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Eine Kundin / Ein Kunde Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Bewertungen 460 (ansehen)


Lieblingsautoren:
Neil Gaiman, Michael Cunningham, Joey Goebel, Kevin Hearne, Ruth Ozeki, Jane Austen, Haruki Murakami, Johanna Sinisalo, DBC Pierre, Chris Adrian, Floortje Zwigtman, Patrick Spät und viele, viele mehr :-)

Meine Bewertungen

Eine Liebesgeschichte im arabischen Frühling

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2017

Aus der Vielzahl der jährlichen Bucherscheinungen, hab ich ein bestimmten Roman ins Auge gefasst und mich sehr darüber gefreut, dass der Albino Verlag ihn nun auf Deutsch herausgebracht hat: Guapa von Saleem Haddad. Rasa ist der Hauptprotagonist in diesem Debütroman und der Leser irrt mit ihm scheinbar ziellos durch seine Heimatstadt, in einem namenlos-bleibenden arabischen Land, dass zerrissen ist und irgendwo zwischen einer Diktatur und einer radikal-islamistischen Opposition festhängt. In dieser aufgeheizten Stimmung wird sein bester Freund seit Kindertagen verhaftet und in ein Foltergefängnis des amtierenden Präsidenten gebracht. Zu allem Übel ist Rasa von seiner Teta, seiner Großmutter, in einem intimen Moment mit seinem Freund Taymour beobachtet worden. Rasa hängt seinen Erinnerungen an seiner Kindheit und scheinbar besseren Tagen nach und lässt den Leser daran teilhaben.

Das literarische Jahr hat gerade erst begonnen und dennoch traue ich mir zu sagen, dass - Guapa - von Saleem Haddad mein persönliches Lesehighlight des Jahres 2017 ist und unbedingt gelesen werden sollte. Wir begleiten den Hauptprotagonisten während eines einzigen Tages, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, und erfahren so über das schwierige Leben als Homosexueller in einem radikal islamisch geprägten Land. In einem Interview hat der Schriftsteller gesagt, dass all die Protagonisten die in diesem Roman vorkommen, teil seiner selbst sind und es in diesem Sinne auch biografisch gelesen werden kann. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Saleem Haddad nur an der Oberfläche kratzt und der Leser nur eine Ahnung bekommt, wie es ist so aufzuwachsen wie er es wohl getan hat und auch so zu leben.

Beim Lesen diesem Werk hatte ich immer wieder Tränen in den Augen. Prosaisch, Sehr bewegend, authentisch, ein literarisches Kleinod - sind jene Eigenschaften, die mir zu - Guapa - einfallen. Eigenschaften, mit dehnen andere Romane hochgelobt und gehypt worden sind, und dort - meiner Meinung nach - nicht vorhanden waren. Lesen Sie doch dieses Buch von Saleem Haddad, ich bitte Sie.

Falls Ihnen - Guapa - gefallen hat, dann lesen Sie doch auch den biografisch inspirierten Debütroman - Das Ende von Eddy - von Éduard Louis, der vom Ende der Kindheit in einem französischen Dorf schreibt.

