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SPASSPREDIGER Top 100 Rezensent
Ort:
www.spassprediger.de
Rezensionen:
531 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 332

nicht hilfreich: 331

Rang:
46
Über mich:

Ich lese querbeet - bis hin zu Kartoffeln. Einer der interessantesten Stoffe, an denen ich in der letzten Zeit Geschmack gefunden habe, war übrigens ein Buch über Salz.

SPASSPREDIGERs Rezensionen

50

04.01.2010

„Magnum ist kein Eis”


Harry Callahan ist ein Fels in der Brandung. Einer, der Nägel frühstückt. Der findet, dass aller guten Dinge nicht immer drei sein müssen: Legislative, Judikative und Exekutive? Pragmatiker Callahan legt die letzten zwei auch schon mal zusammen.

Die wahrscheinlich kontroverseste Szene im ersten Teil der legendären „Dirty Harry“-Pentalogie ist denn auch die, in der Dirty Harry den von ihm zur Strecke gebrachten Killer, der sich selbst „Skorpion“ nennt, per Folter zu einem Geständnis zu bewegen sucht: Natürlich wird hier Selbstjustiz geübt, und natürlich sollten wir, die Zuschauer, das nicht begrüßen. Wir müssen Callahans Methoden nicht gutheißen, aber seine Beweggründe können wir nachvollziehen.

Auf den ersten Beitrag aus dem Jahr 1971 folgten bis zum Jahr 1988 vier weitere, die in meinen Augen weniger Fortsetzungen, als vor allem Variationen auf das Thema des ersten Teils sind. Jeder Film für sich ist durchaus spannend, aber sie erzählen die Geschichte des einsamen Rächers insofern nicht weiter, als die Figur Callahan sich nicht wesentlich weiterentwickeln kann. Anders gesagt: „Dirty Harry II – Callahan“ (1973), „Dirty Harry III – Der Unerbittliche“ (1976), „Dirty Harry kommt zurück“ (1983) und „Das Todesspiel“ (1988) sind auf Nummer Sicher gedrehte Filme für ein Publikum, das den ersten Teil der Reihe mochte.

Die Bild- und Tonqualität der Blu Ray-Version des ersten Teils der Serie „Dirty Harry“ ist angesichts des Alters erstaunlich gut – der Vorsprung gegenüber der ebenfalls lobenswerten DVD-Version mag nicht groß sein, macht sich aber spätestens bei der Projektion auf die Heimkino-Leinwand angenehm bemerkbar. Abgesehen von gelegentlichen leichten Blitzern gibt’s an der Qualität des Bildes nichts zu beanstanden, das wesentlich wäre. Der deutsche Mono-Ton kann mit dem Ton aktueller Produktionen natürlich nicht mithalten, fällt aber auch nicht negativ auf.

Auch die Zusatzausstattung kann sich sehen lassen. Bonusmaterialisten dürfen sich über die folgenden Zugaben freuen:

• Eigens für die Neuveröffentlichung des Films auf DVD und Blu Ray produzierter Audiokommentar von Filmhistoriker und Eastwood-Biograph Richard Schickel.
• Kurzfilm: „The Long Shadow of Dirty Harry“ (Standardauflösung, 26 Minuten)
• Kurzfilm: „Dirty Harry: The Original“ (Standardauflösung, 29 Minuten); zuvor bereits veröffentlicht auf der 2001 erschienenen DVD-Version von „Dirty Harry“
• Kurzfilm: „Dirty Harry's Way“ (Standardauflösung, 7 Minuten) – Promo-Clip aus dem Jahre 1971, der Eastwood und Regisseur Siegel am Set zeigt
• Interviews (Standardauflösung, 27 Minuten); Ausschnitte aus Interviews, die bereits Bestandteil der oben genannten Kurzfilmen sind
• Knapp einstündiger, 1993 produzierter TV-Beitrag „Clint Eastwood: The Man From Malpaso“ (Standardauflösung, 56 Minuten), der sich Eastwoods Karriere als Schauspieler und Regisseur widmet
• Trailer (Standardauflösung) für alle fünf „Dirty Harry“-Filme

30

04.01.2010

„Unterirdisch, aber nicht tiefschürfend”

Jules Vernes Romane dienen dem Kino schon seit mehr als einem Jahrhundert als literarische Vorlagen. Eric Brevigs Leinwand-Adaption von „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ aus dem Jahr 2008 geht mit dem Klassiker sehr frei um. Leider degradiert der Film das Buch dabei zum MacGuffin.

