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Name:
Uli Geißler Top 100 Rezensent
Ort:
Fürth
Rezensionen:
660 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 268

nicht hilfreich: 76

Rang:
23
Über mich:

lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Uli Geißlers Rezensionen

buch

Vegan for Fun

Attila Hildmann

EUR 24,95 *
auf Merkliste

30

06.04.2013

„Kochtrend praktisch zum Nachmachen”

Als „Gelegenheitsvegetarier“ (nicht –veganer) interessierte mich der Titel dennoch, lässt dieser doch auf moderne und innovative Tierschützende Rezepte schließen. Unerfahren mit veganer Küche war ich von dem Buch angetan, da mit Lebensfreude und Lockerheit hier eine Lebenseinstellung im großzügigen Schriftsatz und mit vielen „Lifestyle“-Fotos sehr anregend aufbereitet daher kommt.

Dann allerdings stören die unsägliche Selbstinszenierung und Weltverbesserungsplattidüden des Kochbuchautors, da es scheint, als ginge es darum. Doch in einem Kochbuch ist das wahrlich überflüssig. Hier offenbart sich aber das Marketing-Konzept für den inzwischen bekannten Hobbykochs (eine fachliche Ausbildung wurde nicht nachgewiesen oder erwähnt). Gleichzeitig spielt die oftmals für vegan lebende Menschen so wichtige Bedeutung von konsequent Tiererhaltender Lebensweise kaum eine Rolle.

Die – leider wenigen – 59 Rezepte sind etwas merkwürdig unterteilt in die Kapitel Richtig satt, Veggie-Party, Vegan to go, Leicht und lecker sowie Süße Belohnungen. Na gut, da es nicht allzu viele Rezepte sind, findet man schon, was man sucht. Allerdings gibt es kaum wirklich Neues zu entdecken, denn verschiedene Pizza- oder Pasta-Varianten und die wenigen schon immer annähernd oder tatsächlich veganen Desserts oder Drinks machen das Buch nicht wirklich „fett“. Ernährungsphysiologische Hinweise oder Kalorienangaben fehlen, wären aber interessant und hilfreich.

Viele Rezepte sind Abwandlungen bekannter Fast-Food-Gerichte und glänzen einzig durch das Weglassen von Fleisch oder Fett, den Austausch von Milch mit Sojamilch, Butter mit Margarine oder durch die in der Regel schnelle Zubereitungsart. Das allerdings auch nur, wenn man Agavendicksaft, Mandelmus, Hafermilch und -sahne, ein anderes Mal Soja- oder auch Kokosmilch, Guarkernmehl oder Wasabipaste, dazu die frischen Kräuter und anderen Zutaten vorrätig hat.

Die Zubereitungsanleitungen werden gut präsentiert, es gibt eine übersichtliche Zutatenliste sowie nachvollziehbare Kochanleitungen im Fließtext. Ob dann tatsächlich alles funktioniert (wie fest wird Sojasahne?) und auch alle Gerichte schmecken, wird die weitere Umsetzungspraxis noch zeigen. Die ersten Versuche gelangen, schmeckten und machten satt. Hier übrigens der Hinweis, dass viele der veganen Gerichte beträchtliche Kalorien aufweisen. Wer nicht gerade eine Sojaallergie oder andere Unverträglichkeiten hat, kann sich mit den kleinen Gerichten schmackhaft und eben komplett Tierproduktefrei ernähren.

© 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

30

02.04.2013

„Gesamtschau Krippenbau”

Dieses Buch ist eine Übersicht zum Thema und offeriert ergänzend sowie teilweise auch wiederholend all das, was der Österreichische Krippenbaumeister im Feld des Krippenbaus an Wissen, Erfahrungen, Praxis und Tipps so zu erzählen und zu zeigen hat.

Der profunde Autor und Praktiker stellt Orientalische, Heimatliche, Kasten-, Fasten- und Papierkrippen vor. So wie sich dieses Ansammlung von Krippenarten anhört, so lässt sich auch der Aufbau und die Gestaltung des Buches bezeichnen. Peter Schrettl selbst weist daraufhin, dass es sich um die Darstellung Altbewährten und Neuem gleichermaßen handelt.

