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Name:
Uli Geißler Top 100 Rezensent
Ort:
Fürth
Rezensionen:
660 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 268

nicht hilfreich: 76

Rang:
23
Über mich:

lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Uli Geißlers Rezensionen

30

15.06.2013

„Mordverdacht nach Blackout”

Der Freie Fotograf Paul Flemming wird mit den vermeintlichen Folgen einer wilden Nacht kurz vor seinem 40. Geburtstag konfrontiert, die ihm nicht unerhebliche Schwierigkeiten bereiten. Der makabre Tatort ist das düstere Lochgefängnis unter dem Nürnberger Rathaus. Ein attraktives Fotomodel wurde tot aufgefunden und die ersten Tathergangsphantasien führen dummerweise, aber glaubwürdig zu Flemming.

Da der lebenslustige Journalist sich nicht mehr erinnern kann und sogar selbst glaubt, etwas mit dem Mord zu tun haben könnte, lassen die Anspannung des auf eigene Faust ermittelnden Paul nachvollziehen. Immer wieder begibt man sich mit dem mit der Frankenmetropole geradezu verwachsenen Single durch die Gassen der Stadt und lebt quasi seinen aufregenden Alltag mit.

Doch nicht nur der ungeklärte Tathergang und der massive und bedrückende Vorwurf, mit dem Tod der jungen Frau zu tun zu haben, sind belastend für den um seine Entlastung kämpfenden Mann, sondern auch noch die ungeklärte Beziehung zu Katinka in Berlin und weiteren zwei „Eisen im Feuer“, die für Paul einen unangenehmen schwebenden emotionalen Zustand verursachen.

Die Verknüpfung der Modeaufnahmen und vor allem der tödliche Ausgang des Fotoshootings in der morbiden Kulisse mit einer zeitgleich im Rathaus stattfindenden Ausstellung der aus Wien ausgeliehenen Reichskleinodien und einem eventuellen Fälschungsskandal sorgen für die für einen spannenden Roman nötige Vielschichtigkeit der Geschichte.

Klar spielt das erwünschte Lokalkolorit dieses Kriminalromans eine wichtige Rolle und auch die vom Autor geschaffenen Figuren brauchen immer wieder ihre Aufgabe, so dass bisweilen das Gefühl von unnötig etwas hölzern herbeigeführter Bedeutung der Personen entsteht, was der Tiefe des Geschehens etwas nimmt.

„Die Meisterdiebe von Nürnberg“ sind dennoch ein aufgrund unkomplizierter Sprache und eines einfach nachvollziehbaren Handlungsstranges gute Unterhaltung aus Franken, die über regionale und Landesgrenzen hinaus anspricht.

(c) 5/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Inferno

Dan Brown

EUR 26,00 *
auf Merkliste

40

05.06.2013

„Atemlose Schnitzeljagd zur Rettung der Menschheit”

Unvoreingenommen kann man das neue Buch des Erfolgsautors gar nicht lesen, wenn man die Vorgängerbücher kennt. Das Erscheinen des neuesten Spannungsromans des amerikanischen Bestsellerautors löste denn auch umgehend allüberall „Will-ich-unbedingt-lesen“-Aussagen aus.

Wieder einmal ist der Symbologe und Historiker Robert Langdon in arger Bedrängnis, um Schlimmstes zu verhindern. An sich für die Entschlüsselung ungelöster Zusammenhänge und Hintergründe von Symbolträchtigen Darstellungen, Schriften oder Fundstücken im Einsatz, beginnt die Geschichte dieses Mal nach einer mehr als mystischen Einführung und einem Bezug zur gar nicht lustigen „Göttlichen Komödie“ des italienischen Volksautors und Philosophen Dante Alighieri mit dem Aufwachen des Professors und der Erkenntnis einer Teil-Amnesie über die Vorgänge der letzten Stunden. In einem Höllenritt gilt es für ihn mit der Ärztin und hochintelligenten Sienna die irrwitzige Beölkerungseindämmungstat des wahnsinnigen Transhumanisten, Biochemiker und Eugenikers Bertrand Zobrist zu verhindern.