Den Begriff des MacGuffins prägte der legendäre Kriminalfilm-Regisseur Alfred Hitchcock für „mehr oder weniger beliebige Objekte oder Personen, die in einem Film meist dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne selbst von besonderem Interesse zu sein“ – treffender als die Online-Enzyklopädie Wikipedia könnte ich den Begriff des MacGuffin auch nicht erläutern; und mehr als den einen oder anderen lapidaren Verweis ist dem Film Vernes Roman nicht wert: „Ich wünschte, ich hätte das Buch gelesen“, legt das Drehbuch einer der Hauptfiguren an einer reichlich fortgeschrittenen Stelle der Handlung in den Mund. Ja, hättste mal!, möchte man Sean Anderson (Josh Hutcherson) zurufen.

Der 13-jährige Sean ist eine der drei Hauptfiguren in einer Filmhandlung, die Regisseur Brevig vor allem als Vorwand dient, einen enormen digitalen Budenzauber zu veranstalten. In Kinos, die bereits mit der erforderlichen Technik ausgestattet sind, war der Film in 3D zu bewundern. Wie stark sich der Film auf den Stereoskopie-Effekt verlässt, wird auch in der 2D-Version fürs Heimkino deutlich: Die Szenen, in denen dem Zuschauer Piranhas ähnelnde Flugfische, Lenkdrachen und Pusteblumen-Samen förmlich um die Ohren fliegen, sind wohl vor allem mit Blick auf die räumliche Tiefenwirkung konzipiert worden. Leider fehlt es dem Regie-Debütanten Brevig, der bislang vor allem als Experte für Spezialeffekte in Erscheinung getreten ist, an der visionären Kraft, um dem unterirdischen Themenpark Leben einzuhauchen.

Wo Kollegen wie Terry Gilliam oder Guillermo del Toro dem Kino mit Wonne neue Fabelwesen beschert hätten, begnügt Brevig sich damit, seine Helden von einer gefährlichen Situation in die nächste zu hetzen. Logik wie auch halbwegs intelligente Dialoge bleiben dabei leider auf der Strecke; vor allem Jungdarsteller Hutcherson muss in einem fort Dinge aufsagen, die vermuten lassen, dass die Drehbuchautoren 13-jährige Jungs vor allem vom Hörensagen kennen: „Das bedeutet mir sehr viel“, stelzt Sean zum Beispiel brav, als ihm sein Onkel Trevor (Sonnyboy Brendan Fraser) ein Erinnerungsstück an seinen verstorbenen Vater überreicht. Dass Sean und sein Onkel Trevor einander zuletzt vor sechs Jahren gesehen haben, hindert die beiden auch keineswegs daran, innerhalb von kürzester Zeit gute Buddies zu werden – Teenager von heute fremdeln offensichtlich nicht. Warum auch? „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ist ja auch kein Beziehungsdrama, sondern Popcorn-Kino – trotzdem hätte dem Film eine etwas glaubwürdigere, feinfühligere Charakterzeichnung sicher gut getan.

Das Bild der Blu-ray Disc bewegt sich auf dem Niveau besserer DVDs, der Ton schneidet im Vergleich etwas besser ab. Das Bonusmaterial beschränkt sich auf einen leidlich interessanten, weil allzu oberflächlichen Audiokommentar von Regisseur Brevig und Hauptdarsteller Fraser sowie drei überaus entbehrliche Kurzbeiträge, die allenfalls für ein jugendliches Publikum von Interesse sein dürften.

Neben der 2D-Version bietet die Disc außerdem eine nach dem Anaglyphen-Prinzip aufbereitete 3D-Version; die Rot-Grün-Brille, die zur Erzielung des räumlichen Effektes benutzt werden muss, liegt familienfreundlich in vierfacher Ausführung bei.