Wird eingangs auf die Begegnung mit einer Krippe und deren Bedeutung oder der Art einer Krippe eingegangen, so finden sich in den einzelnen Kapiteln jeweils eine knappe Aufbauanleitung sowie gut erklärte Anregungen zu Krippendetails wie Balkon und Stiege, Schindeln, Geländern, Zäunen, der botanischen Gestaltung oder der Verwendung von Farben und Werkzeuge.

Mir fehlt es in diesem Buch eindeutig an logischer Stringenz und nachvollziehbarer Ordnung. Man merkt, dass der Autor einige Essentials von jedem Bereich des Krippenbaus auswählte und so ein zwar reichhaltiges, für Krippenbauanfängerinnen und –anfänger aber eher etwas unübersichtliches Werk vorlegt. Für mich wirkt das Buch etwas unruhig, was auch daran liegen mag, dass die unterschiedlichen Krippenarten, insbesondere die Kasten-, Papier- und Fastenkrippen mit vielen Farbabbildungen vorgestellt werden, die Erkenntnisse und Praxisanleitungen zum Nachbau eher etwas zufällig und eingestreut wurden, wie beispielsweise die Beschreibungen der „Loammandel“ und deren Herstellung und Bemalung. Man merkt einfach, dass dieses Buch eine Zusammenstellung aus vorhergehenden Titel, ergänzt um einige neue Inhalte ist.

Trotzdem ist sehr anregend und hilfreich beschrieben, wie besondere Landschaften, Mauern, Windladen, Fenster, Dachbedeckungen, Türen, Zäune oder andere Gestaltungselemente herstellen lassen. Auch bezüglich der Perspektive einer Krippe, dem Bau einer Kastenkrippe, der Botanik und Landschaftsgestaltung gibt Herr Schrettl viele Anregungen für allerdings doch mehr handwerklich versierte und erfahrene Krippenfreundinnen und –freunde.

Wer ein umfangreiches Buch zu vielen verschiedenen – auch hintergründigen - Aspekten des Krippenbaus samt Einblick in eine Krippenwerkstatt sucht, ist mit dem Buch gut bedient. Wer allerdings eine gute und in Arbeitsschritten klar gefasste Praxisanleitung zum Bau einer speziellen Krippe braucht, sollte sich lieber auf diese Praxis konzentrierendes Buch besorgen (z. B. das „Handbuch zum Krippenbau“).

(c) 3/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

Spielwaren

RallyFally (Spiel)

Michael Schackert

EUR 29,99 *
auf Merkliste

50

26.03.2013

„Mit dem Teppich Magnetfelder überwinden”

Dieses Spiel begeistert neben der ansprechenden Grafik, dem orientalisch-geheimnisvollen Thema auch wegen seiner doch etwas ungewöhnlichen Spielweise. Auf dem leicht schräg gekippten Spielplan befinden sich einem Schachbrett ähnlich quadratische Feldeinteilungen. In den vier Ecken sind die Zielorte für die „Fliegenden Teppiche“ der Mistpielenden eingezeichnet. Eine Aufgabenkarte zeigt an, in welcher Reihenfolge Ziele anzufliegen sind, um die bestimmte Sammelobjekte zu erlangen.

Die eigene Spielfigur zieht (fliegt) dabei nach Flugkarten, die bestimmte Flugetappen vorgeben, mal abgewinkelt, mal geradeaus. Der Clou ist dabei, dass sich unter dem Spielplan Magnete befinden, welche die ebenfalls magnetischen Spielfiguren haften lassen. Befindet sich jedoch unter einem Feld kein Magnet, rutscht der eigene Teppich schon mal ein paar Felder nach unten und verzögert so das Erreichen des augenblicklichen Flugziels. Auch andere Figuren kann man bei so einem Absturz mitreißen oder aber auch mal auf dem Weg zu einem der Zielorte verschieben.

