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Eine Kundin / Ein Kunde Unsere Top-Bewerter

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Neil Gaiman, Michael Cunningham, Amber Dermont, Joey Goebel, Kevin Hearne, Ruth Ozeki Jane Austen, Haruki Murakami, Johanna Sinisalo, DBC Pierre, Chris Adrian, Floortje Zwigtman, Patrick Spät und viele, viele mehr :-)

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Magischer Roadtrip

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Shadow hat im Gefängnis gelernt den Kopf unten zu halten und nicht anzuecken. Er ist jedem Ärger aus dem Weg gegangen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb er nur die Hälfte seiner Haftzeit absitzen musste. Eigentlich freut er sich auf zu Hause und auf seine Freundin Laura, doch kurz vor seiner Entlassung kommt sie bei einem Autounfall ums Leben. Nichtsdestotrotz tritt er seine Reise nach Hause an und begegnet dabei einen mysteriösen Fremden, der sich selbst Mr. Wednesday nennt. Er macht Shadow ein lukratives Jobangebot. Er soll ihm auf einer Reise quer durch Amerika begleiten. Auf diesen eigenartigen Roadtrip begegnet er nichtmenschlichen Geschöpfen und mit der Zeit kristallisiert sich heraus, was Wednesday eigentlich im Schilde führt.

American Gods ist 2003 das erste Mal auf Deutsch erschienen und auch auf Englisch gibt es zumindest mehrere verschiedene erhältliche Ausgaben. Die insgesamt drei Vorworte haben mich ein bisschen stutzig gemacht. Aber sind im Grunde eine witzige Idee, vor allem weil man viele Hintergrundinformationen zur Geschichte und zum Autor selbst erfährt. Wenn man nun dem genialen Schriftsteller Neil Gaiman Glauben schenken darf, ist diese Ausgabe nicht nur die längste, sonder auch seine liebste. American Gods ist der zweite Roman den ich von Gaiman gelesen habe, wenn man die Sandmancomics nicht miteinbezieht, und mittlerweile ist er zu einen meiner liebsten Schriftstellern avanciert, dessen Werke nun einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal bekommen. Ich habe mir sogar Stardust – Der Sternenwanderer angesehen und ja, ich kleiner Revoluzzer, hab den Roman noch nicht gelesen, was ich aber bestimmt noch nachholen werde. Aber zurück zu American Gods:

In diesem Roman verwebt Gaiman einen Roadtrip quer durch die amerikanischen Staaten, mit einer Schar mythologischer und übernatürlicher Wesen, die unerkannt bei den Menschen leben. Wie auch schon in anderen seiner Werke, sind die drei weisen Frauen, bzw. die drei Hexen ein wiederkehrendes Thema, dass sich auch hier wiederfindet. Allerdings muss der geneigte Leser ein wenig Geduld üben, denn erst gegen Ende der Geschichte tauchen sie auf und bekommen sogleich eine tragende Rolle. Außerdem erzählt er, genauso wie im „Den Ozean am Ende der Straße“, in dieser Erzählung nicht alles zu Ende. Manche Dinge scheinen logisch zu sein und wenn man das eine oder andere Detail beachtet, führt er einem schon in die richtige Richtung. Manche Begebenheiten spinne ich selber weiter und spukten daher auch lange nach dem Lesen, noch in meinen Gedanken herum. Für den einen oder anderen Nebencharakter hätte ich mir allerdings schon mehr Platz und Raum in der Geschichte gewünscht, bzw. man hätte aus den vielen Nebengeschichten schon einige eigene Romane füllen können. Jedem der fantastischen Geschichten etwas abgewinnen kann, kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen.

American Gods
von Neil Gaiman
1
Buch 14,00

Baba Dunja

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Baba Dunja ist – wie ein paar andere Alte – in ihr Häuschen zurückgekehrt: Als pensionierte Hilfskrankenschwester hätte sie sich in der Stadt gar keine Mietwohnung leisten können. Das ihr Haus in der radioaktiv-verstrahlten Zone rund um Tschernobyl liegt, kümmert sie eigentlich gar nicht. Nur überfordern darf man Dunja nicht, schließlich ist sie auch keine 82 mehr.