Diese neuartige Einführung in das dann folgende in aller Regel sehr aufregende und gehetzte Geschehen reizt zum Weiterlesen. Viele Kunsthistorische Informationen über Florenz, den mittelalterlichen Philosophen und Volksdichter Dante, aber auch viele Detailbeschreibungen über bauliche oder künstlerische Besonderheiten in der toskanischen Groß- und Kulturstadt hat Dan Brown spannend verpackt. Die bisweilen auch etwas irre und sehr konstruierte Geschichte liest sich zur Entspannung einerseits leicht, bietet andererseits durchaus zahlreiche anregende und informative Anteile, so dass man von der atemraubenden Geschichte mitgerissen und „unter Strom“ gesetzt wird. Das kann Dan Brown schon gut.

Etwa mehr Mühe und Weiterentwicklung im Schreibstil und der Erzähltiefe wäre allerdings wünschenswert, denn inzwischen erkennen auch Literaturgeringerfahrene die Systematik der Geschichten Dan Browns. Das tut der Spannung zwar keinen Abbruch, lässt aber doch ein Gefühlt des „Irgendwie-schon-mal-Dagewesenen“ zurück. „Inferno“ ist daher ein gutes, vielleicht sehr gutes verfilmbares Massenprodukt – aber ist das verwerflich? Kultur kennt viele Facetten. Trotzdem gibt dieses Mal nicht die volle Punktzahl und das, selbst wenn es das erste Buch von Brown gewesen wäre.

(c) 6/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Geocaching

Robin Ewers

EUR 19,99 *
auf Merkliste

50

31.05.2013

„Grundlegende Praxisorientierung für das Freizeitvergnügen”

Inzwischen hat „Geocaching“ - das Satellitengestützte Suchspiel - weite Verbreitung gefunden. Wer nun selbst das anregende Freizeitvergnügen für sich entdecken möchte, sollte nicht uninformiert in Wald und Flur stürmen, um verborgene Schätze zu suchen.

Das vorliegende, 192 Seiten umfassende Buch bietet eine ausgezeichnete Einführung und Erläuterung aller relevanter Hintergründe, Bezeichnungen, technischen Erfordernisse, notwendiger Ausstattung und praktischer Vorgehensweisen.
Schritt für Schritt erklärt einem der profunde Geocacher und Autor das schöne Hobby von den einfachsten Grundlagen bis hin zu speziellen Themen wie Nacht-, Kletter-Caches oder das Schatzsuchen an den so genannten „Lost Places“. Dabei sind alle Erläuterungen leicht verständlich und gut nachvollziehbar, wecken aber trotzdem anregend die Lust auf das Neue. Man möchte am liebsten gleich loslegen.

Sowohl die GPS-Technik, das Suchen, das Eintragen gefundener Dosen oder wie man nach einiger Erfahrung auch selbst einen Schatz versteckt, werden ausführlich und vor allem mit zahlreichen Farbfotos sehr ansprechend illustriert beschrieben. Immer wieder blitzen auch Hinweise auf, die sich auf die „Kultur des Geocaching“, also erwünschte Verhaltensweisen beim Umgang mit Funden oder Eintragungen von Logs beziehen.

Schatzbehälter und –größen, Versteckmöglichkeiten, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bei Verstecken und Gelände, die drei wichtigsten Webportale mit dem Schwerpunkt bei dem größten (geocaching.com) sind ebenso Inhalt des ausgezeichneten Grundlagenbuches, wie das hervorzuhebende und - aufgrund der sich leider mehr und mehr ausbreitenden Belastung durch unachtsame Schatzsuchende – sehr nötige Kapitel zum Umweltverträglichen Geocaching.

Nicht zuletzt hat der Autor eine Reihe von Rätsellösungshilfen wie Verschlüsselungscodes und Symbolerläuterungen aufgenommen. Sogar eher selten genutzte Kodierungstagbellen wie die Farbcodetabelle für elektronische Widerstände, die Code-Sonne des genetischen Codes, das Periodensystem der Elemente und – wie ich finde, kaum bedeutend – die so genannten „Gauner-Zinken“ finden sich im Anhang.

