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Eine Kundin / Ein Kunde Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Bewertungen 467 (ansehen)


Lieblingsautoren:
Neil Gaiman, Michael Cunningham, Joey Goebel, Kevin Hearne, Ruth Ozeki, Jane Austen, Haruki Murakami, Johanna Sinisalo, DBC Pierre, Chris Adrian, Floortje Zwigtman, Patrick Spät und viele, viele mehr :-)

Meine Bewertungen

Alle guten Dinge sind Drei

Eine Kundin / Ein Kunde , am 23.06.2017

Club Dead ist nicht nur der Titel des Buches, sondern auch des Clubs, in den es die hübsche aber leicht naive Sookie verschlägt nachdem ihr geliebter Vampir Bill verschwunden ist. Sie gerät unfreiwillig wieder in Schwierigkeiten - Klar dass Eric nicht weit ist und ihr "helfend" zur Seite steht. Allerdings sind Bill und Eric nicht die einzigen Männer in Sookies Leben. Alcide ist der neue und übernatürlich erotische Mann an ihrer Seite...

Wer jetzt noch nicht Blut geleckt hat, der Leser meiner Rezensionen möge meinen Wortwitz verzeihen, wird spätestens auch nach Club Dead kein Fan mehr werden. Ich bin ein echter TrueBlood-Fan geworden und mir gefällt die Serie als Buch genauso wie auch auf DVD. Die perfekte Mischung aus Krimi- und Vampirelementen ist gut gelungen. Den einzigen Kritikpunkt den ich anführen könnte ist, kaum hat man es sich mit dem Buch bequem gemacht, schon hat man ihn auch wieder ausgelesen. Langweilig wird dem geneigten Leser bestimmt nicht. Insgesamt gibt es 13 Bücher in der Reihe, 6 Bücher mit Kurzgeschichten und ein Begleitbuch.

True Blood 3: Club Dead
von Charlaine Harris
(18)
eBook
6,99

Sexy bloody Vampires

Eine Kundin / Ein Kunde , am 23.06.2017

Band 2
Sookie ist jung, hübsch und arbeitet als Kellnerin. Nebenbei kann sie auch Gedankenlesen, was sie aber nicht immer zeigen will und kann. Seit kurzem ist sie mit dem Vampir Bill zusammen und nachdem sie von einem eigenartigen Wesen angegriffen wird, beginnt ein neues, echt unheimliches Abenteuer.

Im zweiten Band der True Blood Serie rücken eindeutig die Krimielemente in den Vordergrund und der ganz eigenwillige Stil - diese Vampirschmonzette - kristallisiert sich hier bereits heraus. Ein klein wenig trashig sind ist sie schon, aber genau das macht eine solche Reihe auch ein bisschen aus. Hier erwarte ich nicht eine sehr anspruchsvolle und literarische Geschichte - wer solches sucht ist hier wohl fehl am Platz. Der einfache Erzählstil und die originellen Protagonisten - Eric ist mein Favorit - sind der Highlight und die richtige Mischung aus Humor, Horror und Spannung finde ich genau richtig. Charlaine Harris Geschichte spielt in den Südstaaten der USA, dort wo sie ihrer Biografie her auch aufgewachsen ist und der ist wohl immer ein wenig rassistisch geprägt gewesen. Das nun ausgerechnet die Vampire in der menschlichen Gesellschaft nicht akzeptiert werden und sich dieser Roman ein wenig mit Rassismus auseinandersetzt, zumindest zwischen den Zeilen, hat mir auch gut gefallen. Wer Serienfan ist - der sollte sich auch unbedingt - True Blood - ansehen - allerdings sollte ich den geneigten Leser warnen - dass die Handlungsstränge in der zweiten Staffel und in Untot in Dallas bereits voneinander abweichen.

