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SPASSPREDIGER Top 100 Rezensent
Ort:
www.spassprediger.de
Rezensionen:
531 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 332

nicht hilfreich: 331

Rang:
45
Über mich:

Ich lese querbeet - bis hin zu Kartoffeln. Einer der interessantesten Stoffe, an denen ich in der letzten Zeit Geschmack gefunden habe, war übrigens ein Buch über Salz.

SPASSPREDIGERs Rezensionen

50

29.01.2009

„Dieser Roman verdient mehr Leser!”


Selbst wer sich die Bücherstapel mit Neuerscheinungen in den letzten Jahren eher dann und wann als regelmäßig näher angeschaut hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass Romanerzählungen vor historischem Hintergrund seit geraumer Zeit schon sehr im Trend liegen.

Angesichts der Beliebtheit von Wunderheilerinnen und Wanderhuren erstaunt die Ignoranz, mit der eine andere literarische Frauenfigur nach wie vor gestraft wird: Magd Griet, aus deren Perspektive Tracy Chevalier die Geschehnisse in ihrem Roman "Girl with a Pearl Earring" schildert, ist schon in der gleichnamigen Verfilmung trotz illustrer Besetzung unverdient wenig Aufmerksamkeit beschieden gewesen; dass es zur Romanvorlage bisher keine einzige Rezension gibt, spricht ebenfalls eine deutliche Sprache.

Das ist umso bedauerlicher, als ich das Buch, wie so oft, noch um einiges empfehlenswerter finde als den durchaus sehenswerten Film. Während der über weite Strecken etwas schleppend inszeniert wirkt, hat mich das Buch von Anfang an und bis zur letzten Seite in seinen Bann geschlagen. Chevalier baut ihre Geschichte um ein Dienstmädchen, das schließlich zum "Mädchen mit Perlenohrring" auf Vermeers berühmten Gemälde wird, meisterlich auf, und obschon die innere Handlung des Romans die äußere deutlich überwiegt, wirkt "Girl with a Pearl Earring" niemals langweilig.

Der Spassprediger meint:

Tracy Chevalier ist etwas Außergewöhnliches gelungen: Sie hat einen Historienroman für Leser geschrieben, die keine Historienromane mögen. Das Ergebnis hat mich sogar noch mehr überzeugt als der gleichnamige sehenswerte Film mit Scarlett Johansson in der Titelrolle.

0 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

50

28.12.2008

„Die Wahrheit über Himmel und Hölle”

Wer hätte gedacht, dass sich schon unter der Herrschaft des gutmütigen Kalifen Harun al Pussah das scheinbar harmlose Hüpfspiel „Himmel und Hölle“ großer Beliebtheit erfreute?

Gleich zum Auftakt des vierten Buchs der Isnogud-Werkausgabe klärt uns die gleichnamige Geschichte darüber auf, was es mit dem Himmel und Hölle-Spiel in Wirklichkeit auf sich hat: Das verhexte Hüpfspiel verwandelt Erwachsene im Nu zurück in Kinder. Was läge für den schändlichen Großwesir Isnogud wohl näher, als den Kalifen zu einer kleinen Partie einzuladen, den Beherrscher der Gläubigen in einen Minderjährigen zu verwandeln und bis zu dessen Volljährigkeit (die Harun natürlich nur erreicht, wenn er vorher keinen kleinen Unfall erleidet) das Kalifat selbst zu regieren … ?

„Himmel und Hölle“ ist der erste von insgesamt elf Schüssen, die, sehr zum Vergnügen des Lesers, mal wieder kräftig nach hinten losgehen. Das knappe Dutzend traditioneller Insogud-Abenteuer wird gefolgt von 45 jeweils eine Albumseite umfassenden Cartoons, in denen Texter Goscinny die Figur Isnogud aus ihrem üblichen Szenario herauslöst und zur Hauptfigur einer Reihe von Geschichten mit Bezug zum politischen Tagesgeschehen im Frankreich der 70er Jahre macht. In den kurzen Strips übernimmt der Großwesir verschiedene Ministerposten und will zur Abwechslung, man höre und staune, mal Giscard d’Estaing anstelle von Giscard d’Estaing oder auch Henry Kissiner anstelle von Henry Kissinger werden.