(c) 5/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Teamspiele

Michael Birnthaler

EUR 24,90 *
auf Merkliste

50

27.05.2013

„Klasse Sammlung Gruppendynamischer Spiele”

Mehr denn je sind Kooperation und ein gutes Miteinander wichtig. Ganz spielerisch lassen sich diese Grundbedingungen für eine gute Gruppenarbeit fördern und unterstützen. Die vorliegende Spielesammlung bietet ausreichend erprobte und bewährte Ideen, spannend und nachhaltig Kinder, Jugendliche oder Erwachsene im Spiel zu einem guten Zusammenwirken zu bringen.

Unterteilt in die Kapitel Strategiespiele, Sportspiele, Bauprojekte, Expeditionen, Vertrauens-, Blind-, Orientierungs-, Gelände- und Nachtspiele sowie Abenteuerprojekte sind alle Anleitungen zum gemeinsamen Spiel auf jeweils einer Doppelseite übersichtlich und mit anregenden Fotos dargestellt, es gibt eine Informationsleiste mit Angaben zu Material, Spielort, Gruppe und Zeit. Am Ende jeder Spielanleitung weisen rot hervorgehobene Hinweise auf pädagogisch Beachtenswertes oder besondere Eignungen eines Spieles hin.

Im Anhang des Buches finden sich erläuternde Illustrationen zu bestimmten Spielaufbauten, Parcour-Verläufen, Spielfeldern oder Kopiervorlagen von Spielmaterial. Nicht zuletzt gibt es ein Literaturverzeichnis und ein Register mit den Spieletiteln.

Das Buch eignet sich für alle erfahrenen Spieleanleiterinnen und –anleiter, die Gruppen unterschiedlicher Art ab etwa der Altersstufe 10 Jahre unterstützen wollen, ein starkes und tragfähiges Team zu werden, miteinander Spaß und an- oder aufregende Erfahrungen miteinander zu machen.

(c) 5/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

50

18.05.2013

„Alltagstristesse als Lebensprinzip”

Voreingenommen durch die Meisterwerke des Autors las ich das verschollen geglaubte und nun veröffentlichte Frühwerk mit Interesse und gefestigter Position gegenüber dem Autor, immerhin Literaturnobelpreisträger.

Schnell wird man Nachbar und Beobachtender des Lissabonner Lebensalltags zur Zeit der bis 1974 andauernden Diktatur des Antonio de Oliveira Salazar und kämpft gedanklich mit ums schöne Überleben der Protagonistinnen und Protagonisten.
Der Fado des Lebens ist allgegenwärtig und die Frage nach dem je individuellen Glück der so Lebensnah beschriebenen Charaktere und Personen im als Handlungsort gewählten Mietshaus bestimmen jede Zeile des Romans.

Durchsetzt von den Sehnsüchten nach Liebe, Frieden, Lebensqualität erzählt der junge Saramago von den Hoffnungen des Schusters mit seinem kleinen Laden, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit Näharbeiten ihren kargen Lebensunterhalt verdienenden Frauen-Zweck-Wohngemeinschaft, den Liebeschancen der ungewollt korrumpierten Dona Lídia oder der Not einer vom Leben und von der Liebe enttäuschten Justina. Melancholie und Neid bestimmen das Geschriebene.

Claraboia ist ein starkes Buch, welches das eigene – offensichtlich - bessere Leben als Gegenüber aufkeimen und dieses Gefühl der Stärke die Not der gewesenen Existenzen leichter ertragen lässt.
Im Kontext der schon bekannten Saramago-Texte ist das Buch ein posthumer Nachweis entstehender literarischer Qualität. Als zuerst erschienenes Werk wären die Erwartungen an folgende Romane extrem hoch gewesen und es bleibt freilich unbeantwortet, ob der Autor diesem frühen Druck dann Stand gehalten hätte. Heute ist klar: er hat!

(c) 5/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Cycle Love

Simon Akstinat

EUR 16,95 *
auf Merkliste

50

29.04.2013

„Liebende unter Rädern”

Ungewöhnliche und doch alltägliche Portraits finden sich in diesem Büchlein des Fahrradbegeisterten Autors wieder. Dabei ist nicht immer eindeutig, ob es ein Portrait des Fahrrads oder der Fahrradfahrenden Person ist.

