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Eine Kundin / Ein Kunde Unsere Top-BuchhändlerInnen

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Eine echt foxy Geschichte!

Eine Kundin / Ein Kunde , am 19.05.2016

Heinz ist ein 15 jähriger Junge, der seine Kindheit, bei immerwährenden Sommer, auf einer Alm in den Bergen verbracht hat. Sein ständiger Begleiter ist sein Toy Fennek, ein elektronischer Fuchs, der über einen gewissen Grad an Künstlicher Intelligenz verfügt und noch aus dem Leben vor dem Untergang stammt. Die Welt, so wie Heinz sie nur die ersten paar Lebensjahre gekannt hat, ist eben bis auf dieses kleine Paradies untergegangen. Die Menschen auf der Alm teilen es sich, mit einer Gruppe überlebender Affen. Als jedoch für ein paar Tage der Schutzschirm zusammenbricht, wird den Menschen klar, dass dieses Paradies, ohne Wartung des Schutzschirmes, nicht für ewig gepachtet ist. Die Gruppe Überlebender macht sich auf nach Salzburg, hinaus in die Welt, denn dort soll es Flüchtlingslager geben, dass die Überlebenden in eine Zone bringt, die noch nicht zerstört worden ist.


Dieser Roman, rollt mit einer literarischen Wucht auf einem zu. Wie eine Monsterwelle reißt sie einem mit und lässt einem nicht mehr los. Dabei ist – Die Verteidigung des Paradieses -, gerade am Anfang ein wenig langatmig geraten, wenngleich es von Anfang an sehr ausgezeichnet geschrieben ist. Das Spiel mit den Worten, die glaubhafte und neu entwickelte Umgangssprache, die sich von Steinaecker bedient ist ganz großartig gelungen. Foxy ist so ein Wort. Und Heinz benutzt es gerne. Er ist eben ein foxy Typ. Aus seiner Sicht, wird die Geschichte erzählt und manchmal wirkt der Junge ein wenig einfältig. Allerdings hat er sich es zur Aufgabe gemacht, alles was passiert festzuhalten, außerdem möchte er ein Bewahrer alter Wörter sein.

Schon wieder eine Dystopie? Schon wieder eine fast zerstörte Welt? Am Anfang war ich skeptisch, aber das hat sich schnell geändert. Die Verteidigung des Paradieses ist ein Paradebeispiel, dass dieses komplexe literarische Experiment gut gelungen ist und das, dass Sciencefiction Genre auch in der anspruchsvollen Literatur angekommen ist, und zwar sehr gut angekommen. In einer guten Dystopie, schwing auch immer ein bisschen Gesellschaftskritik mit; Allerdings ist dieser Roman schneller von der Wirklichkeit eingeholt worden, als es dem Schriftsteller liebe war. Die fiktive Welt nach dem Untergang, ähnelt der unsrigen gegenwärtigen Welt doch sehr und geschrieben hat Von Steinaecker, einige Passagen bereits vor drei oder vier Jahren. Angesichts der Fernsehbilder aus den Flüchtlingscamps und derzeitigen politischen Lage, wäre es ihm gar nicht mehr möglich so etwas aufzuschreiben – anmaßend würde er sich dabei vorkommen, wenn nicht gar obszön. (=Seine Worte bei einer seiner Lesungen)

Ich finde aber, dass wir genau aus diesem Grund, dieses Buch brauchen. Genau aus diesen erschütternden und beunruhigenden Gründen, sollte es gelesen werden. Es hallt lange nach dem Lesen noch in einem nach. Es ist ein foxy Buch, zumindest würde es Heinz so sagen, es ist eine Abenteuergeschichte, und zum Schluss bliebt die Frage offen, welches Paradies wir wohl verteidigen würden, wären wir in solch einer Situation. Zumindest ich hab mir ständig diese Frage gestellt. Was wäre wenn?

