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Schattenspiel

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Artikeldetails zu Schattenspiel

Leseprobe aus Schattenspiel

"Mary 1 (S. 65-66)
Mary Gordon wurde als Mary Janet Brown in Liverpool geboren, in einem schmuddeligen Krankenhaus, das wenig später wegen eines Hygieneskandals in allen Zeitungen stand und geschlossen werden mußte. Die Browns lebten in einer engen, düsteren Dreizimmerwohnung im Osten von Liverpool, denn der junge Lehrer Michael Brown verdiente noch nicht viel, und seine kränkliche Frau konnte nicht dazuverdienen. Vor der Küche gab es eine Art winzigen Balkon, nur dafür gedacht, die Wäsche zum Trocknen aufzuhängen; er war einen Meter lang und einen Meter breit, außerdem immer feucht, weil hier keine Sonne hinkam, aber Mary schleppte trotzdem ihre Puppen und Bauklötze dorthin, weil sie ein bißchen Himmel über sich sehen und mit den Fingern im Moos herumwühlen konnte, das in den Nischen der Hauswand wuchs.
Sie hatte eine leidenschaftliche Sehnsucht nach Gras und Blumen, aber vom Balkon aus endete ihr Blick an der rußgeschwärzten Mauer, die dem Haus gegenüberlag und ein Fabrikgelände umschloß. Wie viele kleine Mädchen träumte auch Mary von dem Prinzen, der eines Tages kommen und sie mitnehmen würde; er hatte ein kleines Haus am Meer und einen großen Garten mit Apfelbäumen, Brombeerhecken und wilden, süßen Erdbeeren. Marys Vater war strenggläubiger Baptist und sein religiöser Fanatismus steigerte sich stetig.
Die langen Predigten, die er seiner Familie hielt, bestanden im wesentlichen aus Worten wie Sünde, Unreinheit, Befleckung, Verderbtheit, Versuchung. Die Feinde Gottes witterte er überall, ob es sich um die Frau aus der Wohnung unter ihnen handelte, von der es hieß, sie betrüge ihren Mann, oder um das junge Mädchen von nebenan, das immer in kurzen Röcken und hochhackigen Schuhen herumlief. »Hure«, sagte Michael Brown, »eine Sünderin, die eines Tages ihre gerechte Strafe finden wird!« Mary verbrachte ihre Kindheit damit, um Erlösung von Sünden zu beten, die ihr als solche nicht einmal bewußt waren.
»Was habe ich denn getan?« fragte sie ihren Vater eines Tages mit Tränen in den Augen, als er sie wieder zwang, eine Stunde auf der harten Küchenbank zu knien und Gott um Vergebung anzuflehen. Michael sah sie aus seinen fanatischen dunklen Augen an. »Die Erbsünde. Sie ist in dir wie in uns allen. Du wirst eines Tages eine Frau sein, Mary, und dann wirst du dich der Sünde in ihrem ganzen schrecklichen Ausmaß schuldig machen. In den Frauen steckt das Böse.« Mary konnte nicht begreifen, was er meinte. »In Mummie auch?« fragte sie. Ihre Mutter lag wie meistens fiebrig und elend im abgedunkelten Schlafzimmer, und es gelang Mary nicht, in dieser abgemagerten, blassen, stillen Frau die Verkörperung des Bösen zu sehen.
»In jeder Frau ist das Böse«, wiederholte ihr Vater, »und du siehst, wie schwer deine Mutter dafür bestraft wird.« Würde es ihr auch eines Tages so gehen, nur weil sie eine Frau war? Mary begann sich vor ihren eigenen Sünden zu fürchten, denn wenn schon Mummie, die niemandem etwas Böses tat, so leiden mußte, um wie vieles schlimmer mußte es ihr, Mary, dann erst ergehen? Ängstlich durchforschte sie Tag für Tag ihr Gewissen: hatte sie in der Schule auf das Heft ihrer Nachbarin geschielt? Hatte sie wirklich genug gelernt für die nächste Prüfung? Hatte sie der Kassiererin im Supermarkt gesagt, daß sie ihr zuviel Wechselgeld herausgegeben hatte? Jeden Tag gab es so viele Gelegenheiten zu straucheln, es war fast nicht möglich, daran unbeschadet vorbeizugelangen.
Mary wurde immer ernster, stiller und blasser, sie zog sich völlig in sich zurück. Kurz nach ihrem zwölften Geburtstag merkte sie, daß ihr Körper sich veränderte, und das stürzte sie in Panik. Jetzt war es wohl bald soweit. Nicht mehr lange, und das, was ihr Vater ihr prophezeit hatte, würde über sie hereinbrechen. Es war ebenfalls kurz nach Marys zwölftem Geburtstag, als ihre Mutter ins Krankenhaus mußte. Erst viel später erfuhr Mary, daß sie Krebs gehabt hatte und ihr kein Arzt mehr eine Chance gab, aber obwohl man ihr die bittere Wahrheit verschwieg, ahnte sie, daß sie ihre Mutter nicht mehr wiedersehen würde."