Aus der Ich-Perspektive erzählt Alina Bronsky, in einfachen und ruhigen Sätzen, die Geschichte einer in die Todeszone rund um Tschernobyl Zurückgekehrten. Zwei Dinge treten deutlich hervor: Einerseits die liebevolle Beschreibungen der Charaktere und die wirklich wunderbar gelungene Erzählung, die manchmal auch ein wenig poetisch wirkt. Baba Dunja erinnert mich da ganz stark an meine eigene Baba. Leider viel zu kurz ist die gelungene Erzählung geworden, viel zu schnell hab ich die traurige und auch oft sehr skurrile Geschichte durchgelesen. Und ja eine ganz wichtige Botschaft hat sie auch: Nicht immer Angst haben, sondern auch einfach mal leben(=Auch wenn die äußeren Umstände oft ganz prekär und tödlich sind). Baba Dunja war nominiert für den deutschen Buchpreis 2015 und ist mein erster Roman von Alina Bronsky, aber bestimmt nicht mein letzter.

Baba Dunjas letzte Liebe
von Alina Bronsky
29
Buch 16,00

Geister, Friedhof und Vampire

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Nächtens ermordet ein Mann eine ganze Familie. Nur das jüngste Kind kann fliehen und flüchtet zum Friedhof. Hier gehen gute Geister um, die dem kleinen Jungen helfen. Der Junge wird Nobody Owens (=was für ein herrliches Wortspiel) getauft und zu seinem eigenen Schutz wird ihm verboten den Friedhof zu verlassen. Die Häscher seiner Familie sind aber noch immer da draußen und seine Freunde vom Friedhof, nicht nur Geister sondern auch andere übernatürliche Wesen gehören von nun an dazu, bereiten ihn auf das da draußen gut vor.

Eines vorweg: Ich bin, was die Werke von Neil Gaiman angeht, ein Spätzünder, ein Fan der zweiten Stunde. Aber es gibt kaum ein von ihm geschaffenes Werk, dass mich nicht sofort in den Bann gezogen hätte und von dem ich nicht fasziniert gewesen wäre. Manche Romane besitze ich sogar in mehreren Ausführungen. Manche in englisch, manche als eBook, und manche, weil es die jeweilige Ausgabe ist, die dem Romancier selbst sehr gut gefallen haben. (American Gods, z.B.) Ich bin jetzt nicht gerade der Comic- oder Graphik Novel Fan, aber nachdem Gaimans Werke einen besonderen Status in meinem Bücherregal genießen, kommen oben genannte natürlich in meine Sammlung dazu. Das Graveyard Buch hab ich bereits in Romanform als eBook gelesen, hat u.a. mehrere Auszeichnungen bekommen, den Hugo Award und die Carnegie Medal, und nachdem ich nun gesehen habe, dass der Eichborn Verlag dieses Werk als Graphic Novel herausgegeben hat, konnte ich gar nicht anders und hab sofort zugeschlagen. Was soll ich großartig um den heißen Brei herumreden: Mir hat es sehr gut gefallen! Wie oben bereits erwähnt gibt es dieses Werk in verschiedenen Ausgaben, als Comic-Reihe, als Jugendroman und eben nun in dieser zuletzt erschienenen Graphic Novel. Es beruht auf der Comic-Reihe, die von sieben unterschiedlichen Illustratoren stammt und das ist meinem geübten Auge sofort aufgefallen. Bei manchen sticht der Unterschied deutlich hervor, bei anderen weniger. Dabei haben aber alle eines gemeinsam: Sie sind sehr detailverliebt und durchgehend farbig.

Die Erzählung an sich ist eine Hommage an das Dschungelbuch von Kipling, soweit man einer Buchbesprechung im Internet glauben schenken darf. Ich muss gestehen, dass der genannte Kinderbuchklassiker, bisher an mir vorüber gegangen ist. Dieser Umstand wird aber demnächst geändert. Kurzweilig und Fantasievoll ist – Das Graveyard Buch – aber allemal. Wer jetzt noch nicht Blut geleckt hat und sich noch immer nicht sicher ist, was er von Gaiman lesen soll, dem kann ich im Besonderen – American Gods Directors Cut – und – Der Ozean am Ende der Straße – empfehlen. Letzteres wurde mir vom Meister Neil Gaiman persönlich signiert und hat nun einen besonderen Platz in meinem Bücherregal bekommen.

