"Etwa zwei Stunden waren vergangen, da tauchte er am Ende eines langen Ganges wieder auf, streckte seine Hand in Richtung eines Skulpturen-Raumes, den ich gleich nach dem Eintritt schon besichtigt hatte, und ging hinaus. Ich lief schnell und trat in den Raum ein. Was hatte er mir wohl zeigen wollen? War zwischen den Köpfen, die in jedem Museum zu sehen waren und die ich deshalb schon nicht mehr wahrnahm, etwas Beachtenswertes gewesen, das ich beim ersten Mal übersehen hatte? Neben ein paar gewöhnlichen, großen Götterstatuen mit abgebrochenen Armen und Flügeln stand da noch ein Grabdeckel aus dem dreizehnten Jahrhundert. Darauf lag die Skulptur des Toten. Plötzlich wurde mir klar, worauf er meine Aufmerksamkeit lenken wollte. Auf seiner Brust, zwischen den Falten des prächtigen Gewandes dieses Mannes, lag ein kleines Pferd an einer Kette, die vom Hals zur Brust mit größter Feinheit gemeißelt war. Und unter seinen Füßen, deren Spitzen abgebrochen waren, lagen eine Mohnblüte und ein kleiner Zweig wie von einem Brombeergebüsch. Aus Stein.
- Während ich aß, begann es dunkel zu werden. Ich wollte die Stufen hinaufsteigen und dort, wo ich ihn am Morgen gesehen hatte, meinen Kaffee trinken. Er saß an demselben Tisch. Hier war es noch hell. Unten war es dunkel geworden. In den Läden brannte schon das Licht, aber die Straßenlaternen waren noch nicht angegangen. Ich sagte nichts, setzte mich ihm gegenüber. 'Nehmen Sie an dem Spiel teil?' fragte er.
...
Zuerst sah ich seine Hände. Sein Englisch klang so, wie es im Norden gesprochen wird. Er konnte Deutscher, Holländer oder Skandinavier sein. Natürlich auch Österreicher, aber das kam mir irgendwie nicht in den Sinn. Seine Art zu sprechen rief mir Schnee, Seen, Nadelwälder und Hirsche mit verzweigtem Geweih vor Augen. Noch hatte er wenig gesprochen, aber unter dem Eindruck seines Sprechens erschien er mir heute blonder als in der Nacht zuvor, so als wäre seine dunkelblond bis hellbraune Farbe über den Tag heller geworden; hätte jemand gefragt, ich hätte ihn wahrscheinlich für blond erklärt. Doch seine Hände waren mediterran. Dunkel, etwas heller zwischen den Fingern, olivgrün schimmernd, wo die Adern sichtbar waren. Die Schönheit seiner Hände blitzte in meinem Geist auf und verlosch. Das von unten herankletternde Dunkel hatte wie langsam steigendes Wasser unsere Knie schon bedeckt, doch sein Gesicht war immer noch im Hellen. In diesem Licht war er dunkel, ziemlich dunkel, so wie es die Hände erwarten ließen. Aber wenig später würde ich schaudernd begreifen, dass ich mich nicht getäuscht hatte, als ich seine Haare im letzten Abendlicht golden aufglänzen sah ..."