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Der Apotheker, der Richter und der Tod

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.09.2016

Uhr ohne Zeiger

Carson McCullers

Der Richter, der Apotheker und der Tod

Der Roman - Uhr ohne Zeiger - ist in den frühen 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts angesiedelt und spielt in dem kleinen Südstaatenstädtchen Georgia. Der dort ansässige Apotheker J. T. Melone bekommt von seinem Arzt die Diagnose Leukämie. Er würde nicht mehr lange leben, höchsten noch ein Jahr gibt ihm der Arzt. Zerstört und fassungslos weiß er nicht wie er es seiner Frau erzählen soll. In seine Apotheke, bekommt er immer wieder Besuch des Richters Fox Clane, der über den frühen Tod seiner Frau und seines Sohnes noch immer betrauert. Selbst sein Enkel ist ihm kein Trost.

Uhr ohne Zeiger war der letzte Roman denn Carson McCullers veröffentlichte und wie auch schon bei Patricia Highsmith - war der es jeweils mein erster Roman, den ich von der äußerst talentierten Schriftstellerin gelesen habe. Mehr aus Zufalls als aus purer Absicht. Meiner Meinung nach, lebt dieser Roman durch seine Hauptprotagonisten, drei hab ich bereits oben erwähnt und der vierte im Bunde ist Sherman Pew, ein farbiger Angestellter, der dem Richter täglich die Diabetesspritzen setzt. Fox Clane ist in diesem Reigen eindeutig der Charakter, der mir am Besten gefallen hat und der eindeutig die komplexere und vielschichtigste Person des gesamten Stücks ist. Er ist ein konservativer Mann, der durch den Verlust seines Kindes und seiner Frau sehr leidet und dessen überzogene politische Überzeugungen, seinen Enkel von ihm immer mehr entfremdet. Man kann sich sehr gut in den alternden Südstaaten-Politiker hineinversetzen und seine kruden Ideen nachvollziehen, auch wenn man sie als Leser nicht gut heißt. Ihm gegenüber steht der todkranke Apotheker, der zwar neben den Richter ein wenig blass wirkt, aber durch seinem nahen Tod ständig darüber nachdenkt und auch dem geneigten Leser dazu bringt sich mit dem Sterben auseinandersetzen. Zumindest ist es mir beim Lesen so ergangen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Schriftstellerin, die zu dieser Zeit bereits schwer von Krankheit gezeichnet war, und sich daher auch mit dem Thema Tod auseinandersetzt haben wird, einige Biografisches mit einfließen lassen hat. Wer allerdings nun ein starktes Melodram erwartet, dem muss ich ein wenig enttäuschen. Es ist ein düsterer Roman, der sich mit Rassismus, Homosexualität und eben dem endgültigen Tod auseinandersetzt. Ein Jahr vor der Ersterscheinung ist auch - Wer die Nachtigall stört - erschienen, wird aber wahrscheinlich nicht so sehr angeeckt sein, weil der Rassismus nicht direkt angeklagt wird, sondern eben nur aufgezeigt und durch den Richter ein wenig persifliert wird. Carson McCullers, die oft genug für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde, verstarb leider viel zu früh. Man mag gar nicht daran denken, welch literarische Werke dadurch nie geschrieben worden sind. Ihr erster Roman - Das Herz ist ein einsamer Jäger - hab ich mir bereits besorgt und wird umgehend von mir gelesen.

Uhr ohne Zeiger
von Carson McCullers
(1)
Buch
10,90

Eine Anstiftung zum Leben

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.09.2016

Wenn man sich mit dem Thema Buch auseinandersetzt, trifft man unweigerlich auf sie: Die Bücherliste! Seien sie nun sortiert nach Genre, nach Geschmack, nach dem was ein Prominenter gelesen hat oder, und diese Listen sind immer ganz besonders, weil eine Zeitung, was auch immer ihre Kriterien sein mögen, "Die Liste der 100 besten Bücher seit 1923-2005" veröffentlicht. Auch wenn ich die Auswahlkriterien nun nicht kenne und nicht immer bestimmten kann, laden solche Listen immer wieder zum Stöbern ein. So bin ich nun auch auf - Das hier ist Wasser - von David Foster Wallace gestoßen, die eben in einer jener Listen nominiert war, die ich irgendwo in den Weiten der Social Medias aufgelesen habe und die man als junger Mensch unbedingt gelesen haben sollte. Ich bin zwar kein ganz so junger Mensch mehr, aber immer noch wissensdurstig und ich bin auch ehrlich: Die Werke von David Foster Wallace haben ihren Weg in mein Bücherregal derweil noch nicht gefunden und so manch ein Leser meiner Rezensionen, wird die Hände über den Kopf zusammenschlagen und rufen: "Wie kann er nur?" Als passionierter Buchhändler verstehe ich solche Reaktionen und möchte gleich zu Anfang klar stellen und feierlich schwören, dass von nun an, seine Romane von mir gelesen werden. Buchhändlerehrenwort!