Das Graveyard-Buch
von Neil Gaiman
1
Buch 29,99

Wenn der Mond zerbricht

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

„Der Mond explodierte ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund.“ ist der erste Satz in diesem wirklich sehr einzigartigen Werk von Neal Stephenson. Er zerbricht in sieben Gesteinsbrocken, die alle an Ort und Stelle verblieben und der Menschheit einen faszinierenden Anblick bieten. Dabei wird allerhand gerätselt, was denn nun die Ursache gewesen ist: von Aliens und von einem winzigen schwarzen Loch ist die Rede, was allerdings die Ursache war, bleibt im Dunkeln. Als ein Brocken des Mondes, genannt die Kidneybohne, durch das kollidieren mit einem anderen Brocken in zwei weitere Gesteinsbrocken zerbricht, macht sich die Wissenschaftler keine Gedanken mehr was passiert war, sondern was noch passieren wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, da die einzelnen Mondteile nun weiter exponentiell kollidieren und zerbrechen, und so einen Meteoritenschauer auslösen, der das Leben auf der Erde auslöschen würde.

Mit großem Interesse habe ich Neal Stephensons – Amalthea – gelesen und gleich mal vorweg, kann ich ein großes Lob an den Manhattan Verlag aussprechen, denn anders als der englische Originaltitel – Seveneves –, spoilert der deutsche Titel so gut wie gar keine Details aus der Erzählung. Der englische Titel bezieht sich zumindest auf zwei verschiedene Ereignisse. Allerdings will ich hier nicht zu sehr vorgreifen und den Leser selber diese Dinge entdecken lassen. Apropos Spoilern: Hier ist die Leserschaft ist oft sehr zwiegespalten. Den einen stört es kein bisschen wenn gespoilert wird, den anderen stößt so mancher Klappentext sauer auf. Meistens versuche ich es zu vermeiden den Klappentext zu lesen und bei – Amalthea – ist es mir nun nicht gelungen. Zum Glück war die Geschichte rund um den zerstörten Mond so spannend, dass es mir auch nur sehr wenig ausgemacht hat, dass der Klappentext, meinem Geschmack nach, zu viel verraten hat. Dabei ist es wahrscheinlich gar nicht so einfach, einen rechten Mittelweg zu finden. Einerseits soll man nicht zu viel von der Story erzählen und andererseits sollte man die Leserschaft trotzdem auf den Roman neugierig zu machen.

Amalthea ist ein Mammutwerk, dass über eintausend Seiten lang ist, und bestimmt ein zukünftiger klassischer Sciencefictionroman ist. Ich wäre nicht erstaunt, würde nicht eine findiger Hollywood-Regisseur auf dieses Werk aufmerksam und es verfilmen. Eine Kinokarte hättet ihr nun schon mal fix verkauft liebe Filmemacher. Die eintausend Seiten sind in drei Teile unterteilt, wobei der letztere 5000 Jahre in der Zukunft spielt und daher auch immer wieder kurze Ausblicke auf die vergangenen Jahrtausende wirft, wo es eben sich in die Geschichte gut einfügt. Im Vordergrund stehen dabei die Ereignisse rund um die lunare Katastrophe und verschiedenen Wissenschaftlern, die versuchen die Menschheit zu retten. Politisch wird die Geschichte auch an mehreren Punkten, allerdings fügt sich dieses Element der Erzählung harmonisch ein und ist nicht zu vordergründig, wie vergleichsweise in – Roter Mars – von Kim Stanley Robinson. Wobei dieser Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe auch sehr zu empfehlen ist. Amalthea ist mein erster Roman von Neal Stephenson, der nicht zuletzt wegen seiner bisher erschienen Romane, als einer der größten amerikanischen Gegenwartsliteraten gehandelt wird. Nun bin ich auf ihn nun aufmerksam geworden und bin zuversichtlich, dass ein oder zwei weitere seiner Romane, den Weg in mein Bücherregal finden werden.

