bol.de

Bewerter

Eine Kundin / Ein Kunde Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Bewertungen 474 (ansehen)


Lieblingsautoren:
Neil Gaiman, Michael Cunningham, Amber Dermont, Joey Goebel, Kevin Hearne, Ruth Ozeki Jane Austen, Haruki Murakami, Johanna Sinisalo, DBC Pierre, Chris Adrian, Floortje Zwigtman, Patrick Spät und viele, viele mehr :-)

Meine Favoriten

Meine Bewertungen

 
zurück
 

Jude and Judy

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.06.2016

Für Jude ist die Schule einfach nur großes Kino. Egal was die anderen Kids machen, er lässt es einfach nicht an sich heran. Ihm ist es egal, dass er mit Judy angesprochen wird, obwohl er ein Junge ist. Es ist ihm egal, dass die anderen das Maul über ihn zerreißen, er kommt sich dann wie ein Prominenter vor. Er kommt sich vor wie ein Moviestar, der gerade die Titelseiten der Klatschblätter ziert.

Raziel Reids – Movie Star – hatte ich ziemlich schnell gelesen. Wobei es ja nichts über die Qualität einer Geschichte aussagt, wie lange man dafür braucht. Persönlich fühlte ich mich an Ben Brooks Romane - Lolito - und - Nachts werden wir erwachsen - erinnert. Beide, genauso wie auch Movie Star, haben Jugendliche als Hauptprotagonisten und bei allen dreien ist es ein Adoleszenzroman und beide Schriftsteller nehmen sich kein Blatt vor dem Mund und nennen die Dinge beim Namen.

Er beschreibt mit klaren Worten das Elend der Pubertät, im speziellen eben die Schwierigkeiten, mit denen ein homosexueller Jugendlicher konfrontiert ist, und den oft viel zu einfachen Zugang zu Drogen und Alkohol. Die teils etwas rüde und ja auch etwas derbe Umgangssprache unter einander ist mir auch sofort ins Auge gestochen. Falls er nun in dieser Geschichte, dass eine oder andere ein wenig überzeichnet hat, nun dann bin ich froh, ohne jetzt mit dem Zeigefinger zu wedeln oder glorifizieren zu wollen, in einem Umfeld aufgewachsen zu sein, wo der heimliche Griff zur Flasche Bier, oder Zigaretten ohne Haschisch, das Schlimmste war, was ein Jugendlicher seiner Eltern angetan hat. Dennoch hatte ich beim Lesen ganz stark das Gefühl, dass viel biographisches mit in die Geschichte eingeflossen ist. Nach einem Interview mit Raziel Reid eröffnete der Schriftsteller, dass der Roman auch von einem realen Fall inspiriert wurde (Im Februar 2008 erschoss ein Mitschüler den 15 jährigen Lawrence King). In ein oder zwei Rezensionen, wurde im Unglaubwürdigkeit vorgeworfen, dass ist nach dieser Info natürlich ein wenig unpassend. Aber auch negative Publicity ist Publicity: Der skandalträchtige Aufschrei hat nicht lange auf sich warten lassen. Mir hat im Gegensatz diese Geschichte sehr gut gefallen und bin gespannt, was der junge Schriftsteller noch in petto hat.

Movie Star
von Raziel Reid
(1)
eBook
14,99

Der Beginn einer literarischen Reise

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.06.2016

Im Nachwort von „Wo die Welt anfängt“, Truman Capotes ersten Erzählungen überhaupt, heißt es sinngemäß, dass seine frühen Werke von einer Reife und Kunstfertigkeit zeugen, die man einem so jungen Menschen nicht zutrauen würde. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen; einen Teil seiner Kurzgeschichten, die in diesem Werk versammelt sind, schreibt er aus der Sicht alter Männer und Frauen, junger verliebter Mädchen, Dieben und Wegelagerer und das mit einer Hingabe die man nur selten bei jemanden liest, der sich vielleicht schon sein Leben lang dem Fabulieren verschrieben hat. Über 30 Jahre lang lagen diese Schätze der Literatur unentdeckt in einer amerikanischen Bibliothek und man mag gar nicht daran denken, was noch alles hier verborgen liegt, ohne das die breite Öffentlichkeit davon Kenntnis hat. Das bereitet mir eine besondere literarische Gänsehaut.

