ältere Männer und Frauen hatten sogar die Straßenseite gewechselt, als sie den bunten Haufen erblickten. Mittlerweile hatten die Burschen entdeckt, wie viel Spaß es machte, leere Cola- und Bierdosen in flachem Winkel auf die Straße hinauszutreten; nicht hoch genug um einen Wagen zu beschädigen, aber schnell genug um mehr als einem Fahrer einen gehörigen Schrecken einzujagen. Die meisten fuhren zwar einfach über die bunt bedruckten Blechdosen hinweg, aber es gab auch genug, die erschrocken auf die Bremse traten oder hastig auswichen, was jedes Mal ein wütendes Hupen zur Folge hatte. »Wenn sie so weitermachen, dann wird es noch einen Unfall geben.« Sein Vater zog die Wagentür hinter sich zu, steckte den Zündschlüssel ins Schloss und drehte ihn halb herum, ohne den Motor jedoch zu starten. Stattdessen blickte er weiter stirnrunzelnd zu den Punkern hin. Kim hatte nicht einmal bemerkt, dass er in den Wagen gestiegen war, und war ein wenig erschrocken, als er die Stimme seines Vaters so unversehens neben sich hörte. »Ich frage mich nur, warum niemand etwas tut«, sagte er. Was die Burschen da drüben trieben, war in ihren Augen vielleicht nicht mehr als ein etwas großer Scherz, der aber sehr schnell ernste Folgen nach sich ziehen konnte. »Weil die Leute Angst vor ihnen haben.« Sein Vater schüttelte den Kopf und startete den Motor nun doch. Er fuhr aber immer noch nicht los. Der Verkehr war zu dicht, und obwohl er den Blinker eingeschaltet hatte, machte keiner der vorbeifahrenden Wagen auch nur den Versuch, anzuhalten und ihn aus der Parklücke ausscheren zu lassen. Kim, der nun abwechselnd die Punker und das Gesicht seines Vaters betrachtete, hatte den sicheren Eindruck, dass dieser sich fast mehr darüber ärgerte als über das Benehmen der Jungen. Trotzdem erkannte er, dass sein Vater durchaus Recht hatte. Der Besitzer der Imbissbude, in der die Punker gegessen hatten, war hinter der Scheibe seines Geschäfts erschienen und blickte zu ihnen hin. In einiger Entfernung waren zwei alte Frauen und ein junger Mann stehen geblieben und debattierten heftig. Die Gesten, die ihre Worte begleiteten, ließen keinen Zweifel daran aufkommen, worüber sie sprachen. Allerdings tat niemand auch nur das Geringste, dem Treiben der Punker-Clique Einhalt zu gebieten. »Und warum unternehmen wir nichts?«, fragte Kim. Sein Vater nahm den Gang wieder heraus und sah ihn auf eine Weise an, die Kim ganz nervös machte. »Warum fängst du nicht schon einmal damit an?«, fragte er. Kim war nun vollends verwirrt. »Ich?« »Es war dein Vorschlag, oder?«, erwiderte sein Vater. »Es ist immer leicht, anderen zu sagen, was sie tun sollen.« Es verging ein Moment, bis er wirklich begriff, was sein Vater mit diesen Worten sagen wollte. Kim war verblüfft. Er war aus dem Alter heraus, in dem die Kinder noch glaubten, dass ihre Väter einfach alles können und vor nichts auf der Welt Angst hatten – aber er wusste auch, dass sein Vater alles andere als ein Feigling war. Wenn er sich entschied, sich mit dem Haufen dort drüben nicht anzulegen, dann wahrscheinlich nicht, weil er Angst vor den Burschen hatte. »Warum rufst du dann nicht wenigstens die Polizei?«, fragte Kim mit einer Kopfbewegung auf das Telefon am Armaturenbrett des Wagens. »Weil ich nicht glaube, dass es nötig ist«, sagte sein Vater. »Siehst du? Ich glaube, sie verlieren bereits das Interesse an ihrem Spiel.« Tatsächlich hörten die Burschen auf, leere Getränkedosen und anderen Abfall auf die Straße hinauszuschießen, obwohl ihnen die Munition noch lange nicht ausgegangen war. Einige Augenblicke lang sahen sie sich nur noch unschlüssig um, ganz offensichtlich auf der Suche nach jemand anderem, den sie provozieren konnten. Als sie niemanden fanden, drehten sie sich einer nach dem anderen herum und trollten sich. »Woher hast du das gewusst?«, fragte Kim verblüfft. Sein Vater blickte kurz in den Rückspiegel und fuhr dann los. Diesmal hatte er offensichtlich keine Schwierigkeiten, eine Lücke im Verkehr zu finden.
