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Rezensionen:
137 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 12

nicht hilfreich: 5

Rang:
245

Rezensionen

50

01.03.2012

„Über Reisen jeder Art”

Die Schriftstellerin, Journalistin und Magierin Luisa Francia hat, wie man sich vorstellen kann, schon viele Reisen auf allen Erdteilen unternommen. Vor allem aber berichtet sie in ihrem Buch darüber, was Reisen für sie und für die Menschen im Allgemeinen bedeutet, worauf man dabei achten sollte, wie man es am besten genießt und wie man am meisten dabei lernt; ob man nun tatsächlich in die Ferne fährt, im eigenen Land unterwegs ist oder auch "nur" im Geiste reist.

Egal, um welche Inhalte es geht, mir hat die humorvolle und bodenständige Art von Luisa Francia immer schon gut gefallen, besonders aber in ihrem Reise-Buch, denn hier handelt es sich um ein Sehnsuchts-Thema für viele Leser. Aber zum Glück erfährt man, wie man die Sehnsucht auch ohne weite Reisen stillen und wie man sein Zuhause und seine nähere Umgebung ganz neu und neugierig entdecken kann.

50

28.02.2012

„Hesses schönstes Buch”

Vielleicht nicht ganz so bekannt wie "Siddharta" oder der "Steppenwolf", meiner Meinung nach aber das schönste Werk von Hermann Hesse. In "Narziß und Goldmund" geht es um das Leben zweier ungewöhnlicher Menschen, um eine inspirierende Freundschaft und um den Mut, zu sich selbst zu stehen und das Leben wahrhaft auszukosten.

Ein großes Thema des Werks sind Dualismen - Leben und Tod, Denken und Handeln, Mann und Frau, Liebe und Haß, Sünde und Tugend - wie sie im westlichen Denken sehr verbreitet sind, sowie die Überwindung derselben, was nicht vielen Autoren auf so poetische und nachvollziehbare Weise gelingt wie Hesse.

Ein zeitloses Werk, das sicher auch die nächsten Generationen noch faszinieren wird.

50

23.02.2012

„Mit Musik und Drogen die Welt verändern!”

Das war der Wunsch beziehungsweise der Glaube der Gegenkultur in den 60er Jahren. Der Amerikaner Joe Boyd war von Anfang an dabei, einerseits als Idealist, andererseits auch aus kommerziellem Interesse, als Musikproduzent und Manager. Durch diese beiden Zugänge zur Underground- und Hippiekultur bewahrt er sich eine gewisse Distanz, um ihre Geschichte als Fan, aber ohne falsche Idylle auch für den viel später geborenen Leser fesselnd und humorvoll erzählen zu können.

Was ihn für mich recht sympathisch macht, ist, dass er selber nie eine Musikerkarriere im Auge hat (seine Klavierstunden haben aufgehört, als er 13 war), sondern von Anfang an Schallplattenproduzent werden wollte. Liest man von seinen Abenteuern im Londen der 60er Jahre, so wird klar, dass in der Musikszene, vor allem im Bereich Folkrock, ohne ihn Wesentliches gefehlt hätte. Zum Beispiel gehen Entdeckungen wie die Incredible String Band und Fairport Convention auf seine Kosten, und viel später wird er sich mit dem richtigen Riecher der noch unbekannten schwedischen Gruppe ABBA annehmen.

Für den nostalgischen Musikfan enthält das Buch jede Menge interessante Details und Insider-Anekdoten, aber auch viel Hintergrund zu Politik und Kultur, die sich von der Musik natürlich nicht trennen lassen.

Joe Boyd scheint übrigens seine ehemaligen Schützlinge nicht aus den Augen verloren zu haben, denn auf youtube findet man beim "October Song" der Incredible String Band einen recht neuen Kommentar von ihm.

50

23.02.2012

„Mit Musik und Drogen die Welt verändern!”

Das war der Wunsch beziehungsweise der Glaube der Gegenkultur in den 60er Jahren. Der Amerikaner Joe Boyd war von Anfang an dabei, einerseits als Idealist, andererseits auch aus kommerziellem Interesse, als Musikproduzent und Manager. Durch diese beiden Zugänge zur Underground- und Hippiekultur bewahrt er sich eine gewisse Distanz, um ihre Geschichte als Fan, aber ohne falsche Idylle auch für den viel später geborenen Leser fesselnd und humorvoll erzählen zu können.

Was ihn für mich recht sympathisch macht, ist, dass er selber nie eine Musikerkarriere im Auge hat (seine Klavierstunden haben aufgehört, als er 13 war), sondern von Anfang an Schallplattenproduzent werden wollte. Liest man von seinen Abenteuern im Londen der 60er Jahre, so wird klar, dass in der Musikszene, vor allem im Bereich Folkrock, ohne ihn Wesentliches gefehlt hätte. Zum Beispiel gehen Entdeckungen wie die Incredible String Band und Fairport Convention auf seine Kosten, und viel später wird er sich mit dem richtigen Riecher der noch unbekannten schwedischen Gruppe ABBA annehmen.

Für den nostalgischen Musikfan enthält das Buch jede Menge interessante Details und Insider-Anekdoten, aber auch viel Hintergrund zu Politik und Kultur, die sich von der Musik natürlich nicht trennen lassen.

Joe Boyd scheint übrigens seine ehemaligen Schützlinge nicht aus den Augen verloren zu haben, denn auf youtube findet man beim "October Song" der Incredible String Band einen recht neuen Kommentar von ihm.