Redakteur Horst Berner wiest in seinem aufschlussreichen und informativen Vorwort vorsorglich darauf hin, dass die Cartoons mit ihren „typisch französischen Gegebenheiten der 1970er Jahre und einigen unübersetzbaren Wortspielen hiesigen Lesern möglicherweise etwas unkonventionell erscheinen mögen“. In der Tat erschließen sich nicht alle der seinerzeit wöchentlich in einer französischen Sonntagszeitung veröffentlichten einseitigen Gags gleich gut; nichtsdestotrotz sind die unter dem Titel „Düstere Aussichten“ gesammelten Beiträge von Goscinnys Cartoon-Kolumne ein interessantes Zeitdokument, das die Vielseitigkeit des gelernten Journalisten Goscinny vor Augen führt. Die restlichen Geschichten, ursprünglich veröffentlicht in den Alben „Isnogud der Listige“ und „Isnogud und der Türkenkopf“, funktionieren freilich heute so gut wie eh und je. Zwei meiner persönlichen Highlights sind die surreale „Andenkeninsel“-Geschichte und Isnoguds Begegnung mit einem magischen Versandhaus-Katalog, aus dem sich Dinge bestellen lassen, die erst in ferner Zukunft erfunden werden.

Der Spassprediger meint:

Auch der vierte Band der schön aufgemachten Isnogud-Werkausgabe aus dem Verlag Ehapa ist sein Geld wieder wert. Fans des schändlichen Großwesirs dürfen sich diesmal über elf traditionelle Abenteuer aus den Bänden „Isnogud der Listige“ und „Isnogud und der Türkenkopf“ sowie 45 je eine Albumseite umfassende Cartoons aus „Düstere Ausscihten“ freuen.

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buch

Gallop! Cards

Rufus Butler Seder

EUR 12,10 *
auf Merkliste

50

23.12.2008

„Willkommen im Postkartenkino!”


Rufus Butler Seders "Scanimation"-Karten und -Bücher machen sich ein Prinzip zunutze, das, obschon mehr als 150 alte Jahre alt, nichts von seiner Fähigkeit zu verblüffen eingebüßt hat.

Seders Karten funktionieren ähnlich wie ein sogenanntes Phenakistiskop; wer mehr zum Thema wissen möchte, den verweise ich an dieser Stelle auf den einschlägigen Wikipedia-Eintrag. Das Verständnis der zugrundeliegenden Funktionsweise ist allerdings keine Bedingung, um Spaß an den acht Karten (vier Motive in jeweils zweifacher Ausfertigung) zu haben. Beim Öffnen der Karten scheinen Pferd, Katze, Hund und Adler sich zu bewegen, und das sogar sehr lebensecht.

Der Spassprediger meint:

Seders Karten sind ein tolles Geschenk für große und kleine Zeitgenossen, die Spaß an Daumenkinos, Thaumatropen und anderem optischen Spielzeug haben. Neben den 8 Klappkarten bietet die schmucke Box Umschläge und einen Satz netter, kleiner Aufkleber zum Verzieren der Umschläge. Eines der Motive verbleibt auch nach dem Versand aller acht Karten beim Absender: Das galoppierende Pferd schmückt auch den Deckel der stabilere Box, für die sich bestimmt auch nach Versenden der acht Klappkarten ein Verwendungszeck findet.

0 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Mumins

Tove Jansson

EUR 24,00 *
auf Merkliste

50

09.12.2008

„So kennen selbst Mumin-Kenner die Mumins noch nicht”

In ihrer Heimat sind die Mumins Stars: Die Mumins sind für Finnland gewissermaßen das, was Asterix & Co. für Frankreich sind.

