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Madame Hemingway

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Artikeldetails zu Madame Hemingway

  • ISBN-103-8412-0306-X
  • EAN9783841203069
  • Veröffentlicht06.2011
  • Aufbau digital
  • EinbandartEPUB

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Leseprobe aus Madame Hemingway

"Siebenundzwanzig (S. 241-242)
»Ich weiß, dass wir ein Jahr fortbleiben wollten«, erklärte Ernest Gertrude bei unserem ersten Besuch nach unserer Rückkehr. »Aber vier Monate sind ein Jahr in Kanada.« »Du bist fertig mit dem Journalismus, das ist die Hauptsache «, erwiderte Gertrude. »Nun ist es Zeit, aufs Ganze zu gehen und das zu schreiben, wozu du berufen bist.« »Bei Gott, ich bin bereit«, rief er und schenkte sich ein weiteres Glas Birnenschnaps ein. Während die beiden so fortfuhren, sich an der Gewissheit und Begeisterung des anderen zu nähren, beobachtete ich Alice.
Sie schien angespannt und nach innen gekehrt, und ich fragte mich, ob sie unglücklich über Ernests Rückkehr war, ob sie sich während unserer Abwesenheit daran gewöhnt hatte, Gertrude wieder für sich allein zu haben. Natürlich suchten viele Menschen Gertrudes Nähe, wollten ihre Aufmerksamkeit und ihren guten Rat, doch die Beziehung zwischen ihr und Ernest war von besonderer Intensität. Es schien fast, als wären sie Zwillinge, die eine Geheimsprache teilten und alles andere ausblenden konnten, wenn sie miteinander redeten.
Ich spürte ihre starke Verbindung, doch auch wenn diese mich früher oft verletzt hatte, konnte ich mich nun kaum noch daran erinnern, wie sich Einsamkeit anfühlte. Unser Sohn war vollkommen auf mich angewiesen und reagierte auf jede meiner Handlungen. Er drehte sich nach meiner Stimme um, der Rhythmus meiner wiegenden Arme war ihm am liebsten, und wenn er nachts wach wurde, beruhigten ihn meine Hände am schnellsten, die sanft über seinen Rücken streichelten. Für ihn und auch für Ernest war ich unentbehrlich. Ich hielt alles am Laufen. Selbstverständlich konnte Mutterschaft auch äußerst anstrengend sein.
Ich war chronisch übernächtigt und hatte oft nicht einmal mehr die Kraft, mir die Haare zu waschen oder etwas Aufwändigeres als Butterbrot zu essen. Aber wenn ich Bumby stillte, seine kleine Faust sich um den Stoff meines Kleides schloss und sein sanfter, unergründlicher Blick auf mich gerichtet war, als wäre ich das Zentrum seines Universums, dann war ich einfach nur hingerissen von ihm. Und wenn Ernest nach einem langen Arbeitstag nach Hause kam und diesen bestimmten Gesichtsausdruck hatte, der mir sagte, dass er sich zu lange allein in seinem Kopf aufgehalten hatte, dann fühlte ich mich genauso wichtig.
Er brauchte mich, und er brauchte auch Bumby, ohne uns konnte er nicht aus sich selbst herausklettern und sich wieder ganz fühlen. Das Familienleben funktionierte bei uns eindeutig am besten, wenn wir am Ende des Tages allein waren, uns gegenseitig stützten und miteinander in Einklang brachten. Diese Abende standen jedoch sehr im Widerspruch zum Paris der Bohème. Gertrude und Alice konnten ganz wunderbar mit Bumby umgehen. Sie schenkten ihm eine glänzende silberne Rassel und gestrickte Babyschuhe.
Als er getauft wurde, brachten sie einen exzellenten Champagner mit, den wir zu Rosinenbrötchen, getrockneten Früchten und kandierten Mandeln aßen. Gertrude war sogar bereit, seine Taufpatin zu werden. Doch nicht alle unsere Freunde wussten noch etwas mit uns anzufangen, nachdem wir stets ein Baby im Schlepptau hatten. Pound und Shakespear kamen uns auf einen späten Drink besuchen oder trafen sich mit uns im Café, wenn wir einen Babysitter für Bumby fanden, doch Pound machte unmissverständlich klar, dass er keine Kinder in seiner Wohnung duldete. Und zwar nicht etwa wegen des Lärms oder des Durcheinanders, das sie womöglich anrichteten, sondern allein aus Prinzip. »Ich glaube einfach nicht an Kinder«, erklärte er. »Nichts für ungut, Hadley.«"