Die Verteidigung des Paradieses
von Thomas von Steinaecker
(2)
Buch
24,99

Nun, da wären wir

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2016

Helden und Hauptprotagonisten dieser Geschichte sind zweifelsfrei die Wissenschaftler und ihr Bemühen eine gute politische und soziologische Gesellschaft auf dem Mars aufzubauen. 100 von Ihnen landen im Jahr 2026, dem ersten Marsjahr M1, auf dem Planeten und bereits beim Flug dorthin, wird man den verschiedenen politischen und soziologischen Ansichten der Teilnehmer konfrontiert. „Nun, da wären wir“,  sind die ersten Worte am Mars und klingen dann doch ein wenig unbedarft und ironisch. Roter Mars wird aus den Blickwinkeln der ersten 100 erzählt und ist in mehrere Teile unterteilt. Bis auf das erste Kapitel, werden in chronologischer Reihenfolge ca. 35 Jahre abgehandelt. Das hat zur Folge, dass der Schriftsteller auf gewisse Details keinen Wert legen kann oder darf und diese deswegen sehr schnell abhandelt. Manche mögen sich nun daran stören, mir hat es aber gut gefallen. Auf knapp 700 Seiten würden sich mehrere Details rein rechnerisch schon nicht ausgehen. Das erste Kapitel ist zeitgleich der Höhepunkt der eigentlichen Erzählung und wie bei der Fernsehserie Columbo erfährt der Leser gleich zu Beginn, wer Mörder und wer Opfer in einem Komplott sein wird, allerdings erst mit Fortschreiten der eigentlichen Geschichte, erfährt man mehr über das Weshalb und das Warum.

Die New Yorker titelte einmal, dass Kim Stanley Robinson der größte lebende Sciencefiction Schriftsteller der Welt sei und dem kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen. Roter Mars ist der Auftakt zu einer wirklich großartigen Trilogie(es folgen grüner Mars und blauer Mars; Alle drei wurden mit einigen Preisen und Auszeichnungen, u.a. mit dem Nebula und dem Hugo Award, gewürdigt). Als Jugendlicher hatte ich seine wohl bekanntesten Romane bereits gelesen. Es ist tatsächlich etliche Jahre her und deswegen freut es mich, dass der Heyne Verlag diese nun neu überarbeitet und wiederveröffentlicht hat. Dabei unterhält gute Sciencefiction Literatur nicht nur, sondern sie stellt sich auch den großen Fragen unserer Zeit, und gibt uns eine mögliche Antwort auf viele menschengemachten Probleme. Die Politik ist dem Sciencefiction Genre inhärent und ist dadurch mal mehr, mal weniger durchzogen von jenem Thema und Kim Stanley Robinson weiß jenes auszureizen. Aber noch etwas fällt auf: die eigentlichen politischen Themen haben sich seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts nur wenig geändert. Umweltverschmutzung, schwindende Ressourcen und Revolten sind auch heute noch immer globale Themen der Politik. Wer nun noch nicht genug von der Mars-Trilogie hat, dem empfehle ich „Der Marsianer“ von Andy Weir, der sich wie eine Mischung aus Robinson Crusoe und McGyver liest.