Im Laufe langer Jahre haben Tove Janssons Figuren auf verschiedene Weise Gestalt angenommen. 1954 wandte sich die britische Associated Press mit der Bitte an Jansson, die Abenteuer der Mumins in Form eines Comic Strips umzusetzen. Bis zur Ankündigung des Verlags "Reprodukt", die Comics zum ersten Mal in ihrer Gesamtheit auf Deutsch zu veröffentlichen, war mir persönlich nicht bewusst, dass Tove Jansson ihre sympathischen Wesen auch auf einen Ausflug in die Welt des Comic-Strips mitgenommen hat.

Rein äußerlich ist Mumin der, der er für mich immer war: ein knuffiges, weißes, einem Nilpferd nicht unähnliches Kerlchen, dessen Proportionen Beschützerinstinkte ansprechen. Auf den zweiten Blick werden dann aber doch Unterschiede in der Konzeption des Figurenpersonals deutlich. Während die Mumins, die ich aus Kindertagen kannte, sehr kindliche Charaktere sind, hat Jansson ihren Comic-Figuren Eigenschaften zugeordnet, die einen guten Blick für menschliche Schwächen verraten. Das Snorkfräulein etwa verliebt sich zwar schnell in Mumin, mindestens genauso schnell aber verliert es zwischenzeitlich sein Herz an einen reichen Schönling. Auch Mumin-Papa ist durchaus nicht ohne: Offensichtlich findet der Kerl nichts Verwerfliches daran, sich mit seiner besseren Hälfte mir nichts, dir nichts in einen Kurzurlaub abzusetzen, von dem der Sohnemann vorher nicht einmal ins Benehmen gesetzt wird.

Die Mumins, die uns Jansson in ihren Comics vorstellt, sind eine ziemlich hedonistische Gesellschaft. Das macht sie nicht weniger liebenswert, aber es macht sie zu Figuren, in denen sich auch Erwachsene schmunzelnd wiedererkennen können: Wer wollte es Mumin-Papa ernsthaft verübeln, dass er sich im Rimini-Urlaub als Adeliger "de Mumin" ausgibt ... ? Auch die Bemühungen von Mumins bestem Freund Schnüferl um schnellen materiellen Reichtum wird jeder verstehen können, der je einen Lottoschein ausgefüllt hat.

Die teils herrlich lakonischen und überaus kundig aus dem englischen Original ins Deutsche übertragenen Texte ergänzen Janssons Zeichnungen kongenial. "Ohne Rum läuft nix", erwidern etwa die Piraten, die vom Snorkfräulein und der koketten Mümmla zu Hausarbeit verdonnert werden; und einem älteren Herr fällt zu einem Elixier, das ihm die Jugend zurückbringen soll, nur Folgendes ein: "Was? Das ganze Theater mit den Weibern noch mal?"

Wie gesagt: "Die Mumins", die uns die Comic-Variante vorstellt, wenden sich offenkundig an ein vergleichsweise erfahrenes Theaterpublikum.

R e s ü m e e :

Rund ein halbes Jahrhundert, nachdem die Mumin-Comics zum ersten Mal erschienen, macht der Verlag Reprodukt Janssons wunderbar versponnene Bildergeschichten nun erstmals auch einem deutschen Publikum in ihrer Komplettheit zugänglich. Dankenswerterweise macht die Ausstattung dem erfreulichen Anlass alle Ehre: Weder an der Papierqualität noch am Rest der Ausstattung (sehr schön: der in Halbleinen gebundene Rücken) habe ich etwas zu beanstanden; den Preis empfinde ich angesichts der Qualität des Gebotenen als äußerst reell.

Fazit: Wer "Die Mumins" kennt und liebt, kommt um Band 1 der schönen Comic-Werkausgabe nicht herum. Freunde poetischer Comic-Kunst wie "Calvin & Hobbes" und "Die Peanuts" sowie Geschichten von Janosch sollten aber ebenfalls einen Blick riskieren, denn die Mumin-Comics sind eine echte Entdeckung.