40

26.01.2012

„Einführung in die Ayurveda-Ernährung”

Dieses kleine Kochbuch bietet, ohne den Laien mit allzu viel Theorie abzuschrecken, eine gute Einführung in das Thema ayurvedische Ernährung. Über die Prinzipien des Ayurveda und die verschiedenen Typen, in die man die Menschen einteilt, wird das Wesentliche erklärt, gleichzeitig ermutigt der Autor dazu, auf den eigenen Körper zu hören und herauszufinden, was je nach Situation und Tagesverfassung gerade gut tut. Die Rezepte sind zum Großteil leicht nachzukochen und machen Lust auf mehr.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Charles Dickens

Hans-Dieter Gelfert

EUR 29,95 *
auf Merkliste

50

23.01.2012

„Neues über Dickens”

Es verwundert am Anfang, dass Gelferts Biographie von Dickens, dessen Leben durch Selbst- und Fremdzeugnisse so gut dokumentiert ist, relativ schmal ausfällt und "nur" 375 Seiten umfasst. Seine Intention, wie er auch im Vorwort erklärt, war es, dem Leser das nahezubringen, was andere deutschsprachige oder ins Deutsche übersetzte Biographien noch nicht bieten, nämlich eine Einordnung und Analyse von Dickens' Werk unter neuen Gesichtspunkten. Gelfert und die angelsächsischen Literaturwissenschaftler sehen ihn weniger als den gutmütigen Humoristen und Moralisten, sondern als einen Vertreter der frühen Moderne, der in seinem Werk ähnliche Themen behandelt wie Franz Kafka und James Joyce.
Gelfert erzählt die Lebensgeschichte Dickens' sehr komprimiert, geht aber auf einzelne Stationen, sofern sie zum Verständnis seiner Bücher von Bedeutung sind, tiefer ein. Ebenfalls chronologisch eingefügt sind kurze Inhaltsangaben aller seiner Werke, mit Interpretationsansätzen und näherer Beschreibung wichtiger und sich wiederholender Motive. Eine ebenso große Rolle wie Dickens' privates Leben spielt für Gelfert sein politisches und gesellschaftliches Umfeld. Das Buch kann gleichzeitig als ein Abriß der Geschichte des 19. Jahrhunderts gelesen werden, und auch hier bringt der Autor auf begrenztem Raum viele Fakten unter.

Gelfert hat hier keine romanhafte Biographie in erzählerischem Stil geschrieben, sondern ein historisch-biographisches Sachbuch. Dafür wird der Dickens-Leser neben einer Wiederholung der englischen Geschichte mit neuen Einsichten und tieferem Verständnis in sein Werk belohnt, ebenso wie Gelfert es bereits mit seiner Poe-Biographie geschafft hat.

50

05.01.2012

„Traurig und schön”

Zweimal zwei Menschen treffen aufeinander, lernen sich kennen und lieben. Die beiden Paare freunden sich an, helfen sich gegenseitig, verbringen bierselige Abende am Meer, bis sich die Sonne am Ende wieder verzieht und eine oder vielleicht sogar zwei Trennungen in absehbarer Nähe scheinen. Soweit die Handlung, wie sie auch von vielen anderen Autoren aufgegriffen werden könnte.

Alles, was dazwischen noch erzählt wird sowie der Schreibstil können dafür nur von Helmut Krausser stammen. Bis auf Liz, die scheinbar gesetzte Medizinstudentin, sind alle im Rotlichtmilieu tätig, wenn auch nur als Putzkraft. Eri hat ihren vor zwei Jahren verstorbenen Vater in einen Karton gepackt, aber es erweist sich als sehr schwierig, diesen loszuwerden. Jonas wiederum gewinnt Freiheit und finanzielle Unabhängigkeit durch den Tod seiner Mutter, aber ob dies auch seinem Charakter guttut, bleibt fraglich. Da erscheint es beinahe tragisch, dass Angelo, ein Strichjunge im Methadonprogramm, sein Herz verzweifelt an Jonas hängt.

Beinahe tragisch wirkt vieles in Kraussers kurzer Erzählung; eine traumhafte Atmosphäre, schräger Humor und eine seltsame Leichtigkeit, die über der ganzen Geschichte liegt, verhindern jedoch allzu viel Trauer.
Der Erzählstil des Autors trägt viel dazu bei, er mischt sich immer wieder ein, fingiert Kürzungen und Änderungen und hält so eine ironische Distanz zu den Figuren.

Ein Buch von knapp 140 Seiten, das einen kurzen Ausschnitt verschiedener Leben und gleichzeitig eine ganze Welt in sich trägt; geschrieben von einem der interessantesten und vielseitigsten deutschen Autoren.

50

14.11.2011

„Neue alte Island-Sagas”

Passend zum Island-Thema der Frankfurter Buchmesse hat der Galiani Verlag eine sehr schöne bibliophile Ausgabe von fünf Island-Sagas herausgebracht. Die Texte sind von Tilman Spreckelsen gekürzt und neu erzählt, allerdings hat er den archaischen Sprachstil beibehalten, sodass die raue und poetische Atmosphäre der isländischen Mythologie erhalten bleibt.
Eine originalgetreue Übersetzung ist mir nur bei der Egilssaga bekannt, im Vergleich zu dieser kann ich allerdings sagen, dass ich Spreckelsens Version ebenfalls gelungen finde. Vielleicht werden die Sagas durch diese neue Version nun einem breiteren Publikum bekannt, ähnlich wie es Michael Köhlmeier mit seinen Nacherzählungen gelungen ist.

Traumhaft sind außerdem die Illustrationen von Kat Menschik und die Gestaltung des Buchumschlags – ein ideales Geschenk für Islandfreunde sowie Märchen- und Sagenleser.

1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.