Das Schreiben nannte Capote seinen kleinen Dämonen. Der geneigte Leser seiner Werke, und meine Wenigkeit profitieren nun von seiner Besessenheit. Aufmerksam wurde ich auf ihn, durch seine Jugendfreundin Harper Lee und ihren zwei Romanen. Weltweite Bekanntheit erlangte Truman Capote durch die Verfilmung von - Frühstück bei Tiffany. Dabei war er mit der Wahl der Hauptprotagonistin, Audrey Hepburn, gar nicht zufrieden und dennoch hat sie zu diesem weltweiten Ruhm, mit ihrer Darstellung der Hooly Golightly, beigetragen.

Hier fängt meine Reise durch die literarische Welt von Truman Capote an. Und so wird der Titel „Wo die Welt anfängt“ für mich zum geflügelten Wort. Ich bin mir daher sicher, dass es nicht bei diesen Erzählungen blieben wird, die ich von ihm lese.

Wo die Welt anfängt
von Truman Capote
(1)
eBook
14,99

Dämonische Liebe

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.06.2016

Ignatius Perrish, von seinen Freunden Ig genannt, wacht nach einer durchzechten Nacht auf und stellt mit Schrecken fest, dass ihm Hörner gewachsen sind. Er kann sich nur noch schemenhaft an die Nacht erinnern und noch seltsamer mutet das Verhalten seiner Freundin an, die in seiner Gegenwart plötzlich ungehemmt ausspricht, was sie sonst eigentlich verheimlichen würde. Sie offenbart ihm ihre geheimsten Sehnsüchte und Wünsche. Selbst der Arzt, dem er wegen seiner Hörner befragen möchte, kann ihm nicht helfen. Viel lieber spricht er ebenfalls über seine dunkelsten Begierden: seine sehr junge Nachbarin die er sehr sexuell anziehend findet und seinen Drogenmissbrauch. Ig wird schnell klar, dass die Hörner mehr Segen als Fluch sind, gilt es doch den Tod seiner ehemaligen Freundin Merrin aufzudecken, die vor über einem Jahr, von einem Unbekannten vergewaltigt und ermordet wurde.

Teufelszeug hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen, wahrscheinlich auch deswegen, weil er so viele Fantasy-Elemente in die Geschichte mit einbringt und weil einer meiner liebsten Schauspieler in dessen Verfilmung (=Horns) die Hauptrolle als Ig bekommen hat: Daniel Radcliffe. Dass er einen Hang zu gruseligen Filmen hat, weiß man ja schon seit „Die schwarze Frau“. Aber das ist eine andere Geschichte. Abwechselnd und aus verschiedenen Zeitebenen heraus, wird die Geschichte rund um Ig und seine verlorene Liebe erzählt. So bleibt die Spannung trotz über etwas zu langatmig geratenen Stellen aufrecht und auch der schwarze Humor kommt nicht zu kurz. Ich fand es doch schon sehr witzig, als Ignatius Mitmenschen begonnen haben, ihm ihre geheimsten Gelüste und Begierden zu offenbaren. Obwohl nun „Gott bewahre“ nicht dem Horrorgenre entspricht, kommt mir dieses Werk von Niven in den Sinn. Vielleicht weil ich diese Mischung aus schwarzen Humor und Fantasy sehr gut gefällt und meiner Meinung nach, auch sehr gut gelungen ist.

