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Eine Nacht der Barbarei

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.07.2016

Am 13. November 2015 ereignete sich in der französischen Hauptstadt eine Angriffsserie gegen die Zuschauer eines Fußballspiels, gegen die Besucher eines Rockkonzerts sowie gegen Gäste zahlreicher Bars und Restaurants im elften Arrondissements. Eine Nacht der Barbarei, titelt Antoine Leiris über diesen Abend, an dem die Liebe seines Lebens, seine Frau Hélène, ihr Leben verloren hat. Als er am nächsten Tag davon erfährt, schreibt er eine Hommage an seine Frau, einen öffentlichen Brief auf Facebook: "Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht."

Diese schlichten Worte, die poetisch und bewegend sind, verkörpern seinen Schmerz und seine Trauer. Aus diesem öffentlichen Brief wurde ein ganzes Buch. Meinen Hass bekommt ihr nicht - ist eine Streitschrift für das Leben, ein Tagebuch das aufwühlt, aber auch Mut macht. Mut nicht zu hassen.

Meinen Hass bekommt ihr nicht
von Antoine Leiris
(1)
eBook
11,99

Orlando - Magischer Realismus meets Feminismus und Homosexualität

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.07.2016

Orlando, ein junger gebildeter Adeliger, steht bei der Königin Elisabeth der 1. hoch im Ansehen. Von ihr erhält er einen großen Landsitz. Als während der kleinen Eiszeit, die Themse immer wieder zufriert, werden auf ihr Jahrmärkte veranstaltet. Hier lernt Orlando eine geheimnisvolle russische Gräfin Sasha kennen und obwohl er jemand anderen versprochen ist, beginnt er eine leidenschaftliche Affäre mit ihr.

Wenn großartige Schriftsteller wie H. G. Wells und Jules Verne als Väter der modernen Sciencefiction Romane gelten und auch noch in der Gegenwart ihren Reiz ausüben, man bedenke die deren zahlreichen Verfilmungen, dann wage ich zu behaupten, dass Virginia Woolf, im speziellen ihr Roman Orlando, so etwas wie die Mutter des magischen Realismus ist, und auch heute noch viele Schriftsteller bewusst oder unbewusst beeinflusst.

Orlando gehört zu Virginia Woolfs erfolgreichsten Romanen, zumindest während ihrer Lebzeit, ihr bekanntestes Buch ist wohl Mrs. Dalloway. Letzterer war mein erster Roman, den ich von der meisterlichen Schriftstellerin gelesen habe. Nachdem ich einen lieben Kollegen davon erzählt habe, hat er mich gedrängt, auch Orlando zu lesen. Die verschiedenen Interpretationen zur Erzählung und zum Text, und vor allem seine Sicht auf den Roman haben mich eben dann dazu verleitet Orlando zu lesen. Wer sich mit den Werken von Virginia Woolf auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich mit Orlando zu beginnen. Es ist weitgehend kürzer als Mrs. Dalloway, wenngleich die knapp 240 Seiten sich zwar nicht lang anhören, aber man den Text mit einem respektablen Maß an Konzentration lesen sollte.

Ich bin wohl mehr Leser als Schauer, deswegen geht so manche literarische Verfilmung an mir vorüber. Es gibt allerdings, was ich erst vor kurzem entdeckt habe, eine wunderbaren Film mit Tilda Swinton als Orlando. Sie ist eine meiner liebsten Actris, und hat, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, mit ihrer androgynen Figur einen wunderbaren Orlando abgegeben.

"Diesen Roman zu schreiben, war wie auf Urlaub zu sein." hat Woolf über das Schreiben an Orlando anscheinend gesagt. Und zeitgleich gilt er als ein feministischer Roman, mit Bezügen zu ihrer eigenen homosexuellen Beziehung mit Vita Sackville-West. Wie stark, nun diese Beziehung zu ihrer Freundin tatsächlich ausgeprägt war, darüber lässt sich viel spekulieren. Mir hat dieses literarische Kleinod sehr gut gefallen und ihr literarisches Können ist unbestreitbar. Deshalb gibt es von mir eine klare Lese-Empfehlung!