1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

50

04.11.2008

„Die Farbversion mit hohem Schwarzanteil”

In seinem zweiten Abenteuer verschlägt es den pfiffigen Reporter Tim in die Vereinigten Staaten. Im Chicago der 30er Jahre gerät der Held zwischen die Fronten verschiedener Gangsterbanden, reüssiert als lassoschwingender Cowboy und wird von Indianern an den Marterpfahl gebunden.

Mit „Tim in Amerika“ legt der Carlsen-Verlag bereits den zweiten Band der in diesen Tagen erscheinenden Farbfaksimile-Edition vor. Und obschon man sich mit der Neuveröffentlichung der „Tim und Struppi“-Abenteuer sicher vornehmlich an Kenner der Materie wendet, könnte der Verlag die Reihe für meinen Geschmack ruhig etwas offensiver und ausführlicher bewerben – handelt es sich bei den Abenteuern der Faksimile-Reihe doch um die Fassungen, die manche Überraschung bergen.

Und obwohl mittlerweile mehrere Generationen mit den Abenteuern von Reporter Tim und seinem Hund Struppi großgeworden sind, dürften nicht alle Leser der Reihe wissen, dass Autor Hergé an vielen seiner Geschichten im Laufe der Zeit Änderungen vorgenommen hat. Diese Änderungen sind insofern bemerkenswert, als sie dabei helfen, die „Tim und Struppi“-Geschichten im zeitlichen Kontext der jeweiligen Veröffentlichung zu betrachten. Nachdem die Abenteuer von Reporter Tim und seinem Hund Struppi zunächst in Schwarzweiß und als Fortsetzungsgeschichte in der Jugendbeilage einer belgischen Zeitung veröffentlicht worden waren, zeichnete Hergé die ersten Geschichten für die Neuveröffentlichung in Farbe komplett neu.

Auch später noch erfuhren die Abenteuer Änderungen; insbesondere gilt das für die in den Jahren vor 1940 erstmals veröffentlichten Bände. Für die 1946 in Farbe veröffentlichte Fassung zeichnete Hergé das 1932 erstmals veröffentlichte Abenteuer neu, aber auch zwischen dieser ersten farbigen Fassung und einer Neuauflage aus dem Jahr 1973 gibt es kleine, aber durchaus interessante Unterschiede. So korrigierte Hergé in drei Panels seine Darstellung von Figuren mit schwarzer Hautfarbe: Im Rahmen einer Szene, in der ein Gangsterboss seine Handlanger instruiert, erscheint in der farbigen Erstfassung auch ein Schwarzer mit geradezu grotesk dicken Lippen – in der farbigen Neuauflage hat Hergé seine Karikatur gewissermaßen kosmetisch korrigiert. In zwei weiteren Panels der überarbeiteten Neuauflage waren zwei schwarze Figuren gleich ganz von der Bildfläche verschwunden: Man hatte sie kurzerhand durch weiße ersetzt.

Die vorliegende Version präsentiert die Urfassung. Die ist, wen wundert’s, nach heutigen Maßstäben politisch alles andere als korrekt – auch sprachlich, denn die amerikanischen Ureinwohner werden durchgängig als Rothäute tituliert.

Nicht verschwiegen sei, dass Hergé in „Tim in Amerika“ auch kritische Töne anklingen lässt. Da werden etwa in einem Panel Ureinwohner von ihrem Land vertrieben werden, weil dort Öl gefunden wird; in einem anderen Panel lässt Hergé streikende Arbeiter darüber klagen, das sie beschäftigende Unternehmen, ein Hersteller von Corned Beef-Konserven, zahle ihnen keine fairen Preise mehr für Hunde, Katzen und Ratten – solche satirischen Elemente sucht man im ersten Band der „Tim und Struppi“-Reihe „Tim im Kongo“ noch vergebens.

Der Spassprediger meint:

Der zweite Band der Farbfaksimile-Edition bietet Gelegenheit, die farbige Urfassung von „Tim in Amerika“ kennen zu lernen, die sich in einigen Punkten von der bisher erhältlichen unterscheidet. Kleiner Wermutstropfen: Leider hat der Carlsen Verlag die Neuausgabe nicht zum Anlass genommen, der Geschichte ein Editorial mit entsprechenden Erläuterungen voranzustellen.