Ein interessantes Detail am Rande ist, dass sich hinter dem Schriftsteller Joe Hill niemand geringeres als Sohn des König des Horrors steckt: Stephen King. Und um sich von einem steten Vergleich abzugrenzen, hat der Sohn anfänglich eben unter diesem Pseudonym geschrieben. Nachdem ich nun selbst noch nichts von Stephen King gelesen habe, kann ich aber auch keine Vergleiche ziehen und grundsätzlich sollte man das ja auch nicht tun. Denn obwohl beide im selben Genre schreiben, hab ich mir sagen lassen, dass beide einen unterschiedlichen Schreibstil pflegen. Joe Hill hat auf alle Fälle meine Aufmerksamkeit erregt und nun bin ich gespannt, was er sonst noch so alles in petto hat. Christmasland liegt auf meinen SuB nun ein Stückchen höher.

Teufelszeug
von Joe Hill
(1)
eBook
8,99

Eine echt foxy Geschichte!

Eine Kundin / Ein Kunde , am 19.05.2016

Heinz ist ein 15 jähriger Junge, der seine Kindheit, bei immerwährenden Sommer, auf einer Alm in den Bergen verbracht hat. Sein ständiger Begleiter ist sein Toy Fennek, ein elektronischer Fuchs, der über einen gewissen Grad an Künstlicher Intelligenz verfügt und noch aus dem Leben vor dem Untergang stammt. Die Welt, so wie Heinz sie nur die ersten paar Lebensjahre gekannt hat, ist eben bis auf dieses kleine Paradies untergegangen. Die Menschen auf der Alm teilen es sich, mit einer Gruppe überlebender Affen. Als jedoch für ein paar Tage der Schutzschirm zusammenbricht, wird den Menschen klar, dass dieses Paradies, ohne Wartung des Schutzschirmes, nicht für ewig gepachtet ist. Die Gruppe Überlebender macht sich auf nach Salzburg, hinaus in die Welt, denn dort soll es Flüchtlingslager geben, dass die Überlebenden in eine Zone bringt, die noch nicht zerstört worden ist.


Dieser Roman, rollt mit einer literarischen Wucht auf einem zu. Wie eine Monsterwelle reißt sie einem mit und lässt einem nicht mehr los. Dabei ist – Die Verteidigung des Paradieses -, gerade am Anfang ein wenig langatmig geraten, wenngleich es von Anfang an sehr ausgezeichnet geschrieben ist. Das Spiel mit den Worten, die glaubhafte und neu entwickelte Umgangssprache, die sich von Steinaecker bedient ist ganz großartig gelungen. Foxy ist so ein Wort. Und Heinz benutzt es gerne. Er ist eben ein foxy Typ. Aus seiner Sicht, wird die Geschichte erzählt und manchmal wirkt der Junge ein wenig einfältig. Allerdings hat er sich es zur Aufgabe gemacht, alles was passiert festzuhalten, außerdem möchte er ein Bewahrer alter Wörter sein.

Schon wieder eine Dystopie? Schon wieder eine fast zerstörte Welt? Am Anfang war ich skeptisch, aber das hat sich schnell geändert. Die Verteidigung des Paradieses ist ein Paradebeispiel, dass dieses komplexe literarische Experiment gut gelungen ist und das, dass Sciencefiction Genre auch in der anspruchsvollen Literatur angekommen ist, und zwar sehr gut angekommen. In einer guten Dystopie, schwing auch immer ein bisschen Gesellschaftskritik mit; Allerdings ist dieser Roman schneller von der Wirklichkeit eingeholt worden, als es dem Schriftsteller liebe war. Die fiktive Welt nach dem Untergang, ähnelt der unsrigen gegenwärtigen Welt doch sehr und geschrieben hat Von Steinaecker, einige Passagen bereits vor drei oder vier Jahren. Angesichts der Fernsehbilder aus den Flüchtlingscamps und derzeitigen politischen Lage, wäre es ihm gar nicht mehr möglich so etwas aufzuschreiben – anmaßend würde er sich dabei vorkommen, wenn nicht gar obszön. (=Seine Worte bei einer seiner Lesungen)

