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Die Prinzessin und der Horst

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Artikeldetails zu Die Prinzessin und der Horst

  • ISBN-103-8387-0108-9
  • EAN9783838701080
  • Veröffentlicht03.2009
  • Lübbe Digital
  • EinbandartEPUB

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Leseprobe aus Die Prinzessin und der Horst

8. (S. 251-252)

E s k e .
Ich verstehe nicht, warum Mona mich nicht unterstützen will. Ich versuche doch nur, an unsere Gesundheit zu denken. Wir leben schließlich beide nicht gesund. Zu viel Alkohol, zu viel Essen, zu wenig Schlaf und zu wenig Sport. Ich meine deshalb, dass man sich seinen Teint nicht noch zusätzlich durch haufenweise Zigaretten ruinieren muss. So langsam sollten wir uns beide ernsthaft Gedanken um unsere Gesichtshaut machen. Eigentlich tun wir das zwar schon, aber eben nicht genug. Wir wissen beide, dass die Sonne der erste Feind des feinen Teints ist, und haben Solarium ersatzlos gestrichen. Wir wissen auch, dass bei Pflegeprodukten schnell am falschen Ende gespart werden kann: Die Haut um die dreißig ist eine anspruchsvolle und verträgt am besten ganz teure Kosmetik.
Dennoch, nur von reichhaltigen Cremes und reichhaltiger Ernährung lässt sich die Visage nicht ewig frisch und faltenfrei erhalten. Also habe ich auf Grund von optischen Gesichtspunkten beschlossen, dass Mona und ich das Rauchen aufgeben. Große Unterstützung erhalte ich dabei von meinem nicht rauchenden Freund, keine jedoch von Mona. Trotzdem, gestern wollte ich wirklich aufhören. Zur Not auch alleine, aber Mona rauchte mir so lange etwas vor, bis ich auch wieder anfing. Immerhin war ich ganze drei Stunden überzeugter Nichtraucher. Ich bin mir nicht sicher, ob Mona als Freundin noch tragbar ist. Sie schadet meiner Gesundheit.
M o n a .
Pia war skeptisch, als ich ihr am nächsten Tag die Metallkassette vorführte. »Das soll klappen?«, fragte sie zweifelnd. »Ich weiß ja nicht.« »Erst mal müssen wir überhaupt in Horst ankommen«, sagte ich ebenso skeptisch und musterte besorgt Pias Auto. Es war ein klappriger grüner Polo, der jeden Moment auseinander zu brechen drohte. Er hatte so viele Rostflecken wie andere Leute Sommersprossen, und der Beifahrersitz ächzte, als ich mich darauf fallen ließ. »Er heißt Poldi«, sagte Pia beleidigt und ließ den Motor an, der sich nur zögernd und laut rasselnd in Bewegung setzte. Schon vom Geräusch bekam ich eine Rauchvergiftung. Zwölf Minuten später (kein Stau im Elbtunnel, hurra) schepperten wir auf der A7 in Richtung Bremen, während ich sorgfältig Pias Informationsmaterial begutachtete. Sie hatte sich alle Mühe gegeben. Der Krempel sah überzeugend aus und sehr professionell. Wow.
Die »ADHS-Früherkennung e.V.« war ein Traum aus Wohltätigkeit, Wissenschaft und beinahe hypnotischer Wortgewalt. »Wahnsinn«, resümierte ich anerkennend und klopfte Pia auf die Schulter. Sie grinste. »Gelernt ist gelernt«, erklärte sie. »Musst das jetzt nur noch auswendig lernen. Du bist die Wortführerin. Ich trage lediglich die Spendenbüchse. Your turn, Baby.« Mit diesen Worten überließ sie mich meinem Schicksal. Worauf hatte ich mich da bloß eingelassen! Wir kamen hervorragend durch. Gegen eins legten wir eine ausgedehnte Kaffeepause ein und passierten pünktlich um kurz vor zwei das Ortseingangsschild von Walkenhorst. Wie auf Kommando verdüsterte sich in genau diesem Moment der Himmel.
Filmreif. Dicke Regenwolken hingen bleischwer und so niedrig über der Stadt, dass man glauben mochte, man könnte sie durch einen Pieks mit dem Regenschirm zum Platzen bringen. Binnen Sekunden fing es dermaßen an zu schütten, dass wir für einige Minuten am Straßenrand anhielten, um uns selbst und Poldi oder sogar noch andere gänzlich Unbeteiligte nicht in Gefahr zu bringen. Was sollte das werden? Das jüngste Gericht? Ich schüttelte mich, und mich gruselte es leicht, während die feuchte Regenluft Poldis Innenraum in eine dampfende Höhle verwandelte.

Kurzbeschreibung zu Die Prinzessin und der Horst

Mona ist 26 Jahre alt und Talkshowredakteurin. Sie hat zahlreiche Stammbars und einen psychisch stabilen Freund. Aber sie hat auch ein Problem. Es heißt Eske, ist Monas beste Freundin, wie immer gerade solo und zu allem Übel soeben 30
geworden. Um Eskes Notstand zu beenden, durchpflügt Mona strategisch die postmodernen Quellen möglichen Liebesglücks und landet dabei auch im Internet. Ihr schlauer Plan funktioniert einwandfrei - bis sich der ominöse "Rockster" einmischt .
..

Portrait

Tine Wittler:
Tine Wittler, geboren 1973, lebt als freie Autorin in Hamburg.

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