Orlando
von Virginia Woolf
(1)
Buch
19,90

Die Angst vor der Angst

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.07.2016

Zwei Männer klingeln bei einer Frau. Sie wollen bei ihr die Angst installieren. Eine Anordnung der Regierung, der sich niemand widersetzten darf. Doch die Frau ist nicht alleine. Sie versteckt ihr Kind im Badezimmer, legt es in die Badewanne. Während der eine der Männer die Angst installiert, erklärt beflissentlich der andere, wie sie funktioniert, und wie lebensnotwendig die Angst gerade in unseren Zeiten geworden ist.

Der Titel alleine verrät schon die Absurdität des Inhalts und der geneigte Leser wird in diesem kurzem literarischen Kleinod nicht enttäuscht. Absurd scheint es, Angst in einer Wohnung installieren zu können, aber Angst in einem Menschen zu installieren, sie zu vermehren, ist schon eher möglich. Der Leser geht möglicherweise davon aus, dass sie in erster Linie nichts Schlechtes ist, hier setzt aber der Roman nicht an. Die Männer beschreiben in geistlosen und ewig sich wiederholenden Phrasen die Wichtigkeit der Angst. Und über allen steht natürlich die Angst vor der Angst, quasi als Krönung. Ich werde mir hier die diversen Wiederholungen sparen, aber soviel sollte der Leser meiner Rezension wissen: Alle Ausprägungen, alle Formen der Angst werden immer wieder und wieder durchgekaut, dabei bedienen sich die beiden abgedroschener Phrasen, Zitate, Redewendungen. Sie sparen nicht an Klischees und platten Anspielungen. Dieses ganz ursprüngliche Emotion soll uns alle beherrschen und genau in diesem Moment, irgendwo in der Mitte der Erzählung, beginnt sich der geneigte Leser zu fragen, wovor er sich eigentlich fürchtet und wie weit es ein begründetes, oder ein unbegründetes Gefühlt ist. Dieses Buch ist aber auch eine Satire über unser tiefliegendes Sicherheitsbedürfnis und eine Elegie auf die heutige Gesellschaft.

Die Installation der Angst ist als Kammerspiel konzipiert, also als ein Sprechstück mit wenigen Schauspielern auf einer Bühne, die gänzlich ohne viel Dekoration oder Kulisse auskommt. Und ohne mein zutun, hat sich dann beim Lesen genau so ein Kammerspiel in meinem Kopf abgespielt. In Gedanken war ich plötzlich nicht mehr Leser, sondern Zuschauer eines avantgardistisches Theaterstücks. Dieser Roman war mein erster des portugiesischen Schriftstellers, dass ich gelesen habe. Er hat meine Aufmerksamkeit erregt und bin mir sicher, dass seine Werke es auch weiterhin in mein Bücherregal finden.

Die Installation der Angst
von Rui Zink
(1)
eBook
12,99

Jude and Judy

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.06.2016

Für Jude ist die Schule einfach nur großes Kino. Egal was die anderen Kids machen, er lässt es einfach nicht an sich heran. Ihm ist es egal, dass er mit Judy angesprochen wird, obwohl er ein Junge ist. Es ist ihm egal, dass die anderen das Maul über ihn zerreißen, er kommt sich dann wie ein Prominenter vor. Er kommt sich vor wie ein Moviestar, der gerade die Titelseiten der Klatschblätter ziert.

Raziel Reids – Movie Star – hatte ich ziemlich schnell gelesen. Wobei es ja nichts über die Qualität einer Geschichte aussagt, wie lange man dafür braucht. Persönlich fühlte ich mich an Ben Brooks Romane - Lolito - und - Nachts werden wir erwachsen - erinnert. Beide, genauso wie auch Movie Star, haben Jugendliche als Hauptprotagonisten und bei allen dreien ist es ein Adoleszenzroman und beide Schriftsteller nehmen sich kein Blatt vor dem Mund und nennen die Dinge beim Namen.