Amalthea
von Neal Stephenson
1
Buch 29,99

Ein Fest fürs Leben

Eine Kundin / Ein Kunde , am 11.04.2016

In Paris – Ein Fest fürs Leben – wird das Paris der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts lebendig und Hemingway präsentiert sehr biographisch gefärbt eine Stadt der Liebe, eine Stadt des Savoir-vivre aber auch eine Stadt der Literatur. Gehörten doch die Fitzgeralds und Gertrude Stein zu seinem damaligen Freundeskreis.

„Es ist sehr wichtig, Paris – Ein Fest fürs Leben“ von Heingway mehrmals zu lesen, denn wir sind eine sehr alte Zivilisation und wir tragen unsere Werte sehr stolz“, sagte eine Frau kurz nach den Terroranschlägen von Paris in einem TV-Beitrag und plötzlich war es eines der meistverkauften Büchern und landete sogar auf Platz 1 der französischen Bestsellerlisten. Daher wird es Zeit, den modernen amerikanischen Schriftsteller Ernst Hemingway und sein posthum erschienenes Werk näher zu betrachten und auch es auch selbst wieder zu lesen.

Frisch verheiratet kamen die Hemingways 1921 nach Paris um dort auch einige Zeit zu leben und zu wohnen. Das Leben war günstig und so verwunderte es nicht, dass einige große Literaten und Künstler, ebenfalls Paris als Wohnort auserkoren hatten. Die Fitzgeralds gingen bei Gertrude Stein genauso ein und aus, wie es auch Pablo Picasso machte. Hemingway lässt ein idyllisches Paris wiederauferstehen, eines indem Angler an der Seine ihr Glück versuchten und ein Ziegenhirte seine Herde durch die Straßen treibt. Sicherlich, heute wäre es unwahrscheinlich, aber egal ob man nun in Paris ist oder aus der Ferne daran denkt, die Zwanzigerjahre lässt er einem vor dem geistigen Auge erblühen und man wünscht sich nichts sehnlicher, als auch mit ihm und den Fitzgeralds die Nacht zum Tage zu machen.

Einige Themen und Dinge klammert Hemingway bewusst oder unbewusst aus, das sollte man einfach so akzeptieren, und es eben dem Schriftsteller überlassen, was er und wie viel er von sich persönlich erzählen möchte. Ihm das nun vorzuwerfen wäre meiner Meinung nach schon ein wenig verwerflich. Interessant wird der Roman allerdings noch ein bisschen mehr, wenn man sich auch ein paar Hintergrundinfos zu Hemingway und Paris macht. Manche Dinge würde man überlesen, und manche Dinge betrachtet man nach der Lektüre dieses Werkes, bestimmt mit anderen Augen. Ein richtiges Ende hat Paris – Ein Fest fürs Leben – nicht, dafür aber einige Fragmente und einen Anhang vom Enkel des Autors Seán Hemingway, der diese in der Urfassung 1964 erschienen, im Rowohlt-Verlag neu verlegt hat. Es mag jetzt 4 oder 5 Jahre her sein, dass ich diesen Roman das erste Mal gelesen habe und der resoluten Frau aus dem Fernsehinterview kann ich jetzt, wo ich es zum zweiten Mal gelesen habe, absolut recht geben. Der Nobelpreisträger Ernest Hemingway gehört gelesen.

Paris, ein Fest fürs Leben
von Ernest Hemingway
1
eBook 9,99

Chapeau, Chapeau Herr Wells!

Eine Kundin / Ein Kunde , am 11.04.2016

~Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.~ So beginnt der neue Roman von Benedict Wells und aus Jules Sicht, aus dessen Mund wir diese erdrückende Erkenntnis hören, wird diese Geschichte erzählt. Er hatte einen sehr trostlosen Start ins Leben, denn sehr früh kommen seine Eltern durch einen tragischen Unfall ums Leben. Die Geschwister kommen in ein Internat, wo sie hauptsächlich getrennt voneinander unterrichtet werden und auch getrennt voneinander aufwachsen.