Roter Mars
von Kim Stanley Robinson
(2)
Buch
14,99

Cty of the Night

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2016

Nacht in der Stadt ist der Debütroman des amerikanischen Schriftstellers John Rechy. Soweit man anderen Rezensionen und Buchbesprechungen glauben schenken darf, sind seine Werke geprägt von seiner mexikanischen Abstammung und behandeln immer wieder das Thema der historischen und kulturellen und gegenseitigen Beeinflussung, der verschiedenen Staaten und Länder Amerikas. Letzteres kann ich (noch) nicht beurteilen, denn - Nacht in der Stadt - ist der erste Roman den ich von Rechy gelesen habe, und in diesem Roman streift er die oben genannte Thematik nur am Rande. Vielmehr handelt es von einem Protagonisten und der promiskuitiven Halbwelt in der er sich bewegt. New York ist eine seiner ersten Stationen und in den 60er Jahren, in der dieser Roman spielt, entstand dort, trotz der Verfolgung durch die Polizei und die moralische Verurteilung der Gesellschaft, eine homosexuelle Subkultur, die in der Blütezeit mehr als 40 schwule Bars und Lokale umfasste. Hier trifft der namenlosen Hauptprotagonist, der aus einer zerrütteten Familie und von einem gewalttätigen und furchteinflössenden Vater flüchtet, auf seinen ersten Freier und dort verdingt er sein Leben als Stricher. Er bleibt nicht lange in dieser Großstadt, schon bald zieht es ihn weiter. Auf seiner Reise durch die Großstädte der USA erschließt sich ihm immer mehr die Parallelgesellschaft der Homosexuellen, die sich die Parks, Straßen und einschlägigen Bars des Nachts treffen und ihrer Lust frönen.

John Rechy hat mit „Nacht in der Stadt“, wenn ich es ein wenig salopp ausdrücken darf, einen schwulen Klassiker geschrieben, der seine Daseinsberechtigung sehr wohl auch knapp 55 Jahren nach seiner Erstveröffentlichung hat. Die gelebte und gefeierte Subkultur der Homosexuellen Community mag zwar politisch in der Mitte angekommen sein, wird aber in ihren verschiedenen Ausrichtungen noch immer von außerhalb und auch innerhalb, immer wieder torpediert und mit Vorurteilen überhäuft. Ja, auch Homosexuelle Menschen hegen gegenüber anderen Homosexuellen ihre Vorurteile, was anfangs ein wenig lächerlich und abstrus anhört, wird zur unweigerlichen Tatsache, wenn man Rechys Roman aufmerksam verfolgt und gelesen hat. Der namenlose Protagonist, aus dessen Sicht erzählt wird, ist eigentlich nicht sehr sympathisch – er ist ein kalter, ruheloser junger Mann, unfähig Liebe und Zuneigung zu zeigen, dafür aber sehr wohl seinen Lebensunterhalt als Stricher verdingt, und die Aufmerksamkeit seiner Freier sehr wohl genießt. Die Erzählweise ist keineswegs hervorstechend, liest sich aber relativ flüssig und bedient sich einer gewissen Leichtigkeit. Dabei kann der Roman sehr wohl auch biografisch gelesen werden, schließlich wurde Rechy selbst in den 60-70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein paar Mal wegen Prostitution festgenommen. Nacht in der Stadt ist der einzige Roman der derzeit von John Rechy auf Deutsch erhältlich ist, was mich aber nicht abhalten wird, mehr von ihm zu lesen.

Nacht in der Stadt
von John Rechy
(1)
Buch
12,95

Magischer Roadtrip

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Shadow hat im Gefängnis gelernt den Kopf unten zu halten und nicht anzuecken. Er ist jedem Ärger aus dem Weg gegangen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb er nur die Hälfte seiner Haftzeit absitzen musste. Eigentlich freut er sich auf zu Hause und auf seine Freundin Laura, doch kurz vor seiner Entlassung kommt sie bei einem Autounfall ums Leben. Nichtsdestotrotz tritt er seine Reise nach Hause an und begegnet dabei einen mysteriösen Fremden, der sich selbst Mr. Wednesday nennt. Er macht Shadow ein lukratives Jobangebot. Er soll ihm auf einer Reise quer durch Amerika begleiten. Auf diesen eigenartigen Roadtrip begegnet er nichtmenschlichen Geschöpfen und mit der Zeit kristallisiert sich heraus, was Wednesday eigentlich im Schilde führt.

