Neukunde?

Hier starten

Erweiterte Suche

Deine Augen hat der Tod

Roman

buch
EUR 7,95 *
auf Merkliste

versandkostenfrei

Sofort lieferbar

Artikel weiterempfehlen

Wird oft zusammen gekauft

EUR 7,95 *
EUR 8,95 *

Zusammen jetzt für
16,90

jetzt beide kaufen

Kunden, die Deine Augen hat der Tod gekauft haben, kauften auch:

Artikeldetails zu Deine Augen hat der Tod

AutorJames Sallis

Untertitel Roman

Abbildungsvermerk 2010. 19 cm

  • ISBN-103-453-43441-2
  • ISBN-139783453434417
  • Verlag Heyne Taschenbuch
  • ReiheHeyne-Bücher...
  • ÜbersetzerBernd W. Holzrichter, Jürgen Bürger
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten203
  • Veröffentlicht01.02.2010
  • GenreRoman
  • Gewicht174g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelDeath will have your eyes

Mehr Artikel von

Leseprobe aus Deine Augen hat der Tod

Der Mann hatte den Mund ständig offen, wollte etwas von mir, aber es war eine Sprache, die ich nicht kannte. Kein Mandarin. Kein Thai, kein Vietnamesisch. Bloß Laute. Seine Stimme stieg und fiel in der Tonhöhe. Schreiend, fordernd. Ich schüttelte den Kopf, der säuerliche, faulige Geruch meines Körpers überspülte mich in Wellen, die Zunge war so geschwollen, dass ich nicht reden, nicht antworten konnte. Bald würde der Schmerz wieder einsetzen. Und ich würde mich erheben, unter der Zimmerdecke schweben und hinabblicken. Ein Zuschauer. Abseits.
Abrupt wurde ich wach, beeilte mich, die Traumwährung in Münzen einzuwechseln, die ich ausgeben konnte. Die Morgensonne fiel mit blendender Helligkeit durch das Oberlicht auf den Futon. Die breiten Schatten waren nicht die Stangen oder Latten eines Käfigs - nur die Blätter von Pflanzen in Hängekörben über mir. Das Geräusch war nur das Telefon.
Sonst nichts in dem Zimmer. Keine Fenster. Der Futon, ein lackierter Bambuswandschirm, eine Fläche, heller Holzfußboden - die Nut- und Federverbindungen waren mein eigenes
Werk.
Und auch niemand sonst. Außer Gabrielle und mir.
Sie schlief quer auf dem Futon, mein Kopf lag in ihrem Schoß. Um dem Licht zu entkommen, drehte ich mich. »Oh ja, bitte«, sagte sie. Aber das Telefon wollte offenbar nicht aufhören zu läuten, also schlängelte ich mich über das Bett, um den Hörer abzuheben. Gabrielle griff nach mir und hielt mich fest.
Ich lauschte einen Moment und legte auf. »Falsch verbunden«, sagte ich zu ihr. »Ich bin richtig verbunden«, sagte sie, und ihr Kopf nahm den Platz ihrer Hand ein, doch ich bremste sie, wickelte schwarzes Haar um meine beiden Hände und zog sie zu einem entspannten Kuss zu mir hoch.
»Ich laufe eine Runde«, sagte ich. »Den ganzen Modder ausspülen. Kommst du mit?«
»Um sechs Uhr morgens?«
Bei Gabby wusste man nie, welchen Akzent man zu hören bekam. Den meisten Einfluss hatten ihre irische Mutter und der mexikanische Vater, aber ihre ausgedehnte Familie war reines Gulasch. Ihr Dad hatte sich davongemacht, als sie drei war, und sie und ihre Mutter wanderten jahrelang von Haushalt zu Haushalt, von Familie zu Familie, von Land zu Land. An diesem frühen Morgen war der Akzent britisch, die beste Wahl, nehme ich an, um Abstufungen höflicher Empörung zu äußern.
»Okay. Aber sag mir später nicht, ich hätte dich nicht gefragt. Und jetzt schlaf weiter, du kleine Landpomeranze.« »Romanze?«
»Pomeranze. Halbe Stunde, maximal, selbst bei Gegenwind. Ich bringe Frühstück mit.«
»Und ich dachte gerade, du bist das Frühstück.«
»Miss, haben Sie schon mal daran gedacht, sich ein Hobby zuzulegen?«
»Keine Zeit für so was.«
»Darauf wollte ich hinaus.«
Sie zuckte die Achseln. »Man hält sich an das, was einem liegt. Nun lauf schon los«, sagte sie und war bereits wieder eingeschlafen, bevor ich Shorts und Schuhe angezogen hatte.
