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7

Rezensionen

12

buch

Ein besserer Engel

Chris Adrian

EUR 19,95 *
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50

25.07.2015

„Magischer Realismus”

Mir hat „Die große Nacht“, Chris Adrians deutscher Debütroman, sehr gut gefallen und ganz zu Recht, wurde er von der Zeitung The New Yorker, auf die Liste „20 under 40“ gesetzt worden. Auf dieser Liste, wie dessen Titel uns bereits verrät, wurden 20 Schriftsteller unter 40 Jahren ausgewählt, deren Werke man unbedingt lesen sollte. Als nun von ihm „Ein besserer Engel“ erschien, hab ich gar nicht lang gezögert und hab auch diesen Roman gelesen.

In „Ein besserer Engel“ vereint der großartige Romancier mehrere Erzählungen in einem Band, in dem der geneigte Leser den Tod auf vielfältige Weise begegnet. Wir begegnen oft Kindern als Protagonisten, was nicht unbedingt verwunderlich ist, ist doch Chris Adrian nicht nur ein ausgezeichneter Schriftsteller, nein er ist auch Kinderarzt und Theologe. Wir treffen auf Menschen die mit dem einhergehenden Trauma des 11. September noch nicht abgeschlossen haben. Wir treffen auf Dinge, die er selbst erlebt hat und er verpackt alles in eine Komplexität des Lebens. Magischer Realismus würde wahrscheinlich das Genre, in dem diese Kurzgeschichten spielen, am besten beschreiben. Er bedient sich dabei, einer klaren und authentischen Sprache und ist bestimmt für eine anspruchsvollere Leserschaft gedacht. Er ist für mich ein wahrer Künstler unter den Literaten und einer meiner persönlichen Favoriten.

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50

21.07.2015

„Trifft ein Golem auf einen Dschinn...”

Im Jahr 1899 fährt ein Dampfschiff nach New York, in seinem Inneren schlummert eine eigenartige Fracht: Ein unbelebter Golem, verpackt in einer Holzkiste. Durch unglückliche Schicksalsschläge verliert ihr Meister, der ebenfalls an Bord ist, das Leben. Mit seinen letzten Atemzügen kann er, die magischen Wörter flüstern, die sie gerade noch so zum Leben erwecken. Meister- und sinnlos strandet sie wie viele andere Menschen in New York und trifft dort auf ein weiteres nichtmenschliches Wesen, dem Dschinn.

Golem und Dschinn hat mir äußerst gut gefallen und dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Ich mag historische Geschichten und Helene Wecker hat mich mit ihrem Erstlingswerk, direkt in das New York des vorletzten Jahrhundertwechsel zurückversetzt. Obwohl die Hauptprotagonisten magische Wesen sind, geht es aber vor allem um brückenbauende Freundschaft, ist doch der Golem Chava ein jüdisches und der Dschinn Ahmad ein islamisch mystisches Geschöpf. Und hier liegt auch der tiefere Sinn verborgen: Das ambivalente Verhältnis beider Gruppen, dass bis zu dem Grabenkampf vor Medina zurück reicht, wo nichtkonvertierte Juden von Moslems umgebracht worden sind, obwohl beide Religionsgemeinschaften ähnliche Vorstellung vom Glauben und Religion haben. Aber ich sollte nicht zu sehr abschweifen, denn auch die Autorin Wecker nähert sich diesem Thema nur sehr vorsichtig und kratzt es scheinbar „nur“ oberflächig ein wenig an. Zurück zum Roman: Frau Wecker haucht ihren magischen Geschöpfen so viel Gefühl und Emotionen ein, dass ich über lange Strecken hinweg das nichtmenschliche in den Protagonisten ein bisschen ausgeklammert hab, allerdings nicht bewusst, sondern eher unbewusst. Sie erzählt die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln und lässt dazu verschiedene Protagonisten zu Wort kommen, die durch ihre eigene erzählte Vergangenheit Bezug zu der eigentlichen Handlung nehmen und mit ihr auf eine unglaubliche Art verbunden sind. Ich konnte kaum aufhören zu lesen. Das Damoklesschwert hängt über die sehr beschauliche Szenerie und dem Leser ist schnell klar, dass er Unheilvolles ansteuert. Am Ende rücken die Fantasy Elemente wieder mehr in den Vordergrund. Golem und Dschinn hat mir sehr gut gefallen und ich kann es kaum erwarten, mehr von dieser Autorin zu lesen.