Benedict Wells beginnt seine Geschichte sehr subtil. Jules liegt nach einem Motorradunfall im Krankenhaus und lässt sein Leben Revue passieren. Dabei geht er nicht immer ganz chronologisch vor, aber ganz zum Schluss findet sich der Leser wieder ganz am Anfang der Geschichte, nämlich im Krankenhaus. Und plötzlich macht der erste Satz des Romans soviel mehr Sinn, als man es zu Beginn erwartet hätte. Die Spannung steigert sich Seite für Seite, genauso wie die Charaktere, die ich am Anfang ein wenig farblos in Erinnerung hatte, die an Intensität zunehmen und damit auch die Emotionen sich vervielfachen. Was mir auch soviel Spaß und Freude beim Lesen bereitet hat, waren die feinen Nuancen und die Detailgenauigkeit, mit der Wells die Geschichte erzählt. In etwa wenn er Alva, eine weiterer Hauptcharakter, sich wünschen lässt, nur eine Person in einer Geschichte zu sein. Sie will aus ihrer Realität fliehen, wobei man als Leser ihr zurufen möchte: He, du bist doch eine Person in der Geschichte. Alva nennt Jules, an einer anderen Stelle im Roman, einen Erinnerer und Bewahrer, und ich möchte behaupten, dass es keine bessere Bezeichnung für einen Schriftsteller, wie Benedict Wells, gibt. Für mich ist er einer der besten Erinnerer und Bewahrer: Chapeau, Chapeau, Herr Benedict Wells! Wer nun ~Becks letzter Sommer~ noch nicht gelesen hat, sollte es spätestens jetzt schleunigst nachholen, es könnte allerdings sein, dass ihr genauso ein glühender Anhänger von Benedict Wells werdet, wie ich einer bin.

Vom Ende der Einsamkeit
von Benedict Wells
24
Buch 22,00

Ich, der Roboter

Eine Kundin / Ein Kunde , am 11.04.2016

Im Jahr 2058 gibt die pensionierte Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin einer Zeitung, zu ihrem 75. Geburtstag, der zeitgleich auch das 75 jährige bestehen der Firma U.S. Robot Company ist ein Interview. Dort war sie fünfzig Jahre lang beschäftigt und gibt Einblicke in ihre Tätigkeit in dieser Firma.

Ich, der Roboter ist eigentlich eine Kurzgeschichtensammlung, deren Rahmenhandlung das Interview mit der Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin ist, und sich immer wieder mit den 4 Grundregeln der Robotik auseinandersetzt, die im Näheren ganz am Anfang dieses Romans vorgestellt werden. Die aus diesen Gesetzen resultierenden Probleme zwischen Mensch und Roboter, werden dargestellt und behandelt. Der geneigte Kenner der klassischen und zeitgenössischen Sciencefiction wird mit diesen Gesetzen vertraut sein. Kurz umrissen umfassen sie Verhaltensregeln für KI's (Künstliche Intelligenz), die zuerst dem Schutz der Menschheit und dann dem persönlichen Schutz der Roboter unterstellt sind.

Diese und einzelne andere Motive und Charaktere finden sich auch in dem Film - I, Robot - wieder, der mit Will Smith in der Hauptrolle verfilmt wurde. Allerdings behandelt der Film eine gänzlich andere Geschichte, auch wenn das eine oder andere Detail dem Roman entnommen worden ist. Ich, der Roboter - wirkt ein wenig antiquiert und hölzern, der geneigte Leser darf nicht vergessen, dass jener im Jahr 1950 bereits das erste Mal veröffentlicht worden ist. Umso mehr freut es mich, dass der Heyne Verlag diesen Klassiker auf Deutsch wieder aufgelegt hat. Apropos Detail: Im Buch war immer wieder die Rede vom positronischen Gehirn der Roboter, und das hat mich als Trekkie in spe, ein wenig stutzig gemacht, hat doch der Android Delta, aus der Serie Star Trek – The next Generation, ebenfalls ein positronisches Gehirn. Nach kurzer Recherche wusste ich dann Bescheid, dass der Schriftsteller Isaac Asimov als Berater am Set gedient hat, und dieser Begriff, der reine Erfindung ist und eigentlich keinerlei Bedeutung hat, übernommen worden ist. Ich sehe mich ein wenig als Verfechter des Sciencefiction Genres, das neben der Literatur und der Belletristik, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, der breiten Masse zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es gibt eben dort wie da, ein abwechslungsreiches Programm, dass die Vielzahl der Schriftsteller schön bunt hält: Es gibt für jeden etwas zu entdecken und zu mögen. Isaac Asimov gehört daher für mich zu einem jener Schriftsteller der klassischen Sciencefiction, die man gelesen haben muss.

