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Name:
Dr. Christian Rößner
Ort:
Göttingen
Rezensionen:
239 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 130

nicht hilfreich: 39

Rang:
114

Dr. Christian Rößners Rezensionen

50

24.02.2011

„Das Schweigen des Jan Karski”

Dieses Buch beeindruckt auf ganz nachhaltige Art und Weise: In dokumentarischen und romanhaften Stil gelingt Yannick Haenel ein Porträt Jan Karskis und dessen unermüdlichen, quälenden und erschütternden Kampf gegen die Vernichtung der Juden während des Zweiten Weltkrieges. In einer Zeit ohne Facebook und Youtube ist Karski auf die Schilderung seiner persönlichen Erfahrungen der unbeschreiblichen Untaten angewiesen – und immer wieder muss er erkennen, dass das dies nicht ausreicht, um die Öffentlichkeit und vor allem die Machthaber der freien Welt aufzurütteln. Besonders die Ohnmacht Jan Karskis macht den Leser zunehmend sprachlos. Yannick Haenels Buch über Jan Karski ist bemerkenswert gut geschrieben und von einer unerbittlichen Härte, die diesem dokumentarischen Roman so lesenswert macht. Uneingeschränkt empfehlenswert!

buch

Sunset

Klaus Modick

EUR 18,99 *
auf Merkliste

50

24.02.2011

„Ein Tag im Leben Lion Feuchtwangers”

Am 16. August 1956 erhält Lion Feuchtwanger ein Telegramm, das ihn über den Tod seines langjährigen Freundes und Weggefährten Bertolt Brecht informiert. Die schmerzvolle Nachricht lässt Feuchtwangers Gedanken in die Vergangenheit schweifen und ihn über seine Beziehung zu Brecht, aber auch sein eigenes wechselvolles Leben räsonieren. Dabei zeichnet er seinen Weg vom Fabrikbesitzersohn zum Bestsellerautor, vom deutschen Juden zum Anwärter auf die amerikanischen Staatsbürgerschaft und vor allem seinen Weg ins Exil nach. Und angesichts von Brechts Tod wird ihm auch seine eigene Endlichkeit bewusst.
Klaus Modick lässt den Leser in seiner Novelle „Sunset“ diesen Tag im Leben Lion Feuchtwangers miterleben. Halb fiktiv, halb biographisch – wie Modick im Nachwort freimütig zugibt – stellt er ein exzellentes Porträt Feuchtwangers und dessen spannende Geschichte dar. Dies gelingt Modick dank seiner sensiblen wie intensiven Beschreibung des illustren Personals, der präzisen Zeichnung der Zeitumstände während des Exils in den USA und des wunderbaren Erzählstils, der auf angenehme wie unaufdringliche Weise in Feuchtwangers Ton gehalten ist. Modick gelingt es auf brillante Art und Weise den Leser für seine biographischen Skizze und nicht zuletzt Feuchtwanger einzunehmen. Klaus Modick ist mit „Sunset“ ein Buch gelungen, das man nicht ausdrücklich genug empfehlen kann. Ein herausragendes, ja schlichtweg perfektes Buch.

buch

Vorstadthimmel

Gabriele Kögl

EUR 17,90 *
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50

24.02.2011

„Vorstadthimmel”

Heinrich ist in kleinen Verhältnissen aufgewachsen, vaterlos und ohne von seiner Mutter viel Liebe zu erfahren. Im Studium hat er sich als Model Geld dazu verdient und es schließlich geschafft, mit einer eigenen Zahnarztpraxis erfolgreich zu sein. Längst lebt er mit Ehefrau und Tochter in einer schmucken Villa in Wien, in einer Straße, die „Am Himmel“ heißt, nicht ganz zufällig, denn Heinrich hat das Baugrundstück wegen dieses Straßennamens ausgesucht. Er möchte seiner über alles geliebten Tochter bieten, was er in der eigenen Kindheit so schmerzlich missen musste, und übt sich, in der Midlife-Crisis steckend, in luxuriöser Großmannssucht. Seine große Schwäche sind Luxusgüter – und Frauen. Unzählige Affären pflastern seinen Weg und eigentlich lässt Heinrich nichts anbrennen. Als seine „Bekannte“ Margot von ihm schwanger wird, drängt er sie zur Abtreibung, doch Margot hat ganz andere Pläne …
In diesem grandiosen Beziehungsroman lässt Gabriele Kögl zwei Prinzipien aufeinander treffen: der dem Weltlichen zugewandte Heinrich, der seine Verwirklichung im Erfolg, Geld und Lusterfüllung sucht und Margot, deren Sinn nach Liebe und Glück strebt. Diesen Roman zeichnen feine psychologische Beobachtungen, rasante Perspektivwechsel, harsche Schnitte in der Handlung sowie eine permanent schwelende Spannung gleichermaßen aus. Ein außergewöhnlicher und äußerst lesenswerter Roman über Lust und Liebe, Schlichtheit und Luxus und den Sinn des Lebens. Ein großartiger Roman! Sehr empfehlenswert!