Guapa
von Saleem Haddad
(1)
eBook
9,99

Die Natur schlägt zurück

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2017

Erzählt wird dieser Roman aus der Sicht der Biologin, die so wie ihre Mitstreiter, auch nur bei ihrer Funktion genannt werden. Wenn von ihrem Mann die Rede ist, wird er nicht namentlich erwähnt, sondern eben nur als ihr Mann tituliert. Genauso wie die anderen Teilnehmerinnen der Expedition in Area X: Die Vermesserin, die Psychologin und die Anthropologin. Dem aufmerksamen Leser fällt aber gleich auf der ersten Seite etwas auf: Alle Expeditionsteilnehmer sind Frauen. Warum das so ist, erschließt sich einem nicht. Das birgt neben einen gewissen Reiz, aber auch die Gefahr mit, dass ein Großteil der Leser mit den Charakteren nicht warm wird, einem fremd und unpersönlich bleiben und dadurch den Roman nicht mögen. Ich finde allerdings, dass es gut in das Gesamtkonzept der Geschichte passt, die eben darauf abzielt möglichst mysteriös zu bleiben. Es birgt aber auch die Gefahr einer sehr lapidaren Auflösung, was ich persönlich nicht hoffe. Aber keine Sorge, mit Ende des ersten Teils werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet: Alles bleibt sehr spekulativ. Daraus resultiert aber auch, dass die Innenansichten und Gedankengänge der Biologin einen großen Raum einnehmen. Der geneigte Leser fängt schon während des Lesens zum Nachdenken über die Area X und einer sich offensiv ausbreitenden Natur an. Gerade in Zeiten wachsenden Umweltverschmutzung und den daraus resultierenden Naturkatastrophen, in einer Zeit wo viele Kinder nur in Häuserschluchten aufwachsen und kein Grün kennen, hegt man sympathische Gefühle mit der sich radikal ausbreitenden Natur an und schließlich Area X an. Auslöschung sticht als anspruchsvoller ScienceFiction Roman aus der Masse der Neuerscheinungen eindeutig hervor. Deswegen ist es wohl nicht verwunderlich, dass der Roman neben dem Hugo-, dem Nebula Award, mit vielen weiteren ScienceFiction-Preisen ausgezeichnet geworden ist.

Leicht ähnlich von der Thematik, aber gänzlich anders vom Erzählstil, könnte ich von Frank Schätzing - Der Schwarm - empfehlen. Einen gewissen Faible für Meeresbiologie würde nicht schaden. Ich kann den nächsten Roman dieser Reihe, dass den Titel Autorität trägt, kaum erwarten.

Auslöschung
von Jeff VanderMeer
(24)
eBook
10,99

Endzeitthriller meets klassischen Schauerroman

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2017

Das Ende der Welt wie wir sie kennen beginnt damit, dass auf dem New Yorker JFK Flughafen ein Flugzeug landet und kurz darauf gehen darin alle Lichter aus und der Funkkontakt mit der Maschine bricht ab. Dem Chef der New Yorker Seuchenschutzbehörde, Ephraim Goodweather, bietet sich ein Bild des Grauens. Alle Passagiere sitzen aufrecht und leblos in ihren Sitzen und bis auf 4 Personen - die sich aber an nichts erinnern können - sind alle scheinbar tot. Während die Behörden noch im Schadensbegrenzung bemüht sind und versuchen die Bevölkerung zu Beruhigen, verschwinden über Nacht sämtliche Leichen des Fluges aus den umliegenden Leichenhallen.

Die eigentlich auf drei Romane konzipierte Reihe (Die Saat - Das Blut - Die Nacht) erschien auch insgesamt als ein eBook - und was mich sehr gefreut hat war, dass dieses Mammutwerk auf knapp 1400 Seiten ein richtiger Pageturner ist, und mir zumindest kein einziges Mal langweilig geworden ist.

Das Autorenduo Guillermo Del Toro und Chuck Hogan bedient sich einer sehr unheimlichen Stimmung, gut gezeichneter Charakteren, mein Lieblingscharakter ist eindeutig Abraham Setrakian, und einer bildhaften Erzählung. Was aber auch nicht verwundert - ist doch Del Toro eigentlich ein Regisseur (u.a. Pans Labyrinth, Pacific Rim), der die Drehbücher zu seinen Filmen gerne selber schreibt. So wirkt Del Toro auch an der Verfilmung des Materials mit und dient der Serie als Regisseur, Drehbuchautor und als Ausführender Produzent bei einzelnen Episoden.