»Weil ich auch einmal so war wie sie«, antwortete sein Vater lächelnd. »Wie bitte?« Kim riss ungläubig die Augen auf. »Natürlich nicht genauso«, fuhr sein Vater fort. »Ich meine, ich hatte nicht so eine verrückte Frisur und wir haben keine zwei Zentner schweren Lederjacken und Ketten getragen.« »Und auch keine Bomberjacken und Springerstiefel«, vermutete Kim. Allmählich erwachte in ihm der Verdacht, dass sein Vater ihn auf den Arm nahm – auch wenn er sich beim besten Willen nicht erklären konnte, warum. »Und auch keine Bomberjacken und Springerstiefel«, bestätigte sein Vater. »Und trotzdem war der Unterschied gar nicht so groß, wie du vielleicht glaubst. Ich meine: Wir haben damals natürlich keine Leute angepöbelt, oder uns einen Spaß daraus gemacht, uns an Schwächeren auszulassen. Ich glaube nur, dass es heutzutage härter geworden ist. Manchmal entschieden zu hart. Aber das Prinzip ist dasselbe. Auch wir haben uns unseren Spaß daraus gemacht, unsere Eltern zu provozieren.« »Du?«, fragte Kim ungläubig. Seine Großeltern kamen nicht oft zu Besuch, weil sie in einer sehr weit entfernten Stadt lebten, aber er wusste, dass sein Vater ein ausgezeichnetes Verhältnis zu ihnen hatte. »Das kann ich mir nicht vorstellen!« Sein Vater lachte. »Du hättest mal meinen Vater hören sollen, als ich mich das erste Mal geweigert habe zum Frisör zu gehen und als ich mit Schlaghosen und einer dieser unmöglichen Fellwesten nach Hause kam. Mein Gott, war das ein Krach!« »Wegen langer Haare?« Kim konnte sich das kaum vorstellen. Er selbst trug die Haare relativ kurz, aber nicht aus irgendeiner Überzeugung oder aus modischen Beweggründen heraus, sondern aus purer Bequemlichkeit. Da er viel Sport trieb, fand er es einfach praktischer, sich nicht ständig die Haare aus dem Gesicht wischen zu müssen oder damit irgendwo hängen zu bleiben. In seiner Klasse gab es alle mögliche Frisuren. Übrigens auch ein paar unmögliche, seiner Meinung nach.
»Das Prinzip war dasselbe«, bekannte sein Vater. »Wir waren erst einmal gegen alles, was unsere Eltern gut fanden, und haben danach darüber nachgedacht. Im Grunde tun diese Rocker –« »Punker«, verbesserte ihn Kim. »– tun diese Punker nichts anderes«, fuhr sein Vater fort. »Nur auf ihre Weise. Damit wollte ich nicht gesagt haben, dass ich es gut finde. Das ganz bestimmt nicht. Aber weißt du, was? Ich wette, wenn diese sechs Kanarienvögel da hinten in zwanzig Jahren Fotos von sich sehen, dann ist ihnen das genauso peinlich wie mir heute, wenn ich mir alte Aufnahmen ansehe.« »An unserer Schule sind vor drei Monaten zwei Jungs verhaftet worden, weil sie einen Lehrer verprügelt und anschließend seinen Wagen in Brand gesetzt haben«, sagte Kim. »Ich weiß«, antwortete sein Vater. Er lächelte jetzt nicht mehr. »Und ich wollte auch bestimmt nichts verharmlosen. Die Jugend wird immer gewalttätiger und das ist ein großes Problem. Ich frage mich nur, ob es eine Lösung ist, mit immer drakonischeren Strafen darauf zu reagieren.« »Drakonische Strafen?« Kim zog eine Grimasse. »Die beiden Kerle waren nach einem Tag wieder auf freiem Fuß. Ihr Lehrer ist krankgeschrieben.« »Das ist das nächste Problem«, bestätigte sein Vater. »Manche sind zu hart und manche zu weich.« Plötzlich lachte er. »He, meinst du nicht, dass wir die Diskussion eigentlich genau andersherum führen sollten? Ich meine: Ich bin hier der verknöcherte Alte und du das rebellische Kind.« »Sag das noch mal und ich lasse mir die Haare grün färben und steche mir eine Büroklammer durch die Unterlippe!«, drohte Kim. Sie lachten beide herzhaft über diesen Scherz, aber nicht sehr lange. Das Gespräch hatte einen schlechten Nachgeschmack zurückgelassen, den sich Kim nicht richtig erklären konnte. Vielleicht weil er seinen Vater selten so ernst erlebte. Er wollte es gar nicht, aber er musste noch einmal auf das Thema zurückkommen.
»Es ist anders«, bekannte er. »Ich habe gelesen, dass an manchen amerikanischen Schulen jetzt schon Metalldetektoren wie am Flughafen aufgestellt werden, damit man die Schüler nach Waffen durchsuchen kann.« »Ich habe doch Recht«, sagte sein Vater. »Du bist erst einmal prinzipiell gegen alles, was ich sage.« Dann wurde er wieder ernst. »Weißt du, ein sehr weiser Mann hat einmal gesagt, dass die junge Generation zweifellos den Untergang der Kultur bedeutet.« »Der Direktor meiner Schule?«, fragte Kim. »Plato«, antwortete sein Vater. »Fünfhundert vor Christus ... glaube ich.« »Sehr komisch.