Er beschreibt mit klaren Worten das Elend der Pubertät, im speziellen eben die Schwierigkeiten, mit denen ein homosexueller Jugendlicher konfrontiert ist, und den oft viel zu einfachen Zugang zu Drogen und Alkohol. Die teils etwas rüde und ja auch etwas derbe Umgangssprache unter einander ist mir auch sofort ins Auge gestochen. Falls er nun in dieser Geschichte, dass eine oder andere ein wenig überzeichnet hat, nun dann bin ich froh, ohne jetzt mit dem Zeigefinger zu wedeln oder glorifizieren zu wollen, in einem Umfeld aufgewachsen zu sein, wo der heimliche Griff zur Flasche Bier, oder Zigaretten ohne Haschisch, das Schlimmste war, was ein Jugendlicher seiner Eltern angetan hat. Dennoch hatte ich beim Lesen ganz stark das Gefühl, dass viel biographisches mit in die Geschichte eingeflossen ist. Nach einem Interview mit Raziel Reid eröffnete der Schriftsteller, dass der Roman auch von einem realen Fall inspiriert wurde (Im Februar 2008 erschoss ein Mitschüler den 15 jährigen Lawrence King). In ein oder zwei Rezensionen, wurde im Unglaubwürdigkeit vorgeworfen, dass ist nach dieser Info natürlich ein wenig unpassend. Aber auch negative Publicity ist Publicity: Der skandalträchtige Aufschrei hat nicht lange auf sich warten lassen. Mir hat im Gegensatz diese Geschichte sehr gut gefallen und bin gespannt, was der junge Schriftsteller noch in petto hat.

Movie Star
von Raziel Reid
(1)
eBook
14,99

Der Beginn einer literarischen Reise

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.06.2016

Im Nachwort von „Wo die Welt anfängt“, Truman Capotes ersten Erzählungen überhaupt, heißt es sinngemäß, dass seine frühen Werke von einer Reife und Kunstfertigkeit zeugen, die man einem so jungen Menschen nicht zutrauen würde. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen; einen Teil seiner Kurzgeschichten, die in diesem Werk versammelt sind, schreibt er aus der Sicht alter Männer und Frauen, junger verliebter Mädchen, Dieben und Wegelagerer und das mit einer Hingabe die man nur selten bei jemanden liest, der sich vielleicht schon sein Leben lang dem Fabulieren verschrieben hat. Über 30 Jahre lang lagen diese Schätze der Literatur unentdeckt in einer amerikanischen Bibliothek und man mag gar nicht daran denken, was noch alles hier verborgen liegt, ohne das die breite Öffentlichkeit davon Kenntnis hat. Das bereitet mir eine besondere literarische Gänsehaut.

Das Schreiben nannte Capote seinen kleinen Dämonen. Der geneigte Leser seiner Werke, und meine Wenigkeit profitieren nun von seiner Besessenheit. Aufmerksam wurde ich auf ihn, durch seine Jugendfreundin Harper Lee und ihren zwei Romanen. Weltweite Bekanntheit erlangte Truman Capote durch die Verfilmung von - Frühstück bei Tiffany. Dabei war er mit der Wahl der Hauptprotagonistin, Audrey Hepburn, gar nicht zufrieden und dennoch hat sie zu diesem weltweiten Ruhm, mit ihrer Darstellung der Hooly Golightly, beigetragen.

Hier fängt meine Reise durch die literarische Welt von Truman Capote an. Und so wird der Titel „Wo die Welt anfängt“ für mich zum geflügelten Wort. Ich bin mir daher sicher, dass es nicht bei diesen Erzählungen blieben wird, die ich von ihm lese.

Wo die Welt anfängt
von Truman Capote
(1)
eBook
14,99

Dämonische Liebe

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.06.2016

Ignatius Perrish, von seinen Freunden Ig genannt, wacht nach einer durchzechten Nacht auf und stellt mit Schrecken fest, dass ihm Hörner gewachsen sind. Er kann sich nur noch schemenhaft an die Nacht erinnern und noch seltsamer mutet das Verhalten seiner Freundin an, die in seiner Gegenwart plötzlich ungehemmt ausspricht, was sie sonst eigentlich verheimlichen würde. Sie offenbart ihm ihre geheimsten Sehnsüchte und Wünsche. Selbst der Arzt, dem er wegen seiner Hörner befragen möchte, kann ihm nicht helfen. Viel lieber spricht er ebenfalls über seine dunkelsten Begierden: seine sehr junge Nachbarin die er sehr sexuell anziehend findet und seinen Drogenmissbrauch. Ig wird schnell klar, dass die Hörner mehr Segen als Fluch sind, gilt es doch den Tod seiner ehemaligen Freundin Merrin aufzudecken, die vor über einem Jahr, von einem Unbekannten vergewaltigt und ermordet wurde.