Freilich beziehen sich die insgesamt 91 mit jeweils mindestens einem, bisweilen auch mehreren Bildern ausgestatteten Texte auf die eindeutig stolzen Besitzerinnen und Besitzer der mobilen Lebensbegleiter. Denn so ist das Verhältnis der aktiv Beweglichen zu ihren Zweirädern unterschiedlichster Couleur sowieso, aber insbesondere auch vielfältigen Mach- und Materialart. Niemand der in der Deutschen Bundeshauptstadt aufgesuchten und mit ihren Rädern abgelichteten Radfahrenden sieht ein rein funktionales Objekt in dem meistens aufwändig und engagiert gepflegten, selbst zusammengestellten oder gebauten Fahrräder.

Nein – es ist in der Tat die Liebe zum Objekt. Das spürt man bei jedem Interview und noch mehr anhand der Aufnahmen der Räder und ihrer jeweiligen Besitzerinnen und Besitzer. So unterschiedlich wie die Menschen, ihre Lebensweise und –ziele, so finden sich auch alle Arten von Rädern versammelt – vom skurrilen Sonderbau eines Chopper-Rades über das wieder entdeckte DDR-Klapprad, das auffällige Tigerentenrad bis hin zum Fahrrad mit Hängemattensattel oder dem minimalistischen Gang- und Bremsenlosen Edelteil. Das Buch liefert Einblicke in die offensichtlich schöne Welt der Zweiradnutzung in der Stadt, die Abbildungen weisen den Weg zur eigenen individuellen Auswahl zur Fahrradbeschaffung und die Interviews inspirieren zu einer eigenen Lebensphilosophie.

(c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

29.04.2013

„Witzig-informative deutsch-französischer Skurrilität und Eigenheiten”

Knapp 220 Seiten lang kann man in diesem Büchlein leicht und anregend von alltäglichen Verhaltensweisen, den feinen Unterschieden, den merkwürdigen Traditionen oder Hintergründen deutsch-französicher Lebensgewohnheit oder Philosophie erfahren. Ursprünglich eine Fernsehsendung auf dem Kulturkanal ARTE finden sich in diesem Buch vielerlei von der Deutsch-Französin Claire Doutriaux gesammelte Alltagskultur.

Es gibt zu erfahren, wie man in den beiden Ländern Blumensträuße verschenkt, woher der Bierdeckel kommt, warum es hier ein Stövchen und dort aber einen Rechaud gibt, wer was und weshalb stippt und wo hinein. Auch erfährt man, wie die Brezel erfunden wurde und warum westfälisches Dunkelbrot „Pumpernickel“ heißt. Beide Landesflaggen in ihren Farben werden ebenso erläutert, wie Herkunft der Bezeichnung „Burger“ für die bekannte Imbissschnellnahrung und nicht zuletzt die Entstehung der „Weiberfasnacht“.

Kurz und krumm, es ist ein Sammelsurium. Dieses aber nett und spannend, lehrreich und auch mit etwas Witz formuliert. Das trägt zum Verständnis hinsichtlich der angesprochenen Dinge und Begebenheiten einerseits, der beiden Kulturräume andererseits bei. C'est bon.

(c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

28.04.2013

„Fotografische Sicherung unseres Planeten in seiner Ursprünglichkeit”

Ein mächtiges Werk in prächtiger Ausstattung. Dieses Fazit kann gleich am Anfang stehen, so wie eben der Anfang unserer Erde sich auch in ursprünglicher Kraft und Ausstrahlung zeigt.

Der Fotograf zeigt ausschließlich in kontrastreichen, großformatigen Natur-, Landschafts- und Menschenaufnahmen, wie er über die vielen Jahre hinweg unseren Planeten sah und sehen will. Die Erhaltung des Ursprünglichen ist sein Anliegen, eine tiefgreifende Würdigung der so sensiblen und doch mächtigen Urgewalt des Natürlichen seine Methode und Stilmittel.