American Gods ist 2003 das erste Mal auf Deutsch erschienen und auch auf Englisch gibt es zumindest mehrere verschiedene erhältliche Ausgaben. Die insgesamt drei Vorworte haben mich ein bisschen stutzig gemacht. Aber sind im Grunde eine witzige Idee, vor allem weil man viele Hintergrundinformationen zur Geschichte und zum Autor selbst erfährt. Wenn man nun dem genialen Schriftsteller Neil Gaiman Glauben schenken darf, ist diese Ausgabe nicht nur die längste, sonder auch seine liebste. American Gods ist der zweite Roman den ich von Gaiman gelesen habe, wenn man die Sandmancomics nicht miteinbezieht, und mittlerweile ist er zu einen meiner liebsten Schriftstellern avanciert, dessen Werke nun einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal bekommen. Ich habe mir sogar Stardust – Der Sternenwanderer angesehen und ja, ich kleiner Revoluzzer, hab den Roman noch nicht gelesen, was ich aber bestimmt noch nachholen werde. Aber zurück zu American Gods:

In diesem Roman verwebt Gaiman einen Roadtrip quer durch die amerikanischen Staaten, mit einer Schar mythologischer und übernatürlicher Wesen, die unerkannt bei den Menschen leben. Wie auch schon in anderen seiner Werke, sind die drei weisen Frauen, bzw. die drei Hexen ein wiederkehrendes Thema, dass sich auch hier wiederfindet. Allerdings muss der geneigte Leser ein wenig Geduld üben, denn erst gegen Ende der Geschichte tauchen sie auf und bekommen sogleich eine tragende Rolle. Außerdem erzählt er, genauso wie im „Den Ozean am Ende der Straße“, in dieser Erzählung nicht alles zu Ende. Manche Dinge scheinen logisch zu sein und wenn man das eine oder andere Detail beachtet, führt er einem schon in die richtige Richtung. Manche Begebenheiten spinne ich selber weiter und spukten daher auch lange nach dem Lesen, noch in meinen Gedanken herum. Für den einen oder anderen Nebencharakter hätte ich mir allerdings schon mehr Platz und Raum in der Geschichte gewünscht, bzw. man hätte aus den vielen Nebengeschichten schon einige eigene Romane füllen können. Jedem der fantastischen Geschichten etwas abgewinnen kann, kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen.

American Gods
von Neil Gaiman
(1)
Buch
14,00

Baba Dunja

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Baba Dunja ist – wie ein paar andere Alte – in ihr Häuschen zurückgekehrt: Als pensionierte Hilfskrankenschwester hätte sie sich in der Stadt gar keine Mietwohnung leisten können. Das ihr Haus in der radioaktiv-verstrahlten Zone rund um Tschernobyl liegt, kümmert sie eigentlich gar nicht. Nur überfordern darf man Dunja nicht, schließlich ist sie auch keine 82 mehr.

Aus der Ich-Perspektive erzählt Alina Bronsky, in einfachen und ruhigen Sätzen, die Geschichte einer in die Todeszone rund um Tschernobyl Zurückgekehrten. Zwei Dinge treten deutlich hervor: Einerseits die liebevolle Beschreibungen der Charaktere und die wirklich wunderbar gelungene Erzählung, die manchmal auch ein wenig poetisch wirkt. Baba Dunja erinnert mich da ganz stark an meine eigene Baba. Leider viel zu kurz ist die gelungene Erzählung geworden, viel zu schnell hab ich die traurige und auch oft sehr skurrile Geschichte durchgelesen. Und ja eine ganz wichtige Botschaft hat sie auch: Nicht immer Angst haben, sondern auch einfach mal leben(=Auch wenn die äußeren Umstände oft ganz prekär und tödlich sind). Baba Dunja war nominiert für den deutschen Buchpreis 2015 und ist mein erster Roman von Alina Bronsky, aber bestimmt nicht mein letzter.

Baba Dunjas letzte Liebe
von Alina Bronsky
(29)
Buch
16,00

Geister, Friedhof und Vampire

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Nächtens ermordet ein Mann eine ganze Familie. Nur das jüngste Kind kann fliehen und flüchtet zum Friedhof. Hier gehen gute Geister um, die dem kleinen Jungen helfen. Der Junge wird Nobody Owens (=was für ein herrliches Wortspiel) getauft und zu seinem eigenen Schutz wird ihm verboten den Friedhof zu verlassen. Die Häscher seiner Familie sind aber noch immer da draußen und seine Freunde vom Friedhof, nicht nur Geister sondern auch andere übernatürliche Wesen gehören von nun an dazu, bereiten ihn auf das da draußen gut vor.