Wie in jedem Roman gibt es Dinge die mir gut und manche Dinge die mir nicht so gut gefallen: Erfrischend fand ich, dass die Autoren das Vampirthema zu seinen Wurzeln zurückführen und auch im Detail sich an Elemente des klassischen Schauerromans halten: Der Vampir, zum Beispiel, ist schlichtweg böse und keineswegs ein netter Zeitgenosse. Das Ende hingegen war mir etwas zu schnell abgehandelt, gerade für den Charakter Ephraim Goodweather und seiner Familie, ich gehe hier nicht näher ein, ich möchte niemanden spoilern, hätte ich mir zum Ende hin ein bisschen mehr Zeit oder Raum gewünscht.

Wer nun in diesem Sinne Blut geleckt und Gefallen an richtig guten und kurzweiligen Endzeitthrillern gefunden hat, dem kann ich auch die - Passage Trilogie (Der Übergang - Die Zwölf - und - Die Spiegelstadt) - von Justin Cronin wärmstens empfehlen.

Die Saat - The Strain
von Chuck Hogan
(7)
eBook
11,99

Unterdrückte Leidenschaft

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.04.2017

Die Preisgabe

James Purdy

Unterdrückte Leidenschaft

Die Preisgabe spielt in Chicago der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts und in der heruntergekommenen Wohnung des gescheiterten und bisexuellen Dichters Eustace Chisholms. Hier treffen die Hauptprotagonisten dieser Geschichte aufeinander: Amos Ratcliffe und Daniel Haws. Beide lieben sich und letzterer kann sich die Liebe zu Amos, einem Mann nicht eingestehen. Als der reiche und homosexuell liebende Reuben Masterson auf Amos trifft, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Unlängst hab ich von James Purdy - Der Gesang des Blutes - gelesen - ein ausgezeichnetes Werk, dass von einem Kriegsveteran und seinen Liebsten handelt. Von diesem Werk und dem im Deutschsprachigen Raum unterpräsentierten amerikanischen Schriftsteller, war ich sofort sehr angetan. Zurzeit gibt es nur zwei Romane die ins Deutsche übersetzt, und im regulären Buchhandel erhältlich sind: Der Gesang des Blutes und eben Die Preisgabe, beide im Albino Verlag erschienen. Seine Werke setzen sich mit der doppeldeutigen Moral der Gesellschaft und der Homosexualität auseinander und bekommen meiner Meinung nach nicht die Aufmerksamkeit, die er oder seine Romane verdient hätten. Es wird Zeit diesen Umstand zu ändern. Dabei wurde - Die Preisgabe - von Publishing Triangle, einer Vereinigung von im Verlagsgeschäft tätigen Schwulen und Lesben, in die Liste der 100 besten schwulen Romane, aufgenommen und im Jahr 1999 im amerikanischen Magazin "The Advocate" veröffentlicht. Die Liste kann sich sehen lassen, denn darin befinden sich unter anderem Werke von Jean Genet, Marcel Proust, Andre Gide und Virginia Woolf.

Wie oben schon erwähnt stehen im Zentrum dieser Geschichte, die Gefühle, die Leidenschaft und die teils unterdrückte Sexualität der Protagonisten. Und wie so oft, wenn Gefühle unterdrückt werden enden sie in Gewaltätigkeiten und Sadismus. Es muss wohl in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein großer Aufschrei erfolgt sein, als so offensichtlich über Homosexualität geschrieben worden ist. Für mich gehört der Schriftsteller zu einer fixen Größe der amerikanischen Südstaatenliteratur, so wie auch Carson McCullers, Harper Lee oder eben Truman Capote dazu gehören. Wer nun die Werke von James Purdy gar nicht kennt, dem lege ich diesen Roman wärmstens ans Herz.