Genug vom Finden von Büchern und Listen und hin zu - Das hier ist Wasser. Dieses wahrlich kleine aber feine Büchlein ist eigentlich eine Rede, die Wallace bei einer Abschlussfeier, eines amerikanischen Colleges gehalten worden ist. Wer sich nun ein wenig mit der amerikanischen Gesellschaft und deren Strukturen auseinandergesetzt hat weiß, dass solche Reden ein fester Bestandteil der hochschulischen Tradition sind und immer wieder prominente Redner eingeladen werden. Diese Rede richtet sich eben an die Absolventen und hat ist überraschender Weise nicht durchwachsen von Optimismus und welch schönes Leben auf die Zuhörer wartet. In diesem Buch, in seiner Rede, erzählt er vom banalen Alltag, von der Frustration in einer Routine festzustecken. Er zeigt die Auswüchse der Ichbezogenheit der Gesellschaft auf, und wie sie dem eigenen und dem Glück anderer Menschen im Weg steht, er geht auf das Angepasst sein ein und berichtet von der Erwachsenen-Einsamkeit. Er schreibt über die wahre Freiheit und die Wichtigkeit der Empathie, mit der es uns möglich ist, aus dem starren Korsett unseres Geisteszustandes auszubrechen. "Kern dieser Rede ist die ~Standardeinstellung~ zu überwinden", so Wallace in dieser Rede.


Hier liegt nun die zweisprachige Ausgabe des Kiepenheuer&Witsch Verlages vor mir und nachdem man dieses Kleinod gelesen hat, möchte man bei der Rede im Jahr 2005 dabei gewesen sein, es sollte der bedeutendste Moment in David Foster Wallaces Leben sein, 3 Jahre später beging der Schriftsteller Selbstmord. Für einige gilt diese Rede sogar als die berühmten letzten Worte des Autors, das Wallstreet Journal druckte es als Nachruf ab. Die in der USA anscheinend zum Klassiker und Pflichtlektüre erhobene Rede ist schlussendlich eine Anleitung für das Leben und sollte meiner Meinung nach nicht nur Universitäts- und Hochschulabsolventen, sondern von allen Menschen gelesen werden.

Das hier ist Wasser / This is water
von David Foster Wallace
(3)
Buch
4,99

Ein Sommer in Zürich

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.09.2016

Small g ist der Spitzname einer Kneipe mitten in Zürich, die eigentlich den Namen Jakobs Bierstube trägt. Ein Reiseführer listete die Kneipe als lohnendes Ziel, mit einem kleine g auf, was soviel bedeutete, dass es sich um ein gayfriendly Gaststätte handelte und Homosexuelle, gern gesehene Gäste sind. Zu den Stammgästen gehörte auch Rickie Markwalder, dessen Freund Peter Ritter, nach einem Kinobesuch umgebracht worden ist. Allerdings sind nicht alle Gäste gayfriendly - Renate eine Schneidermeisterin trinkt dort vormittags ihre zweite Tasse Kaffee, meist in Begleitung von Luisa, eines ihrer Lehrmädchen, die wiederum heimlich in Peter verliebt war.

Patricia Highsmith war eine allseits bekannte Schriftstellerin, wer kennt nicht - Der talentierte Mr. Ripley oder eben die erst vor kurzem erschienene Verfilmung von - Carol oder Salz und sein Preis? Bisher sind ihre Romane, wie der sprichwörtliche Kelch, an mir vorüber gegangen. Allerdings nicht absichtlich oder bewusst. Auf letzteren Film hat mich ein Kollege hingewiesen, er ist von der Aktrice Cate Blanchett ganz hin und weg, und ja mir hat der Film auch gut gefallen. Deswegen wurde es an der Zeit, mich nicht nur filmisch, sonder auch literarisch Frau Patricia Highsmith zu nähern. So wie auch bei Carson McCullers (Uhr ohne Zeiger) habe ich mir auch hier erlaubt mit dem letzten Roman anzufangen: Also mit dem Roman Small g - Eine Sommeridylle.