buch

Gute Geister

Kathryn Stockett

EUR 21,99 *
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50

24.02.2011

„Gute Geister”

Im Mittelpunkt des Romans „Gute Geister“, der in den 60er Jahren in Jackson, Mississippi, spielt, stehen die schwarzen Haushälterinnen und Kindermädchen Aibileen und Minny. Sie verdienen, wie unzählige ihrer Freundinnen ihren kümmerlichen Lohn in reichen weißen Familien, die nach restriktiven, traditionellen Rollenverständnissen leben. Trotz der Bemühungen der Kennedy-Regierung besteht in den Südstaaten eine tiefe Trennung zwischen Schwarz und Weiß. Das alltägliche Leben ist von einem unverhohlenen Rassismus geprägt. Die junge weiße Skeeter Phelan, die selbst aus einem reichen Elternhaus stammt und von einer schwarzen Nanny aufgezogen wurde, stellt dieses System immer häufiger in Frage und möchte mit einem Buch, das sie zusammen mit Aibileen und Minny schreiben will, auf die dortigen Verhältnisse aufmerksam machen. Dazu muss sich Skeeter gegen ihre konservative Familie, gegen ihre bigotten Freundinnen, ja, gegen die gesamte herrschende Gesellschaft stellen und sich der Lebenswirklichkeit der schwarzen Bevölkerung nähern. Aber vor allem Aibileen und Minny geraten bei diesem Vorhaben in höchste Gefahr…
Kathryn Stockett hat in ihrem Roman ein eindrückliches Südstaaten-Portrait der 60er Jahre geschildert. Die Meisterschaft Stocketts liegt darin, dieses schwierige, bedrückende Thema mit ungeheurer Leichtigkeit, Ironie und Verve zu erzählen. Aus den authentischen Perspektiven der bedächtigen Aibileen, der frechen Minny und der mutigen Skeeter wird diese Geschichte so facettenhaft geschildert, dass die Spannung jederzeit hochgehalten und die Sichtweise nie eindimensional – im wahrsten Sinne des Wortes nie schwarz-weiß – bleibt. Ein eindrucksvolles Leseerlebnis, das zum Lachen und wie zum Nachdenken anstößt. Eine tolles, äußerst lesenswertes Debüt!

buch

Adams Erbe

Astrid Rosenfeld

EUR 21,90 *
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50

24.02.2011

„Toller Erstling!”

Im Mittelpunkt von Astrid Rosenfelds fulminantem Romandebüt steht der junge Edward Cohen, der im Berlin der 80er Jahre von seiner Mutter und seiner jüdischen Großmutter aufgezogen wird. Als seine Mutter Jack Moss kennen lernt und heiratet, beginnen für ihn die unsteten Wanderjahre. Als Edward nach der Jahrtausendwende in seine Heimatstadt Berlin zurückkehrt, verstirbt wenige Zeit später seine Großmutter und in ihrem Nachlass findet er ein Manuskript seines Großonkels Adam Cohen, der im Verdacht steht, seine Familie während der Nazi-Zeit in Berlin einfach verlassen zu haben - und so am Tod einiger Familienmitglieder schuld zu sein. Edward liest nun dieses Manuskript und erfährt die grausame Wahrheit über die Geschichte der Familie Cohen.
Diese wunderbar erzählte Geschichte enthält gleich zwei Romane: da ist zum einen die Geschichte von Edward und seiner Suche nach der Identität sowie die Geschichte Adams und dessen Suchen nach der wahren Liebe. Dabei gelingt es Rosenfeld, den erzählerischen Spagat zwischen spießbürgerlicher BRD-Realität und den Geschehnissen der Nazi-Zeit zu halten, ohne die Spannung in und zwischen den beiden Erzählsträngen zu verlieren. Auch wenn besonders die Handlung um Adam, der seiner Liebe sogar ins Warschauer Ghetto folgt, meisterhaft hervorsticht, ist dieser Roman in seiner Gesamtheit gar nicht hoch genug zu loben. Ein großartiges Debüt und ein wirklich äußerst lesenswerter Roman.

buch

Elf Leben

Mark Watson

EUR 19,95 *
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50

24.02.2011

„Elf Leben”

Xavier Irland ist Radiomoderator. Jede Nacht gehen er und sein schrullig-stotternder Co-Moderator Murray mit der Call-in-Show „Late line“ auf Sendung und betätigen sich als Sorgenonkel für die Alltags-Probleme von Londoner Nachteulen. Mark Watson erzählt in short-cuts-Manier, wie Xaviers scheinbar belanglos dahinplätscherndes Leben zehn weitere Leben beeinflusst. Auf den ersten Blick wird nicht klar, auf welche Art und Weise - dies erfährt der Leser von Ereignis zu Ereignis - Xaviers Handeln das Leben des Nächsten und wieder der Nächsten usw. in andere Bahnen lenkt. Dieser kunstvoll konstruierte Roman spielt mit der Frage, welche unsere Handlungen Bedeutung und Konsequenzen für andere haben könnten. Mark Watsons Debütroman glänzt vor sprühendem Einfallsreichtum, klugen Witz und präzisen Beobachtungen. Und er führt immer wieder vor Augen, wie unberechenbar das Schicksal ist. Einfach großartige Literatur!