Die Preisgabe
von James Purdy
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,99

The love that dare not speak its name

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.04.2017

Pierre und Gérard sind unzertrennliche Cousins, die den Sommer gemeinsam mit ihren Vätern an der Loire verbringen. Die Zuneigung der beiden Jugendlichen zueinander verstärkt sich nach ihrem ersten Kuss, beim Baden im Fluss und nimmt leidenschaftliche Formen an. Während sie noch versuchen ihre Liebe geheim zu halten, merkt ihre Umgebung, dass sie sich immer mehr zurückziehen. Als ihre Väter beginnen Maßnahmen dagegen zusetzen, kommt es zu einer tragischen Katastrophe.

Erzählt wird in - Schlimme Engel - die Liebesgeschichte von Pierre und Gérard und sie ist in zwei Teile geteilt. Der erste Teil aus der Sicht des einen und der zweite Teil aus der Sicht des anderen Cousins. Dabei wirkt der zweite Teil gar nicht als schnöde Wiederholung des Ersteren, sie überlappen sich nur im Detail, sondern erzählt die Geschichte teilweise auch weiter. Der Schriftsteller bedient sich dabei einer sehr gefühlvollen und auch ein wenig affektierten Sprache, die aber nie schwülstig wirkt. Eher ist er sehr sinnlich und ein Fest der Jugendlichkeit und Schönheit. Wegen der offenen Zurschaustellung des homosexuellen Verhältnisses zwischen zweier Jugendlichen, wurde der Roman in Laufe der Zeit sogar zweimal verboten. Wenn man bedenkt, dass der Roman, dass erste Mal vor 60 Jahren erschienen ist, kann man die Kontroverse die darum geführt worden ist nachvollziehen. Auf Englisch ist nur eine "entschärfte" Version der - Schlimme Engel - erschienen.

Neben - Schlimme Engel - , gibt es nur noch einen Roman, zumindest soweit ich recherchieren konnte, der von diesem außergewöhnlich talentierten und französischen Schriftsteller, ins Deutsche übersetzt worden ist: Das Brot der Liebe. Letzteres ist nur noch antiquarisch erhältlich. Alle anderen Werke sind nicht ins Deutsche übersetzt worden. Schenkt man Quellen im Internet Glauben, so ist dieser vorliegende Roman, sein bestes und kontroversestes Werk. Außergewöhnlich ist der Schriftsteller auch deswegen, weil er diesen Roman mit nur 17 Jahren veröffentlicht hat. Mir bleibt nur die Hoffnung, dass sich ein Verlag findet, der die Qualität seiner Werke erkennt und ins Deutsche übersetzt. Es würde einiges an Arbeit geben, denn Eric Jourdan war sehr umtriebig und hat neben zahlreichen literarischen Werken, auch Theaterstücke geschrieben.

Schlimme Engel
von Eric Jourdan
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Druidenausbildung à la Atticus

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.04.2017

Es sind 12 Jahre vergangen, seit dem Atticus O'Sullivan, mithilfe des Tricksergottes Coyote, seinen Tod vorgetäuscht hat. 12 Jahre lang konnte er Granuile zur Druidin ausbilden, allerdings fehlt noch ein eine entscheidender Umstand: Sie muss noch an die Erde gebunden werden. Bevor es allerdings soweit kommt, fliegt der Schwindel auf und der eine oder andere Feind steht bereit um den zweitausend Jahre alten Druiden doch noch umzubringen.

Es liegt wahrscheinlich an den großen Ideenreichtum und an der Vielzahl übernatürlicher Wesen, die der Autor in diese Reihe einbaut, dass mir diese Reihe und besonders auch dieser Teil der Reihe - Erwischt - so gut gefallen. Ein gewissen Faible für mythologischen Geschichten tut wohl einiges bei. Atticus ist ein sehr sympathischer Charakter: er ist humorvoll und klug, und trotz seiner großen Macht, blickt er ohne Arroganz auf seine Mitmenschen. Mit seinem sprechendem Hund Oberon hat er einen wunderbaren Sidekick und mit Granuile vervollständigt sich nun dieses magische Trio infernale. Insgesamt sollen es wohl 9 Teile werden und mir tut es jetzt schon leid, wenn diese Reihe fertig erzählt ist. Hoffentlich schreibt Kevin Hearne an dieser Geschichte weiter: Ich könnte mir gut ein Sequel vorstellen, in dem vielleicht erzählt wird, wie Atticus zum Druiden wurde. Wer sich für Fantasyromane mit einem guten Schuss Mythologie begeistern kann, dem empfehle ich die Romane von Neil Gaiman und von seinen Werken besonders - American Gods.