buch

Engelslicht

Lauren Kate

EUR 8,99 *
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40

21.07.2015

„Band 04”

Bill hat den Sturz der Engel noch einmal provoziert und nun liegt es an Daniel und Luce die Menschheit, das Universum und den ganzen Rest zu retten. Dazu benötigen sie 3 bestimmte Reliquien, allerdings haben sie nur noch 9 Tage Zeit…
Das Engel-Dämonen Element ist im Fantasy-Genre weit verbreitet und Lauren Kates Engel Reihe gehören zu den Geschichten die mir gut gefallen haben. Ein paar Details waren für mich zwar nicht ganz stimmig, aber da hab ich einfach ein wenig darüber hinweggelesen. Das Ende war ein bisschen hervorsehbar, hat mir aber im Großen und Ganzen auch gut gefallen. Der erste Band der Reihe wurde mittlerweile von einer namhaften Produktionsfirma verfilmt, allerdings gibt es derweil noch kein Datum, wann dieser Film in die Kinos kommen soll. Wer dem Thema Engel-Dämonen nun etwas abgewinnen konnte, dem kann ich Zoran Drvenkars "Der letzte Engel" wärmsten empfehlen.

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50

16.07.2015

„Der Tod, die Freundschaft und die Liebe”

Murakamis neuestes Werk handelt von Tsukuru. Er ist der Farblose von fünf Freunden, jedenfalls empfindet er es so, und darüber hinaus ist er auch der einzige dessen Name keine Farbe trägt. Tsukuru ist auch der einzige der den Ort Nagoya verlässt um in Tokio zu studieren. Als er eines Tages in den Ferien nach Hause kommt ist nichts mehr wie es war. Seine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich: Seine Freunde wenden sich von ihm ab und wollen mit ihm um nichts mehr zu tun haben. Er verzweifelt darüber so sehr, dass er beinahe bereit ist in den Tod zu gehen.

Der weltberühmte Gegenwartsliterat Haruki Murakami hat mit seinem Geniestreich „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ in kürzester Zeit die Bestsellerlisten auf der ganzen Welt erobert. Er wird hochgelobt, ganz zu Recht wie ich finde. Unbestätigten Quellen zu folge sollen in der ersten Woche nach dem Erscheinen, alleine in Japan eine Million Exemplare über den Ladentisch gegangen sein. Diese Zahlen sind wahrlich beeindruckend, genauso wie sein literarisches Schaffen. Manch böse Zungen vermuten hinter seinem öffentlichkeitsscheuen Verhalten, was seine Person und die Vorveröffentlichung der Bücher anbelangen, eine raffinierte Marketingstrategie. Das hat, wie ich finde, der bisherige Anwärter auf dem Literaturnobelpreis gar nicht nötig! Aber zurück zum Inhalt seines neuem kreativen Schaffens:

Gleich in den ersten Kapiteln fand ich die offen versteckte Zahlenmystik interessant. Der jugendliche Tsukuru ist unsicher und weiß eigentlich gar nicht so recht wieso er von dieser Gruppe von Jugendlichen aufgenommen worden ist. Sie unternehmen immer etwas zu fünft und wenn nicht alle fünf sich getroffen haben, waren sie zu dritt oder zu zweit. Der aufmerksame Leser fragt sich nun wieso nie zu viert und der Japankenner weiß es sofort.

