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The Cocka Hola Company

Skandinavische Misanthropie

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Artikeldetails zu The Cocka Hola Company

AutorMatias Faldbakken

Untertitel Skandinavische Misanthropie

Abbildungsvermerk 19 cm

  • ISBN-103-453-40052-6
  • ISBN-139783453400528
  • Verlag Heyne Taschenbuch
  • ReiheHeyne-Bücher...
  • ÜbersetzerHinrich Schmidt-Henkel
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten461
  • Veröffentlicht01.04.2005
  • GenreRoman
  • Gewicht376g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelTHE COCKA HOLA COMPANY

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Leseprobe aus The Cocka Hola Company

IM STUDIO VON DESIREVOLUTION (Zwei Wochen vor dem Infomeeting)


Tiptop improvisiert munter drauflos:


- Yeah, baaaaby, c'mon Horatia, suck that dick, suck it, c'mon, give head babe, give us some head now, oooh, that's it babe,yeah, that's it...


Tiptop und Casco knien im Visier von drei DV-Ka-meras jeder an einem Ende von Horatia. Tiptop vorn, Casco hinten. Casco und Tiptop haben sich auf dem Dreh noch nie in die Augen gesehen, trotz ihrer langen Zusammenarbeit. Aber jetzt ist es gleich so weit. Horatia bewegt sich konzentriert auf allen Vieren wie ein Schaukelpferd vor und zurück; wenn Casco aus ihr rausgleitet, gleitet Tiptop rein und umgekehrt. Die beiden (Casco und Tiptop) sehen aus wie die Enden einer Gardinenstange, auf der Horatia hin- und hergeschoben wird. Tiptops Blick wandert von Horatias Nacken zu ihrem Hinterteil. Der helle Streifen vom Solarium sieht aus, als hätte sie einen milchweißen Tanga an. Tiptop sieht diesen Streifen gern. Ihre Schinken erbeben jedes Mal, wenn sie gegen Cascos Beine klatschen. Tiptop hebt den Blick und sieht Casco ins Gesicht. Casco starrt Tiptop schon an. Sein Blick ist fast streng.
Es ist verflucht heiß unter den ARRI-Lampen. Tiptop schaut an sich hinunter. Sein Bauch glänzt schweißnass, er glänzt wie aus Bronze gegossen. Horatias Lippenstift ist fast an seiner Schwanzwurzel. Er blickt wieder auf. Cascos Augen stehen da wie Fixsterne, blank, flackernd. Normalerweise würde Tiptop den Blick abwenden, aber jetzt passiert irgendwas. Er erwidert Cascos starren Blick. Cascos Augenbrauen hängen voller Schweißtropfen, sein Mund ist halb geöffnet. Er atmet schwer. Tiptop lässt den Blick an Casco niedergleiten und sieht, wie sein Oberkörper sich jedes Mal strafft, wenn Horatia zustößt. Cascos Gesicht ist unverändert. Er schnauft mit offenem Mund. Tiptop sieht, wie breit und hammerhart der Schaft von Cascos Schwanz ist. Horatia schwingt vor und knallt wieder zurück. Cascos Schwanz bewegt sich wie eine glänzende Schiene in sie hinein und aus ihr heraus. Tiptop blinzelt und schluckt. Er spürt genau: Gleich passiert etwas Verrücktes.
Cool bleiben, denkt Tiptop, du bist ein Profi, was ist das, verflucht nochmal, was geht hier vor? Was geht hier vor, verfluchte Scheiße? Cool bleiben, Tiptop, nicht ablenken lassen, cool bleiben, du ARBEITEST.
Sein Hirn wummert, es ist heiß, er spürt Gänsehaut auf den Beinen und im Nacken, seine Zähne kribbeln. Tiptop wird schwarz vor Augen, er verliert die Kontrolle.
69! kommandiert er und zieht sich mit einem Schmatzer aus Horatias Mund zurück.
Er wirft sich vor ihr auf den Rücken und kriecht Kopf voran zwischen Horatias Armen und unter ihrem verschwitzten Bauch hindurch bis zwischen ihre Beine. Casco zieht seinen Kolben ebenfalls heraus, voller Respekt vor Tiptops Gefühl für den Rhythmus eines Takes, voller Verständnis für die breit gefächerten Stellungsmöglichkeiten und voller Gefühl für die Gefühle nackter Männer auf der heimischen Auslegeware vorm Videogerät. Doch bevor er, Casco, sich von den Knien erheben kann, um sich in Horatias Drittloch einzufädeln, Horatias Hintertür (damit Kamera 1 bessere Sicht hat und Tiptops Mundarbeit besser ausgeleuchtet wird, aber auch um der Variation willen), da gelingt es Tiptop, auf dem Rücken liegend und mit einem Schwertschlucker gleich zurückgelehntem Kopf, sich Cascos gesamte Stange, die in einem Winkel von ca. 90 Grad zwischen Horatias Beinen wippt, in die Kehle zu rammen. Er stützt sich auf der Matratze ab, und schon ist Cascos Keule ganz und gar in seinem Gesicht verschwunden. Die reinste Meisterleistung: Einzig die pechschwarze Zoolou aus THROATIES und einige wenige andere Schauspielerinnen verfügen über eine Atemtechnik, die so was erlaubt. Aus seiner liegenden Position, Cascos Skrotum über der Nasenwurzel, die Eier sozusagen als Brille, beobachtet Tiptop kopfüber den Herrn Produzenten (Papa Hans) sowie den Herrn Regisseur (R-Peter), die mit übergeschlagenen Beinen und mehr oder weniger desinteressiert jeder auf seinem Stuhl sitzen. Eins-zwei-drei-vier, zählt Tiptop. Cascos Eichel stampft weit hinter seinem Zäpfchen auf und ab.
Fünf-sechs-sieben; der Herr Regisseur stellt die Kaffeetasse hin, acht-neun-zehn, der Herr Produzent schaut von etwas auf, das so tut, als wäre es ein Drehbuch. Sie sperren die Augen beziehungsweise den Mund auf. Horatia hat ihre Mundarbeit wieder aufgenommen, ahnungslos, was zwischen ihren Beinen vorgeht. Sie gräbt ihre langen, künstlichen, rosa glänzenden Fingernägel in Tiptops rosinengleiche Sackhaut und kratzt ihm mit der anderen Hand das nomansland (den Bereich zwischen Skrotum und Anus). Sie senkt den Kopf über seinen Schwanz, hebt ihn langsam und lässt ihn erneut sinken. Tiptop zieht sich alles zusammen. Er mag so erfahren sein, wie er will; er kann sich unmöglich länger zurückhalten. Horatia spielt mit der Zunge an seiner Eichel. »Here we go, here it comes, here I coooome!«, denkt Tiptop. Er versucht, mit dem Ruf CAM 2 CUMSHOT! CAM 2 CUMSHOT! die Aufmerksamkeit von Kamera 2 auf sich zu ziehen, aber er kriegt nur KHANG KHU KHANGHAH! KANK KHU KHANG-HAH! heraus (eher das Lallen eines zurückgebliebenen Koreaners, da er sich vor dem Ausruf nur ungefähr die Hälfte von Cascos Keule aus dem Hals hat ziehen können). Auch Casco, dessen Ständer seit gut einer halben Minute tief im Hals seines Kollegen steckt, ohne dass er es bemerkt hätte, kommt jetzt zu sich und blickt an sich hinab. Seine großen, lasziven Augen ruhen eine Sekunde oder zwei auf Tiptops Kinn, bis ihm aufgeht, was da läuft. Er stößt einen Ruf aus: »FUCK!«, Horatia hebt den Kopf und dreht sich um, neugierig, welche Zwiesprache da zwischen ihren Beinen geführt wird.
Und in derselben Sekunde schießt Tiptop seine 20000000 potentiellen Nachkommen scharf an ihrem Gesicht vorbei, das doch nach
10a) der DESIREVOLUTION-Regeln das eigentliche Ziel gewesen wäre, hinaus in den leeren, von den ARRI-Lampen hell erleuchteten Raum.