Das Spiel fordert und fördert Räumliches Denken und ein wenig Planungsgeschick und macht wegen der manchmal unverhofft auftretenden Rutschpartien für ausreichend Gaudi beim Sammeln von Säbel, Ring, Wunderlampe oder Schatzkiste. Geeignet ist das etwas geheimnisvolle Spiel für Mädchen und Jungen ab etwa 4 Jahren, denn die Kennzeichnung ab 3 Jahren ist sicher etwas zu früh bemessen. „Rally Fally“ hat zu Recht die Auszeichnung „Deutscher Lernspielpreis“ 2012 erhalten.

(c) 3/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

40

18.03.2013

„Witzig nachdenkliche Verallgemeinerungen”

Alle Leser sind gleich – alle Leserinnen auch … Naja, immerhin verbindet sie, dass sie lesen. Bezüglich der Einschätzungen der Welt, der Kontinente, der einzelnen Länder allerdings gibt es vermutlich so vielseitige Meinungen und Einordnungen, als es Menschen gibt. Und doch weht ein Hauch von Gleichheit durch die Unterhaltungen, wenn es darum geht, schnell und unkompliziert Aussagen über „die Italiener“, „die Engländer“, „die Amerikaner“, „die Chinesen“ usw. zu machen. Schnell sind da die Vorurteile, Tradiertes oder eben noch in der U-Bahn oder in der Kneipe Aufgeschnapptes parat. Wer hat schon Zeit, sich differenziert zu informieren oder zu äußern. Die Schnelllebigkeit relativiert alles doch ohnehin so wunderbar.

Der Autor und an sich Künstler Yank Tsvetko entwickelte eine satirische Europakarte und gestaltete diese mit Länderbezeichnungen als knappe und eindeutig Klischeebehafteten Überschriften, die allesamt direkt vom Stammtisch halbwissender Politikdistanzierter stammen könnten. Und doch haftet jeder noch so oberflächlichen Bezeichnung ein Wahrheitsquäntchen an, welches irritiert und anregt, sich mit derartigen Urteilen auseinanderzusetzen.

So reflektiert man beim Blättern durch die zahlreichen grafisch schlicht gestalteten Länder- und Kontinentalumrisse darüber, ob es nicht doch stimmen kann, dass Europa eine subventionierte Bauern-Union, Russland ein Reich der Großkotze geworden ist oder Deutschland sich klammheimlich doch über seine augenblicklichen Staatsgrenzen hinaus in ein deutlich vergrößertes Merkel-Reich hin entwickelt?!?

Viele der Karten Europas oder auch von Amerika oder Asien beschriftet der Autor aus unterschiedlichen Betrachtungswinkel und macht somit deutlich, dass die Auffassungen und auch Sichtweisen eben Interessensgeleitet sind und Gefühle sowohl als auch Bedürfnisse, Erfahrungen, Wünsche und Ziele dokumentieren. Notwendige Sensibilität gegenüber den jeweils Anderen ist also durchaus eine nötige Grundlage für ein friedfertiges Miteinander und Verstehen. Auf diesem Umstand weist das Buch hin – ansonsten sind die Pseudogeografischen Ansichten samt verbindenden Erläuterungen und durchaus ernst zu nehmenden Überlegungen Tsvetkovs Satire. Die allerdings ist nicht so lustig, wie es scheint, denn zu oft fehlt einfach der wirkliche Witz, weil selbst Vorurteile einen ernsthaften Hintergrund benötigen, der bei einigen der Landkartenbeschriftungen einfach völlig krampfhaft aus der Luft gegriffen ist, und das kostet einen Stern.

(c) 3/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

40

17.03.2013

„Fiktive Vorstellung wird krude Wirklichkeit”

Die Idee, einen historischen Mensch im Heute auferstehen zu lassen, ist sicher interessant und je nach erzählerischer Umsetzung spannend, eventuell lehrreich oder vielleicht auch witzig. Doch klappt das mit jeder Person der Geschichte und will man das auch?