True Blood 2: Untot in Dallas
von Charlaine Harris
(13)
eBook
6,99

Am Rand

Eine Kundin / Ein Kunde , am 23.06.2017

Gerold, der früh aus dem Haus aufbricht, besteigt einen Berg. Oben am Gipfel, zum Sonnenaufgang beginnt er sein Leben zu schildern und beginnt zu erzählen, was ihm dazu getrieben hat, zwei Menschen umzubringen. Ist man gerade am Anfang über seine Taten noch erzürnt, versteht man am Ende doch seine Handlung und kann sie sogar ein wenig nachvollziehen.

Hans Platzgumers Debütroman – Am Rand – zeugt von seiner Kunstfertigkeit des Erzählens. Gerold, der Hauptprotagonist aus dessen Sicht diese Geschichte erzählt wird, wendet sich beim Erzählen immer wieder direkt an den Leser – man bekommt dadurch ein Gefühl, also ob man einen langen Brief lesen würde, als ob man einem Freund beim Erzählen zu hört. Gerade am Anfang weiß man nicht wohin sich diese Geschichte hinentwickelt und durch die subtile Schilderungen Gerolds merkt man schnell, dass er eine Art Groll in sich trägt. Eine Art unterdrückter Wut, die immer an die Oberfläche taucht und erst mit der Zeit offenbart sich das schreckliche Geheimnis um seine Taten. Er schreibt aber auch und kreiert in einem seiner Romane einen Protagonisten namens Hansi Platzgummer, dessen „reales“ Vorbild, zumindest im Roman - Am Rand - aber in Amerika verschollen ist. Hier schweift er ein wenig ab. Hier hat er mir zum Teil gefallen, aber das ist ja schließlich auch eine Sache des Geschmacks. Nichtsdestotrotz ist - Am Rand - ein Roman den man gelesen haben muss.

Am Rand
von Hans Platzgumer
(7)
eBook
15,99

Klatsch und Tratsch auf höchstem Niveau

Eine Kundin / Ein Kunde , am 13.06.2017

Lawrence Grobel, ein Journalist der bereits einige Interviews mit Prominenten veröffentlicht hat, hat in den frühen 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, mehrere Gespräche mit Truman Capote geführt. Sie bilden die Grundlage für dieses Werk, dass der Kein und Aber Verlag auf Deutsch nun neu veröffentlicht hat. Dabei ist der englische Titel – Conversations with Capote – nicht so aufreißerisch wie der deutsche: Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie. Brisant ist dessen Inhalt allemal, aus dem einfachen Grund, weil Capote ziemlich freizügig über Zeitgenossen herzieht und lästert. Eigentlich möchte man glauben, dass Lawrence, den erfolgreichen amerikanischen Literaten Truman Capote auf seine Liebhaber, seine Drogen und Alkoholabhängigkeit festnagelt. Sicherlich werden auch diese Dinge thematisiert, aber schnell wird klar auf was es der Journalist eigentlich abgesehen hat.

Capote erzählt eben nicht nur freimütig aus seinem Leben, sondern auch aus dem Leben von Zeitgenossen, ehemaligen Freunden und Kollegen, so nennt er Hemingway eine Hinterzimmer-Schwuchtel, aber auch Jackie Kennedy – Onassis, Gore Vidal und Norman Mailer bekommen ihr Fett weg. Lawrence erkennt hier seine Chance und beginnt häufig nur noch bestimmte Namen abzufragen und Capote steigt ihm bereitwillig ein und erzählt und erzählt. Manch einer mag nun den Kopf schütteln und sich Fragen, weshalb sich der große amerikanische Literat, für solche Lästereien eigentlich hergibt. Ich unterstelle hier den großen Romancier, der wenn man Gerüchten glauben schenken mag, der eigentliche Schaffer von - To kill a mockingbird - ist, Taktik und Kalkül, und weniger Größenwahn, der ihm sonst immer so unterstellt wurde und wird. Klatsch und Tratsch, vor allem wenn es sich um solchen von Prominenten Menschen handelt, ist wohl ein Element der Unterhaltung die auch heute noch funktioniert. Das hatte der großartige Romancier verstanden, und das hat er auch in seinem unvollendet gebliebenen und posthum erschienenen Roman – Erhörte Gebete – bewiesen. Darin erzählte er pikante und intime Details der Highsociety. Letztere hat ihm empört den Rücken zugewandt und in verstoßen. Wer sich nun mit seinem literarischen Werk auseinandersetzen möchte, dem kann ich nun dieses und alle anderen von ihm wärmsten empfehlen.

Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie.
von Truman Capote
(2)
eBook
12,99

Coming of age vs. coming-out

Eine Kundin / Ein Kunde , am 13.06.2017

Felix Leben ist nicht einfach. Er ist ein junger schwuler Mann, mit einer etwas exzentrischen und russisch-stämmigen Mutter und einem mit Abwesenheit glänzenden Vater, der sich allerdings seit dem Comingout seines Sohnes, durch das Fernsehen tingelt und sich für die Gleichberechtigung der Homosexuellen stark macht. Gabriel ist Felix bester, schwuler Freund und Emilie so etwas wie seine Busenfreundin. Als sein Exfreund Martin wieder in der Stadt auftaucht, weiß er nicht was er tun soll. Es sind 13 Tage bis zu einer Party, einer Party wo er höchstwahrscheinlich auf ihn wieder treffen wird. Gabriel rät ihm, alles aufzuschreiben, was ihm durch den Kopf geht.

Jetzt sind wir jung - ist der erste Roman von Julian Mars und hat mir in seiner Form gut gefallen. Er ist im Albino Verlag erschienen, der ein Ableger des Bruno Gmündner Verlags ist. Der Verlag ist relativ neu, bzw. wurde wieder reaktiviert, nachdem über ein Jahrzehnt kein Buch mehr verlegt worden ist, wobei er als Plattform für queere Literatur fungiert. So ist auch in diesem Verlag ein ähnlicher Roman erschienen - Movie Star von Raziel Ried, der mit einen Ticken besser gefallen hat, als diesen hier. Der geneigte Leser meiner Rezensionen möge mir diesen direkten Vergleich verzeihen, sie spiegeln oft nur den persönlichen Geschmack des Rezensenten, aber nachdem beide mit einem ähnlichen Thema aufwarten, ist mir nichts anderes übrig geblieben. Es geht um die Adoleszenz, es geht um den Umgang mit der eigenen Sexualität und auch wenn beide eine sehr derbe und rüde Umgangssprache teilen, ist die explizite Darstellung sexueller Handlungen, die in diesem vorliegendem Buch sofort ins Auge stechen. Zuerst war ich mir sicher, dass der Schriftsteller damit bloß Aufmerksamkeit erregen will (=was für ein schlechtes Wortspiel), aber auf den zweiten Blick versteckt sich zwischen den Zeilen mehr als ein pornografischer Roman. Man muss sich wohl oder übel auf die Geschichte einlassen und mit jeder Seite wurde mir klarer, dass hier nicht ein egozentrischer, verwöhnter und wenig Empathie besitzender junger Mann porträtiert wird, auch wenn aus dessen Sicht diese Geschichte erzählt wird, sondern die homosexuelle Subkultur in all ihren Facetten aufgezeigt wird. Wie heißt es so schön: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein nerviger Hauptcharakter noch kein schlechtes Buch.

In diesem Zusammenhang macht es natürlich auch Sinn, dass der Autor in einem Zeitungsinterview verraten hat, dass Felix keineswegs sein Alter Ego ist, was anderes hätte ich auch nicht erwartet, und dieser Roman in keinster Weise autobiografisch gemeint ist. Allerdings zielt der Klappentext genau darauf ab, darüber Spekulationen aufzuwerfen. Ein Marketingtrick? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Wer sich nun für diese Geschichte erwärmen kann, dem empfehle ich eben auch Raziel Reids bereits oben erwähnten Roman. Es wird wohl gefallen. Ich bin auf alle Fälle gespannt, was Julian Mars sonst noch im Repertoire hat und würde gerne wieder etwas von ihm lesen.