Ich finde aber, dass wir genau aus diesem Grund, dieses Buch brauchen. Genau aus diesen erschütternden und beunruhigenden Gründen, sollte es gelesen werden. Es hallt lange nach dem Lesen noch in einem nach. Es ist ein foxy Buch, zumindest würde es Heinz so sagen, es ist eine Abenteuergeschichte, und zum Schluss bliebt die Frage offen, welches Paradies wir wohl verteidigen würden, wären wir in solch einer Situation. Zumindest ich hab mir ständig diese Frage gestellt. Was wäre wenn?

Die Verteidigung des Paradieses
von Thomas von Steinaecker
(2)
Buch
24,99

Nun, da wären wir

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2016

Helden und Hauptprotagonisten dieser Geschichte sind zweifelsfrei die Wissenschaftler und ihr Bemühen eine gute politische und soziologische Gesellschaft auf dem Mars aufzubauen. 100 von Ihnen landen im Jahr 2026, dem ersten Marsjahr M1, auf dem Planeten und bereits beim Flug dorthin, wird man den verschiedenen politischen und soziologischen Ansichten der Teilnehmer konfrontiert. „Nun, da wären wir“,  sind die ersten Worte am Mars und klingen dann doch ein wenig unbedarft und ironisch. Roter Mars wird aus den Blickwinkeln der ersten 100 erzählt und ist in mehrere Teile unterteilt. Bis auf das erste Kapitel, werden in chronologischer Reihenfolge ca. 35 Jahre abgehandelt. Das hat zur Folge, dass der Schriftsteller auf gewisse Details keinen Wert legen kann oder darf und diese deswegen sehr schnell abhandelt. Manche mögen sich nun daran stören, mir hat es aber gut gefallen. Auf knapp 700 Seiten würden sich mehrere Details rein rechnerisch schon nicht ausgehen. Das erste Kapitel ist zeitgleich der Höhepunkt der eigentlichen Erzählung und wie bei der Fernsehserie Columbo erfährt der Leser gleich zu Beginn, wer Mörder und wer Opfer in einem Komplott sein wird, allerdings erst mit Fortschreiten der eigentlichen Geschichte, erfährt man mehr über das Weshalb und das Warum.

Die New Yorker titelte einmal, dass Kim Stanley Robinson der größte lebende Sciencefiction Schriftsteller der Welt sei und dem kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen. Roter Mars ist der Auftakt zu einer wirklich großartigen Trilogie(es folgen grüner Mars und blauer Mars; Alle drei wurden mit einigen Preisen und Auszeichnungen, u.a. mit dem Nebula und dem Hugo Award, gewürdigt). Als Jugendlicher hatte ich seine wohl bekanntesten Romane bereits gelesen. Es ist tatsächlich etliche Jahre her und deswegen freut es mich, dass der Heyne Verlag diese nun neu überarbeitet und wiederveröffentlicht hat. Dabei unterhält gute Sciencefiction Literatur nicht nur, sondern sie stellt sich auch den großen Fragen unserer Zeit, und gibt uns eine mögliche Antwort auf viele menschengemachten Probleme. Die Politik ist dem Sciencefiction Genre inhärent und ist dadurch mal mehr, mal weniger durchzogen von jenem Thema und Kim Stanley Robinson weiß jenes auszureizen. Aber noch etwas fällt auf: die eigentlichen politischen Themen haben sich seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts nur wenig geändert. Umweltverschmutzung, schwindende Ressourcen und Revolten sind auch heute noch immer globale Themen der Politik. Wer nun noch nicht genug von der Mars-Trilogie hat, dem empfehle ich „Der Marsianer“ von Andy Weir, der sich wie eine Mischung aus Robinson Crusoe und McGyver liest.