40

24.02.2011

„Dunkle Geheimnisse!”

Als Taras Petrenko, ein Historiker im Diensten des KGB eine geheime Akte aus Stalins Archiven zur Beurteilung bekommt, erkennt er sofort, dass er ein brisantes Dokument in den Händen hält. Es handelt sich dabei um den Hinweis auf ein uraltes Testament, das nicht weniger als das Gleichgewicht der politischen Welt aus den Angeln heben wird – sofern es ans Licht der Öffentlichkeit kommt. Zur gleichen Zeit machen sich der junge ukrainische Historiker Andreji Savtschuk und die englische Anwältin Kate auf die Suche nach diesem Testament. Und nun beginnt ein mörderischer Wettlauf.
Mit packender Spannung erzählt A.K. Shevshenko von langen und zuweilen dunklen Erbe Russlands, das nach mehreren hundert Jahren aufgedeckt werden soll. Dieser wirklich gelungene Geheimdienst-Thriller zeigt die dunkle Seite hinter den Mächtigen der Welt und erzählt von finsteren Geheimnissen, die besser nie entdeckt worden wären. Spannende Unterhaltung!

40

24.02.2011

„Strindbergs Stern”

Als ein Taucher in einem verlassenen Bergwerk im schwedischen Falun eine Leiche samt einem mysteriösen, uralten Metallkreuz entdeckt, weckt dies nicht nur das Interesse der Polizei. Dunkle Mächte sind – ebenso wie der Mythenforscher Don Titelman – an dem Kreuz interessiert, da das Kreuz ein Teil eines mythischen Gegenstandes ist, der unendliche Macht verleihen soll. So kann die Jagd beginnen….
Jan Wallentins Roman beschreibt eine wilde und hochspannende Schatz-Suche durch ganz Europa bis in die Arktis. Seine Wurzeln hat die Geschichte in der nordischen Mythologie und führt über die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges bis zum Arier-Kult der Nazis, die natürlich immer noch ihre Finger im Spiel haben. Für alle Leser, die Spaß an Mysterien-Romanen a la Dan Brown haben (und wirklich nur für diese Leser), ist „Strindbergs Stern“ sehr zu empfehlen. Wallentin kombiniert eine (im weitesten Sinne) glaubhafte Hintergrundgeschichte und eine sehr rasante und äußerst abwechslungsreiche Handlung mit charismatischen Figuren. Gut gemachte Unterhaltung: spannend und fesselnd!

40

24.02.2011

„Ekel-Thriller”

Die Zutaten sind ganz einfach: Zwei renommierte italienische Krimi-Spezialisten werfen ihr ganzes Können zusammen und erfinden eine spannungsgeladene und politisch hochbrisante Geschichte um einen kriminellen Feinschmecker, der sein Geld mit verdorbenen Lebensmitteln macht. Eigentlich steht am Ende nur die Hoffnung, dass vor allem die Handlungsteile, die sich um den Handel mit minderwertigen und ekelerregenden Lebensmitteln drehen, erfunden sind. Doch bei der sehr genauen Schilderung der mafiösen Vorgänge wird dem Leser bald klar, dass hier ein sehr realistisches Bild von der Wirklichkeit gezeichnet wird. Dass nebenbei ein toller Krimi entstanden ist, liegt an der skrupellosen, aber gleichzeitig faszinierenden Hauptfigur, die das „Fleur de Sel“ in dieser wohlschmeckenden (aber bei genaueren Betrachtung widerlichen) Krimi-Suppe

50

26.01.2011

„Schreiben gegen das Vergessen”

In diesem sehr persönlichen Bericht beschreibt Arno Geiger die reale Geschichte um die fortschreitende Demenzerkrankung seines Vaters. Vom fast unbemerkten Ausbruch der Krankheit bis zum Einzug ins Altersheim zeigt Geiger, wie sehr die Krankheit das Familienleben und die komplexe Vater-Sohn-Beziehung beeinflusst. Arno Geiger erzählt mit tragischer Komik die teilweise surreal anmutenden und skurrilen Situationen aus dem Alltag des Vaters, hinter denen oft genug Verzweiflung und Machtlosigkeit angesichts der übermächtigen Krankheit stehen.
Fern jeder Larmoyanz ist Arno Geiger ein brillantes Buch über das langsame Vergessen und das Entschwinden von Erinnerungen gelungen, das auch tief in seinem Schreiben verwurzelt ist. Und genau damit geht dieses Buch weit über eine bloße Beschreibung einer Krankengeschichte hinaus: Hier wird das Leben zur Poetik und die Poetik Widerstand gegen das Vergessen. „Der alte König in seinem Exil“ ist ein großartiges Buch, das auf gleichsam angenehme wie unangenehme Weise berührt und in seiner ganzen Schlichtheit eine eminente Tiefe und Wahrheit besitzt. Für mich eines der herausragenden Bücher der Bücherfrühlings 2011! Unbedingt lesen!