DONNERSTAG, 10. DEZEMBER (Ein Tag vor dem Infomeeting)


Tiptop steht im Al Mafar's und kratzt sich ungefähr auf der Höhe des türkischen Gebäcks im Schritt, während er bei Fazil einen darmbakterienglasierten Börek bestellt. »Hi, Tiptop«, hört er hinter sich und spürt in der Erinnerung umgehend Cascos Penis in seiner Kehle. Daher bringt er erst ein ersticktes Räuspern heraus, bevor er antworten kann: »Hi, Casco.«
Casco ist auf die Straße gegangen, um seine Mutter anzurufen, aber unterwegs hat ihn Fazils fehlerhaft buchstabiertes Börek-Schild abgelenkt.

Kurzbeschreibung zu The Cocka Hola Company

Wo Houllebecq aufhört, fängt Matias Faldbakken erst an. Selten hat ein Buch über die Abgründe der Konsensgesellschaft sowohl in Skandinavien als auch in den deutschen Feuilletons derart für Aufsehen gesorgt. Ein gut gelaunter, herrlich unterhaltender Angriff auf die großen Lebenslügen von Selbstverwirklichung und individuellem Glück.


Autorenportrait zu The Cocka Hola Company

Matias Faldbakken, 1973 geboren, lebt als bildender Künstler in Oslo. 2003 erschien sein aufsehenerregender Debütroman "The Cocka Hola Company". Bühnenfassungen sind an den Münchner Kammerspielen und am Stuttgarter Staatstheater geplant; bei BMG erschien das gleichnamige Hörbuch. Faldbakken gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller und Gegenwartskünstler Skandinaviens. Er vertrat Norwegen bei der Biennale in Venedig.