In jenem altbekannten Stil der Erzählung, Ursula Gräfe ist sozusagen die deutsche Stimme Haruki Murakamis, beginnt er auf den ersten Seiten der Geschichte damit, tief in die lebensmüde Gedankenwelt des erwachsenen Hauptprotagonisten zu blicken:

„Vielleicht war seine Sehnsucht nach dem Tod zu wahrhaftig und zu tief, um tatsächlich den Versuch zu machen, sich umzubringen. (..) Hätte es in seiner Reichweite eine Tür gegeben, die direkt in den Tod führte, er hätte sie ohne Zögern aufgestoßen.“

Seine Worte berühren tief im Inneren, sie lassen einem aus einer ökonomisierten Welt flüchten und in seine oft Absurden und Irrealen Welten abtauchen, wenngleich in „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ diese kafkaesken Welt dem Leser nur gelegentlich als erotischer Traum streift. Mal verkehrt er darin mit zweien seiner früheren Freundinnen und einmal stößt sogar ein befreundeter Mann dazu. Hier und in weiteren wiederkehrenden Elementen, die sich der Schriftsteller bedient, findet sich der Leser selbst wieder. Jedenfalls ist es mir immer beim Lesen so ergangen. Immer wenn ich einen neuen Haruki Murakami in den Händen halte, frage ich mich: „Kann er das vorige Werk schon wieder toppen?“ Soviel verrate ich noch an dieser Stelle: „Ja er kann.“

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50

16.07.2015

„Gefährliche Bücher und deren Folgen”

<Murakami erzählt in diesem Roman die Geschichte von Hajima, seinem Leben und seinen Beziehungen. Besonders Shimamoto nimmt ihn durch ihre surreale Präsenz gefangen. Immer wenn es regnet, taucht sie auf und hinterlässt einen verwirrten und sexuell-begierigen Hajima.

Als Murakamis "Gefährliche Geliebte" erschien, führte der Streit um dieses Buch zur Auflösung des literarischen Quartetts. Man hat sich wegen der dargestellten Sexualität und der Sprache, insbesondere wegen der Übersetzung, des Romans zerstritten. Die damalige Übersetzung erfolgte aus dem Englischen, diese hier erfolgt direkt aus dem Japanischen. Man war sich uneinig, welche nun eher als das Werk des Romanciers entspricht. Und nicht zuletzt war vor gut 10 Jahren, die dargestellte Sexualität noch ein kleiner Tabubruch, spätestens seit "Shades of Grey" ist dieser aber völlig akzeptabel (=Auch wenn ich an dieser Stelle die beiden Bücher in keinster Weise vergleichen möchte). Ich wäre ja neugierig, was wohl Marcel Reich Ranicki über SOG gesagt hätte; aber ich schweife ab. Die "erste" Übersetzung, hab ich mir auf den eReader geladen und bin schon gespannt, ob ich markante Unterschiede in Stil, Erzählung, Wortwahl und Handlung bemerke. Fließen doch gerade bei Übersetzungen oft die Persönlichkeit und der Charakter des oder der Übersetzer(in) mit ein. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. In diesem Fall ist, wenn man so sagen will, Ursula Gräfe der deutsche gute Geist Murakamis.Daher bin ich völlig unbefangen an "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" herangegangen. Ich lese gerne seine Werke und was man von einem Buchhändler, im Getöse der jährlichen und zahlreichen Neuerscheinungen, nicht unbedingt erwartet, auch öfters.Wer bis auf dieses Werk noch nichts von Murakami gelesen hat, dem empfehle ich "Afterdark" und "Schlaf", wobei letzteres eine Kurzgeschichte ist, und durch tolle Zeichnungen und die Gestaltung besonders erwähnenswert ist.

buch

Saphirblau

Kerstin Gier

EUR 13,99 *
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50

25.06.2015

„gelungener zweiter Teil”

Gwendolyn ist scheu, schüchtern und voreingenommen. Jedenfalls wenn es um Gideon geht. Sie lässt den sympathischen Protagonisten keinerlei Chance. Jedenfalls anfänglich. Ihre Verliebtheit wird auf eine harte Probe gestellt, als sie den Grafen von Saint German wieder treffen. Gut das sie den Wasserspeier Xemerius auf ihrer Seite hat, denn er hilft ihr mehr über die unzähligen Geheimnisse herauszubekommen.