Roter Mars
von Kim Stanley Robinson
(2)
Buch
14,99

Cty of the Night

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2016

Nacht in der Stadt ist der Debütroman des amerikanischen Schriftstellers John Rechy. Soweit man anderen Rezensionen und Buchbesprechungen glauben schenken darf, sind seine Werke geprägt von seiner mexikanischen Abstammung und behandeln immer wieder das Thema der historischen und kulturellen und gegenseitigen Beeinflussung, der verschiedenen Staaten und Länder Amerikas. Letzteres kann ich (noch) nicht beurteilen, denn - Nacht in der Stadt - ist der erste Roman den ich von Rechy gelesen habe, und in diesem Roman streift er die oben genannte Thematik nur am Rande. Vielmehr handelt es von einem Protagonisten und der promiskuitiven Halbwelt in der er sich bewegt. New York ist eine seiner ersten Stationen und in den 60er Jahren, in der dieser Roman spielt, entstand dort, trotz der Verfolgung durch die Polizei und die moralische Verurteilung der Gesellschaft, eine homosexuelle Subkultur, die in der Blütezeit mehr als 40 schwule Bars und Lokale umfasste. Hier trifft der namenlosen Hauptprotagonist, der aus einer zerrütteten Familie und von einem gewalttätigen und furchteinflössenden Vater flüchtet, auf seinen ersten Freier und dort verdingt er sein Leben als Stricher. Er bleibt nicht lange in dieser Großstadt, schon bald zieht es ihn weiter. Auf seiner Reise durch die Großstädte der USA erschließt sich ihm immer mehr die Parallelgesellschaft der Homosexuellen, die sich die Parks, Straßen und einschlägigen Bars des Nachts treffen und ihrer Lust frönen.

John Rechy hat mit „Nacht in der Stadt“, wenn ich es ein wenig salopp ausdrücken darf, einen schwulen Klassiker geschrieben, der seine Daseinsberechtigung sehr wohl auch knapp 55 Jahren nach seiner Erstveröffentlichung hat. Die gelebte und gefeierte Subkultur der Homosexuellen Community mag zwar politisch in der Mitte angekommen sein, wird aber in ihren verschiedenen Ausrichtungen noch immer von außerhalb und auch innerhalb, immer wieder torpediert und mit Vorurteilen überhäuft. Ja, auch Homosexuelle Menschen hegen gegenüber anderen Homosexuellen ihre Vorurteile, was anfangs ein wenig lächerlich und abstrus anhört, wird zur unweigerlichen Tatsache, wenn man Rechys Roman aufmerksam verfolgt und gelesen hat. Der namenlose Protagonist, aus dessen Sicht erzählt wird, ist eigentlich nicht sehr sympathisch – er ist ein kalter, ruheloser junger Mann, unfähig Liebe und Zuneigung zu zeigen, dafür aber sehr wohl seinen Lebensunterhalt als Stricher verdingt, und die Aufmerksamkeit seiner Freier sehr wohl genießt. Die Erzählweise ist keineswegs hervorstechend, liest sich aber relativ flüssig und bedient sich einer gewissen Leichtigkeit. Dabei kann der Roman sehr wohl auch biografisch gelesen werden, schließlich wurde Rechy selbst in den 60-70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein paar Mal wegen Prostitution festgenommen. Nacht in der Stadt ist der einzige Roman der derzeit von John Rechy auf Deutsch erhältlich ist, was mich aber nicht abhalten wird, mehr von ihm zu lesen.

Nacht in der Stadt
von John Rechy
(1)
Buch
12,95

Magischer Roadtrip

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Shadow hat im Gefängnis gelernt den Kopf unten zu halten und nicht anzuecken. Er ist jedem Ärger aus dem Weg gegangen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb er nur die Hälfte seiner Haftzeit absitzen musste. Eigentlich freut er sich auf zu Hause und auf seine Freundin Laura, doch kurz vor seiner Entlassung kommt sie bei einem Autounfall ums Leben. Nichtsdestotrotz tritt er seine Reise nach Hause an und begegnet dabei einen mysteriösen Fremden, der sich selbst Mr. Wednesday nennt. Er macht Shadow ein lukratives Jobangebot. Er soll ihm auf einer Reise quer durch Amerika begleiten. Auf diesen eigenartigen Roadtrip begegnet er nichtmenschlichen Geschöpfen und mit der Zeit kristallisiert sich heraus, was Wednesday eigentlich im Schilde führt.