Ich, der Roboter
von Isaac Asimov
1
eBook 7,99

Moderne Hexenjagd auf texanisch

Eine Kundin / Ein Kunde , am 11.04.2016

Der Hauptprotagonist – Vernon (God) Little – zeitgleich auch der Titel der englischen Originalausgabe, ist umgangssprachlich ausgedrückt im Arsch. Sein bester Freund, Jesus Navarro, hat gerade 16 Klassenkameraden und danach sich selbst erschossen und Vernon ist der einzige der davon gekommen ist. Von Anfang an wird er der Mittäterschaft beschuldigt und kann sich kaum gegen die ständigen Anfeindungen aus der Gesellschaft und seinem Umfeld erwehren. Er flüchtet aus der Polizeidienststelle nach Hause und eine unerbittliche Hexenjagd beginnt.

Jesus von Texas ist mein zweiter Roman von DBC Pierre den ich gelesen habe und es ist zeitgleich auch sein Debütroman, mit dem er auch im Jahr 2003 den Manbookerprize gewonnen hat. Der Schriftsteller, der eigentlich Peter Warren Finley heißt, und dessen ersten drei Buchstaben seines Pseudonyms (DBC) für – dirty but clean – steht, zeigt uns in diesem Roman die Absurdität einer ungerechten Welt auf, und laut einem Interview, man mag es kaum glauben, hat er die Geschichte in nur fünf Wochen fertig geschrieben. Der erste Roman, den ich von ihm gelesen habe ist – Das Buch Gabriel-, oder - Licht aus im Wunderhaus -, je nachdem welche Ausgabe man vor sich hat. Die gebundene Variante ist im Eichborn Verlag erschienen, das Taschenbuch im Aufbauverlag und beide haben unterschiedliche Titel. Letzteres hält sich an den englischen Originaltitel und hat bei der Leserschaft, die dem Schriftsteller sehr angetan sind, für Verwirrung gesorgt. Im schlimmsten Fall, so wie bei mir, hab ich nun diesen Roman doppelt zu Hause, weil ich davon ausgegangen bin, unterschiedliche Romane von DBC Pierre zu haben. Aber bevor ich zu sehr abschweife, zurück zum eigentlichen Thema: Der Rezension von – Jesus von Texas:

Die Geschichte spielt, wie der deutsche Titel bereits verrät, in Texas und hierzulande wird man wahrscheinlich zuerst an reiche Ölmagnaten und an einem bestimmten Gouverneur denken, der später einmal Präsident der Vereinigten Staaten wurde, und weniger an Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben und deren einziger scheinbarer Lebensmittelpunkt Gier, Missgunst und Neid ist. Der als wütende Satire gehandelte Roman verliert durch die Übersetzung ins Deutsche, leider in den Dialogen an Esprit und eben an Humor. Sprache als Indikator – in der Übersetzung leider verloren gegangen, man kann es aber trotzdem erahnen welch außergewöhnliche Sprachbegabung der Schriftsteller hat. Wenn möglich sollte man diese Geschichte in der Originalsprache lesen. Trotz der Kritik, ziehe ich den Hut vor jenen Menschen die den Beruf als Übersetzer nachgehen. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht gerade einfach ist, den texanischen Slang, diese typische Umgangssprache, in ein rundes Deutsch zu übersetzten.