Einen Moment stand ich vor dem Futon, betrachtete sie ihren kompakten braunen Körper auf den hellblauen Laken, die Brüste ein kleines bisschen zu schwer, der Brustkorb ziemlich hoch - und ging dann ins Bad. Schaltete das Radio ein. Mozart, eine Serenade, gespielt auf »Originalinstrumenten«, mit denen die Musiker heldenhaft um die richtigen Töne rangen. Tausende und Abertausende Dollar, Tausende und Abertausende Stunden waren für diese gefälschte Authentizität, diese hoch entwickelten Falsifikate aufgebracht worden. Ich wusch mir das Gesicht, putzte mir die Zähne, stand dann am Fenster und schaute hinaus, bis das Stück zu Ende war. Bei Mozart schaltet man nicht ab.
So früh waren nur wenige Menschen im Park: eine Handvoll Jogger und Hundebegleiter; eine junge Mutter, die einen Kinderwagen schob und eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit Shirley Temple besaß; eine zweite Mutter mit drei Kindern im Schlepptau, die alle androgyn aussahen und von denen keines älter als fünf Jahre war; Stadtstreicher, die zur endlosen Odyssee ihres Tages aufbrachen. Vögel und Eichhörnchen machten sich an den Abfällen vom Vortag zu schaffen, vielleicht in der Hoffnung, ihre Erkundungen würden ihnen helfen, diese riesigen, gefährlichen Wesen zu verstehen, die in ihrer Mitte lebten.
Leichtfüßig umrundete ich den Park, folgte einem asphaltierten Radweg und blieb auf der entgegengesetzten Seite bei einem Münztelefon stehen; es handelte sich um eine der altmodischen Telefonzellen von der Art, wie man sie nur noch selten sieht. Ich wählte eine Nummer, die ich noch allzu gut kannte. Beim ersten Klingeln wurde abgehoben.
»Das Alter hat Sie womöglich langsamer gemacht.«
»Ihnen dürfte klar sein, dass ich es nicht eilig hatte, den Anruf zu erwidern. Zuerst war ich mir nicht einmal sicher, ob ich überhaupt zurückrufen sollte. Und nach acht Jahren ...«
»Genau genommen sind es kürzlich neun geworden.«
»... hielt ich es für durchaus angemessen, dass Ihr mutmaßliches Anliegen, wie immer es auch aussehen mag, ein paar Minuten warten könnte.«
»Vielleicht. Jedenfalls geht Ihr Flugzeug gegen zehn Uhr. American Airlines, Flug 817. Sie sind Dr. John Collins, ein Zahnarzt auf Urlaubsreise.«
»Sir.«
Schweigen.
»Es ist, wie Sie sagen, neun Jahre her. Ich habe einen Beruf, ein neues Leben, Verpflichtungen.«
Immer noch Schweigen.
»Ich bin nicht mehr bei Ihnen beschäftigt.«
Ein noch längeres Schweigen. Dann schließlich: »Es wird gut sein, Sie wiederzusehen, David.«
Ich legte auf und lief, energischer jetzt, den Weg zurück, den ich gekommen war. Eine leichter Wind kam auf, volles Sonnenlicht fiel schräg auf die Oberfläche des künstlichen Sees, der grelle Strahlenbündel zurückwarf. Vögel und Eichhörnchen schienen in ihrem Bemühen, uns zu verstehen, nicht weitergekommen zu sein. Genau wie ich.
Sie warteten, etwa auf halbem Weg, bei den Bänken an einer Stelle, die zum Teil von Bäumen abgeschirmt war. Hier würde man nicht viel sehen können, weder von der Straße noch von den nahe gelegenen Häusern. Zumindest war etwas Überlegung investiert worden.
Einer war in Jeans, schwarzem Pulli und britischen Knights; um die zwanzig, ein breiter, bleicher Mann mit schlechter Haut. Sein Kopf zuckte ständig konvulsivisch zu seiner rechten Schulter hin, vollführte den gleichen winzigen, kaum wahrnehmbaren Bogen immer wieder, hin und her. Der andere war vielleicht zehn Jahre älter. Er trug einen Anzug, der einmal teuer gewesen sein musste, mit einem gemusterten Baumwollhemd, die Manschetten ausgefranst, der Kragen verschlissen, und eine Strickkrawatte, deren Knoten bis zum Brustbein hinabgezogen war.

Rezensionen der Redaktion zu Deine Augen hat der Tod

"Mit 'Deine Augen hat der Tod' zeigt sich wieder, dass Sallis meilenweit über dem Durchschnitt der Krimiautoren thront." Focus Online

Kurzbeschreibung zu Deine Augen hat der Tod

Du entkommst mir nicht


In seinem früheren Leben war David Agent einer Eliteeinheit, ein Killer im Auftrag des Staates. Doch als eines Nachts das Telefon klingelt, weiß er, dass man seiner eigenen Vergangenheit nicht entfliehen kann, egal wie sehr man es auch versucht. Angeblich zieht ein ehemaliger Kamerad eine Blutspur durch Amerika, und nur David kann ihn zur Strecke bringen. Der gnadenlose Kampf mit einem Schatten beginnt ...