Jetzt sind wir jung
von Julian Mars
(2)
eBook
9,99

Eine italienische Liebesgeschichte

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.06.2017

In der schwülen Hitze eines italienischen Sommers verliebt sich der 17-jährige Elio, der klug und launisch ist, zum ersten Mal. Sein Angebeteter ist ein 25-jähriger amerikanischer Mann namens Oliver, der den Sommer lang im Haus Elios Eltern wohnt. Am Ende dieses Sommers wird Elio Dinge über sich selbst entdeckt haben, die er niemals für möglich gehalten hätte. Er wird erkannt haben, dass der Liebe, obwohl sie wunderbar ist, auch etwas Grausames und Unbeständiges innewohnt.


Ruf mich bei deinen Namen - ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt weiterzulesen, auch wenn der Anfang ein wenig holprig daherkommt und die etwas gestelzte und affektierte Erzählweise sogar ein wenig abschreckt. Meine Résistance verging sehr schnell und vor mir entblößte sich ein wunderbarer Roman der atmosphärisch sehr dicht erzählt ist und von einer aufkeimenden, ersten Verliebtheit handelt. Dabei kommt diese in den Anfängen der 80er Jahre spielende Geschichte mit sehr wenigen direkten Dialogen aus. Ich habe dieses Buch regelrecht aufgesogen und es war nach 2 Tagen ausgelesen. Es ist einer der wenigen Romane, bei dehnen ich mir wünschte, dass sie nie Enden mögen.


Was mich besonders freut ist, dass dieses Liebesdrama im Jahr 2016 verfilmt wurde und bei der heurigen Berlinale sehr gut angekommen ist. Es versteht sich von selbst, dass er nun auf meine Wunschliste gelandet ist.

Ruf mich bei deinem Namen
von André Aciman
(2)
eBook
7,49

"Wo ist Dick?" "Dick ist nicht da!"

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.06.2017

I love Dick ist ein Briefroman, ein intelligenter und anspruchsvoller Briefroman, der allerdings sehr einseitig erzählt wird. Es sind unzählige Briefe die von Chris und Sylvère an Dick geschrieben werden, jener glänzt allerdings mit einer stoischen Abwesenheit. Dem geneigten Leser wird allerdings schnell klar, dass Dick höchstwahrscheinlich nie oder nur einmal, wahrscheinlich am Ende des Romans antworten wird. Hier könnte man das Buch, im weitesten Sinne mit dem Theaterstück - Warten auf Godot - vergleichen.


Die Protagonisten nennen sich selbst zwischendurch Emma und Charles Bovary. Was allerdings Madame Bovary mit I love Dick zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich diesen Klassiker der Literatur noch nicht gelesen habe - werde es aber nun schleunigst Nachholen. Unter anderem war auch in der einen oder anderen Kritik, von einem feministischen Werk die Rede und ich muss sagen, dass mit Chris alias Emma der Roman sehr wohl eine dominante Frau porträtiert, den Feminismus darin hab ich aber nicht gefunden. Chris Beziehung, ihr Verhalten ist ein stetes Auf und Ab, zwischendurch zweifelte ich auch am Verstand der Beiden - vielleicht standen sie unter Drogeneinfluss? - und auch deren Sexualität scheint einem ständigen Wechsel zu unterlegen an dem der ominöse Dick anscheinend auch Schuld daran trägt. Oder eben die Besessenheit von Chris. Alle leiden unter dieser Dreiecksbeziehung, dieser Menage á trois, die hauptsächlich aus zwei Personen besteht. Kompliziert? Ja ein wenig. Erotisch? Nein, nicht im Geringsten.



Meiner Meinung nach ist es ein Psychogramm einer gescheiterten Ehe - ich lasse mich allerdings gerne eines besseren belehren. Die Serie, ja man hat diesen Roman auf Zelloid gebannt, habe ich noch nicht gesehen, bin aber sehr Neugierig auf welchen Fokus man hier gesetzt hat. Und doch ist da ein Sog, einer dem man nach ein paar Seiten nicht mehr entziehen kann und man beginnt schon beim Lesen darüber nachzudenken. Schuld daran trägt wohl diese Obsessivität der Hauptprotagonistin: Sie erblickt Dick und ist sofort in ihn verliebt. Ihr Versuch, ihr briefliches Stalking zu erklären unterstreicht sie, indem sie ständig andere Personen zitiert. Das wird mit der Zeit ein wenig langatmig und zu intellektuell.