Man fiebert nun mit Vernon mit, ist von seiner Unschuld genauso überzeugt wie auch von seiner Naivität. Dabei wird er immer wieder mit der oben bereits genannten Ungerechtigkeit konfrontiert und muss, als Teil seines Erwachsenwerdens, eben lernen damit klarzukommen. Gerade im englischen werden „Coming of Age Romane“ gerne mit einem bestimmten Buch verglichen. Mir fällt es schwer mit nun ebenfalls einen Vergleich zu ziehen, und eigentlich mag ich es gar nicht erwähnen, denn ich hab zwar – Der Fänger im Roggen – gelesen, aber nicht für so sonderlich interessant befunden und schneidet für mich eher mittelmäßig ab. Auch wenn ich erst zwei Romane von dem wirklich genialen Schriftsteller gelesen habe, finde ich seinen Stil sehr gut, er hält den Leser bei Stange und treibt einem gekonnt zu einem Höhepunkt und dem Ende zu. Die Gesellschaftskritik und der Hang Underdogs, als Hauptprotagonisten einzusetzen, gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Was mir zudem imponiert hat war, dass ein Bühnenstück von Vernon God Little produziert wurde und die Filmrechte von Regisseur Bernd Eichinger gekauft worden sind. Laut Zeitungsberichten, soll seine Witwe Katja Hofmann mit niemand geringerem als Werner Herzog nun den Film produzieren. Wer nun noch nichts von DBC Pierre gelesen hat, dem kann ich seinen Debütroman wärmstens empfehlen, spätestens wenn er im Kino zu sehen ist, sollte man aber ihn gelesen haben.

Jesus von Texas
von DBC Pierre
1
eBook 6,99

Menschen im Hotel

Eine Kundin / Ein Kunde , am 11.04.2016

Erneste hat es in seinem Beruf zur Perfektion gebracht. Er arbeitet in einem Grandhotel in den schweizerischen Bergen und ist durch und durch ein perfekter Kellner. Er hat sein Leben ganz dem (Be)Dienen verschrieben und es verschafft ihm eine tiefe Zufriedenheit in seinem Leben, und das obwohl er mit seiner Familie, bis auf einer Cousine, gar keinen Kontakt pflegt und er damit sehr unbekümmert umgeht. Diese fragile Balance gerät aus den Fugen, als er eines Tages einen Brief bekommt. Vergrabene Gefühle und Erinnerungen an den ehemaligen Kollegen Jakob treten hervor und lassen den perfekten Kellner, dass erste Mal schwanken.

Erst vor kurzem hab ich von Alain Claude Sulzer – Ein perfekter Kellner – entdeckt und sofort hab ich mich in diese Geschichte, wenn man es mir erlauben mag, verliebt. Es ist eine Geschichte die in einem Grandhotel der 30er und 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts spielt und an solchen Geschichten, finde ich immer wieder großen Gefallen. Wahrscheinlich, weil es meist tragischer Natur sind und weil das Hotel der Kreuzungspunkt vieler verschiedener Menschen, aus allen möglichen sozialen Gesellschaftsschichten beherbergt. Die einen die dort für ein paar Tage, Wochen oder wie es früher üblich war, auch für eine paar Monate auf Urlaub sind, und auf der anderen Seite die arbeitenden und dienenden Menschen. Auf Anhieb fällt mir da sofort Vicki Baums Menschen im Hotel ein, deren Titel ihres bekanntesten Romans, ich mir auch für diese Rezension geliehen hab. Als besonderen Tipp kann ich auch den Ende April 2016, im Diogenes Verlag erscheinenden Roman – Verlockung – von János Székely empfehlen. Eine nicht minder melodramatische, vielleicht noch umfangreichere biographische Geschichte eines jungen Ungarn, der in einem Hotel sein Glück versucht. Aber bevor ich hier abschweife, zurück zum eigentlichen Thema: Ein perfekter Kellner.