Teufelszeug hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen, wahrscheinlich auch deswegen, weil er so viele Fantasy-Elemente in die Geschichte mit einbringt und weil einer meiner liebsten Schauspieler in dessen Verfilmung (=Horns) die Hauptrolle als Ig bekommen hat: Daniel Radcliffe. Dass er einen Hang zu gruseligen Filmen hat, weiß man ja schon seit „Die schwarze Frau“. Aber das ist eine andere Geschichte. Abwechselnd und aus verschiedenen Zeitebenen heraus, wird die Geschichte rund um Ig und seine verlorene Liebe erzählt. So bleibt die Spannung trotz über etwas zu langatmig geratenen Stellen aufrecht und auch der schwarze Humor kommt nicht zu kurz. Ich fand es doch schon sehr witzig, als Ignatius Mitmenschen begonnen haben, ihm ihre geheimsten Gelüste und Begierden zu offenbaren. Obwohl nun „Gott bewahre“ nicht dem Horrorgenre entspricht, kommt mir dieses Werk von Niven in den Sinn. Vielleicht weil ich diese Mischung aus schwarzen Humor und Fantasy sehr gut gefällt und meiner Meinung nach, auch sehr gut gelungen ist.

Ein interessantes Detail am Rande ist, dass sich hinter dem Schriftsteller Joe Hill niemand geringeres als Sohn des König des Horrors steckt: Stephen King. Und um sich von einem steten Vergleich abzugrenzen, hat der Sohn anfänglich eben unter diesem Pseudonym geschrieben. Nachdem ich nun selbst noch nichts von Stephen King gelesen habe, kann ich aber auch keine Vergleiche ziehen und grundsätzlich sollte man das ja auch nicht tun. Denn obwohl beide im selben Genre schreiben, hab ich mir sagen lassen, dass beide einen unterschiedlichen Schreibstil pflegen. Joe Hill hat auf alle Fälle meine Aufmerksamkeit erregt und nun bin ich gespannt, was er sonst noch so alles in petto hat. Christmasland liegt auf meinen SuB nun ein Stückchen höher.

Teufelszeug
von Joe Hill
(1)
eBook
8,99

Eine echt foxy Geschichte!

Eine Kundin / Ein Kunde , am 19.05.2016

Heinz ist ein 15 jähriger Junge, der seine Kindheit, bei immerwährenden Sommer, auf einer Alm in den Bergen verbracht hat. Sein ständiger Begleiter ist sein Toy Fennek, ein elektronischer Fuchs, der über einen gewissen Grad an Künstlicher Intelligenz verfügt und noch aus dem Leben vor dem Untergang stammt. Die Welt, so wie Heinz sie nur die ersten paar Lebensjahre gekannt hat, ist eben bis auf dieses kleine Paradies untergegangen. Die Menschen auf der Alm teilen es sich, mit einer Gruppe überlebender Affen. Als jedoch für ein paar Tage der Schutzschirm zusammenbricht, wird den Menschen klar, dass dieses Paradies, ohne Wartung des Schutzschirmes, nicht für ewig gepachtet ist. Die Gruppe Überlebender macht sich auf nach Salzburg, hinaus in die Welt, denn dort soll es Flüchtlingslager geben, dass die Überlebenden in eine Zone bringt, die noch nicht zerstört worden ist.