Kerstin Gier hat die pubertierende Gwendolyn sehr gut und stimmig dargestellt. In Saphirblau erfährt man mehr über den Hintergrund der Edelstein-Trilogie, obwohl natürlich genug Fragen offen bleiben um genügend Anreiz zu haben weiterzulesen. Alles in allem, hat mir Saphirblau um einiges besser gefallen, als Rubinrot. Ich kann es kaum erwarten, den letzten Teil der Reihe zu lesen.

buch

Mirage

Matt Ruff

EUR 11,95 *
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50

25.06.2015

„9/11 vs. 11/9”

Die vereinigten arabischen Staaten, kurz VAS, wurden in ihren Grundfesten erschüttert, als im Jahr 2001 christliche Fundamentalisten Flugzeuge kaperten und in die Tigris und Euphrat Zwillingstürme lenkten. Ein drittes Flugzeug stürzte in das arabische Verteidigungsministerium, das vierte wäre für Mekka bestimmt gewesen und stürzte dann doch, mithilfe von mutigen Passagieren, in der Wüste ab. Im Jahr 2009 ist der Terror, der vom amerikanischen Kontinent ausgeht noch immer nicht gebannt. Als Mustafa, Samir und Amal, allesamt Bundesagenten, einen christlichen Selbstmordattentäter dingfest machen, behauptet der schier Unglaubliches: Eigentlich sei Amerika die wahre Supermacht, während die VAS nicht existieren würde und aus dem arabischen Raum die eigentliche Terrorgefahr ausgehen würde. Außerdem würden es bestimmte Artefakte sogar beweisen.

Einen satirischen Roman über die terroristischen Anschläge auf das World Trade Center zu schreiben, ist bestimmt kein Honiglecken und für dieses literarisch sehr wohl anspruchsvolle Kleinod, brauchte Matt Ruff knapp viereinhalb Jahr bis zur Vollendung. Es ist aber auch nicht der einzige, der sich mit dem Thema Terrorismus literarisch und fantasievoll auseinandersetzt. Ich denke da zum Beispiel auch an Lavie Tidhar, der mit „Osama“ den World Fantasy Award 2012 gewonnen hat, der sich ähnlich liest und in Dick Tracy Manier einen Fall lösen muss, bei dem es um eine Buchreihe geht, in der Osama bin Laden als Hauptprotagonist fungiert. Aber zurück zu Matt Ruffs neuestem Geniestreich:

Mirage funktioniert bis ins kleinste Detail, und ich denke da auch an eine nebenbei erwähnte Bemerkung von Samir, dass ein bestimmtes Hotel in Wien durch den Angriff Israelis zerstört worden ist und das bedauert, wo er doch so gerne diesen einen bestimmten Schokoladenkuchen mit Aprikosenmarmeladenfüllung, den es nur in diesem Hotel gegeben hat, gerne mal gekostet hätte. Der israelische Staat mitten in Europa macht deswegen Sinn, weil nach dem errungenen Sieg über Hitler, Deutschland in einen jüdischen und in einen christlichen Staat geteilt wurde. Als sachertortenliebender Österreicher musste ich schon ein paar Mal schlucken, aber auch laut loslachen, dass Matt Ruff die Welt wirklich ganz arg auf den Kopf stellt und keinen Stein auf den anderen liegen lässt. Als sich der Fall, an dem die Bundesagenten angesetzt sind, nicht mehr auf den arabischen Teil der Welt begrenzen lässt, müssen die 3 Hauptprotagonisten, Achtung jetzt muss ich ein bisschen spoilern, in das gefährliche Amerika. Untergebracht sind sie, so wie die dort stationierte Marineinfanteriegarnison im Watergatehotel. Das sind aber nur ein paar kleine Anekdoten, aus dem so reichhaltigen literarischen Leckerbissenbuffet, mit dem uns der großartige Schriftsteller mit Mirage verwöhnt. Gerade hier merkt man diesem Roman an, dass er mit Freude geschrieben und erdacht wurde. Und auch wenn man „Mirage“ eindeutig ein anspruchsvolles literarisches Lesevergnügen ist, konnte ich dann doch immer wieder bei den Einträgen aus der „Bibliothek von Alexandria“, eine fiktive von Internetz-Benutzern erstellte Enzyklopädie, die zwischen den Kapiteln, die Handlung mit Wissen um bestimmte Themen dieser anderen Welt auffrischt, innehalten. Das Pendant zur „Bibliothek von Alexandria“ in der unsrigen Welt, wird der geneigte Leser meiner Rezensionen höchstwahrscheinlich kennen, ohne dass ich es an dieser Stelle namentlich erwähnen muss. Nur so viel sei verraten, es macht durchaus Sinn, den einen oder anderen Protagonisten in Mirage namentlich dort nachzuschlagen, nicht alle auch real vorkommende Personen waren mir geläufig, z.B. David Koresh, und es war dann doch recht amüsant, die „richtige“ Biographie zu lesen. Bis auf diesen Roman, habe ich von Matt Ruff noch nichts gelesen, was ich nun sehr bedauere und in nächster Zeit bestimmt ändern werde.