Erwischt / Die Chronik des Eisernen Druiden Bd.5
von Kevin Hearne
(9)
Buch (Paperback)
16,95

Xenophobie und ihre Auswirkungen auf die Moderne Gesellschaft.

Eine Kundin / Ein Kunde , am 06.03.2017

Zygmunt Bauman befasst sich in seinem neuesten Werk den Flüchtlingen, den Migranten, aber auch der rassistischen Propaganda seitens der Medien und der europäischen Politikern. Die europäischen Bürger sehen sich mit einer "moralischen Panikmache" konfrontiert, die das wahre Übel ist und das Wohlergehen der Gesellschaft bedroht und sogar eine Destabilisierung von Staaten nach sich zieht.

Dieses Essay über die Migration und die europaweite Panikmache ist sehr informativ und kurzweilig geschrieben. Bauman zeigt darin auf, wie gefährlich es sein kann, die flüchtenden Menschen nicht als solches anzuerkennen und auf welchen schmalen Grad die europäische Politik wandert, wenn jene Flüchtlinge als Kakerlaken (Katie Hopkins) bezeichnet werden und man sich wünscht, dass die Boote der Flüchtlinge mit Kanonen gestoppt werden sollen, und dies rechtlich nicht geahnt wird. Bauman zeigt aber auch auf, wieso die westliche Politik und militärische Unternehmungen eine schwerwiegende Mitverantwortung für den derzeitigen Terrorismus tragen und wie die aufgebauschte Flüchtlingsproblematik in einem historischen Kontext zu sehen ist, da die Menschheit schon immer ausgewanderte, auch aus kapitalistischen Gründen. Der Soziologe und Philosoph verurteilt die kurzfristigen Entscheidungen der Politik und konfrontiert den Leser mit der wachsenden gegenseitigen Abhängigkeit der verschiedenen Menschen und Völker, und das der einzige Ausweg aus diesem Dilemma, Solidarität und Zusammenarbeit mit uns fremden Menschen bedeutet.

Die Angst vor den anderen
von Zygmunt Bauman
(2)
Buch (Taschenbuch)
12,00

Shaekespearsches Endzeitdrama

Eine Kundin / Ein Kunde , am 06.03.2017

Das Licht der letzen Tage, reiht sich in eine gehobene und fein erzählten Riege von Endzeitromanen ein und beginnt mit einem spektakulären Ende: Arthur Leander, seines Zeichens Schauspieler und Darsteller in dem Stück King Lear, stirbt auf der Bühne an einem Herzinfarkt. Das ganze Ensemble ist in Schock und in Trauer. Allerdings bleibt ihnen nicht lange genug Zeit dazu, denn kurz danach bricht weltweit die georgische Grippe aus und rafft beinahe die ganze Menschheit dahin.

Meine Rezension widmet sich heute einem Werk, dass der Produzent Scott Steindorff bereits erworben hat, der kanadischen Schriftstellerin Emily St. John Mandel viertes Buch - Das Licht der letzten Tage - das erstmal auf Deutsch erschienen ist. Derweil ist es das Einzige und falls sich der Piper Verlag nicht für eine weitere Übersetzung entscheiden wird, werden ihre weiteren Romane auf Englisch gelesen.