50

21.12.2009

„Alles einsteigen zum Flug mit der Ed Force One! ”


Konzertmitschnitt trifft Reisereportage: "Flight 666" schildert das wahrscheinlich ehrgeizigste Vorhaben einer der dienstältesten Heavy Metal-Bands, mithilfe einer Boeing 757 innerhalb kürzester Zeit Stadien rund um den Erdball zu reisen und Stadien in aller Herren Länder zu bespielen. Der Film, der den abenteuerlichen Trip dokumentiert, dürfte Fans der Band das Herz aufgehen lassen, zumal die Blu Ray als Bonus auch die Konzertauftritte, die im Film nur ausschnittweise zu sehen sind, in voller Länge präsentiert. Die Qualität von Bild und Ton verdient dabei fast durchgängig Bestnoten. Mithin: Volle Punktzahl für einen Film, der die Band wie auch ihre Fans rund um die Welt in Bestform präsentiert.

50

31.10.2009

„Lesegenuss ohne Nebenwirkungen”

Seit Paracelsus gilt: Allein die Dosis macht das Gift. Das gilt auch für das Arsen ("arsenicum album"): In kleinen Dosen genossen, gilt das Gift als Aphrodisiakum und Stärkungsmittel.

Leser der Hochschulzeitschrift UNICUM kennen seine Strips, auch in der Online-Ausgabe des SPIEGEL erscheinen Jan-Michael Richters Szenen aus dem Alltag eines Comic-Zeichners.

Die Panels in Arsenicum Album wirken auf mich, als habe der Künstler Fotos in Photoshop übermalt und dabei einzelne Bildbestandteile hervorgehoben und andere stark stilisiert. Der Jamiri-Filter hebt die Figuren der Bildergeschichten in kräftigen Outlines vom Hintergrund ab; die Szenerien hingegen, die oft nur angedeutet werden, erinnern mich an die aquarellierten Landschaften, in die Cartoonist Marunde seine tierischen Protagonisten hineinzustellen pflegt. Was inhaltlich bedeutsam ist, erscheint mit kräftiger Kontur, der Rest wird zuweilen nur angedeutet.

Damit ist klar, worauf das Hauptaugenmerk des Künstlers liegt: Nicht auf detailverliebten Bühnenaufbauten, sondern den Akteuren seiner kurzen Szenen. In vielen davon stehen der Zeichner selbst und seine Frau Beate im Mittelpunkt, seitenfüllende Cartoons wechseln ab mit herkömmlichen Strips, die in mehreren Panels jeweils eine kurze Szene aus dem Zeichner-Alltag schildern. Der ist bevölkert von Fans, die schon mal das literarische Ich ("Space-Jamiri") mit dessen geistigem Vater verwechseln und die der Zeichner durch die kurze Replik desillusioniert, es gehe nicht im Space-Fiat in die Nebel von Bakh-Tarr, sondern "nach Hattingen zur Darmspiegelung" - der Fan, das weiß Jamiri nämlich ganz genau, ist "eine Lebensform, die man am besten ungebremst auf die Realität aufprallen" lässt. In anderen Cartoons räsoniert Jamiri über das Verfassen und Versenden von E-Mails "zu vorgerückter Stunde im besoffenen Kopf" ("Drailing"), rechtfertigt vor Ehefrau Beate den Kauf eines bei youtube entdeckten blauen Armaturenbretts mit Verweis auf das Cockpit des Star Wars-Raumschiffs "Rasender Falke" und tauscht sich mit einem Kumpel über web- und computer-affine Abkürzungen aus ("Cache Patrol") - Ergebnis: "IMHO", "DPI" und "LOL" kennt alle Welt, aber wofür "MILF" steht, bleibt rätselhaft. Ein Schelm, wer Böses denkt angesichts der allzu ostentativ Ahnungslosigkeit heuchelnden Kerls.

Lob verdient nicht nur der amüsante Inhalt, sondern auch die Aufmachung des im verdienstvollen Wuppertaler Comic-Verlags EDITION 52 erschienenen, rund 50 Seiten starken Hardcoverbandes: Von der Qualität des Papiers und der Güte der Reproduktionen könnte sich manch größerer Verlag gern eine Scheibe abschneiden.

R e s ü m e e

Mit "Arsenicum Album" legt Zeichner Jamiri ein pointenpralles Album vor, dessen jeweils eine Seite umfassenden kurzen Szenen und Geschichten ganz auf der Höhe der Zeit sind. Die Zeichnungen sind eine echte Augenweise, die Aufmachung des Bandes aus der verdienstvollen EDITION 52 ist erstklassig: Wer auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für den liebsten Nerd im eigenen Bekanntenkreis ist, kann mit "Arsenicum Album" einen echten Volltreffer landen.