Portrait

Hinrich Schmidt-Henkel:
Hinrich Schmidt-Henkel, Jahrgang 1959, ist der Übersetzer Jon Fosses. Er hat außerdem Romane und Theaterstücke von Henrik Ibsen, Albert Camus und Stefano Benni ins Deutsche übertragen und dafür zahlreiche Preise erhalten.
Matias Faldbakken:
Matias Faldbakken, geboren 1973, lebt als Schriftsteller und bildender Künstler in Oslo. 2001 erschien sein umstrittener und viel diskutierter Debütroman The Cocka Hola Company, 2007 vertrat er Norwegen bei der Biennale in Venedig. Faldbakken gilt als einer der wichtigsten literarischen Stimmen einer neuen Generation. Seine Romane wurden in Deutschland auch für das Theater inszeniert.

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Autorenportrait

Matias Faldbakken, 1973 geboren, lebt als bildender Künstler in Oslo. 2003 erschien sein aufsehenerregender Debütroman "The Cocka Hola Company". Bühnenfassungen sind an den Münchner Kammerspielen und am Stuttgarter Staatstheater geplant; bei BMG erschien das gleichnamige Hörbuch. Faldbakken gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller und Gegenwartskünstler Skandinaviens. Er vertrat Norwegen bei der Biennale in Venedig.

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30

03.08.2011

„Ein Frontalangriff”

von Susanna Wiedermann aus Wien
Desirevolution ist eine illegale Pornoindustriefirma in Norwegen. Doch neben dem Dreh und Vertrieb von Pornos sind die Mitglieder der Firma noch mit diversen anderen Aktionen und Produktionen beschäftigt, die allesamt einen Angriff auf die Bourgoisie, auf das bürgerliche Leben, darstellen. Übertriebener Drogenkonsum, Zwangsalkoholismus und hemmungslose Orgien sind dabei noch die harmlosesten.
Ein Kritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bezeichnet Matias Faldbakkens Buch als “Die große Menschenverachtungsbibel”. – Dem kann ich mich vorbehaltlos anschließen. Schonungslos und mit äußerster Grausamkeit gestaltet Faldbakken seinen Angriff auf die Konsensgesellschaft und lässt dabei wirklich niemanden aus. „Political Correctness“ wird man in diesem Roman ebenso vergeblich suchen wie eine Seite ohne Schimpfwörter oder Obszönitäten. Zweifelsfrei ein anarchistisches Buch, eine pechschwarze, bitterböse Satire auf alles. Lesenswert, aber nichts für zart Besaitete.

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40

16.08.2009

„Misanthropischer Spaßmacher”

von Kai Wolter
Dieses Buch bietet eine Menge Sex, Drugs und komische Ansichten. Es wird deutlich beschrieben wie eine Gruppe von Freigeistern ihren Alltag verbringt und wie (negativ) sie ihre Umwelt wahrnehmen. Sie finanzieren sich und ihre Projekte (z.B. Zwangsalkoholisierung) mit selbstgemachten Pornos.
Trotz den teilweise unendlichen Aufzählungen von Pornotiteln oder Projektnamen schafft Faldbakken es, dass einem nicht langweilig wird. Es ist auf jeden Fall ein sehr unterhaltsames Buch mit schrägen Lebensweisheiten und einem Ende, das einen zum Nachdenken bringt (sofern man sich über dieses ganze Misanthropie-Thema Gedanken machen will).

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: Fight Club, Snuff

40

07.10.2005

„Gnadenlos gut”

von Till Schröder aus Bad Salzuflen
Das Titelcover von Matias Faldbakkens 'Cocka Hola Company' spricht bereits eine eindeutige Sprache: Ohne eine einzige Zeile Lektüre ist klar, dieses Buch ist sprachlich gnadenlos - und gnadenlos gut. In der Eröffnungsszene lotet Faldbakken den Spielraum aus, in dem er sich auf den folgenden rund 450 Seiten bewegt. Empfindlichen Gemütern dürfte schon hier klar sein, das Buch ist ein Schocker. Es geht um Sex, viel Sex und wirre Geschichten um das Leben eines Kreises kaputter Personen mit komischen Namen, komischen Ansichten und noch kruderen Jobs. Ein subtiler Humor rundet die schnell lesbaren Kapitel ab. Zum erlesenen Kreis der Weltliteratur wird die 'Cocka Hola Company' sicher niemals gehören, für ein paar nette Stunden reicht es aber. Allemal wenn man ein Liebhaber von Irvine Welsh ist. Der Trainspotting-Autor schreibt in etwa auf dem gleichen Niveau, mit einer Prise mehr Gewalt und einer Prise weniger Direktheit in sexuellen Belangen.

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