An dieser Stelle möchte ich den geneigten Leser meiner Rezensionen auf einen Umstand hinweisen, der im Bezug auf den Roman nicht unerheblich ist. Der Diogenes Verlag hat erst im Jahr 2006, die bisher auf Deutsch nur in einer "verkürzten" Übersetzung erschienenen Ausgabe durch die "längere" Ausgabe ersetzt. Meine Rezension bezieht sich auf die alte, verkürzte Ausgabe und nicht die Neuausgabe.

Wie oben bereits erwäht ist es mein erster Roman von Patricia Highsmith, und er hat durchwegs gut gefallen und besticht mit wunderbar herausgearbeiteten Charakteren. Hier sticht, mit ihrer sehr böswilligen Verhalten, Renate, die Chefin von Luisa hervor. Sie ist der typische Antagonist und der eher passive Rickie, wirkt dadurch ein bisschen blass. Allerdings ist das jetzt nicht unbedingt ein Makel. Ich vermute, dass es genauso von der Schriftstellerin gewollt ist. Vergleiche zu anderen Romanen zu ziehen, wiederstrebt mir eigentlich. Es ist wahrscheinlich, dass sich großartige Schriftsteller immer wieder gegenseitig befruchten und beeinflussen. Wie und ob spielt eigentlich keine Rolle und falls es dennoch so ist, sind es meist Mutmaßungen. Mich hat interessanterweise small g - Ein Sommeridyll - ein wenig an - Der große Gatsby - erinnert. Dessen Erzähler Nick Carraway war auch sehr defensiv, ein zurückhaltender Charakter und offensichtlich homosexuell. Bei Gatsby sind es die mondänen Parties, und dort ist es die Gaststätte small g - der zentrale Treffpunkt der Protagonisten. In beiden Romanen gibt es unglückliche Liebesbeziehungen und lose soziale Bindungen . Vielleicht sind die Vergleiche zu weit hergeholt. Fitzgerald hat mir seinem Roman ein typisches Bild der 1920er Jahre gezeichnet, und möglicherweise wird man eines Tages, dasselbe über Patricia Highsmiths Roman und über die homosexuelle Subkultur, Anfang der 1990er Jahre sagen können. Ihre Bücher werden den Weg in mein Bücherregal bestimmt noch öfter finden.

Small g - eine Sommeridylle
von Patricia Highsmith
(1)
eBook
10,99

Am Mittwochabend im Kino

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.08.2016

Alain ist der Besitzer eines kleinen Kinos, in dem kein Popcorn serviert wird. Das Cinéma Paradiso lebt vom Charme vergangener Tage, und so liest sich aus das ausgestrahlte Programm. Jeden Mittwoch Abend spielt Alain Liebesfilme und jeden Mittwoch kommt die Frau im roten Mantel. Als Alain Melanie das erste Mal sah, war es Liebe auf den ersten Blick. Aber kann Alain, die mysteriöse Fremde für sich gewinnen?

Dieser Roman ist eine entzückende und romantische Liebesgeschichte in der Hauptstadt der Liebe: Paris! Barreau bleibt seinem einfachen Stil treu, und dennoch erzeugt er mit seiner Erzählung eine bildhafte Szenerie. Es ist romantisch, aber ohne ins Kitschige abzudriften. Es geht aber auch um Kinofilme. Vor allem um romantische Filme. Das Filmglossar am Ende des Romans verleitet einem diese Filme dann auch anzusehen. Dann werde ich mir vorstellen auch im Cinéma Paradiso zu sitzen. Sprachlich ist der Roman durch kurze Sätze und einfache Worte flüssig zu lesen. Auch die Handlung ist klar strukturiert und verläuft linear ohne Nebenschauplätze oder Zeitsprünge. Die Figuren sind überschaubar.

Eines Abends in Paris
von Nicolas Barreau
(2)
eBook
9,99

Die Schriften des ersten Chronisten

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.08.2016

Wie in der Rezension zu - Der Übergang - schon angemerkt, ist - Die Zwölf - nicht bloß ein weiterer Teil einer Geschichte die Justin Cronin erzählt, vielmehr werden einige Geschichten linear zum ersten Buch erzählt. Wir treffen auf einen etwas geistig zurückgebliebenen Busfahrer, der durch das frisch zerstörte Nordamerika fährt und hi und da Fahrgäste einsammelt. Wir treffen auf einen Viral - der von sich selbst nicht einmal weiß, dass er ein Viral ist. Wir treffen auf eine schwangere Frau, die durch posttraumatischen Stress ausgelöst und trotz des Untergangs der Welt, sich nicht sicher ist, in welcher Farbe sie das Kinderzimmer ausmalen möchte. Wir treffen aber auch auf altbekannte Charaktere und was mich besonders freut, natürlich auch auf Amy.