Entführt werden die Betrachtenden des großformatigen (36,2 x 25,3 x 4,5cm) und gewichtigen (3,4 kg) Prachtbandes in die entlegensten Gebiete unserer Erde. So gelangt man nach einer Einführung des Autors zum Entstehen des Projektes „Genesis“ und einem Geleitwort der UNESCO bedächtig blätternd in den Süden der Erde nach Argentinien, die Falkland-Inseln oder Patagonien mit ihren Felsformationen, gewaltigen Gletscher- und Bergerhebungen oder ungezählten Pinguinen oder den majestätischen Walen.

Das nächste Kapitel führt zu Zufluchtsorten wie die Galapagos-Inseln, Madagaskar oder Sumatra, wo sich urzeitliche Echsen, Schildkröten, aber von den Einflüssen der neuzeitlichen Zivilisation verschont gebliebenen, indigene Menschengruppen befremdlich und doch so offensichtlich zugänglich zeigen. Fantastische Aufnahmen unbekannter Pflanzen, seltener Tiere oder der so extrem fremdartig mit Naturschmuck und –Masken ausgestatteten Menschen lassen Bild für Bild, Aufklappseite um Hochglanzfoto geradezu ehrfürchtig staunen.

Es folgen kunstvolle und intensive Dokumentationen vom Schwarzen Kontinent Afrika sowohl von den Wüsten und Steppen, als auch aus beispielsweise einem der Artenreichsten Gebiete, dem Okavango-Delta in Botswana. Wieder faszinieren oftmals so unglaubliche Entdeckungen von Landschaften, ungewöhnlichen und seltenen Pflanzen oder bildhafte Beschreibungen des Alltags der dort lebenden Menschen durch den Autor und Fotograf, unwirklich, voller künstlerischer Poesie und emotional tief ergreifend zugleich.

Die Nördlichen Weiten beziehen sich im vierten Kapitel auf die Nordpolarregion aber auch die nördlichen Randgebiete Europas, Asiens oder Amerikas. Hier zeigt sich die so unendliche Macht von Eis, Fels, Wasser und Erde in Gletschern und Felstürmen, in Wäldern, Flüssen und endlos wirkenden Flächen, bewohnt von den extrem Lebensfeindlichen Witterungsbedingungen trotzenden Menschen und Tieren.

Das Buch findet seinen Ausgang in Amazonien und dem größten Sumpfgebiet der Erde, dem Pantanal im Süden Brasiliens. Wieder sind Bergformationen, Wasserläufe, -fälle und –flächen von unwirklicher Macht, Wälder, Tiere und Menschen zu betrachten, deren Existenz kaum glaubhaft in einer technisierten Welt des 21. Jahrhunderts dokumentiert ist Sie sträuben sich geradezu einer Entdeckung und Beeinflussung entgegen, ohne zu wissen, dass sie es zur Überlebenssicherung auch tun müssen. In einem 32seitigen Beiheft finden sich zu allen Fotos ausführliche Legenden und hintergründige Erläuterungen, welche sonst die so kunstvolle Stille der Bilder beim Betrachten oder Aufblättern der großformatigen Fotos und vielen aufklappbaren Doppelseiten unnötig gestört hätten.
Das eingangs benannte Fazit steht also tatsächlich am Schluss: Ein mächtiges Werk in prächtiger Ausstattung. (c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

40

28.04.2013

„Handbuch für Traditionsbewusste”

Zum Erhalt der christlichen Tradition, eine der zentralen Schlüsselszenen des Glaubens – die Geburt Jesu – optisch und atmosphärisch nachzubilden, bietet das Buch des erfahrenen Krippenbaumeisters eine nachhaltige und fundierte Grundlage. Schnell zeigt sich, dass es beim Krippenbauen nicht um Detailfreudigen Modellbau geht, sondern um die Herzenssache, eindrucksvoll die Geburtsszene des Gottessohnes zu gestalten, bildet sich doch das Zentrum jeder Krippe.

Üppig und reich, oft großformatig oder doppelseitig bebildert oder illustriert und durch Text- und Bildaufteilung sehr gut geordnet und strukturiert führt der Autor in das Thema ein, beschreibt Herkunft, Hintergründe und Entwicklung des Krippenbaus bis hin zu Gestaltungstechniken früher und heutzutage. Der Krippenkalender unterstützt die Aufbau- und Darstellungsabschnitte einer Krippe.