Eines vorweg: Ich bin, was die Werke von Neil Gaiman angeht, ein Spätzünder, ein Fan der zweiten Stunde. Aber es gibt kaum ein von ihm geschaffenes Werk, dass mich nicht sofort in den Bann gezogen hätte und von dem ich nicht fasziniert gewesen wäre. Manche Romane besitze ich sogar in mehreren Ausführungen. Manche in englisch, manche als eBook, und manche, weil es die jeweilige Ausgabe ist, die dem Romancier selbst sehr gut gefallen haben. (American Gods, z.B.) Ich bin jetzt nicht gerade der Comic- oder Graphik Novel Fan, aber nachdem Gaimans Werke einen besonderen Status in meinem Bücherregal genießen, kommen oben genannte natürlich in meine Sammlung dazu. Das Graveyard Buch hab ich bereits in Romanform als eBook gelesen, hat u.a. mehrere Auszeichnungen bekommen, den Hugo Award und die Carnegie Medal, und nachdem ich nun gesehen habe, dass der Eichborn Verlag dieses Werk als Graphic Novel herausgegeben hat, konnte ich gar nicht anders und hab sofort zugeschlagen. Was soll ich großartig um den heißen Brei herumreden: Mir hat es sehr gut gefallen! Wie oben bereits erwähnt gibt es dieses Werk in verschiedenen Ausgaben, als Comic-Reihe, als Jugendroman und eben nun in dieser zuletzt erschienenen Graphic Novel. Es beruht auf der Comic-Reihe, die von sieben unterschiedlichen Illustratoren stammt und das ist meinem geübten Auge sofort aufgefallen. Bei manchen sticht der Unterschied deutlich hervor, bei anderen weniger. Dabei haben aber alle eines gemeinsam: Sie sind sehr detailverliebt und durchgehend farbig.

Die Erzählung an sich ist eine Hommage an das Dschungelbuch von Kipling, soweit man einer Buchbesprechung im Internet glauben schenken darf. Ich muss gestehen, dass der genannte Kinderbuchklassiker, bisher an mir vorüber gegangen ist. Dieser Umstand wird aber demnächst geändert. Kurzweilig und Fantasievoll ist – Das Graveyard Buch – aber allemal. Wer jetzt noch nicht Blut geleckt hat und sich noch immer nicht sicher ist, was er von Gaiman lesen soll, dem kann ich im Besonderen – American Gods Directors Cut – und – Der Ozean am Ende der Straße – empfehlen. Letzteres wurde mir vom Meister Neil Gaiman persönlich signiert und hat nun einen besonderen Platz in meinem Bücherregal bekommen.

Das Graveyard-Buch
von Neil Gaiman
(1)
Buch
29,99

Wenn der Mond zerbricht

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

„Der Mond explodierte ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund.“ ist der erste Satz in diesem wirklich sehr einzigartigen Werk von Neal Stephenson. Er zerbricht in sieben Gesteinsbrocken, die alle an Ort und Stelle verblieben und der Menschheit einen faszinierenden Anblick bieten. Dabei wird allerhand gerätselt, was denn nun die Ursache gewesen ist: von Aliens und von einem winzigen schwarzen Loch ist die Rede, was allerdings die Ursache war, bleibt im Dunkeln. Als ein Brocken des Mondes, genannt die Kidneybohne, durch das kollidieren mit einem anderen Brocken in zwei weitere Gesteinsbrocken zerbricht, macht sich die Wissenschaftler keine Gedanken mehr was passiert war, sondern was noch passieren wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, da die einzelnen Mondteile nun weiter exponentiell kollidieren und zerbrechen, und so einen Meteoritenschauer auslösen, der das Leben auf der Erde auslöschen würde.