Mir hat der erste Band dieser Reihe sehr gut gefallen und als der zweite Band der Reihe erschienen ist, hab ich ihn mir gleich als eBook besorgt. Allerdings hat es einige Zeit gedauert, bis ich dann auch für den zweiten Teil bereit war, ausschlaggebend ist das Erscheinen des dritten Teils im Herbst 2016. Dabei hätte es gar keinen Grund gegeben so lange zu warten, sie ist nämlich ganz gut gelungen. Dem Erzählstil bleibt er treu: Mehrere Handlungsstränge, die abwechselnd erzählt werden, steuern einem gemeinsamen Ende entgegen. Dabei geht er so geschickt vor, dass man ständig wissen will, wie es gerade bei der anderen Geschichte weitergeht. Der Spannungsbogen bleibt konstant aufrecht und ganz spielerisch lässt er dem geneigten Leser die Lust an der Angst spüren. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war, dass er dem Leser gleich zu Anfang des zweiten Romans, sozusagen im Prolog, über -Die Schriften des Ersten Chronisten (Das Buch der Zwölfe) - klar macht, dass in einer weit entfernten Zukunft noch Menschen existieren, dass wohl nicht alles vergebens ist, was wir hier lesen werden, dass es Hoffnung noch existiert. Das ist wohl das prägendste Element einer Apokalypse: Das trotz der Endgültigkeit und dem dahinscheiden vieler Protagonisten, eines bleibt: Die Hoffnung. Der Cliffhanger hat mir hingegen, und im Unterschied zum ersten Teil, nur mäßig gefallen, aber dennoch bin ich schon auf den dritten Teil gespannt.

Die Zwölf
von Justin Cronin
(5)
eBook
8,99

Monster Hunter International 2

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.08.2016

Owen Pitt hat mit seiner Einheit der Geheimorganisation von MHI, Monster Hunter International ein Rudel Chupacabra in Schach gehalten. Als er in dem Hotel, in dem er untergebracht wurde, von einer Herde Zombies angegriffen wird., kann der geübte Jäger nur mit äußerster Mühe am Leben bleiben. Ein schier übermächtigen Feind, der sich einem Totenkult verschworen hat, steht ihm bald gegenüber...





Owen Pitt ist mit – Der Club der toten Monster – endlich zurück, viel zu lange mussten die deutschsprachigen Fans von Larry Correia auf den zweiten Band der Monster Hunter International warten. Ich wusste daher auf was ich mich mit diesem Roman einlassen würde, und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Eines sollte der geneigte Leser aber wissen: Die Ballerfreude, also die Waffen und Pistolen sind hier die liebsten Mittel, um den Monstern den Garaus zu machen. Leser die sich an dieser Art der Gewalt stören, wird das ständige Geballere wahrscheinlich ein wenig nerven. Aber gerade durch die Mischung aus Machoallüren und Ironie, wurde Owen Pitt zu einem meiner liebsten Protagonisten und die rasante Spannung hat ihr übriges hinzugetan. Dabei hat es Correia von Selbstverlag auf die New York Times Bestsellerliste geschafft. Die Romane werden aus der Sicht des Hauptprotagonisten erzählt und sollten auch in der richtigen Reihenfolge gelesen werde, da sie zwar in sich abgeschlossen sind, aber aufeinander aufbauen. Der nächste Roman in dieser Reihe ist – Ein Monster kommt selten allein – und ich freue mich schon sehr darauf

Der Club der toten Monster
von Larry Correia
(1)
eBook
11,99

Eine Nacht der Barbarei

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.07.2016

Am 13. November 2015 ereignete sich in der französischen Hauptstadt eine Angriffsserie gegen die Zuschauer eines Fußballspiels, gegen die Besucher eines Rockkonzerts sowie gegen Gäste zahlreicher Bars und Restaurants im elften Arrondissements. Eine Nacht der Barbarei, titelt Antoine Leiris über diesen Abend, an dem die Liebe seines Lebens, seine Frau Hélène, ihr Leben verloren hat. Als er am nächsten Tag davon erfährt, schreibt er eine Hommage an seine Frau, einen öffentlichen Brief auf Facebook: "Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht."

Diese schlichten Worte, die poetisch und bewegend sind, verkörpern seinen Schmerz und seine Trauer. Aus diesem öffentlichen Brief wurde ein ganzes Buch. Meinen Hass bekommt ihr nicht - ist eine Streitschrift für das Leben, ein Tagebuch das aufwühlt, aber auch Mut macht. Mut nicht zu hassen.