Autorenportrait zu Deine Augen hat der Tod

James Sallis wurde 1944 in Arkansas geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Er studierte Literaturwissenschaften in New Orleans und arbeitete anschließend als Lektor und Drehbuchautor. Er übersetzte Raymond Queneau und Puschkin ins Englische und veröffentlichte eine Biografie von Chester Himes. Bekannt wurde er mit seiner Romanreihe um den schwarzen Privatdetektiv Lew Griffin. Seine Kriminalromane wurden mehrfach für Literaturpreise nominiert, u.a. für den Edgar, den Shamus und den Gold Dagger Award. 2008 wurde James Sallis mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Er lebt in Phoenix, Arizona.

Portrait

James Sallis:
James Sallis wurde 1944 in Arkansas geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Er studierte Literaturwissenschaften in New Orleans und arbeitete anschließend als Lektor und Drehbuchautor. Er übersetzte Raymond Queneau und Puschkin ins Englische und veröffentlichte eine Biographie von Chester Himes. Seine Kriminalromane wurden mehrfach für Literaturpreise nominiert. James Sallis lebt in Phoenix, Arizona.

Autorenportrait

James Sallis wurde 1944 in Arkansas geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Er studierte Literaturwissenschaften in New Orleans und arbeitete anschließend als Lektor und Drehbuchautor. Er übersetzte Raymond Queneau und Puschkin ins Englische und veröffentlichte eine Biografie von Chester Himes. Bekannt wurde er mit seiner Romanreihe um den schwarzen Privatdetektiv Lew Griffin. Seine Kriminalromane wurden mehrfach für Literaturpreise nominiert, u.a. für den Edgar, den Shamus und den Gold Dagger Award. 2008 wurde James Sallis mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Er lebt in Phoenix, Arizona.

Bewertung unserer Kunden zu Deine Augen hat der Tod

Wie ist Ihre Meinung zu „Deine Augen hat der Tod”?

Geben Sie Ihre Bewertung ab.

50

25.05.2012

„Sallis sitzt im Olymp des Noir und raucht sich eine...”

von einer Kundin oder einem Kunden Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Sallis, einer der alten Haudegen des amerikanischen Noirs, lugt jetzt auch als Taschenbuch aber immer noch in Schwarz/Weiß aus den irre bunten Stapeln der Krimineuerscheinungen hervor. Trocken, abgeklärt und doch eben immer noch interessant, weil erdig, wertvoll und literarisch.

Der Kriminalroman der alten Heroen liest sich anders als die High Gloss Gemetzelorgien der modernen Berufsschreiber, die meist nur Geisterfahrer des Krimigenres sind (mit Ausnahmen !). Sie bieten Genuß pur. Sind wie 20 Jahre alter Rotwein. Sie machen Freude aber benötigen auch eine feine Zunge. Des Geschmacks. Der Wahrnehmung. Der Gedankenarbeit. Nichtsdestoweniger unterhalten sie. Und letztendlich besser als alles andere.

"Und wenn die Freunde gegangen waren, wenn Cassoulet, Salat und Brot gegessen waren, dann gab es immer noch einen warmen Herbstabend, erfüllt mit Sternen und dem Geruch und den Geräuschen des Lebens, ein letztes Glas Wein oder eine letzte Tasse Tee, immer der Mond dort oben, grinsend, als kenne er die Pointe. "

Gerade alle Sallis gebunden bestellt. Wertanlage im besten Sinne. Fürs Regal und fürs Hirn.(Ob Murakami Sallis gelesen hat? Ich könnte es mir vorstellen ! Aber die zwei Monde sind eh schon lange auf meinem Arm tätowiert.)

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

Häufig gestellte Fragen

  • Wie viele PAYBACK Punkte kann ich für ein Produkt sammeln?

    Für jeden vollen Euro Warenwert erhalten Sie 1 PAYBACK Punkt.
  • Wo sehe ich, wie viel PAYBACK Punkte ich für ein Produkt sammeln kann?

    Die für ein Produkt zu sammelnden Punkte finden Sie in der Detailansicht eines Artikels (rechts unter "Bonusprogramm"), ebenso im Warenkorb und in der Bestellübersicht.
  • Wie kann ich bei bol.de bezahlen?

    Wählen Sie im Bestellprozess oder unter "Mein Konto" im Punkt "Zahlungsart" Ihre gewünschte Zahlungsweise aus. Näheres erfahren Sie in unserer Hilfe.

BonusprogrammHilfe

Payback

14 Punkte sammeln