1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

50

03.11.2008

„Tempora mutantur, nos et mutamur in illis”

Die Zeiten ändern sich, wir ändern uns in ihnen – und mit uns ändert sich auch unser Begriff davon, was als amüsant gelten darf und was nicht: Zuweilen ist es hilfreich, sich klarzumachen, dass offensichtlich auch der Humor dem Zeitgeschmack unterworfen ist.

Erstmals veröffentlicht worden ist „Tim Kongo“ in den Jahren 1930 und 1931; zunächst als Fortsetzungsgeschichte in der Kinderbeilage einer belgischen Zeitung. Zwischenzeitlich ist aus einer ursprünglich schwarz-weißen Bildergeschichte nicht nur eine farbige geworden, sondern Tims erstes Abenteuer hat auch inhaltliche Änderungen erfahren. Für die hierzulande erst 1976 veröffentlichte farbige Fassung wurde ein Panel, in dem Reporter Tim ein Nashorn mit Dynamit in die Luft sprengt, durch eine harmlosere Variante ersetzt. Offensichtlich wurde es 1930 als nicht besonders widersprüchlich empfunden, dass ausgerechnet der Held eines Comics sich grausam gegenüber Tieren verhält – davon zeugt auch eine weitere Szene, in der Tim einen Elefanten tötet, nur um sich dessen Elfenbein anzueignen.

In der vorliegenden Ausgabe darf Tim sich wieder als Sprengmeister betätigen. Dass jugendliche Leser von heute daran Anstoß nehmen, steht sicher nicht zu befürchten, denn die Bände der kürzlich im Carlsen-Verlag erschienenen bibliophilen Farbfaksimile-Edition dürften sich in erster Linie an erwachsene Comic-Liebhaber richten. Die erhalten die von Autor Hergé für die Farbversion um einige beanstandete Texte bereinigte Variante der Geschichte: Nashorn und Elefant müssen immer noch dran glauben, aber Reporter Tim, der kurzzeitig zum Aushilfslehrer an einer Missionsschule mutiert, bringt den kleinen schwarzen ABC-Schützen politisch unverdächtig Rechnen bei, statt ihnen was übers belgische Vaterland zu erzählen: alle Verweise darauf, dass der Kongo im Jahr der Erstveröffentlichung belgische Kolonie war, hat Hergé bereits 1946 getilgt.

Auch so steckt in Tims Afrika-Reise offensichtlich noch genügend Brisanz: Hergés dicklippige, unmündig wirkende Witzfiguren, zu denen er die Einheimischen degradiert, sind diskussionswürdig; und seine Art der Darstellung verrät, das hat der Autor später selbst eingeräumt, einen äußerst naiven Blick auf den Kontinent Afrika und seine Bewohner.

Gehört der Nachdruck der ersten Farbversion von „Tim im Kongo“ deshalb in den Giftschrank der Comic-Geschichte? Vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen ist die nachträgliche Moralisierung mit dem Zeichenstift bedenklich. Umso begrüßenswerter ist es, dass die jüngste Veröffentlichung von „Tim im Kongo“ die nachträgliche Schönung des beanstandeten Nashorn-Panels rückgängig macht: „Tim im Kongo“ ist in der Postmoderne der political correctness angekommen, und das ist auch gut so.

Hätte ich einen Wunsch äußern dürfen, wäre es sicher eher der nach einer kurzen editorischen Notiz zur bisherigen Rezeptionsgeschichte des ersten „Tim und Struppi“-Abenteuers gewesen – ein entsprechendes Vorwort hätte sicher nicht nur ich schön gefunden.

Der Spassprediger meint:

„Tim im Kongo“, der erste Band der derzeit im Verlag Carlsen erscheinenden Farbfaksimile-Edition der Abenteuer von „Tim und Struppi“, bietet die Urversion der 1946 erstmals veröffentlichten Farbfassung inklusive der vom Autor für diese Ausgabe korrigierten Texte. Fazit: Für Sammler ist diese schön gestaltete, handgeletterte Ausgabe ein Pflichtkauf.