« »Nein, überhaupt nicht«, widersprach sein Vater. »Was ich damit sagen will, ist, dass diese Diskussion schon so alt ist wie die Menschheit. Jetzt frag ich mich bloß, warum, aber offensichtlich ist es so, dass die Jugend immer gegen alles Alte rebelliert und sich das Alter immer gegen alle Neuerungen sperrt.« Er warf Kim einen raschen Seitenblick zu. »Stark vereinfacht ausgedrückt, versteht sich.« »Sehr stark vereinfacht«, murmelte Kim. Aus einem Grund, den er sich nicht richtig erklären konnte, begann ihm das Gespräch immer unangenehmer zu werden. »Vielleicht müssen wir einfach lernen mehr miteinander zu reden«, sagte sein Vater. Dann betätigte er den Blinker und lenkte den Wagen an den rechten Straßenrand. »Wo wir gerade schon einmal dabei sind: Tu mir doch einen Gefallen und ruf deine Mutter an. Ich muss noch einmal in die Buchhandlung und dort nachfragen, ob meine bestellten Bücher schon angekommen sind.« »Moment mal!«, protestierte Kim. »Mutter wartet mit dem Essen auf uns! Sie reißt mir den Kopf ab, wenn ich ihr erkläre, dass wir zu spät kommen!« »Deswegen sollst du ja auch anrufen«, erklärte sein Vater grinsend, während er schon seinen Sicherheitsgurt löste und mit der anderen Hand die Tür öffnete.
»Aber du hast doch gerade selbst gesagt, dass wir mehr miteinander reden müssen!« »Die junge Generation mit der alten und umgekehrt«, grinste sein Vater. Er stieg aus. »Nicht die Alten mit ihresgleichen.« »Du bist ein Feigling«, grollte Kim. »Ich habe nie etwas anderes behauptet«, erklärte sein Vater grinsend. »Nicht wenn es um deine Mutter geht. Bis gleich!« Kim blickte ihm kopfschüttelnd nach, aber dann griff er doch nach dem Telefon, wählte die eingespeicherte Nummer und erklärte seiner Mutter, dass es vielleicht ein bisschen später werden könnte. Er erzählte ihr vorsichtshalber nicht, dass sein Vater in eine Buchhandlung gegangen war. Das hätte dem Gespräch nur eine unnötige Schärfe verliehen. Sein Vater war nämlich das, was geradehin ein Bücherwurm genannt wurde. Wenn er nur mal schnell in eine Buchhandlung ging – und sei es nur, um ein bestelltes Buch abzuholen wie jetzt –, dann war es so gut wie sicher, dass er nicht unter einer Viertelstunde wieder heraus kam; wahrscheinlich eher einer halben. Er fand immer etwas, in dem zu blättern oder auch ein paar Minuten zu lesen sich lohnte. Es hatte eine Zeit gegeben – und sie war noch gar nicht so lange her –, da hatte Kim die Leidenschaft seines Vaters für Bücher hundertprozentig geteilt. Die riesige Bibliothek enthielt so ziemlich alles, was sich auf bedrucktes Papier bannen lies, von Reproduktionen ägyptischer Hieroglyphen über Lexika, prachtvolle Bildbände und Fachbücher bis hin zu Romanen und Abenteuergeschichten. Für die hatte sich Kim besonders interessiert. Er hatte damit angefangen, die Bücher von Karl May und Jules Verne zu lesen, später dann auch Bücher von Lovecraft, Poe und Dominik, bis hin zu den fantastischen Geschichten von Tolkien oder Marion Zimmer Bradley. Eine Weile war er sogar regelrecht davon besessen gewesen, in jene fantastische Welten voller Elfen und Kobolden einzutauchen, oder im Geiste auf der Brücke der Enterprise zu stehen und neue Galaxien und unbekannte Welten zu erforschen und zweimal war er sogar ...
Kim gestattete sich nicht, diesen Gedanken zu Ende zu denken. Es war vorbei. Was der Vergangenheit angehörte, das sollte man besser auch dort lassen – bevor es ihm am Ende noch so erging wie seinem Vater, dem die Erinnerung an seine eigene Jugend ja regelrecht peinlich zu sein schien. Kim las heute noch gerne dann und wann einen fantastischen Roman oder sah sich zusammen mit seiner Schwester einen spannenden Fantasy- oder Sciencefiction-Film an, aber er war sich jetzt der Tatsache bewusst, dass all diese Geschichten sehr wenig mit dem wirklichen Leben zu tun hatten. Wie zu Beispiel das halbe Dutzend Punker, das in diesem Moment im Rückspiegel sichtbar wurde. Kim blinzelte und sah dann verblüfft auf die Uhr im Armaturenbrett. Mit noch größerer Verblüffung stellte er fest, dass er seit gut zehn Minuten hier saß und auf seinen Vater wartete. Er hatte gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war. Er sah wieder in den Spiegel. Es waren tatsächlich dieselben Punker wie die, die sich vorhin auf dem Gehweg vor der Imbissbude wichtig gemacht hatten. Vor allem