Kurzbeschreibung zu Madame Hemingway

Chicago 1920: Hadley Richardson, eine ruhige junge Frau von achtundzwanzig Jahren, hat Liebe und Glück bereits aufgegeben, als sie auf Ernest Hemingway trifft und sofort von seinem guten Aussehen, seiner Gefühlstiefe und seiner Fähigkeit, mit Worten zu verführen, gefangengenommen wird. Nach einer turbulenten Zeit gegenseitigen Umwerbens heiraten die beiden und lassen sich in Paris nieder, wo sie Teil einer schillernden Gruppe Amerikaner werden, unter ihnen Gertrude Stein, Ezra Pound, F. Scott und Zelda Fitzgerald. Doch das Paris der goldenen Zwanziger – fiebrig, glamourös, verwegen und noch vom Ersten Weltkrieg traumatisiert – ist mit den traditionellen Vorstellungen von Familie und Treue unvereinbar. Während Hadley, inzwischen Mutter geworden, mit Eifersucht und Selbstzweifeln ringt und Ernests unermüdliche literarische Anstrengungen allmählich Früchte zu tragen beginnen, sieht sich das Paar mit einer Enttäuschung konfrontiert, die das Ende all dessen bedeuten könnte, was es in Paris gemeinsam erträumt hatte.

Beschreibung der Redaktion zu Madame Hemingway

Chicago 1920: Hadley Richardson hat die Liebe und das Glück bereits aufgegeben, als sie Ernest Hemingway trifft und sofort von seinem guten Aussehen, seiner Gefühlstiefe und seiner Kunst, mit Worten zu verführen, angezogen wird. Die beiden heiraten und gehen nach Paris, wo sie Teil einer schillernden Gruppe Amerikaner werden, unter ihnen Gertrude Stein, Ezra Pound und die Fitzgeralds. Doch im Paris der goldenen 20er – fiebrig, glamourös, verwegen – lassen sich Familie und Treue kaum aufrechterhalten. Während Hadley, inzwischen Mutter, mit Eifersucht und Selbstzweifeln ringt und Ernests literarische Arbeit allmählich Früchte trägt, wird das Paar mit einer Enttäuschung konfrontiert, die das Ende all dessen bedeutet, was es gemeinsam erträumt hatte.

Inhaltsverzeichnis zu Madame Hemingway

Prolog
Eins
Zwei
Drei
Vier
Fünf
Sechs
Sieben
Acht
Neun
Zehn
Elf
Zwölf
Dreizehn
Vierzehn
Fünfzehn
Sechzehn
Siebzehn
Achtzehn
Neunzehn
Zwanzig
Einundzwanzig
Zweiundzwanzig
Dreiundzwanzig
Vierundzwanzig
Fünfundzwanzig
Sechsundzwanzig
Siebenundzwanzig
Achtundzwanzig
Neunundzwanzig
Dreißig
Einunddreißig
Zweiunddreißig
Dreiunddreißig
Vierunddreißig
Fünfunddreißig
Sechsunddreißig
Siebenunddreißig
Achtunddreißig
Neununddreißig
Vierzig
Einundvierzig
Zweiundvierzig
Dreiundvierzig
Vierundvierzig
Fünfundvierzig
Sechsundvierzig
Siebenundvierzig
Epilog
Anmerkung zu den Quellen

Portrait

Paula McLain:
Paula McLain received an MFA in poetry from the University of Michigan and has been awarded fellowships from Yaddo, the MacDowell Colony, and the National Endowment for the Arts. She is the author of two collections of poetry, as well as a memoir, and a novel. She lives in Cleveland with her family.