3 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

30

26.10.2008

„Nachklapp für die Akte X-Generation”

Wäre es vor 20 Jahren denkbar gewesen, dass eine Endfünfzigerin und ein Mittsechziger Helden eines Abenteuerfilms sein können? Mit Twen Shia LaBoeuf präsentiert „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ zwar auch dem jugendlichen Publikum die dringend notwendige Identifikationsfigur, aber das Gros des Figureninventars ist deutlich älter: Der demographische Wandel macht eben auch vor dem Kino nicht Halt.

Die Probleme, denen sich das Projekt „Kristallschädel“ stellen muss und die es nur leidlich gut lösen kann, sind die gleichen wie bei der „Star Wars“-Reihe: Alte wie neue (hier: junge) Fans gleichermaßen ins Kino zu locken und zu begeistern ist ein Drahtseilakt, der, zumindest in Teilen, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Seitdem Lucas und Spielberg ihren Helden im gleichnamigen Film auf den letzten Kreuzzug schickten, sind bald 20 Jahre ins Land gegangen. Zum Glück bemüht sich der Film gar nicht erst, diese Tatsache zu leugnen, sondern siedelt seine Ereignisse konsequenterweise in den Fifties an.

Der Auftakt der Handlung ist gewohnt furios – und weil wir inzwischen das Jahr 2008 schreiben, werden dem spezialeffektverwöhnten Publikum diesmal keine einstürzenden Tempel, Verfolgungsjagden durchs nächtliche Shanghai oder rasante Zugfahrten geboten, sondern gleich eine Atombombenexplosion. Die der Held nur überlebt, weil er sich in letzter Sekunde in einen bleiummantelten Kühlschrank retten kann – das ist, immerhin, so comichaft überzogen und unwahrscheinlich, wie man’s von den Filmen der Reihe gewohnt ist.

Auch im Rest seiner 117 Minuten spart der Film durchaus nicht an Schauwerten, die nach dem Motto „Klotzen statt Kleckern“ getrickst wurden – für meinen Geschmack geschieht hier durch die Bank sogar eher des Guten zuviel, denn mit seinem hohen Anteil computergenerierter Effekte hat mich der komplette Look des Films immer wieder an „Die Mumie“ und ihre diversen Fortsetzungen erinnert – zum Teil liegt das sicher daran, dass George Lucas’ Effektschmiede „Industrial Lights and Magic“ auch für die Effekte in den „Mumie“-Abenteuern verantwortlich war.

So vielversprechend der Aufhänger für mich zunächst klang, so enttäuscht war ich dann doch von der Umsetzung: Leider bleibt das Mysteriöse, das das Sujet gemeinhin umweht, doch sehr auf der Strecke – ich habe mich immer wieder bei der Frage danach ertappt, was das Autorenteam der Akte X-Folgen wohl aus dem Stoff gemacht hätte ...? Wie gesagt: „Allen recht getan – ist eine Kunst, die niemand kann.“

Zum Glück gibt es aber auch Positives zu vermerken: Auf der Haben-Seite kann der Film eine Reihe netter, kleiner Insider-Gags für sich verbuchen – der Spielberg-typische Witz blitzt zum Glück oft genug auf, um „Indiana Jones IV“ zum netten Pocorn-Kintopp für einen Samstagabend zu machen.

Der Spassprediger meint:

Der vierte Teil der „Indiana Jones“-Reihe bietet rund 20 Jahre nach der Premiere des dritten Teils, ein summa summarum erfreuliches Wiedersehen mit den zwei Hauptfiguren des ersten Teils. Der Charme der ersten drei Teile bleibt leider etwas auf der Strecke, nettes Popcorn-Kino ist der Film allemal: wer seine Erwartungen entsprechend niedrig schraubt, wird nicht enttäuscht sein. Die Einzel-DVD ist technisch solide, bietet aber keine Ausstattungsmerkmale, die erwähnenswert wären.