Timur Vermes hat sich eine Figur für sein Debüt als Romanautor gewählt, die von vorneherein Emotionen weckt: Adolf Hitler. Die Covergestaltung ist genial, nutzt sie die eindeutigen und trotz jeglicher Minimierung klar erkennbaren Merkmale des historischen Kriegstreibers. Doch dem dadurch schnellen In-die-Hand-nehmen des Buches sollte ein brauchbarer Inhalt folgen, dessen Bewertung nun erfolgt.

Anfänglich sträubte sich in mir etwas, dieses Buch tatsächlich lesen zu wollen. Erst die Erinnerung an eines der größten satirischen Kulturstücke über den übelsten aller Österreicher, der Film „Der große Diktator“ von Charles Chaplin, besänftigte meine Abneigung und ließ mich beginnen. Wahrheitsdistanziert las ich mich erwartungsvoll in die skurrile Geschichte der Wiederauferstehung Hitlers ein. Immer wieder ertappte ich meine visuellen Gedanken bei Vergleichsbildern mit Darstellungen des Protagonisten durch aktuelle Imitatoren und Spaßmacher, wie beispielsweise den sogar im Buch erwähnten „Stromberg“-Darsteller Christof Maria Herbst, der gelegentlich auch als durchaus witziger Hitler-Darsteller in Erscheinung tritt.

Nach seinem Auferstehen aus einem brach liegendem Berliner Ruinen-Feld erzeugt A. H. zunächst unverständige und belustigte Reaktionen, lernt langsam selbst seinen Zeitsprung nachzuvollziehen und sich der Gegenwart anzupassen. All das freilich stets unter den Prämissen eigener „Volkswohlgesinnung“ und passender Aktualisierung seiner völkischen und antisemitistischen Allmachtsphantasien. Geschichtliche Anekdoten aus der Sicht Adolf Hitlers sowie Zitate im Duktus des so genannten Reichskanzler lassen hin und wieder die Mundwinkel nach oben ziehen.

Allerdings: der zunächst starke Witz ständiger Verwechslung durch einen Kioskbesitzer, die Passantinnen und Passanten oder die Leute einer Fernsehproduktionsfirma, die dem vermeintlichen Double Auftrittsmöglichkeiten in einer Fernsehshow und später sogar ein eigenes TV-Format zugestehen, verblasst in der Geschichte zunehmend. Immer wieder keimen die politischen Einstellungen und Volksverhetzenden Aussagen des echten Hitlers auf, werden jedoch anfangs von den beteiligten handelnden Personen im Roman noch eher belächelt und als gut gespielte Imitation eingeordnet. Dem Leser oder der Leserin bleibt jedoch das Lachen im Halse stecken, zitiert doch der Text durchaus wieder extreme und verachtende Positionen, die nun ganz neu Verbreitung finden. Und tatsächlich entwickeln sich die Geschehnisse dahin gehend, dass eine politische Karriere für einen Mann dieser Fasson heutzutage selbst im Zusammenspiel etablierter Parteien wieder denkbar scheint. Eine grausame Vorstellung, doch glücklicherweise weiß man, dass das Buch Satire sein soll, was nicht zuletzt der Verkaufspreis von 19,33 unterstreicht …

(c) 3/20013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

40

14.03.2013

„Selbstversorgung und Lebensbegrünung”

Ein Phänomen greift seit einiger Zeit um sich: Urbanes Gärtnern. Dabei pflanzen engagierte Natur- und Selbstversorgungsaktive kleine Beete mit Blumen, Gemüse, Obststräucher oder auch mal einen kleinen Baum, nutzen gemeinsam einen Kleingarten und gestalten Internationale und interkulturelle Anpflanzungen, um sich selbst zu versorgen oder der städtischen Tristesse ein grünes Antlitz zu verschaffen oder einen ökologischen Widerstand und Aufbruch zu dokumentieren.