einen besonders großen Burschen mit neongrünem Haar, weiten Pluderhosen und einer feuerroten Piratenbluse erkannte er sofort wieder; schon, weil der Bursche in seinem Aufzug durch und durch lächerlich aussah. Allerdings war er so groß und muskulös, dass es so schnell niemand wagte ihm das ins Gesicht zu sagen. Vor allem nicht jetzt, wo er sich in Begleitung von fünf weiteren, kaum weniger gefährlich erscheinenden Gestalten befand. Die sechs Jungen – keiner von ihnen war auch nur einen Tag älter als Kim, die meisten wahrscheinlich ein oder zwei Jahre jünger – schlenderten gemächlich hinterher. Sie taten eigentlich nichts, außer sich dann und wann ein paar Worte zuzuwerfen oder laut zu lachen, aber der Bürgersteig gehörte ihnen trotzdem fast allein. Die Passanten wichen ihnen in weitem Bogen aus oder wechselten gar die Straßenseite und aus keinem einzigen der Geschäfte, an denen sie vorbeikamen, trat in diesem Moment ein Kunde heraus, was ganz bestimmt kein Zufall war. Ihr Aufzug und ihr Benehmen taten ihren Dienst. Aber während Kim die langsam näher kommende Gruppe weiter im Rückspiegel betrachtete, wurde ihm auch klar, dass sich sein Vater mindestens in einer Hinsicht geirrt hatte. Was die Jungen taten, war nicht bloß eine Provokation. Sie verbreiteten Angst. Als sie die halbe Strecke zurückgelegt hatten, fuhr ein Polizeiwagen vorbei. Während er die Gruppe passierte, wurde er deutlich langsamer. Der Beamte auf dem Beifahrersitz unterzog den wilden Haufen einer kritischen Musterung, gab seinem Kollegen aber dann einen Wink und der Wagen beschleunigte wieder. Einer der Burschen streckte ihm die Zunge heraus, der andere hob die Hand und zeigte dem Streifenwagen den ausgestreckten Mittelfinger. Alle brachen in grölendes Gelächter aus. Kim schüttelte seufzend den Kopf. Vielleicht wären ein bisschen mehr drakonische Strafen in dem einen oder anderen Fall doch nicht die schlechteste Lösung ... Er verriegelte vorsichtshalber die Tür und sah nervös zu der Buchhandlung hin, in der sein Vater verschwunden war. Vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee, ebenfalls dort hineinzugehen und in dem einen oder anderen Buch zu stöbern. Dann schüttelte er leicht den Kopf. Diese Blöße würde er sich doch nicht geben. Die Burschen erreichten den Wagen und schlenderten gemächlich daran vorbei ohne auch nur Notiz von ihm zu nehmen. Kim ließ sich ein kleines Stückchen tiefer im Sitz nach unten rutschen, aber er beging den Fehler, den Punkern wie gebannt hinterherzustarren, als sie am Wagen vorbeigegangen waren. Menschen spüren es manchmal, wenn sie angestarrt werden. Jedenfalls spürte es der Junge mit dem grünen Haar und der Piratenbluse. Er blieb urplötzlich stehen, drehte sich herum und sah zu Kim herein. Für eine halbe Sekunde, vielleicht weniger, begegneten sich ihre Blicke und in den Augen des Punkers war etwas, was Kim nicht nur abgrundtief erschreckte, sondern ihm auch klarmachte, dass er jetzt nur den Blick zu senken brauchte und die Sache wäre vorbei. Der Pirat hatte die Kraftprobe gewonnen und nichts würde geschehen. Kims weiterer Fehler war, dass er es nicht tat, sondern dem Blick des Jungen trotzig standhielt. Auch die fünf anderen Jungen blieben stehen und drehten sich einer nach dem anderem zu ihm herum. Zwei von ihnen blieben zurück, aber die anderen kamen langsam wieder näher, zusammen mit dem Anführer. »Jetzt seht euch bloß mal diese Angeber an«, sagte ein schmächtiger Bursche mit schwarzen Lederstiefeln und einem gewaltigen Irokesenschnitt, der seinen Kopf lächerlich klein erscheinen ließ. »Ja, richtig geil«, stimmte ein anderer in zerrissenen Jeans, zwei verschiedenfarbenen und gepiercten Nasenflügeln zu und ein dritter – er trug fast normale Kleidung, hatte aber eine Art umgedrehten Irokesenschnitt, nämlich einen gut fünf Zentimeter breiten, kahl geschorenen Scheitel – grinste: »Und erst das Bürschchen, das darin sitzt.« Der vierte Junge, er war groß, kräftig und über und über mit Ketten, Metallbändern, Handschellen und klimpernden Metallringen behangen, dass er wahrscheinlich auf der Stelle festrosten würde, wenn er in den Regen kam, trat an den Kotflügel heran und ließ die flache Hand auf die Kühlerhaube klatschen. »Er darf in Papis Auto sitzen«, grinste er.