Bewertung unserer Kunden zu Madame Hemingway

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40

10.04.2013

„Paris, ein Fest fürs Leben”

von einer Kundin oder einem Kunden
In „Madame Hemingway“ beschreibt die Autorin Paula McLain die Pariser Jahre des Schriftstellers Ernest Hemingway aus der Sicht seiner ersten Frau Hadley Richardson. Der amerikanische Originaltitel „The Paris Wife“ gibt Aufschluss darüber, dass Hemingways zahlreichen Ehefrauen nach den Städten benannt wurden in denen er mit ihnen gelebt hat.
Umso schöner ist es, dass nun zum ersten Mal eine seiner Frauen und nicht der Schriftsteller selbst im Mittelpunkt des Interesses steht. Dabei kommt Hemingway selbst nicht besonders gut weg. Er verprellt Freunde und Förderer, trinkt und betrügt seine Frau. Fast scheint es, als sei McLains Roman eine Art Antwort auf Hemingways Darstellung derselben Jahre in „Paris, ein Fest fürs Leben“, die ein viel unbeschwerteres und glücklicheres Leben beschreiben.
Zwar ist „Madame Hemingway“ ein Roman und keine Biographie, „Aber es besteht immer die Chance, dass solch ein Werk der Phantasie einiges Licht auf das wirft, was als Tatsache geschrieben worden ist.“ wie Ernest Hemingway selbst einmal gesagt hat. Und diese Aussage trifft wohl auch auf „Madame Hemingway“ zu. Nicht umsonst hat sich die Autorin vor Beginn ihres Romans ausführlich mit der Biographie beider Protagonisten und den zahlreichen Briefwechseln beschäftigt, um ihrem Roman einen realistischen Rahmen zu geben.
Paula McLain ist es gelungen einen sehr persönlichen Ton zu treffen, der es ihren Lesern nicht nur ermöglicht sich ganz in die Zeit der 20er Jahre und die Figur der Hadley hineinzuversetzen, sondern auch einen sehr intimen Blick auf den Schriftsteller und Ehemann Ernest Hemingway zu werfen.
Schon nach wenigen Seiten wird deutlich, dass auch dieses Buch ein „Fest fürs Leben“ ist!

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

50

13.11.2012

„Eine Hommage an Paris und seine Literaten in den zwanziger Jahren”

von einer Kundin oder einem Kunden Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Paula McLain ist bisher in Deutschland ein unbeschriebenes Blatt. In den USA stürmte sie mit diesem jetzt auf Deutsch vorliegenden Taschenbuch die „New York Times“ Bestsellerliste. Und das zu Recht, auf jeden Fall, wenn man sich für die Roaring Twenties und die dazugehörigen Autoren interessiert.

„Madame Hemingway“ ist sowohl eine Romanbiografie über Hadley Richardson und Ernest Hemingway als auch ein großartiges Porträt dieser Zeit. Wie im Nachwort der Autorin zu lesen ist, gibt es offensichtlich noch diverse Briefe von den beiden aus dieser Zeit, allerdings wird Hadley in den Biografien über den Autor Ernest Hemingway immer nur am Rande erwähnt. Dort wird sie nicht richtig beachtet. Dabei ist sie diejenige, die ihn ganz am Anfang immer wieder unterstützt und bestätigt hat.