American Gods ist 2003 das erste Mal auf Deutsch erschienen und auch auf Englisch gibt es zumindest mehrere verschiedene erhältliche Ausgaben. Die insgesamt drei Vorworte haben mich ein bisschen stutzig gemacht. Aber sind im Grunde eine witzige Idee, vor allem weil man viele Hintergrundinformationen zur Geschichte und zum Autor selbst erfährt. Wenn man nun dem genialen Schriftsteller Neil Gaiman Glauben schenken darf, ist diese Ausgabe nicht nur die längste, sonder auch seine liebste. American Gods ist der zweite Roman den ich von Gaiman gelesen habe, wenn man die Sandmancomics nicht miteinbezieht, und mittlerweile ist er zu einen meiner liebsten Schriftstellern avanciert, dessen Werke nun einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal bekommen. Ich habe mir sogar Stardust – Der Sternenwanderer angesehen und ja, ich kleiner Revoluzzer, hab den Roman noch nicht gelesen, was ich aber bestimmt noch nachholen werde. Aber zurück zu American Gods:

In diesem Roman verwebt Gaiman einen Roadtrip quer durch die amerikanischen Staaten, mit einer Schar mythologischer und übernatürlicher Wesen, die unerkannt bei den Menschen leben. Wie auch schon in anderen seiner Werke, sind die drei weisen Frauen, bzw. die drei Hexen ein wiederkehrendes Thema, dass sich auch hier wiederfindet. Allerdings muss der geneigte Leser ein wenig Geduld üben, denn erst gegen Ende der Geschichte tauchen sie auf und bekommen sogleich eine tragende Rolle. Außerdem erzählt er, genauso wie im „Den Ozean am Ende der Straße“, in dieser Erzählung nicht alles zu Ende. Manche Dinge scheinen logisch zu sein und wenn man das eine oder andere Detail beachtet, führt er einem schon in die richtige Richtung. Manche Begebenheiten spinne ich selber weiter und spukten daher auch lange nach dem Lesen, noch in meinen Gedanken herum. Für den einen oder anderen Nebencharakter hätte ich mir allerdings schon mehr Platz und Raum in der Geschichte gewünscht, bzw. man hätte aus den vielen Nebengeschichten schon einige eigene Romane füllen können. Jedem der fantastischen Geschichten etwas abgewinnen kann, kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen.

American Gods
von Neil Gaiman
(1)
Buch
14,00

Baba Dunja

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Baba Dunja ist – wie ein paar andere Alte – in ihr Häuschen zurückgekehrt: Als pensionierte Hilfskrankenschwester hätte sie sich in der Stadt gar keine Mietwohnung leisten können. Das ihr Haus in der radioaktiv-verstrahlten Zone rund um Tschernobyl liegt, kümmert sie eigentlich gar nicht. Nur überfordern darf man Dunja nicht, schließlich ist sie auch keine 82 mehr.

Aus der Ich-Perspektive erzählt Alina Bronsky, in einfachen und ruhigen Sätzen, die Geschichte einer in die Todeszone rund um Tschernobyl Zurückgekehrten. Zwei Dinge treten deutlich hervor: Einerseits die liebevolle Beschreibungen der Charaktere und die wirklich wunderbar gelungene Erzählung, die manchmal auch ein wenig poetisch wirkt. Baba Dunja erinnert mich da ganz stark an meine eigene Baba. Leider viel zu kurz ist die gelungene Erzählung geworden, viel zu schnell hab ich die traurige und auch oft sehr skurrile Geschichte durchgelesen. Und ja eine ganz wichtige Botschaft hat sie auch: Nicht immer Angst haben, sondern auch einfach mal leben(=Auch wenn die äußeren Umstände oft ganz prekär und tödlich sind). Baba Dunja war nominiert für den deutschen Buchpreis 2015 und ist mein erster Roman von Alina Bronsky, aber bestimmt nicht mein letzter.