Mit großem Interesse habe ich Neal Stephensons – Amalthea – gelesen und gleich mal vorweg, kann ich ein großes Lob an den Manhattan Verlag aussprechen, denn anders als der englische Originaltitel – Seveneves –, spoilert der deutsche Titel so gut wie gar keine Details aus der Erzählung. Der englische Titel bezieht sich zumindest auf zwei verschiedene Ereignisse. Allerdings will ich hier nicht zu sehr vorgreifen und den Leser selber diese Dinge entdecken lassen. Apropos Spoilern: Hier ist die Leserschaft ist oft sehr zwiegespalten. Den einen stört es kein bisschen wenn gespoilert wird, den anderen stößt so mancher Klappentext sauer auf. Meistens versuche ich es zu vermeiden den Klappentext zu lesen und bei – Amalthea – ist es mir nun nicht gelungen. Zum Glück war die Geschichte rund um den zerstörten Mond so spannend, dass es mir auch nur sehr wenig ausgemacht hat, dass der Klappentext, meinem Geschmack nach, zu viel verraten hat. Dabei ist es wahrscheinlich gar nicht so einfach, einen rechten Mittelweg zu finden. Einerseits soll man nicht zu viel von der Story erzählen und andererseits sollte man die Leserschaft trotzdem auf den Roman neugierig zu machen.

Amalthea ist ein Mammutwerk, dass über eintausend Seiten lang ist, und bestimmt ein zukünftiger klassischer Sciencefictionroman ist. Ich wäre nicht erstaunt, würde nicht eine findiger Hollywood-Regisseur auf dieses Werk aufmerksam und es verfilmen. Eine Kinokarte hättet ihr nun schon mal fix verkauft liebe Filmemacher. Die eintausend Seiten sind in drei Teile unterteilt, wobei der letztere 5000 Jahre in der Zukunft spielt und daher auch immer wieder kurze Ausblicke auf die vergangenen Jahrtausende wirft, wo es eben sich in die Geschichte gut einfügt. Im Vordergrund stehen dabei die Ereignisse rund um die lunare Katastrophe und verschiedenen Wissenschaftlern, die versuchen die Menschheit zu retten. Politisch wird die Geschichte auch an mehreren Punkten, allerdings fügt sich dieses Element der Erzählung harmonisch ein und ist nicht zu vordergründig, wie vergleichsweise in – Roter Mars – von Kim Stanley Robinson. Wobei dieser Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe auch sehr zu empfehlen ist. Amalthea ist mein erster Roman von Neal Stephenson, der nicht zuletzt wegen seiner bisher erschienen Romane, als einer der größten amerikanischen Gegenwartsliteraten gehandelt wird. Nun bin ich auf ihn nun aufmerksam geworden und bin zuversichtlich, dass ein oder zwei weitere seiner Romane, den Weg in mein Bücherregal finden werden.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Amalthea
von Neal Stephenson
(1)
Buch
29,99

Ein Fest fürs Leben

Eine Kundin / Ein Kunde , am 11.04.2016

In Paris – Ein Fest fürs Leben – wird das Paris der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts lebendig und Hemingway präsentiert sehr biographisch gefärbt eine Stadt der Liebe, eine Stadt des Savoir-vivre aber auch eine Stadt der Literatur. Gehörten doch die Fitzgeralds und Gertrude Stein zu seinem damaligen Freundeskreis.

„Es ist sehr wichtig, Paris – Ein Fest fürs Leben“ von Heingway mehrmals zu lesen, denn wir sind eine sehr alte Zivilisation und wir tragen unsere Werte sehr stolz“, sagte eine Frau kurz nach den Terroranschlägen von Paris in einem TV-Beitrag und plötzlich war es eines der meistverkauften Büchern und landete sogar auf Platz 1 der französischen Bestsellerlisten. Daher wird es Zeit, den modernen amerikanischen Schriftsteller Ernst Hemingway und sein posthum erschienenes Werk näher zu betrachten und auch es auch selbst wieder zu lesen.