0 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

EUR 29,00 *
"Die gesammelten Abenteuer des Großwesirs Isnogud 03" unbekannt

50

08.10.2008

„Tolles Hauptgericht mit schmackhaften Beilagen”


Auch mit Band 3 der Isnogud-Werkausgabe serviert der Ehapa-Verlag wieder ein Menü, nach dem sich Fans des bitterbösen Großwesirs die Finger lecken dürften.

Der literarische Hauptgang besteht diesmal aus den Inhalten der Bände „Ein Möhrchen für Isnogud“, „Isnogud und der Narrentag“ und „Der Zauberteppich“; die „Vorspeise“, das von Horst Berner verfasste Editorial, ist in Band 3 noch umfangreicher als in den Bänden 1 und 2 ausgefallen und wartet abermals mit einer Reihe interessanter Hintergrundinformationen auf –dass Isnoguds Abenteuer ursprünglich zeitgleich in gleich zwei renommierten französischen Comic-Magazinen erschienen sind, wusste ich nicht; dass es sich bei diesen Veröffentlichungen um schwarz-weiße Versionen mit roten Akzenten handelte, war mir auch neu.

Zudem geht Berner auf eine Reihe von Anspielungen innerhalb der Isnogud-Geschichten ein: Die Verweise auf Panels, in denen Zeichner Tabary sich selbst und Texter Goscinny kleine Denkmäler gesetzt hat, enthüllen kleine Insider-Gags, außerdem erläutert Berner den Zusammenhang zwischen einzelnen Figuren des Asterix-Bandes „Asterix im Morgenland“ und den Protagonisten der Isnogud-Geschichten. Auch dass Figuren von Hergés „Tim und Struppi“-Abenteuer einen Gastauftritt in einem der Abenteuer haben, findet Erwähnung.

Die Geschichten selbst sind wieder einmal ein Fest für Anhänger intelligenter Comic-Unterhaltung im Allgemeinen und für Fans des gepflegten Kalauers im Besonderes. Einer meiner persönlichen Favoriten ist die Titelgeschichte, in der sich der gutmütige, aber dumme Kalif persönlich auf die Suche nach der legendären Mohrrübe begibt, von der man munkelt, ihr Genuss verwandle auch den stinstiebeligsten Giftzwerg in einen freundlichen, höflichen Zeitgenossen.

In „Isnogud und der Narrentag“ schließlich geht tatsächlich der brennende Wunsch des Großwesirs in Erfüllung: 24 Stunden lang stellt der karnevalsähnliche Narrentag die Verhältnisse auf den Kopf: der General sieht sich zum Gefreiten degradiert, die Palastsklaven übernehmen das Regiment – und der Großwesir ist einen Tag lang ... Kalif anstelle des Kalifen!

Allein – was hilft Isnogud das schöne Amt, solange der Narrentag alle Befehlsgewalt des Kalifen verpuffen lässt ... ? Wie etwa soll der den dummen Harun al-Pussah verschwinden lassen, solange Handlanger Tunichgud den Tag verschläft und sämtliche für einen Tag zum General beförderten Soldaten fleißig ihre Offiziersmemoiren verfassen? Auf dass er über den Tag hinaus Kalif bleiben möge, versichert sich der Großwesir der Hilfe des schrecklichen Sultans Pullmankar: Der soll nach gemeinsam beschlossener Blitzmobilmachung mit seinen Truppen in Bagdad einmarschieren und den neuen Kalifen „Isnogud, der Schöne“ in seinem Amt bestätigen. Aber natürlich geht der auch dieser Schuss kräftig nach hinten los ...

Der Spassprediger meint:

Auch Band 3 der Isnogud-Werkausgabe bietet wieder witzige Comic-Geschichten in schöner Aufmachung; das kenntnisreich geschriebene Vorwort liefert wieder interessante Fakten zur Geschichte der Serie und erklärt diverse zeichnerische und textliche Anspielungen. Fazit: unbedingt kaufenswert!

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