Hilfreich sind Reinalters 10 Krippenbauregeln, die für eine gute Grundeinstellung beim Bau sorgen. Aufstellort, Größe, Krippenart, Ansichtsperspektive, Figurenauswahl bis hin zu den in ihrer Symbolik beschriebenen Farben und den benötigten und ergänzend hilfreichen Werkzeugen und Materialien bleibt nichts unbenannt.

Auch die Beachtung des für größere Krippen so wichtigen perspektivischen Krippenbaus findet man gut dargelegt. In nachvollziehbarer Weise erläutert der Kunsthandwerker, wie die vielen – mit dem deutlichen Hinweis: nicht zu viele! – Atmosphäre und Authentizität schaffenden Bestandteile der Krippe wie Zäune, Türen, Fenster, Mauerwerk, Brunnen, Wasserlauf, Brückenteile, Botanik, Hintergrundmalerei, Besonderheiten wie eine Schnee-, Papier- oder Fastenkrippe bis hin zur Installation der Beleuchtung hergestellt werden. Dennoch ist handwerkliche Erfahrung und Geschick für die Umsetzung nötig.

Alle Aspekte sind mit entsprechendem Bildmaterial gut dargestellt. Einzig die in jeweils 46 Einzelschritten sehr übersichtlich beschriebenen Bauabschnitte einer Heimatlichen sowie einer Orientallischen Krippe hätten durchaus größere Abbildungen verdient. Ein Glossar der Spezialbegriffe sowie eine umfangreiche Liste bestehender Krippenbauvereine oder Organisationen (Schwerpunkt Österreich, aber auch international) runden das wirklich ausgezeichnete Grundlagenwerk Krippenbauer/innen und solche, die es werden wollen, ab. Ein Standardbuch für jede Krippenwerkstatt.

(c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

50

07.04.2013

„Spiel- und Aktionsideen für mieses Wetter”

Wenn das Wetter wenig einladend ist, will kaum jemand das Haus verlassen. Dabei lassen sich bei schlechtem Wetter eine Menge kleinere und größere Abenteuer und Spiele erleben, an die sich die Beteiligten noch lange erinnern werden.

Das kleine Buch bietet eine Menge Anregungen und Vorschläge für Draußenaktivitäten. Ein wenig Überwindung, gute Vorbereitung und schon können Mädchen und Jungen Regentage, die Zeit nach einem Regen, windige Tage, Schnee- oder auch Eistage miteinander Langeweilefrei verbringen.

Die vielen lustigen und großformatigen Fotos zu den einzelnen Spielen, Werkeleien und Aktionen sind so ansprechend, dass man sich Schlechtes Wetter geradezu wünscht. Dann heißt es ausprobieren, ob der selbstgebaute Regenschutz wirklich dicht hält, die Regenmalerei wirkt, die Wasserbahn aus Flaschen, Dosen und Trichtern funktioniert oder die gestaltete Kunst tatsächlich wie Kunst aussieht.

Oder man nutzt den Wind für Fahnen, Wimpel oder Flugobjekte, lässt ihn mit hängenden Küchenutensilien Musik oder wenigstens Lärm machen und tanzt vielleicht dazu. Schnee ist auch ein wunderschönes Spiel- und Gestaltungsmaterial. Gestalten und Skulpturen bis hin zu einem Unterschlupf lassen sich damit bauen, tags werden geformt und gespielt, nachts leuchten Schneelichter.

Sogar filigranes und durchsichtiges Eis von Pfützen, Gewässerrändern oder in eigens aufgestellten Gefäßen „gezüchtet“ lässt sich nutzen. Eishockey oder Rutschpartien mögen bekannt sein, aber Eiskaramell, Eislaternen und –ballons oder Eisfenster und –bilder sind vielleicht mal etwas Neues.

Sicherheitshinweise und Verhaltenstipps ergänzen das Lust auf Nass, Kalt und Draußen machende Buch. Gut für alle, die sich gerne zu ungewöhnlichen Ideen herausfordern lassen.

(c) 4/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.