In einem Zeitungsinterview hat Chris Kraus gesagt, dass der Roman starke biografische Züge hat. Selbst Dick gibt es anscheinend tatsächlich, er hat nach dem Erscheinen des Romans mit einer Unterlassungsklage versucht, die Veröffentlichung zu stoppen. Schön das es ihm nicht gelungen ist. Ich wäre um einen guten Unterhaltungsroman gebracht worden.

I Love Dick
von Chris Kraus
(1)
eBook
17,99

Szenarien einer kommenden Revolution

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.06.2017

Das Sachbuch - Superintelligenz - geht von Entwicklungen der Vergangenheit und den derzeitigen Stand der Künstlichen-Intelligenz-Forschung aus und umreißt zukünftige Szenarien. Dabei zeigt der Philosoph Nick Bostrom auch die möglicherweise fehlenden Kontrollmechanismen zukünftiger KIs auf. Meiner Meinung nach ist dieses Buch sehr wichtig, einfach weil es zu einer Diskussion anregt, die man nicht früh genug starten kann. Denn bei einer Umfrage, die Nick Bostrom unter weltweit führenden KI-Experten gemacht hat, war die mediane Antwort auf die Frage, in welchen Jahr der Mensch die KI entwickelt hat, 2040 oder 2050. So sieht unter anderem auch der britische Physiker Stephen Hawking in künstlicher Intelligenzen eine Bedrohung für die Menschheit an und das durch deren Aufkommen unser Ende eingeleitet werden könnte.

Abgesehen von den Gedankenspielen und Diskussionen rund um die KIs, hat Nick Bostrom ein sehr anspruchsvolles Sachbuch geschrieben, dass durch eine gute Struktur und Aufbau glänzt. Einigen Kapiteln kann man gut folgen und sind auch für den durchschnittlichen Leser von Sachbüchern verständlich. An deren Ende gibt es meist eine Zusammenfassung, Verweise und Anmerkungen, um den umfangreichen Inhalt besser zu verstehen. Der Text ist sehr wissenschaftlich gehalten - wichtige Informationen sind in langen Sätzen, die manchmal ein wenig zu verschachtelt sind, versteckt. Grundsätzlich bin ich anspruchsvolle Bücher gewohnt - Nick Bostroms Sachbuch beschreitet darin aber noch einmal eine gänzlich neue Stufe. Liest man das eine oder andere Interview mit dem Philosophen und Sachbuchautor, merkt man, dass er fundierte wissenschaftliche Forschung, auch sehr einfach beschreiben kann.

Superintelligenz
von Nick Bostrom
(1)
eBook
16,99

Eine Liebesgeschichte im arabischen Frühling

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2017

Aus der Vielzahl der jährlichen Bucherscheinungen, hab ich ein bestimmten Roman ins Auge gefasst und mich sehr darüber gefreut, dass der Albino Verlag ihn nun auf Deutsch herausgebracht hat: Guapa von Saleem Haddad. Rasa ist der Hauptprotagonist in diesem Debütroman und der Leser irrt mit ihm scheinbar ziellos durch seine Heimatstadt, in einem namenlos-bleibenden arabischen Land, dass zerrissen ist und irgendwo zwischen einer Diktatur und einer radikal-islamistischen Opposition festhängt. In dieser aufgeheizten Stimmung wird sein bester Freund seit Kindertagen verhaftet und in ein Foltergefängnis des amtierenden Präsidenten gebracht. Zu allem Übel ist Rasa von seiner Teta, seiner Großmutter, in einem intimen Moment mit seinem Freund Taymour beobachtet worden. Rasa hängt seinen Erinnerungen an seiner Kindheit und scheinbar besseren Tagen nach und lässt den Leser daran teilhaben.