Die profunde Autorin stellt in diesem Buch zahlreiche gelungene und gelingende Garten- und Pflanzprojekte vor, die allesamt in städtischer Umgebung, in Hinterhöfen oder Sackgassen, an Straßenrändern und auf Verkehrsinseln oder auch auf Balkonen, Dachlandschaften oder an Hauswänden möglich sind. „Re-Grounding“ lautet ein Begriff, der bei der Re-Naturisierung urbaner Umgebung eine wichtige Rolle spielt, denn es geht den Pflanzerinnen und Pflanzern oftmals um die richtige „Erdung“ im wahrsten Sinn des Wortes, also um die Rückgewinnung natürlicher Lebensressourcen, Naturbezug und eigenverantwortliche Selbstversorgung.

So banal einfach die Projekte und Kleingartenaktivitäten oft scheinen, so ungewöhnlich wirken diese doch in der von Versiegelung und unaufhaltsamen Bebauung geprägten Zeit. Durch eine kleine begrünte Fläche, zumal, wenn diese auch noch mit Nutzpflanzen zur Versorgung von Menschen beiträgt, gewinnt die unmittelbare Alltagsumgebung der Menschen in vielfacher Weise, denn die blühenden Pflanzen erfreuen die Betrachterinnen und Betrachter, sie sind Gestaltungsobjekt und nicht zuletzt Versorgungsstation gleichermaßen.

Nicht zuletzt ist das „Guerilla-Gardening“, wie es auch oftmals bezeichnet wird und durch an ungewöhnlichen Orten aufgehängten Pflanztaschen, -behältern oder –beete ausgedrückte grüne Anarchie plötzlich zum auch poliltischen Ausdrucksmittel einer Ökologiebewegung, die sich für nachhaltige Ressourcennutzung und –schonung einsetzt, aber auch eine demokratische Beteiligung einer Konsumkritischen und Zukunftsorientierten Gesellschaft einfordert und umsetzt. Der grüne Ansatz wird schnell auch zum integrativen Moment, wenn beispielsweise Generationsübergreifend Interkulturelle Gärten und Kooperationsprojekte im Quartier entstehen und die Menschen über die Gartenarbeiten hinaus zu einer verschworenen Gemeinschaft für die Natur zusammenführen.

Die Autorin beschreibt all das in nachvollziehbarer Weise, steigert anhand zahlreicher großformatiger und aussagekräftiger Bilder die Lust zur Nachahmung. Schade nur, dass es zu wenig konkrete Anleitungen zur Anlage von Beeten und Pflanzorten oder –gefäßen gibt, um gleich an die Umsetzung gehen zu können (daher 4 Sterne). Dafür zeigt sie aber auch die historische Entwicklung der mordernen Art von „Stadtgärtnerei“ auf. Ein klasse Buch für die Grüne Revolution.

(c) 3/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

14.03.2013

„Spielerisch Naturerhalt gestalten”

Ein Phänomen greift um sich: Urbanes Gärtnern. Hier pflanzen engagierte Natur- und Selbstversorgungsaktive kleine Beete mit Blumen, Gemüse, Obststräucher oder auch mal einen kleinen Baum, um sich selbst zu versorgen oder der städtischen Tristesse ein grünes Antlitz zu verschaffen.

Etwas anders motiviert gestaltet der „Guerilla-Gärtner“ Steve Wheen unschöne Ecken und Flecken in den Winkeln und Straßen oder Gassen der Stadt mit pflanzlichen Mitteln, bisweilen unterstützt durch kleine Spielfiguren oder minaturisierte Alltagsgegenstände oder entsprechendes Mobiliar. Mal ist es ein Schlagloch, welches er spielerisch zu einem Tennisplatz in der Größe einer Tageszeitung umgestaltet, ein anderes Mal entsteht eine Mini-Blumenwiese mit darauf an Wäscheleinen aufgehängter Tischwäsche aus der Puppenküche oder eine gemütliche Fernsehecke mit Ohrensessel im Schein einer Stehlampe neben einem Nachtschattengewächs.