Dystopische Romane haben nach den - Die Tribute von Panem - den Buchhandel überschwemmt. Ich persönlich bin auch ein wenig gesättigt, was dieses Genre betrifft und umso mehr freut es mich, wenn ich über ausgezeichnete und anspruchsvolle Literatur stolpere und man für seine Mühe - die jährlichen Neuerscheinungen nach literarischen Leckerbissen zur durchforsten und eben jene zu finden. Falls es in Zukunft, also in fünfzig bis einhundert Jahren noch immer Bücher gibt, dann würde ich mir wünschen, dass dieses einmal zur klassischen Sciencefictionliteratur gehören wird. Die Chancen stehen bestimmt nicht schlecht, denn wenn man die unzähligen Rezensionen zu diesem Roman durchforstet, sind sie sehr gespalten. Den einen gefällt es ungemein, den anderen überhaupt gar nicht. Schuld daran trägt wohl auch die ein wenig missglückte Umschlaggestaltung, die wohl ein anderes Lesepublikum anspricht. Es wirkt insgesamt ein wenig feminin, und man erwartet sich wahrscheinlich auch eine ähnliche leicht dahinplätschernde Geschichte und am besten mit einer romantischen Liebesgeschichte. Den Leser meiner Rezensionen möchte ich an dieser Stelle warnen: Dem ist nicht so.

Mir hat dieser, mehrfach nominierte und mit Auszeichnungen überhäufte Roman deswegen so gut gefallen, weil er eben so herrlich unkonventionell erzählt ist und weil er eben nicht seicht ist, sondern den Leser auch ein wenig fordert nachzudenken. Die Details und die shakespearischen Anspielungen sind omnipräsent. Der Roman sticht und beißt einem, um es mit den Worten Kafkas zu sagen. Wozu lesen wenn es nicht so wäre? Erzählt wird die Geschichte von mehreren Charaktere und bedient sich zweier Perspektiven. Einmal kurz vor und dann 20 Jahre nach Ausbruch der Epidemie, der eben nur beinahe die ganze Menschheit zum Opfer gefallen ist. Allerdings ist jene nicht gänzlich verloren und so dreht es sich in dieser Erzählung nun auch um die Hoffnung. Die Hoffnung das dennoch alles gut ausgehen wird.

Das Licht der letzten Tage
von Emily St. John Mandel
(52)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Das Schicksal im Zug

Eine Kundin / Ein Kunde , am 06.03.2017

Am Montagmorgen, um 6 Uhr 41 nimmt Cécile, die das Wochenende bei den Eltern verbracht hat, den Frühzug nach Paris. Sie ist verärgert darüber, dass sie nicht schon am Vorabend nach Hause gereist ist. Der Zug füllt sich mit Pendlern und Reisenden und ein Mann setzt sich zu ihr. Cécile ist schockiert: Sie erkennt Philippe sofort, allerdings scheint er sie nicht zu erkennen. Beide schweigen und beide lassen sich nichts anmerken, den anderen erkannt zu haben. Eine durchaus verständliche Reaktion und jeder für sich erinnert sich in der eineinhalbstündigen Fahrt nach Paris, wie verliebt sie doch nicht waren und wie durch ein geplantes romantisches Wochenende in London alles durcheinander geriet.