Das literarische Jahr hat gerade erst begonnen und dennoch traue ich mir zu sagen, dass - Guapa - von Saleem Haddad mein persönliches Lesehighlight des Jahres 2017 ist und unbedingt gelesen werden sollte. Wir begleiten den Hauptprotagonisten während eines einzigen Tages, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, und erfahren so über das schwierige Leben als Homosexueller in einem radikal islamisch geprägten Land. In einem Interview hat der Schriftsteller gesagt, dass all die Protagonisten die in diesem Roman vorkommen, teil seiner selbst sind und es in diesem Sinne auch biografisch gelesen werden kann. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Saleem Haddad nur an der Oberfläche kratzt und der Leser nur eine Ahnung bekommt, wie es ist so aufzuwachsen wie er es wohl getan hat und auch so zu leben.

Beim Lesen diesem Werk hatte ich immer wieder Tränen in den Augen. Prosaisch, Sehr bewegend, authentisch, ein literarisches Kleinod - sind jene Eigenschaften, die mir zu - Guapa - einfallen. Eigenschaften, mit dehnen andere Romane hochgelobt und gehypt worden sind, und dort - meiner Meinung nach - nicht vorhanden waren. Lesen Sie doch dieses Buch von Saleem Haddad, ich bitte Sie.

Falls Ihnen - Guapa - gefallen hat, dann lesen Sie doch auch den biografisch inspirierten Debütroman - Das Ende von Eddy - von Éduard Louis, der vom Ende der Kindheit in einem französischen Dorf schreibt.

Guapa
von Saleem Haddad
(1)
eBook
9,99

Die Natur schlägt zurück

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2017

Erzählt wird dieser Roman aus der Sicht der Biologin, die so wie ihre Mitstreiter, auch nur bei ihrer Funktion genannt werden. Wenn von ihrem Mann die Rede ist, wird er nicht namentlich erwähnt, sondern eben nur als ihr Mann tituliert. Genauso wie die anderen Teilnehmerinnen der Expedition in Area X: Die Vermesserin, die Psychologin und die Anthropologin. Dem aufmerksamen Leser fällt aber gleich auf der ersten Seite etwas auf: Alle Expeditionsteilnehmer sind Frauen. Warum das so ist, erschließt sich einem nicht. Das birgt neben einen gewissen Reiz, aber auch die Gefahr mit, dass ein Großteil der Leser mit den Charakteren nicht warm wird, einem fremd und unpersönlich bleiben und dadurch den Roman nicht mögen. Ich finde allerdings, dass es gut in das Gesamtkonzept der Geschichte passt, die eben darauf abzielt möglichst mysteriös zu bleiben. Es birgt aber auch die Gefahr einer sehr lapidaren Auflösung, was ich persönlich nicht hoffe. Aber keine Sorge, mit Ende des ersten Teils werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet: Alles bleibt sehr spekulativ. Daraus resultiert aber auch, dass die Innenansichten und Gedankengänge der Biologin einen großen Raum einnehmen. Der geneigte Leser fängt schon während des Lesens zum Nachdenken über die Area X und einer sich offensiv ausbreitenden Natur an. Gerade in Zeiten wachsenden Umweltverschmutzung und den daraus resultierenden Naturkatastrophen, in einer Zeit wo viele Kinder nur in Häuserschluchten aufwachsen und kein Grün kennen, hegt man sympathische Gefühle mit der sich radikal ausbreitenden Natur an und schließlich Area X an. Auslöschung sticht als anspruchsvoller ScienceFiction Roman aus der Masse der Neuerscheinungen eindeutig hervor. Deswegen ist es wohl nicht verwunderlich, dass der Roman neben dem Hugo-, dem Nebula Award, mit vielen weiteren ScienceFiction-Preisen ausgezeichnet geworden ist.

Leicht ähnlich von der Thematik, aber gänzlich anders vom Erzählstil, könnte ich von Frank Schätzing - Der Schwarm - empfehlen. Einen gewissen Faible für Meeresbiologie würde nicht schaden. Ich kann den nächsten Roman dieser Reihe, dass den Titel Autorität trägt, kaum erwarten.

Auslöschung
von Jeff VanderMeer
(24)
eBook
10,99

 
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