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RezensentInnen des Österreichischen Bibliothekswerks Top 100 Rezensent
Rezensionen:
306 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 15

nicht hilfreich: 4

Rang:
91

RezensentInnen des Österreichischen Bibliothekswerkss Rezensionen

50

07.04.2011

„Ein Mädchen bewältigt ihre Trauer durch die Kraft der Fantasie. ”

"Die beiden Schwestern Molly und Hanna haben gerade ihre Mutter verloren. Da ihr Vater berufstätig ist und sich nicht immer um sie kümmern kann, wohnen sie eine Zeit lang bei ihren Großeltern in einem Dorf. Es ist nicht leicht für die ungleichen Schwestern, mit den neuen Umständen zurechtzukommen. Hanna reagiert trotzig, während Molly sich in Fantasien von einem seltsamen Mann in abgerissener Kleidung flüchtet, der von wilden Reitern verfolgt wird.
Die zehnjährige Molly ist die zentrale Figur des spannenden Romans, sie wird am genauesten gezeichnet. Der ""Grüne Mann"" ist ein Naturgott, der an die Legende vom Eichenkönig erinnert. Das Leben von Molly nimmt auch dieselbe Wendung wie das Leben des Eichenkönigs, der im Herbst verjagt wird und im Frühling wie neugeboren wiederkommt.
Sally Nicholls schildert virtuos, wie in dem kleinen Mädchen durch den Tod der Mutter eine Welt zusammenbricht. Bei aller Trauer und Ausweglosigkeit beschreibt sie die Kraft der Natur und die Zauberkraft von starken, mythischen Figuren als psychologischen Rettungsanker. Ein Buch, das einen starken Eindruck hinterlässt und für einen breiten Leserkreis geeignet ist. (Hannes und Sophie Preßl)"

50

07.04.2011

„Der 14-jährige Louis entdeckt bei einem Schulpraktikum in einem Friseursalon seine handwerkliche Begabung und setzt seinen Berufswunsch gegen den Willen seines Vaters durch. ”

"Louis' Vater, ein angesehener Chirurg, hat eine fixe Berufsvorstellung für seinen Sohn - er soll wie er selbst eine Akademikerlaufbahn einschlagen. Dass Louis schon lange nicht mehr in der Schule mitkommt und sich als völliger Außenseiter fühlt, entgeht ihm in seiner despotischen Erzieherrolle völlig. Für den Vater muss die Familie so ""funktionieren"", wie er es sich vorstellt. Als Louis von der Schule aus ein einwöchiges Praktikum absolvieren soll, vermittelt ihm seine Großmutter im Friseursalon ""Marielou"" eine Stelle.
Diese Woche ändert sein Leben völlig. Louis entdeckt, dass er nicht nur ein besonderes Geschick im Umgang mit der Schere hat, sondern auch mit den KundInnen gut kommunizieren kann, und er fühlt sich von den MitarbeiterInnen des Salons akzeptiert und positiv beachtet. Louis selbst erkennt, dass er zu großen Gefühlen fähig ist, er schließt vorsichtig Freundschaften und bringt der etwas verschlossenen Salonchefin Vertrauen entgegen, das sie ihm dann ihrerseits zurückgibt, als sie ihm hilft, sich gegen den Willen seines Vaters durchzusetzen.
Das Buch schildert die Begebenheiten aus der Sicht von Louis. Seine schnoddrige Art im Umgang mit Gleichaltrigen und sein Aufbegehren gegen die Einengung seines Vaters kontrastieren mit seinem Versuch, sich selbst zu finden und seinen beruflichen Weg, der ihm während des Praktikums immer klarer vor Augen kommt, durchzusetzen.
Der lockere und jugendliche Stil des Buches spricht junge LeserInnen an. Das nicht nur für Jungen empfehlenswerte Buch macht Mut, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. (Susanna Schrampf)"

buch

Ghostfighter

Derek Meister

EUR 6,95 *
auf Merkliste

50

07.04.2011

„Ian kommt dem Familiengeheimnis allmählich näher.”

"Schon bald müssen Ian und sein Freund Bpm erkennen, dass das, was als spannendes Abenteuer begonnen hat, bedrohliche Ausmaße annimmt - und es gibt keinen Weg zurück. Als es ihnen gelingt, Ians seit 40 Jahren verschollenen Großvater ausfindig zu machen, sehen sie die Lösung des Geheimnisses zum Greifen nahe. Doch die Verfolger sind ihnen dicht auf den Fersen und schließlich gerät nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Freundschaft in Gefahr. In Japan erfährt Chiyo Verblüffendes über ihre Großmutter, die dem selben ungeheuerlichen Wesen zum Opfer gefallen ist wie Ians Vater.
Die Fäden der einzelnen Handlungen - Ian in England, Chiyo in Japan und der Deutsche Daniel auf einer Forschungsstation in Antarktika - werden immer enger miteinander verwoben. Jede einzelne dieser Geschichten ist spannend und gut gemacht, das Ganze gibt aber nur Sinn, wenn man den ersten Teil gelesen hat. Insgesamt spannendes Lesefutter - man darf schon mit Spannung den Abschluss der Trilogie erwarten. (Anita Ruckerbauer)"

50

07.04.2011

„Für Janie sind die geheimen Träume, Ängste und Vergangenheiten der anderen kein Geheimnis.”