Kurzbeschreibung zu Schattenspiel

Eine Einladung zur Neujahrsnacht 1990 führt sie nach Jahren wieder zusammen: David Bellino, Chef eines amerikanischen Industrie-Imperiums, vier seiner Freunde aus Jugendtagen und Laura, seine attraktive Geliebte. Doch nach Ferien ist keinem zumute. Sie sind gekommen, um mit David abzurechnen, dessen Ehrgeiz und skrupelloser Egoismus ihre Pläne nachhaltig zerstört hat. Doch noch bevor es zu der großen Auseinandersetzung kommt, liegt David erschossen in seinem Arbeitszimmer. In stundenlangen Verhören, in dramatischen Aussprachen untereinander, aus quälenden Erinnerungen entstehen wie in einem bizarren Kaleidoskop sechs Lebensbrüder, sechs Schicksale, die die Sehnsucht nach Liebe und Freundschaft verband - und zerstörte. Zwischen dem Berlin des Zweiten Weltkriegs, einem englischen Nobelinternat den Gossen und Prachtvierteln von New York und London und den romantischen Gassen Wiens spinnt Charlotte Link ein Netz fataler, romantischer und angstvoller Beziehungen. Mit Sensibilität und scharfem Instinkt zeigt sie die Emotionen, die hinter unserem Handeln liegen. So gelang ihr ein spannender Zeitroman, der nicht nur ein Verbrechen, sondere auch die verdrängten Ursachen dafür ans Licht bringt.

Autorenportrait zu Schattenspiel

Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre psychologischen Spannungsromane sind internationale Bestseller, auch Im Tal des Fuchses eroberte wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang über 20 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Verfilmungen, zuletzt Das andere Kind, werden im Fernsehen mit enorm hohen Einschaltquoten ausgestrahlt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.

Portrait

Charlotte Link:
Charlotte Link ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen der Gegenwart. Sie wurde 1963 in Frankfurt am Main als Tochter der Autorin Almuth Link geboren. Bereits mit 16 Jahren schrieb Charlotte Link ihr Debütwerk "Die schöne Helena", noch bevor sie ihr Abitur in Usingen absolvierte. Neben Spannungsromanen schrieb sie auch Gesellschaftsromane in englischer Erzähltradition. Viele ihrer Romane wurden verfilmt, wie die Werke "Sturmzeit", "Wilde Lupinen" oder "Die Stunde der Erben". Den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie Belletristik erhielt Charlotte Link 2004 für ihren Roman "Am Ende des Schweigens".Allein in Deutschland wurden bislang über 9 Millionen ihrer Bücher verkauft, sie sind in zahlreichen Sprachen übersetzt. Die aktive Tierschützerin engagiert sich bei der PETA für Straßenhunde in der Türkei und Spanien. Momentan lebt Charlotte Link mit ihrem Lebensgefährten und ihren Hunden in Wiesbaden.