Immer spielt das Begrünen einer im Öffentlichen Raum befindlichen – wenn auch sehr kleinen – Fläche auf dem Asphalt, in einem gepflasterten Stück Straße oder an eine betonierte Einfassung gedrückt die Hauptrolle der Aktionen. Die grünen Mikro-Oasen des „Pohole Gardeners“ (Schlaglochgärtners) sind Augenweide und Herzensansprache, aber auch Bebauungskritik und Nachhaltigkeitsaufruf gleichermaßen. Die in dem Buch vorgestellten Gartenprojekte machen deutlich, wie sich unsere Umgebung einer grauen und versiegelten Umgebungsdiktatur ergeben hat und rüttelt gleichzeitig das emotionale Gewissen und den Drang nach einem ökologisch wertwollen Lebensraum aus.

Alle wachsenden und blühenden Objekte sind eine Seelenbereicherung für die Orte, an welchen sie entstanden und mit Saft und Kraft grüne oder bunte Zeichen für den Erhalt der Natur setzen. Gewissermaßen sind es „Nachwachsende Graffitis“, blühende Straßenmalerei und duftende Markierungen auf den alltäglichen Wegen durch die urbane Gesichtslosigkeit.

Das Buch ist ein Nachschlagewerk und eine Zusammenschau anregender und ansprechender Pflanzkunst, gleichsam eines urbanen Gestaltungsspiels und eine reizende und motivierende Anregung zu eigener Aktivität. Nachmachen erwünscht und bereichernd.

(c) 3/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

04.03.2013

„Mutiges Streifenhörnchen löst das Rätsel der Menschheit”

Das spannende Abenteuer um die sprechenden Tiere und den geschrumpften letzten Menschen Bill findet in diesem Band sein Ende. Hätte es Thelonius jedoch nicht nach vielen Versuchen und verworfenen Schriftfassungen auf notiert, nie hätte jemand erfahren, was es mit Mattakeunk-Institut, der Zeitmaschine, dem Fliegenden Sofa, dem Wolfsmann, der rettenden Ratte, dem Sieg über die Drachenherrin oder dem Traumhelm auf sich hatte.

All diese genannten Dinge sind Bestandteile einer wieder so wunderschön phantastischen und im Wechsel mit prächtigen Graphic-Novel-Comics von Jon Buller und von Susan Schade erzählten Geschichte um Schicksal, Untergang, Zusammenhalt, Überlebenswille und Freundschaft von Mensch und Tier.

Auch der letzte Teil der Trilogie ist wieder voll mit aufregenden Ereignissen, witzigen Dialogen und Ideen gespickt, dass es ein wahre Freude ist, das Buch in einem „Rutsch“ durchzulesen. Lustige und herrlich skurrile Vorstellungen über Land, Ereignisse und Möglichkeiten – wie beispielsweise das durch reine Gedankenkraft zu steuernde Sitzmöbel oder der Flug durch die Gedankenwelt Simons mit dem Traumhelm – werden sich nachhaltig bereichernd in der Erinnerung der Leserschaft verankern. Und egal, welche Wirrungen und Wendungen die Geschichte im Verlauf der drei Bände nahm, das schönste Ende bleibt zum Schluss: Das Leben geht weiter!

(c) 2/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

01.03.2013

„Fetzige Rockmusik für Kinder”

Für die Kinderparty, die Schulfeier oder das Gruppenfest und auch im Kinderzimmer begeistern die rockigen Songs von Heiner, dem Rockmusiker aus dem Hohen Norden.

Die eingängigen Texte lassen Mädchen und Jungen nicht nur schnell in Bewegung geraten sondern auch voller Freude mitsingen. Die Stimmung in der Gruppe ist schnell gegeben, wenn die auf Bewegung und Mitmachen angelegten Stücke wie „Sturmfreie Bude“, „Kissenschlacht“, „Wie grüßt man in der Welt“ oder auch „Da tobt der Bär“ aus den Lautsprechern erschallen. Auch das so beliebte Partyspiel „Reise nach Jerusalem“ kann nun endlich mit der auch textlich passenden Musik gespielt werden.

Klasse ist nicht zuletzt der Bonus-Track „Wie grüßt man in der Welt“, der mögliche Hemmschwellen vor dem Unbekannten oder Fremden ein wenig abbauen helfen kann.

