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Der Rächer

Thriller

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Artikeldetails zu Der Rächer

AutorFrederick Forsyth

Untertitel Thriller

Abbildungsvermerk Sonderausg. 19 cm

  • ISBN-103-442-46958-9
  • ISBN-139783442469581
  • Verlag Goldmann Taschenbuch
  • ReiheGoldmanns Taschenbücher
  • ÜbersetzerReiner Pfleiderer
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten377
  • Veröffentlicht18.08.2008
  • GenreThriller
  • Gewicht315g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelAvenger

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Leseprobe aus Der Rächer

Siebenmal hatten sie den jungen Amerikaner in die flüssigen Exkremente der Jauchegrube gedrückt, dann erlahmte seine Gegenwehr, und er starb da unten, jede Körperöffnung mit unsäglichem Schmutz gefüllt.
Als sie fertig waren, legten die Männer die Stangen beiseite, setzten sich ins Gras, lachten und rauchten. Dann brachten sie den anderen Flüchtlingshelfer und die noch übrigen fünf Waisenkinder um, nahmen den Geländewagen der Hilfsorganisation und fuhren zurück über die Berge.
Man schrieb den 15. Mai 1995.


ERSTER TEIL


Der Bauarbeiter
Der einsame Läufer nahm die Steigung in Angriff und kämpfte einmal mehr gegen seinen Feind, den Schmerz. Es war zugleich Tortur und Therapie. Deswegen lief er.
Nach Meinung derer, die es wissen müssen, ist keine sportliche Disziplin so brutal und gnadenlos wie das Triathlon. Der Zehnkämpfer muss mehr Techniken beherrschen und braucht etwa beim Kugelstoßen mehr reine Körperkraft, aber was die schiere Ausdauer und die Fähigkeit angeht, Schmerzen auszuhalten und zu besiegen, gibt es nur wenige Wettbewerbe wie das Triathlon.
Der Mann, der bei Sonnenaufgang durch New Jersey lief, war wie an jedem Trainingstag lange vor dem Morgengrauen aufgestanden. Er fuhr mit seinem Pick-up zu dem entlegenen See, lud unterwegs sein Rennrad ab und kettete es sicherheitshalber an einen Baum. Zwei Minuten nach fünf stellte er die Stoppuhr an seinem Handgelenk, stülpte den Ärmel seines Neopren-Schwimmanzugs darüber und watete ins eisige Wasser.
Er trainierte das olympische Triathlon. Fünfzehnhundert Meter Schwimmen, dann raus aus dem Wasser, rasch ausziehen bis auf Radlerhose und Trikot und rauf auf das Rennrad. Danach vierzig Kilometer geduckt über dem Lenker, die gesamte Distanz im Sprinttempo. Vor langer Zeit schon hatte er die fünfzehnhundert Meter von einem Ende des Sees zum anderen abgemessen und sich genau die Stelle am anderen Ufer eingeprägt, wo sein Rad stand. Er hatte auf den um diese Zeit immer leeren Landstraßen seine Vierzig-Kilometer-Strecke abgesteckt und
wusste, an welchem Baum er vom Rad steigen und mit dem Laufen beginnen musste. Die Strecke war zehn Kilometer lang, und das Gatter einer Farm kennzeichnete den Beginn der letzten beiden Kilometer. An diesem Morgen hatte er das Tor gerade passiert. Diese beiden Kilometer führten bergauf, der letzte Härtetest, der sich gnadenlos in die Länge zog.
Es tut deshalb so weh, weil ganz unterschiedliche Muskeln beansprucht werden. Normalerweise braucht ein Radfahrer oder Marathonläufer nicht die kräftige Brust, die muskulösen Schultern und Arme eines Schwimmers. Sie sind bloß zusätzlicher Ballast, den er mitschleppen muss.
Beim Radfahrer kommt die Kraft aus den Beinen und Hüften, dem Läufer helfen die Sehnen, seinen Rhythmus zu halten. Jede Disziplin hat ihren eigenen, gleich bleibenden Rhythmus. Der Triathlet muss alle drei beherrschen, dann kann er versuchen, an die Leistungen der Spezialisten heranzukommen.
Für einen Zweiundfünfzigjährigen ist dies mörderisch. Einundfünfzigjährige sollten durch die Genfer Konvention davor geschützt werden. Der Läufer war im Januar einundfünfzig geworden. Er riskierte einen Blick auf die Uhr. Seine Miene verfinsterte sich. Nicht gut. Mehrere Minuten über seiner Bestzeit. Er kämpfte noch verbissener gegen den Feind.
Olympiateilnehmer peilen zwei Stunden und zwanzig Minuten an, der Läufer in New Jersey hatte die Zweieinhalbstundenmarke bereits einmal unterboten. Beinahe ebenso lange war er nun schon unterwegs, und er hatte noch zwei Kilometer zu laufen.