Frisch verheiratet kamen die Hemingways 1921 nach Paris um dort auch einige Zeit zu leben und zu wohnen. Das Leben war günstig und so verwunderte es nicht, dass einige große Literaten und Künstler, ebenfalls Paris als Wohnort auserkoren hatten. Die Fitzgeralds gingen bei Gertrude Stein genauso ein und aus, wie es auch Pablo Picasso machte. Hemingway lässt ein idyllisches Paris wiederauferstehen, eines indem Angler an der Seine ihr Glück versuchten und ein Ziegenhirte seine Herde durch die Straßen treibt. Sicherlich, heute wäre es unwahrscheinlich, aber egal ob man nun in Paris ist oder aus der Ferne daran denkt, die Zwanzigerjahre lässt er einem vor dem geistigen Auge erblühen und man wünscht sich nichts sehnlicher, als auch mit ihm und den Fitzgeralds die Nacht zum Tage zu machen.

Einige Themen und Dinge klammert Hemingway bewusst oder unbewusst aus, das sollte man einfach so akzeptieren, und es eben dem Schriftsteller überlassen, was er und wie viel er von sich persönlich erzählen möchte. Ihm das nun vorzuwerfen wäre meiner Meinung nach schon ein wenig verwerflich. Interessant wird der Roman allerdings noch ein bisschen mehr, wenn man sich auch ein paar Hintergrundinfos zu Hemingway und Paris macht. Manche Dinge würde man überlesen, und manche Dinge betrachtet man nach der Lektüre dieses Werkes, bestimmt mit anderen Augen. Ein richtiges Ende hat Paris – Ein Fest fürs Leben – nicht, dafür aber einige Fragmente und einen Anhang vom Enkel des Autors Seán Hemingway, der diese in der Urfassung 1964 erschienen, im Rowohlt-Verlag neu verlegt hat. Es mag jetzt 4 oder 5 Jahre her sein, dass ich diesen Roman das erste Mal gelesen habe und der resoluten Frau aus dem Fernsehinterview kann ich jetzt, wo ich es zum zweiten Mal gelesen habe, absolut recht geben. Der Nobelpreisträger Ernest Hemingway gehört gelesen.

Paris, ein Fest fürs Leben
von Ernest Hemingway
(1)
eBook
9,99

Chapeau, Chapeau Herr Wells!

Eine Kundin / Ein Kunde , am 11.04.2016

~Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.~ So beginnt der neue Roman von Benedict Wells und aus Jules Sicht, aus dessen Mund wir diese erdrückende Erkenntnis hören, wird diese Geschichte erzählt. Er hatte einen sehr trostlosen Start ins Leben, denn sehr früh kommen seine Eltern durch einen tragischen Unfall ums Leben. Die Geschwister kommen in ein Internat, wo sie hauptsächlich getrennt voneinander unterrichtet werden und auch getrennt voneinander aufwachsen.