Dieser Roman, rollt mit einer literarischen Wucht auf einem zu. Wie eine Monsterwelle reißt sie einem mit und lässt einem nicht mehr los. Dabei ist – Die Verteidigung des Paradieses -, gerade am Anfang ein wenig langatmig geraten, wenngleich es von Anfang an sehr ausgezeichnet geschrieben ist. Das Spiel mit den Worten, die glaubhafte und neu entwickelte Umgangssprache, die sich von Steinaecker bedient ist ganz großartig gelungen. Foxy ist so ein Wort. Und Heinz benutzt es gerne. Er ist eben ein foxy Typ. Aus seiner Sicht, wird die Geschichte erzählt und manchmal wirkt der Junge ein wenig einfältig. Allerdings hat er sich es zur Aufgabe gemacht, alles was passiert festzuhalten, außerdem möchte er ein Bewahrer alter Wörter sein.

Schon wieder eine Dystopie? Schon wieder eine fast zerstörte Welt? Am Anfang war ich skeptisch, aber das hat sich schnell geändert. Die Verteidigung des Paradieses ist ein Paradebeispiel, dass dieses komplexe literarische Experiment gut gelungen ist und das, dass Sciencefiction Genre auch in der anspruchsvollen Literatur angekommen ist, und zwar sehr gut angekommen. In einer guten Dystopie, schwing auch immer ein bisschen Gesellschaftskritik mit; Allerdings ist dieser Roman schneller von der Wirklichkeit eingeholt worden, als es dem Schriftsteller liebe war. Die fiktive Welt nach dem Untergang, ähnelt der unsrigen gegenwärtigen Welt doch sehr und geschrieben hat Von Steinaecker, einige Passagen bereits vor drei oder vier Jahren. Angesichts der Fernsehbilder aus den Flüchtlingscamps und derzeitigen politischen Lage, wäre es ihm gar nicht mehr möglich so etwas aufzuschreiben – anmaßend würde er sich dabei vorkommen, wenn nicht gar obszön. (=Seine Worte bei einer seiner Lesungen)

Ich finde aber, dass wir genau aus diesem Grund, dieses Buch brauchen. Genau aus diesen erschütternden und beunruhigenden Gründen, sollte es gelesen werden. Es hallt lange nach dem Lesen noch in einem nach. Es ist ein foxy Buch, zumindest würde es Heinz so sagen, es ist eine Abenteuergeschichte, und zum Schluss bliebt die Frage offen, welches Paradies wir wohl verteidigen würden, wären wir in solch einer Situation. Zumindest ich hab mir ständig diese Frage gestellt. Was wäre wenn?

Die Verteidigung des Paradieses
von Thomas von Steinaecker
(2)
Buch
24,99

Nun, da wären wir

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2016

Helden und Hauptprotagonisten dieser Geschichte sind zweifelsfrei die Wissenschaftler und ihr Bemühen eine gute politische und soziologische Gesellschaft auf dem Mars aufzubauen. 100 von Ihnen landen im Jahr 2026, dem ersten Marsjahr M1, auf dem Planeten und bereits beim Flug dorthin, wird man den verschiedenen politischen und soziologischen Ansichten der Teilnehmer konfrontiert. „Nun, da wären wir“,  sind die ersten Worte am Mars und klingen dann doch ein wenig unbedarft und ironisch. Roter Mars wird aus den Blickwinkeln der ersten 100 erzählt und ist in mehrere Teile unterteilt. Bis auf das erste Kapitel, werden in chronologischer Reihenfolge ca. 35 Jahre abgehandelt. Das hat zur Folge, dass der Schriftsteller auf gewisse Details keinen Wert legen kann oder darf und diese deswegen sehr schnell abhandelt. Manche mögen sich nun daran stören, mir hat es aber gut gefallen. Auf knapp 700 Seiten würden sich mehrere Details rein rechnerisch schon nicht ausgehen. Das erste Kapitel ist zeitgleich der Höhepunkt der eigentlichen Erzählung und wie bei der Fernsehserie Columbo erfährt der Leser gleich zu Beginn, wer Mörder und wer Opfer in einem Komplott sein wird, allerdings erst mit Fortschreiten der eigentlichen Geschichte, erfährt man mehr über das Weshalb und das Warum.