Hinter einer Kurve des Highway 30 kamen die ersten Häuser seines Wohnorts in Sicht. Die Straße führt mitten durch die alte, aus vorrevolutionärer Zeit stammende Ortschaft Pennington, unweit der Interstate-Autobahn 959, die, von New York kommend, den Bundesstaat durchquert und weiter nach Delaware, Pennsylvania und Washington führt. Innerhalb der Ortschaft heißt der Highway Main Street.
Pennington ist eine ganz gewöhnliche Kleinstadt, so sauber und ordentlich, hübsch und freundlich wie die vielen tausend anderen, die das verkannte und unterschätzte Herz der USA ausmachen. Nur eine größere Kreuzung im Zentrum, wo sich die West Delaware Avenue und die Main Street schneiden, mehrere gut besuchte Kirchen der drei Glaubensgemeinschaften, eine Filiale der First National Bank, eine Hand voll Geschäfte und, abseits des Verkehrs, verstreute Häuser in Seitenalleen.
Der Läufer steuerte auf die Kreuzung zu, noch ein halber Kilometer. Es war noch zu früh für eine Tasse Kaffee im Café Cup of Joe oder ein Frühstück in Vito's Pizza, doch selbst wenn sie geöffnet gewesen wären, hätte er nicht Halt gemacht.
Südlich der Kreuzung kam er an dem aus der Bürgerkriegszeit stammenden Schindelhaus vorbei, neben dessen Tür das Firmenschild Calvin Dexter, Rechtsanwalt, hing. Es war sein Büro, sein Firmenschild und seine Kanzlei, in der er arbeitete, wenn er sich nicht gerade wieder freinahm und wegfuhr, um seiner zweiten Beschäftigung nachzugehen. Klienten und Nachbarn akzeptierten, dass er hin und wieder zum Angeln fuhr, nicht ahnend, dass er in New York City unter einem anderen Namen eine kleine Wohnung gemietet hatte.
Mit schmerzenden Beinen quälte er sich über die letzten fünfhundert Meter bis zur Abzweigung in den Chesapeake Drive am Südende der Stadt. Dort wohnte er, und an der Ecke endete sein sich selbst auferlegtes Martyrium. Er verlangsamte seine Schritte, blieb stehen, ließ den Kopf hängen und sog, an einen Baum gelehnt, Sauerstoff in seine Lungen. Zwei Stunden und sechsunddreißig Minuten. Weit von seiner Bestzeit entfernt. Wahrscheinlich gab es im Umkreis von hundert Meilen niemanden, der mit einundfünfzig noch an diese Zeit herankam, aber das bedeutete ihm nichts. Auch wenn er es den Nachbarn, die ihn anfeuerten und belächelten, niemals würde erklären können: Ihm kam es nur darauf an, mit dem einen Schmerz den anderen zu bekämpfen, den immer währenden Schmerz, den, der niemals verging, den Schmerz über den Verlust eines Kindes, den Verlust einer Liebe, den Verlust von allem.
Der Läufer bog in seine Straße ein und legte die letzten zweihundert Meter im Schritttempo zurück. Vor sich sah er den Zeitungsjungen einen dicken Packen auf seine Veranda werfen. Der Junge winkte im Vorbeiradeln, und Cal Dexter winkte zurück.
Später würde er sich auf seinen Motorroller schwingen und seinen Pick-up holen, mit dem Roller hinten auf der Ladefläche wieder nach Hause fahren und unterwegs das Rennrad auflesen. Vorher brauchte er eine Dusche, ein paar Energieriegel und frisch gepressten Orangensaft.
Auf der Veranda angekommen, hob er den Packen Zeitungen auf, öffnete ihn und sah ihn durch. Wie erwartet, enthielt er das Lokalblatt, eine Zeitung aus Washington, die Sonntagsausgabe der New York Times sowie eine Zeitschrift.
Calvin Dexter, der drahtige, rotblonde, freundlich lächelnde Anwalt aus Pennington, New Jersey, war nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren worden.
Er wurde in einem kakerlaken- und rattenverseuchten Slum in Newark gezeugt und kam im Januar 1950 als Sohn eines Bauarbeiters und einer Kellnerin vom örtlichen Diner zur Welt. Die Moral der Zeit zwang seine Eltern zu heiraten, als ein Stelldichein in einem Tanzlokal und ein paar Gläser zu viel dazu führten, dass seine Mutter mit ihm schwanger wurde. Am Anfang wusste er nichts davon, denn Kinder wissen nie, wie und durch wen sie hierher gekommen sind. Sie müssen es herausfinden, und das kann sehr schmerzlich sein.
Sein Vater war für seine Verhältnisse kein schlechter Mensch. Nach Pearl Harbor hatte er sich freiwillig zum Militär gemeldet, war aber als qualifizierter Bauarbeiter an der Heimatfront im Raum New Jersey dringender gebraucht worden, wo im Zuge der Kriegsanstrengungen Tausende von neuen Fabriken, Werften und Verwaltungsgebäuden entstanden.
Er war ein harter Bursche und flink mit den Fäusten, in vielen Arbeiterjobs die einzige Chance, sich Recht zu verschaffen.