"Jeder träumt manchmal merkwürdige Sachen. Sachen, die man niemandem erzählt, weil sie einfach zu peinlich oder zu beängstigend sind. Janie Hannagan allerdings träumt nicht, sondern sieht die Träume von anderen. Sobald jemand in ihrer Nähe einschläft, wird alles schwarz um sie herum und sie wird in den Traum hineingesogen. Albträume sind besonders schlimm. Janie ist auch sonst, sieht man einmal von ihrer Gabe ab, nicht unbedingt ein normales Mädchen. Sie wohnt mit ihrer alkoholsüchtigen Mutter zusammen, ihren Vater kennt sie nicht. Daher hat sie schon früh gelernt, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.
Durch die vielen Zeitsprünge bereits am Anfang des Buches lernt man Janies Vergangenheit rasch besser kennen. Trotzdem wird die Neugier darauf, was noch hinter diesem Mädchen steckt, nicht geschmälert. Die Geschichte nimmt richtig Fahrt auf, als sie Carl kennen lernt. Er hat schreckliche Albträume und er ist der Erste, der ihre Anwesenheit in seinen Träumen erkennt. Und der Erste, der ihr Geheimnis erfährt. Die beiden verlieben sich ineinander. Doch auch Carl hat einige Geheimnisse, die er sogar mit Lügen beschützen muss. Um zusammenbleiben zu können, müssen sie sich auf die Gefahren des anderen einlassen und ihre Probleme gemeinsam bewältigen. Das Buch ist trotz oder vielleicht gerade wegen der kurzen Sätze und der einfachen Satzstellung sehr mitreißend. Die knappen Sätze und die bewussten Wortwiederholungen machen den Roman, im Speziellen die Traumszenen, richtig lebendig. Dadurch ist das Buch für Lesemuffel ideal. Doch auch für Vielleser und Erwachsene bleibt es spannend. Empfehlenswert für alle Bibliotheken! (Angelika Leitner, 16 Jahre)"

50

07.04.2011

„Zwei junge Frauen, zuerst Feindinnen, später Freundinnen, flüchten monatelang von der polnischen Grenze bis nach Süddeutschland.”

"Im Mittelpunkt dieses Romans für junge Erwachsene stehen die Deutsche Inge und die polnische Fremdarbeiterin Wanda, die auf dem Herrenhof von Inges Familie arbeitet. Inge ahnt nicht, dass die Arbeiterin Tochter eines Deutschprofessors ist und die deutsche Sprache fließend beherrscht. Das rettet der jungen Polin auch das Leben, da sie sich auf der gemeinsamen Flucht als Inges Schwester Waltraud ausgeben kann und später Papiere für diese Identität bekommt.
Die lange Flucht beginnt Ende Jänner 1945 und führt von der polnischen Grenze in Oberschlesien durch Niederschlesien, Sachsen, Thüringen fast bis zur Donau in Bayern, was an der Innenseite des Buchdeckels gut dokumentiert ist. Die beiden jungen Frauen, sie sind etwa 18 Jahre alt, leiden unter Kälte, Hunger, Gewalt (der sie im Buch glücklicherweise entkommen) und tiefster Verunsicherung. Immer droht die Gefahr, dass Wandas polnische Staatsbürgerschaft entdeckt wird oder dass sie in ein Bombardement geraten. Am Ende des Buches haben sowohl Inge als auch Wanda (als Waltraud) Arbeit bei den Amerikanern gefunden und für Wanda zeichnet sich eine Liebesbeziehung ab.
Das Buch schildert außergewöhnlich plastisch, wie es der Zivilbevölkerung im Krieg ergeht. Man beginnt zu ahnen, wie es sein könnte, wenn man die Heimat verlassen, in permanenter Unsicherheit handeln und täglich aufs Neue um die Existenz kämpfen muss. Sehr zu empfehlen!! (Doris Göldner)"

50

07.04.2011

„Am individuellen Schicksal eines dreizehnjährigen Mädchens zeigt sich die unfassbare Grausamkeit des Holocaust. ”

"Rachel van Kooij hat mit dem preisgekrönten Buch ""Kein Hundeleben für Bartolomé"" (2003) den LeserInnen einen besonders anrührenden Einblick in eine gequälte Kinderseele ermöglicht. In ihrem neuesten Jugendroman verfolgt sie die Lebensspuren des Mädchens Leny Goldstein, das im November 1942 zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester in Birkenau vergast wurde. Die Goldsteins (Vater Silvain ist Reisender) leben ein gutbürgerliches, kulturbeflissenes Leben im holländischen Breda, bis die Besetzung durch die Deutschen den Terror ins Land bringt und insbesondere die jüdische Bevölkerung immer stärkeren Repressalien ausgesetzt ist. Judenstern-Verordnung, Ausgehverbot, erzwungener Schulwechsel - die lebensfrohe, begabte und strebsame Leny spürt die unsichtbare Schlinge um ihren Hals immer deutlicher, auch wenn ihre Eltern alles tun, um die Kinder vor der Bedrohung zu beschützen. Da sie aber nicht mit dem Schlimmsten rechnen, bleiben sie in Breda, bis der Vater im September 1942 in ein Arbeitslager verschickt wird und zwei Monate später der Rest der Familie von den Schergen abgeholt wird.
Rachel van Kooijs akribische Spurensuche stützt sich auf Briefe, Aufzeichnungen, Gespräche mit Zeitzeugen und noch lebenden Verwandten und Freunden der Familie Goldstein. Geschickt verwebt sie die Fakten mit Fiktionalem, um dem jüdischen Mädchen Leny, dem es nicht vergönnt war, seine Träume zu leben, ein literarisches Denkmal zu setzen. Ein schmerzhaftes Buch, dem man sich nicht entziehen darf! (Maria Schmuckermair)"