Baba Dunjas letzte Liebe
von Alina Bronsky
(31)
Buch
16,00

Geister, Friedhof und Vampire

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

Nächtens ermordet ein Mann eine ganze Familie. Nur das jüngste Kind kann fliehen und flüchtet zum Friedhof. Hier gehen gute Geister um, die dem kleinen Jungen helfen. Der Junge wird Nobody Owens (=was für ein herrliches Wortspiel) getauft und zu seinem eigenen Schutz wird ihm verboten den Friedhof zu verlassen. Die Häscher seiner Familie sind aber noch immer da draußen und seine Freunde vom Friedhof, nicht nur Geister sondern auch andere übernatürliche Wesen gehören von nun an dazu, bereiten ihn auf das da draußen gut vor.

Eines vorweg: Ich bin, was die Werke von Neil Gaiman angeht, ein Spätzünder, ein Fan der zweiten Stunde. Aber es gibt kaum ein von ihm geschaffenes Werk, dass mich nicht sofort in den Bann gezogen hätte und von dem ich nicht fasziniert gewesen wäre. Manche Romane besitze ich sogar in mehreren Ausführungen. Manche in englisch, manche als eBook, und manche, weil es die jeweilige Ausgabe ist, die dem Romancier selbst sehr gut gefallen haben. (American Gods, z.B.) Ich bin jetzt nicht gerade der Comic- oder Graphik Novel Fan, aber nachdem Gaimans Werke einen besonderen Status in meinem Bücherregal genießen, kommen oben genannte natürlich in meine Sammlung dazu. Das Graveyard Buch hab ich bereits in Romanform als eBook gelesen, hat u.a. mehrere Auszeichnungen bekommen, den Hugo Award und die Carnegie Medal, und nachdem ich nun gesehen habe, dass der Eichborn Verlag dieses Werk als Graphic Novel herausgegeben hat, konnte ich gar nicht anders und hab sofort zugeschlagen. Was soll ich großartig um den heißen Brei herumreden: Mir hat es sehr gut gefallen! Wie oben bereits erwähnt gibt es dieses Werk in verschiedenen Ausgaben, als Comic-Reihe, als Jugendroman und eben nun in dieser zuletzt erschienenen Graphic Novel. Es beruht auf der Comic-Reihe, die von sieben unterschiedlichen Illustratoren stammt und das ist meinem geübten Auge sofort aufgefallen. Bei manchen sticht der Unterschied deutlich hervor, bei anderen weniger. Dabei haben aber alle eines gemeinsam: Sie sind sehr detailverliebt und durchgehend farbig.

Die Erzählung an sich ist eine Hommage an das Dschungelbuch von Kipling, soweit man einer Buchbesprechung im Internet glauben schenken darf. Ich muss gestehen, dass der genannte Kinderbuchklassiker, bisher an mir vorüber gegangen ist. Dieser Umstand wird aber demnächst geändert. Kurzweilig und Fantasievoll ist – Das Graveyard Buch – aber allemal. Wer jetzt noch nicht Blut geleckt hat und sich noch immer nicht sicher ist, was er von Gaiman lesen soll, dem kann ich im Besonderen – American Gods Directors Cut – und – Der Ozean am Ende der Straße – empfehlen. Letzteres wurde mir vom Meister Neil Gaiman persönlich signiert und hat nun einen besonderen Platz in meinem Bücherregal bekommen.