Rezensionen der Redaktion zu Der Rächer

"Mit lässiger Eleganz legt Forsyth einen brillanten Thriller hin. Der genau recherchierte, brisante Roman setzt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite unter Hochspannung. Forsyth in Höchstform!"Focus

Kurzbeschreibung zu Der Rächer

Wenn die Gerechtigkeit stirbt, schlägt die Stunde des Rächers: Im Krieg auf dem Balkan wird ein junger Amerikaner brutal ermordet. Seine Familie will Sühne. Doch der Anführer der serbischen Verbrecherbande taucht in Südamerika unter. Nur einer kann helfen: Vietnamveteran Cal Dexter, Spezialist für aussichtslose Fälle.


Autorenportrait zu Der Rächer

Frederick Forsyth, geboren 1938 in Ashford/ Kent, studierte in Granada, Spanien. Nachdem Forsyth mit 19 Jahren jüngster Pilot der Royal Air Force war, arbeitete er als Reporter für die Eastern Daily Presse in Norfolk und wurde Korrespondent der Agentur Reuters. Er berichtete zunächst aus Paris und später aus Ostdeutschland und der Tschechoslowakei. 1965 ging Forsyth als Reporter zur BBC. Seine Erfahrungen aus dem Journalismus verarbeitete er in Romanen. Mit Der Schakal gelang ihm auch als Romanautor der internationale Durchbruch. Bis heute wurden seine Titel weltweit mehr als 70 Millionen Mal verkauft.

Portrait

Frederick Forsyth:
Frederick Forsyth, geboren 1938 in Ashford/ Kent, studierte in Granada, Spanien. Nachdem Forsyth mit 19 Jahren jüngster Pilot der Royal Air Force war, arbeitete er als Reporter für die Eastern Daily Presse in Norfolk und wurde Korrespondent der Agentur Reuters. Er berichtete zunächst aus Paris und später aus Ostdeutschland und der Tschechoslowakei. 1965 ging Forsyth als Reporter zur BBC. Seine Erfahrungen aus dem Journalismus verarbeitete er in Romanen. Mit "Der Schakal" gelang ihm auch als Romanautor der internationale Durchbruch. Bis heute wurden seine Titel weltweit mehr als 35 Millionen Mal verkauft. "Der Rächer" zeigt Forsyth auf der Höhe seines Könnens.

Autorenportrait

Frederick Forsyth, geboren 1938 in Ashford/ Kent, studierte in Granada, Spanien. Nachdem Forsyth mit 19 Jahren jüngster Pilot der Royal Air Force war, arbeitete er als Reporter für die Eastern Daily Presse in Norfolk und wurde Korrespondent der Agentur Reuters. Er berichtete zunächst aus Paris und später aus Ostdeutschland und der Tschechoslowakei. 1965 ging Forsyth als Reporter zur BBC. Seine Erfahrungen aus dem Journalismus verarbeitete er in Romanen. Mit Der Schakal gelang ihm auch als Romanautor der internationale Durchbruch. Bis heute wurden seine Titel weltweit mehr als 70 Millionen Mal verkauft.

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50

18.02.2011

„Denn die Rache ist MEIN.”

von einer Kundin oder einem Kunden Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Als Tunnelratte währende des Vietnamkrieges hat Dexter gelernt auch in extremen Situationen seinen
Auftrag zu beenden. Jetzt, Jahre später rächt er gegen Geld den Tod eines jungen Amerikaner
In Jugoslawien. Clever und rücksichtslos nähert er sich seinem Ziel um zu zeigen das Mord nicht verjährt.
Hat mir sehr gut gefallen das Tempo und der direkte Stil von Forsyth ist typisch. Jedes seiner Bücher zeigt das er zu den Großen der Agenten/Spionage/Soldaten-Romane gehört.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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50

23.01.2009

„Ein Antikriegsbuch, das die Schrecken von Kriegen hautnah aufzeigt”

von Segler und Bücherfan Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Frederick Forsyth schreibt gute Thriller und zeigt in seinem Roman der Rächer (Avenger) mit welchen Machenschaften Kriegstreiber arbeiten, politische Massenmörder unter normalen Umständen nicht gefasst werden. Der Rächer, der seine Fähigkeiten im Vietnamkrieg gelernt hat, rächt die Opfer von Kriegsverbrechen gegen harte Dollars von deren Angehörigen. Forsyth hat die politischen Fakten und Hintergründe des Bosnienkrieges sehr realistisch recherchiert. Im Verlauf seines Romans glaubt man neben dem Rächer zu sein und die gefahrvollen Missionen mitzuerleben. Es gibt nur wenige schwer nachzuvollziehende Sprünge in der Story,wo man sich Fragen stellt; aber der Gesamthandlung und der Spannung wird dadurch kein Schaden hinzugefügt. Ich habe die spannende Story in 2 Tagen "verschlungen" und kann das Buch sehr empfehlen..

4 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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