Rezensionen der Redaktion zu Märchenmonds Erben

»Die Hohlbeins werden ihrem Ruf als erstklassige Fantasy-Autoren gerecht.« Lübecker Nachrichten

Kurzbeschreibung zu Märchenmonds Erben

Kim kehrt nach Märchenmond zurück. Doch dessen Bewohner glauben nicht mehr an Träume und Magie. Zwischen den Generationen ist ein erbitterter Kampf entbrannt. Kim bittet Themistokles um Hilfe, doch der Zauberer hat seine Kräfte in eine Glaskugel gebannt, die verloren ging. Kim und seine Gefährten beginnen einen gefahrvollen Wettlauf mit der Zeit. Denn ohne die magischen Kräfte wird Märchenmond sterben.




Autorenportrait zu Märchenmonds Erben

Wolfgang und Heike Hohlbein zählen zu den erfolgreichsten und meistgelesenen Fantasy-Autoren des deutschsprachigen Raums. Sie wurden unter anderem mit dem 'Preis der Leseratten' (ZDF) und dem 'Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar' ausgezeichnet, und ihr gemeinsames Erstlingswerk, der phantastische Roman 'Märchenmond', wurde mit bisher über 700.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller. Sie leben mit ihren Kindern in der Nähe von Düsseldorf.

Portrait

Heike Hohlbein:
Heike Hohlbein zählt zusammen mit Wolfgang Hohlbein zu den erfolgreichsten und meistgelesenen Fantasy-Autoren des deutschsprachigen Raums. Sie wurden unter anderem mit dem Preis der Leseratten (ZDF) und dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet. Sie leben mit ihren Kindern in der Nähe von Düsseldorf.

Autorenportrait

Wolfgang und Heike Hohlbein zählen zu den erfolgreichsten und meistgelesenen Fantasy-Autoren des deutschsprachigen Raums. Sie wurden unter anderem mit dem 'Preis der Leseratten' (ZDF) und dem 'Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar' ausgezeichnet, und ihr gemeinsames Erstlingswerk, der phantastische Roman 'Märchenmond', wurde mit bisher über 700.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller. Sie leben mit ihren Kindern in der Nähe von Düsseldorf.

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50

22.05.2006

„Das beste buch der reihe”

von janina Hallmann aus Unterschneidheim
Ich hab die bücher der Märchenmond - Reihe alle innerhalb einer woche gelesen!!!Doch Märchenmonds Erben war der geilste von allen!!!!!

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