Die New Yorker titelte einmal, dass Kim Stanley Robinson der größte lebende Sciencefiction Schriftsteller der Welt sei und dem kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen. Roter Mars ist der Auftakt zu einer wirklich großartigen Trilogie(es folgen grüner Mars und blauer Mars; Alle drei wurden mit einigen Preisen und Auszeichnungen, u.a. mit dem Nebula und dem Hugo Award, gewürdigt). Als Jugendlicher hatte ich seine wohl bekanntesten Romane bereits gelesen. Es ist tatsächlich etliche Jahre her und deswegen freut es mich, dass der Heyne Verlag diese nun neu überarbeitet und wiederveröffentlicht hat. Dabei unterhält gute Sciencefiction Literatur nicht nur, sondern sie stellt sich auch den großen Fragen unserer Zeit, und gibt uns eine mögliche Antwort auf viele menschengemachten Probleme. Die Politik ist dem Sciencefiction Genre inhärent und ist dadurch mal mehr, mal weniger durchzogen von jenem Thema und Kim Stanley Robinson weiß jenes auszureizen. Aber noch etwas fällt auf: die eigentlichen politischen Themen haben sich seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts nur wenig geändert. Umweltverschmutzung, schwindende Ressourcen und Revolten sind auch heute noch immer globale Themen der Politik. Wer nun noch nicht genug von der Mars-Trilogie hat, dem empfehle ich „Der Marsianer“ von Andy Weir, der sich wie eine Mischung aus Robinson Crusoe und McGyver liest.

Roter Mars
von Kim Stanley Robinson
(2)
Buch
14,99

Cty of the Night

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2016

Nacht in der Stadt ist der Debütroman des amerikanischen Schriftstellers John Rechy. Soweit man anderen Rezensionen und Buchbesprechungen glauben schenken darf, sind seine Werke geprägt von seiner mexikanischen Abstammung und behandeln immer wieder das Thema der historischen und kulturellen und gegenseitigen Beeinflussung, der verschiedenen Staaten und Länder Amerikas. Letzteres kann ich (noch) nicht beurteilen, denn - Nacht in der Stadt - ist der erste Roman den ich von Rechy gelesen habe, und in diesem Roman streift er die oben genannte Thematik nur am Rande. Vielmehr handelt es von einem Protagonisten und der promiskuitiven Halbwelt in der er sich bewegt. New York ist eine seiner ersten Stationen und in den 60er Jahren, in der dieser Roman spielt, entstand dort, trotz der Verfolgung durch die Polizei und die moralische Verurteilung der Gesellschaft, eine homosexuelle Subkultur, die in der Blütezeit mehr als 40 schwule Bars und Lokale umfasste. Hier trifft der namenlosen Hauptprotagonist, der aus einer zerrütteten Familie und von einem gewalttätigen und furchteinflössenden Vater flüchtet, auf seinen ersten Freier und dort verdingt er sein Leben als Stricher. Er bleibt nicht lange in dieser Großstadt, schon bald zieht es ihn weiter. Auf seiner Reise durch die Großstädte der USA erschließt sich ihm immer mehr die Parallelgesellschaft der Homosexuellen, die sich die Parks, Straßen und einschlägigen Bars des Nachts treffen und ihrer Lust frönen.

John Rechy hat mit „Nacht in der Stadt“, wenn ich es ein wenig salopp ausdrücken darf, einen schwulen Klassiker geschrieben, der seine Daseinsberechtigung sehr wohl auch knapp 55 Jahren nach seiner Erstveröffentlichung hat. Die gelebte und gefeierte Subkultur der Homosexuellen Community mag zwar politisch in der Mitte angekommen sein, wird aber in ihren verschiedenen Ausrichtungen noch immer von außerhalb und auch innerhalb, immer wieder torpediert und mit Vorurteilen überhäuft. Ja, auch Homosexuelle Menschen hegen gegenüber anderen Homosexuellen ihre Vorurteile, was anfangs ein wenig lächerlich und abstrus anhört, wird zur unweigerlichen Tatsache, wenn man Rechys Roman aufmerksam verfolgt und gelesen hat. Der namenlose Protagonist, aus dessen Sicht erzählt wird, ist eigentlich nicht sehr sympathisch – er ist ein kalter, ruheloser junger Mann, unfähig Liebe und Zuneigung zu zeigen, dafür aber sehr wohl seinen Lebensunterhalt als Stricher verdingt, und die Aufmerksamkeit seiner Freier sehr wohl genießt. Die Erzählweise ist keineswegs hervorstechend, liest sich aber relativ flüssig und bedient sich einer gewissen Leichtigkeit. Dabei kann der Roman sehr wohl auch biografisch gelesen werden, schließlich wurde Rechy selbst in den 60-70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein paar Mal wegen Prostitution festgenommen. Nacht in der Stadt ist der einzige Roman der derzeit von John Rechy auf Deutsch erhältlich ist, was mich aber nicht abhalten wird, mehr von ihm zu lesen.