buch

Plötzlich Fee 02

Julie Kagawa

EUR 8,99 *
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50

22.06.2015

„Winternacht”

Meghan Chase hat schon im ersten Teil der „Plötzlich Fee“ Reihe, eine Menge an Abenteuern bestehen müssen. Durch einen Vertrag ist sie nun an den dunklen Prinzen gebunden und muss mit auf den königlichen Hof der Winterelfen. Dort ist sie, genauso wie vorher am Sommerhof, den Schikanen der Winterelfen ausgesetzt. Sie muss ihre Familie verlassen. Und wäre das alles nicht schlimm genug, wird der Winterkönigin Mab, das Jahreszeitenzepter gestohlen. Klar ist, dass sich Meghan und Ash auf den Weg machen müssen, um einen Krieg zwischen den verfeindeten Höfen zu vermeiden.

Alte Feinde und neue Freunde treffen sich in Winternacht wieder. Kagawa hat sich mit dem zweiten Teil sichtlich Mühe gegeben, kaum hab ich zu lesen begonnen, konnte ich nicht mehr aufhören. Der Erzählfluß, der Spannungsbogen und das offene Ende lassen auf einen weiteren tollen Teil der Reihe hoffen. Dabei ist die Entwicklung der Protagonisten besonders fesselnd und glänzt mit einer ordentlichen Portion Romantik.

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50

18.06.2015

„Buddhismus für Anfänger”

Jesse Conrad ist ein 10jähriger Junge, kommt aus Seattle und wird von Lama Norbu besucht, der in ihm die mögliche Wiedergeburt seines Lehrmeisters Lama Dorje sieht. Jesse wird nach Bhutan eingeladen. Lama Norbu beginnt Jesse von Buddha (Keanu Reeves) zu erzählen. Anfänglich zögern seine Eltern (Bridget Fonda und Chris Isaak), stimmen aber der Reise dann doch zu. Neben ihren Jungen, gibt es aber noch zwei weitere Kinder, die als mögliche oder tatsächliche Reinkarnationen gelten.

Ich schaue tatsächlich ganz wenig fern und wenn dann sind darunter eine große Menge an Filmen aus den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts. Man könnte fast schon von einer Filmretrospektive sprechen und wenn ich es mir recht überlege, da gab es schon eine Menge gut gemachter Filme die man bereits als Klassiker bezeichnen könnte. Ich bin da auch sehr variabel was das Genre angeht und (war) bin über Edward mit den Scherenhänden, Titanic, Jurassic Park, Schweigen der Lämmer genauso begeistert wie von American Beauty, Bram Stockers Dracula oder eben Little Buddha.

Bernardo Bertolucci hat mit „Little Buddha“ einen monumentalen Film kreiert und erzählt zwei Geschichten gleichzeitig. Die fiktive Geschichte über einen kleinen Jungen aus Seattle und die Geschichte des „historischen“ Prinzen Siddharthas, des ersten Buddhas. An dieser Stelle scheiden sich oft die Meinungen, die einen finden es eine gut gemachte Parabel über den Buddhismus, den anderen ist er zu ungenau und einseitig geschildert. Tatsächlich gibt es im Buddhismus verschiedene Strömungen und religiöse Ausrichtungen, nichtsdestotrotz finde ich, dass dieser Film einen interessanten Einblick in den Buddhismus bietet. Und nebenbei macht Keanu Reeves als Prinz Siddhartha eine wirklich gute Figur, die weiblichen Fans werden ganz entzückt sein, denn über weite Strecken des Filmes ist er nur mit einer weiten Hose bekleidet. Das Bonusmaterial auf der DVD sollte man sich auch ansehen, schließlich ist Bertolucci kein unbekannter Filmemacher und bietet hier die Möglichkeit ein wenig über ihn und die Entstehung des Films zu erfahren.