Meinung der Redaktion Charlotte Link hat das Schreibtalent im Blut! An der Vielzahl ihrer Romane sieht man, wie produktiv sie ist und wie unterschiedlich sie schreiben kann. Und egal in welchem Genre, ob Krimi oder Gesellschaftsromane, die Bücher von Charlotte Link sind mitreißend und spannend.

Autorenportrait

Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre psychologischen Spannungsromane sind internationale Bestseller, auch Im Tal des Fuchses eroberte wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang über 20 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Verfilmungen, zuletzt Das andere Kind, werden im Fernsehen mit enorm hohen Einschaltquoten ausgestrahlt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.

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40

19.02.2012

„Spannend bis zum Schluss”

von Krimifan
Charlotte Link beschreibt die Leben der einzelnen Beteiligten in Rückblenden. Weshalb jemand so wurde wie er / sie ist, wo ihr Leben eine andere Wende hätte nehmen können, wie die Schlagseiten entstanden sind. Eine Psychologische Analyse im Agatha Christie Stil. Meistens wechselt sie im spannendsten Moment zur nächsten Figur.
Es gibt ein paar wenige Momente auf deren detaillierte Schilderung ich hätte vezichten können, trotzdem hat mich die Spannung welche CHarlotte Link erzeugt, bis zur letzten Seite gepackt.

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50

08.01.2012

„Spannend bis zum Schluß”

von Marcela aus Bremen
Schon lange hab ich kein Buch mehr gelesen, welches mich von Anfang an so gefesselt hat. Die einzeln erzählten Geschichten, die dann ein Ganzes ergeben sind interessant geschrieben. Das Buch ist definitiv zu empfehlen.

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50

06.12.2011

„Kammerstück”

von Vielschmökerin aus Hamburg
Wie bereits Segler und Bücherfan beschreibt, ein klassisches Miss-Marple-Setting. Darüber hinaus noch gespickt mit Wendungen aus dem "Außen" in der Jetztzeit des Romans. Ein sehr dichtes und spannendes Kriminalstück, man möchte bis zum Ende das Licht nicht ausknipsen. Spannend - und wieder eine zu kurze Nacht. Ich liebe zwar Serien-Kommissare/innen, kann aber bei Charlotte Link nicht wiederstehen.

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: Das andere Kind - Charlotte Link Wolfstod - Felicitas Mayall Nachtgefieder - Felicitas Mayall This Body Of Death - Elisabeth George

50

07.11.2011

„spannender psycholischer Krimi”

von Segler und Bücherfan Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Ein klassischer spannender "who done it" Krimi.

Ich hatte schon lange nichts mehr von Charlotte Link gelesen und war gespannt auf das Buch „Schattenspiel“. Die Handlung könnte aus einem klassischen spannenden Theaterkrimi von Agatha Christie stammen, wo alle Verdächtigen an einem Ort vom Opfer eingeladen werden und der ermittelnde Inspektor - hier mit Namen Kelly - die Aufgabe hat, den Täter zu ermitteln. Im Laufe der Handlung werden dann alle potentiellen Täter mit ihren unterschiedlichsten Lebensläufen vorgestellt. Alle verdächtigen Protagonisten waren ehemalige Freunde oder Lebensgefährtinnen vom Opfer. Es geht dabei um Verletzungen seelischer Art, die die Freunde dem Opfer zurechnen. Obwohl eigentlich jeder die Chance hatte, selbst Entscheidungen zu treffen und sie letztlich auch getroffen hat, um sein Schicksal zu steuern, geben sie dem Opfer - David Bellino - die Schuld an ihrem Scheitern und Leiden. Jeder hatte also ein Motiv , um als Täter in Frage zu kommen.

Charlotte Link hält die Spannung bis zum Ende aufrecht, sodass alle Verdächtigen immer noch Täter sein können.

Da ich gerne psychologische Krimis lese und mich vorzüglich unterhalten habe, kann ich den Kriminalroman nur empfehlen.

3 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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