So eignet sich die Rock-CD für Kinder gut, um zu unterschiedlichsten Anlässen Spaß und gute Stimmung zum Mitmachen erzeugen kann.

(c) 2/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Gleitflug

Anne-Gine Goemans

EUR 21,95 *
auf Merkliste

50

30.01.2013

„Die Kraft der Liebe führt zu einem tragikomischen Plan”

Auch wenn in der Regel die Pubertät zu einer – zumindest zeitweiligen - Abgrenzung gegenüber den Eltern führt, so bleibt doch die Verbindung und Beziehung zu Mutter oder Vater bestehen. Daher leidet der Vierzehnjährige mit seinem Vater und dessen Zwillingsbruder neben der Start- und Landebahn eines Flugplatzes lebenden „Gänseflüsterer“ Gieles auch unter der wegen eines von ihr geleiteten Hilfsprojektes in Somalia Langzeitabwesenheit seiner Mutter. Der vielleicht auch aus dieser Tatsacher heraus entstehende Beziehungskonflikt seiner Eltern befeuert seinen Trennungsschmerz zusätzlich. Mehr und mehr reift sein Plan für die „Geniale Rettungsaktion 3032“, deren Ziffer sich auf die Flugnummer des Rückkehrfluges seiner Mutter in einigen Monaten bezieht.

Neben der Beschreibung der Vorbereitungen zu dem Familienbeziehungswiederherstellungsplan werden die Leserin und der Leser dieses in lockerer, in einigen wenigen kurzen Abschnitten gar sehr drastischen Sprache entlang der unterschiedlichsten Belastungen im Leben des Jungen geführt. Es ist eine Geschichte um die erste und um ernste Liebe, die Sehnsucht nach intakten Beziehungen zu Eltern aber auch Freunden. Die Suche nach dem eigenen Sehnsüchten folgenden Weg, die Entdeckung der Sexualität aber auch die schmerzliche Enttäuschung einer Freundschaft, die Loslösung aus elterlicher Behütung und gleichzeitig die Angst vor dem Alleingelassen sein sind einige der geradezu beiläufig wirkenden Erzählinhalte.

Die durch die Mails der Mutter ungeschützten dramatisch-brutalen Situationsbeschreibungen einer Somalischen Lebenswirklichkeit oder die oft so entpersonalisierten, abfälligen sexualisierten Bemerkungen Toons, eines älteren Freundes von Gieles, lassen die Zerissenheit der jugendlichen Persönlichkeit des Protagonisten nachempfinden, stoßen eine oder einen aber teilweise geradewegs aus der Geschichte hinaus. Zu krass steht das im Widerspruch zu der so verzweifelten Idee des Jungen, seine mühsam trainierten Gänse zum Wohle sehnsüchtiger Mutterliebe und –anerkennung zurückzugewinnen.

Gieles Soziales Weltbild bekommt noch eine weitere Wendung durch die Zufallsbekanntschaft „Super Waling“, einem Ex-Lehrer, der sich aufgrund persönlicher Schicksalsschläge zunächst offensichtlich kraftlos selbst verlor. Erst der Kontakt mit dem stets an das Machbare, das Gute glaubende Junge verändert ihn, wird Ersatz für die enttäuschte Jungenfreundschaft und stärkt beide Schicksalsgenossen. Nicht zuletzt „Gravitation“, das Mädchen Meike, welches Gieles über das Internet kennen lernte, wird bald zur Herzensfreundin und ersten Liebe und entwickelt sich zu einem wichtigen Stützpfeiler für den sensiblen Jungen.

Das mit zahlreichen Lebensschicksalen gut bestückte Buch ist ein dichtes Kompendium von Problemlagen und Lebensunterschiedlichkeiten einer ganzen Reihe von Haupt- und Nebenfiguren. Es spricht an, verwirrt, regt auf und an, empört, versöhnt und hinterlässt auf jeden Fall starke Gefühle. Für Jugendliche ab (frühestens) 14 Jahren und Erwachsene gleichermaßen geeignet.

(c) 1/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.