Das Graveyard-Buch
von Neil Gaiman
(1)
Buch
29,99

Wenn der Mond zerbricht

Eine Kundin / Ein Kunde , am 14.04.2016

„Der Mond explodierte ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund.“ ist der erste Satz in diesem wirklich sehr einzigartigen Werk von Neal Stephenson. Er zerbricht in sieben Gesteinsbrocken, die alle an Ort und Stelle verblieben und der Menschheit einen faszinierenden Anblick bieten. Dabei wird allerhand gerätselt, was denn nun die Ursache gewesen ist: von Aliens und von einem winzigen schwarzen Loch ist die Rede, was allerdings die Ursache war, bleibt im Dunkeln. Als ein Brocken des Mondes, genannt die Kidneybohne, durch das kollidieren mit einem anderen Brocken in zwei weitere Gesteinsbrocken zerbricht, macht sich die Wissenschaftler keine Gedanken mehr was passiert war, sondern was noch passieren wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, da die einzelnen Mondteile nun weiter exponentiell kollidieren und zerbrechen, und so einen Meteoritenschauer auslösen, der das Leben auf der Erde auslöschen würde.

Mit großem Interesse habe ich Neal Stephensons – Amalthea – gelesen und gleich mal vorweg, kann ich ein großes Lob an den Manhattan Verlag aussprechen, denn anders als der englische Originaltitel – Seveneves –, spoilert der deutsche Titel so gut wie gar keine Details aus der Erzählung. Der englische Titel bezieht sich zumindest auf zwei verschiedene Ereignisse. Allerdings will ich hier nicht zu sehr vorgreifen und den Leser selber diese Dinge entdecken lassen. Apropos Spoilern: Hier ist die Leserschaft ist oft sehr zwiegespalten. Den einen stört es kein bisschen wenn gespoilert wird, den anderen stößt so mancher Klappentext sauer auf. Meistens versuche ich es zu vermeiden den Klappentext zu lesen und bei – Amalthea – ist es mir nun nicht gelungen. Zum Glück war die Geschichte rund um den zerstörten Mond so spannend, dass es mir auch nur sehr wenig ausgemacht hat, dass der Klappentext, meinem Geschmack nach, zu viel verraten hat. Dabei ist es wahrscheinlich gar nicht so einfach, einen rechten Mittelweg zu finden. Einerseits soll man nicht zu viel von der Story erzählen und andererseits sollte man die Leserschaft trotzdem auf den Roman neugierig zu machen.

Amalthea ist ein Mammutwerk, dass über eintausend Seiten lang ist, und bestimmt ein zukünftiger klassischer Sciencefictionroman ist. Ich wäre nicht erstaunt, würde nicht eine findiger Hollywood-Regisseur auf dieses Werk aufmerksam und es verfilmen. Eine Kinokarte hättet ihr nun schon mal fix verkauft liebe Filmemacher. Die eintausend Seiten sind in drei Teile unterteilt, wobei der letztere 5000 Jahre in der Zukunft spielt und daher auch immer wieder kurze Ausblicke auf die vergangenen Jahrtausende wirft, wo es eben sich in die Geschichte gut einfügt. Im Vordergrund stehen dabei die Ereignisse rund um die lunare Katastrophe und verschiedenen Wissenschaftlern, die versuchen die Menschheit zu retten. Politisch wird die Geschichte auch an mehreren Punkten, allerdings fügt sich dieses Element der Erzählung harmonisch ein und ist nicht zu vordergründig, wie vergleichsweise in – Roter Mars – von Kim Stanley Robinson. Wobei dieser Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe auch sehr zu empfehlen ist. Amalthea ist mein erster Roman von Neal Stephenson, der nicht zuletzt wegen seiner bisher erschienen Romane, als einer der größten amerikanischen Gegenwartsliteraten gehandelt wird. Nun bin ich auf ihn nun aufmerksam geworden und bin zuversichtlich, dass ein oder zwei weitere seiner Romane, den Weg in mein Bücherregal finden werden.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Amalthea
von Neal Stephenson
(2)
Buch
29,99

 
zurück