Nacht in der Stadt
von John Rechy
(1)
Buch
12,95

Magischer Roadtrip

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Shadow hat im Gefängnis gelernt den Kopf unten zu halten und nicht anzuecken. Er ist jedem Ärger aus dem Weg gegangen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb er nur die Hälfte seiner Haftzeit absitzen musste. Eigentlich freut er sich auf zu Hause und auf seine Freundin Laura, doch kurz vor seiner Entlassung kommt sie bei einem Autounfall ums Leben. Nichtsdestotrotz tritt er seine Reise nach Hause an und begegnet dabei einen mysteriösen Fremden, der sich selbst Mr. Wednesday nennt. Er macht Shadow ein lukratives Jobangebot. Er soll ihm auf einer Reise quer durch Amerika begleiten. Auf diesen eigenartigen Roadtrip begegnet er nichtmenschlichen Geschöpfen und mit der Zeit kristallisiert sich heraus, was Wednesday eigentlich im Schilde führt.

American Gods ist 2003 das erste Mal auf Deutsch erschienen und auch auf Englisch gibt es zumindest mehrere verschiedene erhältliche Ausgaben. Die insgesamt drei Vorworte haben mich ein bisschen stutzig gemacht. Aber sind im Grunde eine witzige Idee, vor allem weil man viele Hintergrundinformationen zur Geschichte und zum Autor selbst erfährt. Wenn man nun dem genialen Schriftsteller Neil Gaiman Glauben schenken darf, ist diese Ausgabe nicht nur die längste, sonder auch seine liebste. American Gods ist der zweite Roman den ich von Gaiman gelesen habe, wenn man die Sandmancomics nicht miteinbezieht, und mittlerweile ist er zu einen meiner liebsten Schriftstellern avanciert, dessen Werke nun einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal bekommen. Ich habe mir sogar Stardust – Der Sternenwanderer angesehen und ja, ich kleiner Revoluzzer, hab den Roman noch nicht gelesen, was ich aber bestimmt noch nachholen werde. Aber zurück zu American Gods:

In diesem Roman verwebt Gaiman einen Roadtrip quer durch die amerikanischen Staaten, mit einer Schar mythologischer und übernatürlicher Wesen, die unerkannt bei den Menschen leben. Wie auch schon in anderen seiner Werke, sind die drei weisen Frauen, bzw. die drei Hexen ein wiederkehrendes Thema, dass sich auch hier wiederfindet. Allerdings muss der geneigte Leser ein wenig Geduld üben, denn erst gegen Ende der Geschichte tauchen sie auf und bekommen sogleich eine tragende Rolle. Außerdem erzählt er, genauso wie im „Den Ozean am Ende der Straße“, in dieser Erzählung nicht alles zu Ende. Manche Dinge scheinen logisch zu sein und wenn man das eine oder andere Detail beachtet, führt er einem schon in die richtige Richtung. Manche Begebenheiten spinne ich selber weiter und spukten daher auch lange nach dem Lesen, noch in meinen Gedanken herum. Für den einen oder anderen Nebencharakter hätte ich mir allerdings schon mehr Platz und Raum in der Geschichte gewünscht, bzw. man hätte aus den vielen Nebengeschichten schon einige eigene Romane füllen können. Jedem der fantastischen Geschichten etwas abgewinnen kann, kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen.

American Gods
von Neil Gaiman
(1)
Buch
14,00

 
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