Irgendwo in den Untiefen meiner eBook-Sammlung hat sich Jean-Philippe Blondel Roman - 6 Uhr 41 - versteckt und hat darauf gewartet, von mir gelesen zu werden. Zufälligerweise, nachdem ich versucht habe ein wenig Ordnung in mein elektronischem Bücherregal zu bekommen, bin ich darauf gestoßen und hab ein wenig darin geblättert. Schnell hab ich jedwede Ordnungsversuche gelassen und hab mich über diesen wunderbar feinsinnigen Roman gestürzt. Auf eine gewisse Weise hat er mich ein wenig an Glattauers Buch - Alle Sieben Wellen - erinnert. Das Buch ist ein eMail-Roman und beinhaltet eben nur jene Unterhaltung zwischen zwei Charakteren. Im Gegensatz zu Blondels Roman, der ja zwar auch zwei Hauptcharaktere hat, allerdings sprechen Cécile und Philippe nicht miteinander, sondern hängen getrennt voneinander, Erinnerungen an der Jugend nach und wie ihr Leben ein wenig aus den Fugen geriet. Diese parallel erzählten inneren Monologe zeichnen wunderbare Bilder, die amüsieren und berühren. Völlig unprätentiös aber detailverliebt wird diese Geschichte erzählt. Kurzum: "Ich war entzückt." Der geneigte und frankophile Leser meiner Rezensionen wird seine Freude an dieser leicht dahinplätschernden Erzählung haben und schlussendlich will man ja als Leser wissen: Werden sich die beiden zu erkennen geben und vor allem, werden sie sich miteinander unterhalten?

6 Uhr 41
von Jean-Philippe Blondel
(59)
eBook
8,99

Isn't it bromantic?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.02.2017

Aus dem jungen Peter Parker, der sich mit typischen Teenagerproblemen auseinandergesetzt hat und nebenbei als die Spinne, Kriminelle Dingfest gemacht hat, ist ein ansehnlicher Mitglied der Gesellschaft und Geschäftsmann geworden. In letzter Zeit muss er sich allerdings einem leidlichen Zeitgenossen widmen: Wade Wilson alias Deadpool. Der will Spider-Man auf seine Seite ziehen und ihm klarmachen, dass sie beide Peter Parker aus dem Verkehr ziehen müssen.

Spätestens seit dem Kinoerfolg von Deadpool(=genial dargestellt von Ryan Reynolds), kennt auch das breitere Publikum inklusive meiner Wenigkeit, den sarkastischen Superheld, der immer einen guten Spruch auf Lager hat. Der erst 1997 erstmals erschienene Marvel Superheld ist also im Gegensatz zu Spider-Man relativ jung. Letzerer ist bereits vor 55 Jahren das erste Mal in einem Comicheftchen erschienen und ist neben Captain Future, mein allerliebster Kindheits-Superheld. Comics sind aus meinem "Lesefokus" nie ganz verschwunden, sie wurden höchstens an den Rand gedrängt und wenn mir etwas Spezielles in die Hände fällt oder mir empfohlen wird, dann greife ich gerne zu. So wie zum Beispiel bei den Sandman Comics, die von Neil Gaiman geschrieben worden ist, oder die Buddha Graphic Novels (=ursprünglich als Mangas erschienen), die von Osamu Tezuka stammen. Der geneigte Comicfan wird nun vielleicht die Hände übereinanderschlagen und mit dem Kopf schütteln, dass ich hier so viele verschiedene Stile und Arten von Comics erwähne und in einen Topf werfe. Er oder Sie mögen mir bitte verzeihen, denn aus mir spricht hier der Laie. Das Einzige, dass ich nun an dieser Stelle ein wenig bekritteln könnte, wäre die Deutsche Übersetzung von - Zwei vom selben Schlag. An ein oder zwei Stellen ist der Sarkasmus und Wortwitz erheblich entschärft. Deadpool ist hier seines Steckenpferdes beraubt worden. Will man hier der Ausbreitung von Anglizismen entgegenwirken oder wollte man die amerikanische Umgangssprache entschärfen um ein jüngeres Publikum zu gewinnen, oder um es nicht abzuschrecken? Selbst den Titel hätte man beibehalten können: "Isn't it bromantic" versteht man auch hierzulande recht gut. Wer nun Blut geleckt hat, dem empfehle ich - Deadpool killustrierte Klassiker - (=hier gefällt mir der Wortwitz schon wieder besser) und - Deadpool killt das Marvel-Universum.

Spider-Man/Deadpool
von Ed McGuinness
(2)
Buch (Taschenbuch)
14,99

 
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