Paula McLain erzählt die Geschichte dieser Ehe aus der Sicht von Hadley. Wir erfahren, wie die beiden sich kennenlernen und verlieben, obwohl Hadley neun Jahre älter als Ernest ist. Sie lernen sich Anfang der zwanziger Jahre in Chicago bei gemeinsamen Freunden kennen. Beide haben eine schwierige Zeit hinter sich und litten immer noch unter ihrem Elternhaus. Als Ernest von seinem Freund Sherwood Anderson den Rat bekommt, nach Paris zu gehen, willigt Hadley, ein und die beiden heiraten. In Paris leben sie in ärmlichen Verhältnissen, geraten aber relativ schnell in die Kreise der berühmten Autoren. Speziell viele Amerikaner bevölkern in dieser Zeit Paris - die sogenannte Lost Generation. So ist Ernest zeitweise mit Gertrude Stein und Ezra Pound befreundet. Später kommt das Ehepaar F. Scott und Zelda Fitzgerald und das reiche Künstler-Ehepaar Sara und Gerald Murphy hinzu. Immer wieder begegnen wir in dieser Geschichte bekannten Persönlichkeiten, lernen aber auch einen ganz anderen Hemingway kennen als den, für den er später allgemein gehalten wird. Er erscheint hier als ein durchaus zärtlicher Mann und nicht als dieser Macho, der von Stierkampf, Angeln, Boxen und Kriegen zu berichten weiß. Paula McLain beschreibt ein Leben auf dem Vulkan, bei dem die Lost Generation versucht ihren eigenen Lebensstil zu finden. Hadley passt dort nicht wirklich hinein, gibt Hemingway aber lange die Sicherheit und Ruhe, die er für seine Arbeit braucht.

Abgerundet wird dieser Roman durch einige sehr interessante Nachträge. Lesen Sie aber bitte nicht den Anhang „Bedeutende Ereignisse in Ernest Hemingways Leben“ vorab!

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

50

29.02.2012

„Ein richtiges Kleinod”

von einer Kundin oder einem Kunden
Dieser fiktive, aber dennoch auf einigen Tatsachen beruhende Roman war für mich eine riesige Überraschung. Nie hätte ich gedacht, dass mich Hemingways Pariser Jahre aus der Sicht seiner ersten Ehefrau Hadley so sehr fesseln würden. Atmosphärisch dicht wird die Ehe des Paares geschildert, ebenso wie der langsame Aufstieg Hemingways zu einem erfolgreichen Schriftsteller. Sowohl die schillernden, künstlerischen Kreise, in denen sich die beiden bewegen, als auch das Auf und Ab in der Ehe der Hemingways, die Gefühle der beiden werden hervorragend beschrieben. Vor allem Hadley, die als starke, interessante Frau porträtiert wird, die so gar nicht in die Pariser Gesellschaft passt, hat mich sehr fasziniert.
Ich empfehle im Anschluss nochmal ,,Paris - ein Fest fürs Leben" zu lesen - danach kommt einem "Madame Hemingway" noch viel realer vor - man ist überzeugt, dass die Pariser Jahre genau so passiert sind! Herausragend!

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

40

12.09.2011

„Die Pariser Frau”

von einer Kundin oder einem Kunden
Ernest Hemingway und Hadley Richardson begegnen sich erstmals 1920 in Chicago, heiraten 1921, um kurz darauf nach Paris zu gehen. Dort arbeitet Hemingway für den Toronto Star und widmet sich verstärkt dem Schreiben. Hadley, die eine gute Klavierspielerin ist, findet sich eher in der Rolle, der ihn unterstützenden Frau und Mutter ihres gemeinsamen Sohnes. Treffen mit anderen Künstlern im Paris dieser Zeit, fördern zwar seine Arbeit, doch die ausgelassenen Partys und Alkoholexzesse zeigen, daß in dieser Aufbruchstimmung eine dauerhaft treue Beziehung unmöglich ist. Hadley leidet an Eifersucht und Selbstzweifeln, nach sechs Jahren wird die Ehe geschieden. Ein wirklich gut zulesendes Buch, interessant, zum einen weil es aus der Sicht der Frau geschrieben ist und Hadley im Mittelpunkt steht und zum anderen, daß es im Paris der 20er Jahre spielt, eine Zeit, die wohl jeder Literaturinteressierte gern einmal bereisen möchte.

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