Benedict Wells beginnt seine Geschichte sehr subtil. Jules liegt nach einem Motorradunfall im Krankenhaus und lässt sein Leben Revue passieren. Dabei geht er nicht immer ganz chronologisch vor, aber ganz zum Schluss findet sich der Leser wieder ganz am Anfang der Geschichte, nämlich im Krankenhaus. Und plötzlich macht der erste Satz des Romans soviel mehr Sinn, als man es zu Beginn erwartet hätte. Die Spannung steigert sich Seite für Seite, genauso wie die Charaktere, die ich am Anfang ein wenig farblos in Erinnerung hatte, die an Intensität zunehmen und damit auch die Emotionen sich vervielfachen. Was mir auch soviel Spaß und Freude beim Lesen bereitet hat, waren die feinen Nuancen und die Detailgenauigkeit, mit der Wells die Geschichte erzählt. In etwa wenn er Alva, eine weiterer Hauptcharakter, sich wünschen lässt, nur eine Person in einer Geschichte zu sein. Sie will aus ihrer Realität fliehen, wobei man als Leser ihr zurufen möchte: He, du bist doch eine Person in der Geschichte. Alva nennt Jules, an einer anderen Stelle im Roman, einen Erinnerer und Bewahrer, und ich möchte behaupten, dass es keine bessere Bezeichnung für einen Schriftsteller, wie Benedict Wells, gibt. Für mich ist er einer der besten Erinnerer und Bewahrer: Chapeau, Chapeau, Herr Benedict Wells! Wer nun ~Becks letzter Sommer~ noch nicht gelesen hat, sollte es spätestens jetzt schleunigst nachholen, es könnte allerdings sein, dass ihr genauso ein glühender Anhänger von Benedict Wells werdet, wie ich einer bin.

Vom Ende der Einsamkeit
von Benedict Wells
(25)
Buch
22,00

Ich, der Roboter

Eine Kundin / Ein Kunde , am 11.04.2016

Im Jahr 2058 gibt die pensionierte Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin einer Zeitung, zu ihrem 75. Geburtstag, der zeitgleich auch das 75 jährige bestehen der Firma U.S. Robot Company ist ein Interview. Dort war sie fünfzig Jahre lang beschäftigt und gibt Einblicke in ihre Tätigkeit in dieser Firma.

Ich, der Roboter ist eigentlich eine Kurzgeschichtensammlung, deren Rahmenhandlung das Interview mit der Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin ist, und sich immer wieder mit den 4 Grundregeln der Robotik auseinandersetzt, die im Näheren ganz am Anfang dieses Romans vorgestellt werden. Die aus diesen Gesetzen resultierenden Probleme zwischen Mensch und Roboter, werden dargestellt und behandelt. Der geneigte Kenner der klassischen und zeitgenössischen Sciencefiction wird mit diesen Gesetzen vertraut sein. Kurz umrissen umfassen sie Verhaltensregeln für KI's (Künstliche Intelligenz), die zuerst dem Schutz der Menschheit und dann dem persönlichen Schutz der Roboter unterstellt sind.

Diese und einzelne andere Motive und Charaktere finden sich auch in dem Film - I, Robot - wieder, der mit Will Smith in der Hauptrolle verfilmt wurde. Allerdings behandelt der Film eine gänzlich andere Geschichte, auch wenn das eine oder andere Detail dem Roman entnommen worden ist. Ich, der Roboter - wirkt ein wenig antiquiert und hölzern, der geneigte Leser darf nicht vergessen, dass jener im Jahr 1950 bereits das erste Mal veröffentlicht worden ist. Umso mehr freut es mich, dass der Heyne Verlag diesen Klassiker auf Deutsch wieder aufgelegt hat. Apropos Detail: Im Buch war immer wieder die Rede vom positronischen Gehirn der Roboter, und das hat mich als Trekkie in spe, ein wenig stutzig gemacht, hat doch der Android Delta, aus der Serie Star Trek – The next Generation, ebenfalls ein positronisches Gehirn. Nach kurzer Recherche wusste ich dann Bescheid, dass der Schriftsteller Isaac Asimov als Berater am Set gedient hat, und dieser Begriff, der reine Erfindung ist und eigentlich keinerlei Bedeutung hat, übernommen worden ist. Ich sehe mich ein wenig als Verfechter des Sciencefiction Genres, das neben der Literatur und der Belletristik, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, der breiten Masse zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es gibt eben dort wie da, ein abwechslungsreiches Programm, dass die Vielzahl der Schriftsteller schön bunt hält: Es gibt für jeden etwas zu entdecken und zu mögen. Isaac Asimov gehört daher für mich zu einem jener Schriftsteller der klassischen Sciencefiction, die man gelesen haben muss.

Ich, der Roboter
von Isaac Asimov
(1)
eBook
7,99

 
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