ebooks

Lolito

Ben Brooks

EUR 13,99 *
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40

14.06.2015

„Lolito vs. Lolita oder Etgar allein zu Haus”

Etgar ist zu Haus und mit dem Hund Amudsen auf sich alleine gestellt. Seine Eltern sind in Russland, zur Hochzeit von Etgars Onkel. Seine Freundin weilt in Antigua, allerdings ist er gerade nicht sehr gut auf sie zu sprechen. Nachdem er herausgefunden hat, dass sie fremdgeküsst hat, betrinkt er sich und loggt sich in einem Adultchat ein und gibt sich dort als erwachsener Hypothekenmakler aus.

Im Klappentext zu Ben Brooks zweiten auf Deutsch erschienen Roman heißt es, dass dieser schreiend komisch, zutiefst berührend und (leider) absolut wahrhaftig sei. Ich kann da dem Klappentextschreiberling leider nur sehr wenig beipflichten. Für mich war Lolito weder schreiend komisch, noch zutiefst berührend, auch wenn mir die Geschichte eigentlich sehr gut gefallen hat. Aber das ist ja schließlich Geschmackssache und meine persönliche Meinung. Vielmehr ist es ein zutiefst schockierender Coming of Age Roman, indem Ben Brooks kein Blatt vor dem Mund nimmt und die Dinge beim Namen nennt. Wobei der skandalträchtige Aufschrei möglicherweise einiges an Publicity mit sich bringt. Realitätsnah geschrieben wird es wohl sein, denn der Schriftsteller, dem ich unterstelle sein Metier sehr gut zu verstehen, ist selber der Pubertät kaum entwachsen. Ich für meinen Teil, ohne meine eigene Jugend glorifizieren zu wollen, kann behaupten, dass ich noch zu einer für mich besseren Zeit erwachsen worden bin. Und entgegen anderer Meinung, finde ich sehr wohl, dass dieser Roman auch von Jugendlichen gelesen werden sollte. Schließlich widmet er sich ja genau deren Probleme, ohne jedoch darüber zu jammern oder zu sehr mit dem Zeigefinger zu wedeln. Er beschreibt mit klaren Worten das Elend der Pubertät und den oft viel zu einfachen Zugang zu Drogen, Alkohol und Pornographie.

Lolito hat mich von der einfach gestrickten Erzählweise und dem Inhalt sehr wohl an Ben Brooks deutschen Debütroman erinnert, wenngleich ich dieses Buch ein wenig runder und abgestimmter finde. Es ist ein starker Roman, der leicht zu lesen ist. Eines kann allerdings der Romancier nicht lassen: Mit dem Titel Lolito, bezieht sich Ben Brooks mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch auf das weltbekannte Werk von Nabokov, und der geneigte Leser wird es damit auch in Verbindung bringen. In Nachts werden wir erwachsen, hat er ja bereits seinen Hauptprotagonisten Jasper, sich selbst mit Holden Caufield (=der Fänger im Roggen) vergleichen lassen. Und wie schon in der Rezension seines Debütromans angemerkt, finde ich das ein wenig Hochmütig und zeugt zumindest von einem hohen Selbstbewusstsein des Schriftstellers, auch wenn er sich selbst für kein Wunderkind hält. Zumindest hat er es in einem Interview behauptet. „Definitiv kein Salinger“, hab ich zudem in dieser Rezension getönt. Lolita steht auf meiner Wunschleseliste ganz weit oben und ob nun, der vom Titel indizierte Vergleich hinkt, oder eigentlich sehr passabel ist, kann ich nun (noch) nicht beurteilen. Allerdings ist der Wunsch Lolita zu lesen, stärker denn je.

Der in Berlin lebende Schriftsteller hat die Tragödie des Erwachsenwerdens wunderbar eingefangen und ich bin auf alle Fälle schon sehr neugierig, was uns literarisch von diesem Ausnahmekünstler noch erwartet. Wer seinen ersten auf Deutsch erschienen Roman noch nicht gelesen hat, sollte das nun schleunigst nachholen.

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