Was sofort ins Auge sticht, ist die etwas in Szene gesetzte, altmodische und geschliffene Sprache, man fühlt sich sofort in eine ganz elegantere Zeit zurückversetzt, indem ein falsches Wort oder eine falsche Geste eines Kellners,eine mögliche Kündigung nach sich ziehen könnte, oder zumindest eine vermehrte Beobachtung des Hoteldirektors bedeuten könnte. Beides wahrscheinlich gleich schlimm. Alain Claude Sulzer erzählt in diesem Kleinod der Belletristik völlig schnörkellos die Geschichte des Monsieur Erneste und seiner ersten großen Liebe. Darin liegt eindeutig auch ein weiteres stilistische Element der Erzählung, die mir in diesem Buch aufgefallen ist. Man möchte meinen, dass es keineswegs schwierig ist, eine Liebesgeschichte zu erzählen. In Anbetracht der vielen, bereits erzählten und gelesenen, literarischen Liebesgeschichten möchte man meinen, dass jene zu erzählen nichts Besonderes ist und doch schafft es Alain Claude Sulzer genau jene Liebesgeschichte und den Charakteren soviel Glaubwürdigkeit zu verleihen, dass man meint, Letztere sehr gut zu kennen. Die Geschichte wechselt immer wieder zwischen der 30er und den 60er Jahren hin und her, ganz so wie auch Erneste seinen Erinnerungen nachhängt. Seite für Seite entspinnt sich die Szenerie, das Damals und die Gegenwart der Geschichte, wie ein Puzzle wird der komplizierte und psychologisch einwandfrei inszenierte Roman zusammengesetzt. Ein perfekter Kellner lädt zum Immerwiederlesen ein, und immer wieder wird man neues darin finden.

Ein perfekter Kellner
von Alain Claude Sulzer
1
Buch 8,99

Daruh Khaneh Kojast!

Eine Kundin / Ein Kunde , am 10.04.2016

Im Prag der Zwischenkriegszeit hat der Rabbinersohn Mosche Goldenhirsch, verbotenerweise, eine Vorstellung des Zauberzirkus angesehen. Fasziniert von der Welt der Magie, verlässt er seinen Vater und seine Heimatstadt Prag, um sich den Zirkus anzuschließen. Viele Jahrzente später, im Jahr 2007, erfährt Max Cohen kurz vor seinem elften Geburtstag, dass sich seine Eltern scheiden lassen würden. Er hatte bereits etwas geahnt, denn ein Schulkollege hatte ihm vor bestimmten Vorzeichen gewarnt.

In dieser Geschichte werden zwei verschiedene Geschichten parallel erzählt. Einmal von Mosche Goldenhirsch und einmal von Max Cohen. Beide verweben sich mit der Zeit und offenbaren ein gemeinsames Schicksal. Mir hat – Der Trick - sehr gut gefallen besticht in erster Linie mit einem wirklich außergewöhnlichen Charakter: Mosche Goldenhirsch aka der große Zabbatini, der mit den exotischen Worten – Daruh Khaneh Kojast – seine gefeierten Zaubershows beendet. Bergmanns Charakteren wirken sehr real und man möchte glauben, dass der Schriftsteller selber ein gesetztes Alter hat, um so feinfühlig und auch humorvoll einen alten Menschen darzustellen. Falsch gedacht: Bergmann wurde 1972 geboren und präsentiert mit diesem Roman sein Debüt. Aber zurück zur Geschichte. Im Gegensatz zu den sehr real wirkenden Charakteren, wirkt die etwas verwebte Erzählung manchmal wie eine abstruse und absurde Geschichte und führt quer durch ein Jahrhundert, dass aber in Wirklichkeit und in seiner Gesamtheit, eben so abstrus und absurd auch tatsächlich war.

Mit viel Humor erzählt er und am Ende hab ich auch ein paar Tränchen verdrückt. Das heurige Frühjahrsprogramm des Diogenes Verlag hat es mir wirklich angetan. Sehr abwechslungsreich und herausragend hab ich die bisher gelesenen Romane empfunden und möchte daher Benedict Wells und J. Paul Henderson, dass Autorenduo Schüneman&Volic aufmerksam machen. Zuletzt bin ich natürlich auch auf alle Fälle gespannt, was der frisch-gebackene Schriftsteller Emanuel Bergmann noch im Petto hat.

Der Trick
von Emanuel Bergmann
20
Buch 22,00

 
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