50

31.07.2009

„Ein Hoch auf die Esslinger! ”


So vorsichtig man heutzutage mit dem allzu inflationär verwendeten Begriff „Kult“ umgehen sollte, so sehr hat ihn dieses Buch verdient. Das fanden offensichtlich auch Lurchi-Fans landauf, landab, die dafür sorgten, dass die 25.000 Exemplare der Erstauflage so schnell weggingen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Ist es ein Wunder? Schließlich begeleitet die sympathische Werbefigur der Firma „Salamander“ Schuhkäufer doch schon seit über 70 Jahren. Seit 1937 bereits werden Kinder mit Lurchi und seinen Abenteuern groß: Lurchi ist nicht irgendein Reklame-Maskottchen, sondern hat längst einen Ehrenplatz im kollektiven Gedächtnis mehrer Generationen.

Ältere Semester werden sich gern der Zeiten erinnern, in denen es die später auch in Buchform veröffentlichten Lurchi-Geschichten beim Besuch der Salamander-Filiale kostenlos dazugab: Schuhe kaufen, ohne dass an der Kasse auch das begehrte Lurchi-Heftchen in der Tüte gelandet wäre? Undenkbar! Spätestens mit der Insolvenz des Unternehmens Salamander im Jahre 2004 wurden die einzelnen Abenteuer wie auch die Lurchi-Sammelbände zu heiß begehrten Sammerlobjekten, für die Lurchi-Fans Liebhaberpreise zahlen: Ein Blick in die einschlägigen Online-Auktionshäuser genügt, um sich davon zu überzeugen, dass die Popularität des Seniors ungebrochen ist.

Dank des Esslinger-Verlags können Fans jetzt ein Wiedersehen mit dem Helden aus Kindertagen feiern, ohne sich verausgaben zu müssen. 21 Abenteuer fasst „Das lustige Salamanderbuch“ auf 170 Seiten zusammen – angesichts der Mondpreise, zu denen die Originale zuweilen den Besitzer wechseln, ist der Reprint mit 12,95 € wirklich überaus erschwinglich. Lurchi-Fans werden die hochwertig aufgemachte Neuausgabe aber sicher ohnehin unbezahlbar finden: So günstig sind Reisen zurück in die Kindheit wirklich selten, zumal der nostalgische Trip ins Lurchiland frei von Reisekrankheit bleibt.

Klartext: Die Lurchi-Abenteuer, das wird schon beim ersten Durchblättern des schmucken Buchs deutlich, sind genauso vergnüglich, die Illustrationen so detailverliebt und die Farben so prächtig, wie man sie in Erinnerung behalten hat.

Der Spassprediger meint:

Esslinger sei Dank: Lurchi ist endlich wieder da! Die Qualität des Buchs macht dem Rang der Lurchi-Abenteuer als generationenübergreifend geliebter Bildergeschichten-Klassiker alle Ehre, der Preis für die Hardcover-Ausgabe ist vollkommen gerechtfertigt und liegt nur unwesentlich über dem für ein Taschenbuch – Fazit: Gegen die Helden meiner Kindheit Lurchi, Hopps, Igelmann, Mäusepiep, Piping und Unkerich wirken selbst die „Phantastischen Vier“ aus dem Marvel-Universum ziemlich blass.

3 von 5 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

40

20.07.2009

„5-Sterne-Serie auf einer 2-Sterne-DVD”


Schön, dass die 13 Folgen der Kinderserie "Die Märchenbraut" aus den legendären tschechischen Barandov-Studios nun endlich auch auf DVD veröffentlicht wurden. Weniger schön ist die reichlich schnöde Art der Veröffentlichung, die auf jegliche Restaurationsversuche verzichtet. Dementsprechend flau ist auch das Bild, das die beiden DVDs des ansprechend gestalteten Digipacks bieten - schade!

Es wäre zu begrüßen, wenn bei einer künftigen Neuauflage nachgebessert wird - das Beispiel "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" lässt hoffen. Der Ton, immerhin, ist jederzeit gut verständlich, liegt aber natürlich nur in mono vor; Fans der phantasievollen Serie werden sich daran aber ohnehin nicht stören.

0 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.