Meinen Hass bekommt ihr nicht
von Antoine Leiris
(2)
eBook
11,99

Orlando - Magischer Realismus meets Feminismus und Homosexualität

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.07.2016

Orlando, ein junger gebildeter Adeliger, steht bei der Königin Elisabeth der 1. hoch im Ansehen. Von ihr erhält er einen großen Landsitz. Als während der kleinen Eiszeit, die Themse immer wieder zufriert, werden auf ihr Jahrmärkte veranstaltet. Hier lernt Orlando eine geheimnisvolle russische Gräfin Sasha kennen und obwohl er jemand anderen versprochen ist, beginnt er eine leidenschaftliche Affäre mit ihr.

Wenn großartige Schriftsteller wie H. G. Wells und Jules Verne als Väter der modernen Sciencefiction Romane gelten und auch noch in der Gegenwart ihren Reiz ausüben, man bedenke die deren zahlreichen Verfilmungen, dann wage ich zu behaupten, dass Virginia Woolf, im speziellen ihr Roman Orlando, so etwas wie die Mutter des magischen Realismus ist, und auch heute noch viele Schriftsteller bewusst oder unbewusst beeinflusst.

Orlando gehört zu Virginia Woolfs erfolgreichsten Romanen, zumindest während ihrer Lebzeit, ihr bekanntestes Buch ist wohl Mrs. Dalloway. Letzterer war mein erster Roman, den ich von der meisterlichen Schriftstellerin gelesen habe. Nachdem ich einen lieben Kollegen davon erzählt habe, hat er mich gedrängt, auch Orlando zu lesen. Die verschiedenen Interpretationen zur Erzählung und zum Text, und vor allem seine Sicht auf den Roman haben mich eben dann dazu verleitet Orlando zu lesen. Wer sich mit den Werken von Virginia Woolf auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich mit Orlando zu beginnen. Es ist weitgehend kürzer als Mrs. Dalloway, wenngleich die knapp 240 Seiten sich zwar nicht lang anhören, aber man den Text mit einem respektablen Maß an Konzentration lesen sollte.

Ich bin wohl mehr Leser als Schauer, deswegen geht so manche literarische Verfilmung an mir vorüber. Es gibt allerdings, was ich erst vor kurzem entdeckt habe, eine wunderbaren Film mit Tilda Swinton als Orlando. Sie ist eine meiner liebsten Actris, und hat, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, mit ihrer androgynen Figur einen wunderbaren Orlando abgegeben.

"Diesen Roman zu schreiben, war wie auf Urlaub zu sein." hat Woolf über das Schreiben an Orlando anscheinend gesagt. Und zeitgleich gilt er als ein feministischer Roman, mit Bezügen zu ihrer eigenen homosexuellen Beziehung mit Vita Sackville-West. Wie stark, nun diese Beziehung zu ihrer Freundin tatsächlich ausgeprägt war, darüber lässt sich viel spekulieren. Mir hat dieses literarische Kleinod sehr gut gefallen und ihr literarisches Können ist unbestreitbar. Deshalb gibt es von mir eine klare Lese-Empfehlung!

Orlando
von Virginia Woolf
(1)
Buch
19,90

Die Angst vor der Angst

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.07.2016

Zwei Männer klingeln bei einer Frau. Sie wollen bei ihr die Angst installieren. Eine Anordnung der Regierung, der sich niemand widersetzten darf. Doch die Frau ist nicht alleine. Sie versteckt ihr Kind im Badezimmer, legt es in die Badewanne. Während der eine der Männer die Angst installiert, erklärt beflissentlich der andere, wie sie funktioniert, und wie lebensnotwendig die Angst gerade in unseren Zeiten geworden ist.

Der Titel alleine verrät schon die Absurdität des Inhalts und der geneigte Leser wird in diesem kurzem literarischen Kleinod nicht enttäuscht. Absurd scheint es, Angst in einer Wohnung installieren zu können, aber Angst in einem Menschen zu installieren, sie zu vermehren, ist schon eher möglich. Der Leser geht möglicherweise davon aus, dass sie in erster Linie nichts Schlechtes ist, hier setzt aber der Roman nicht an. Die Männer beschreiben in geistlosen und ewig sich wiederholenden Phrasen die Wichtigkeit der Angst. Und über allen steht natürlich die Angst vor der Angst, quasi als Krönung. Ich werde mir hier die diversen Wiederholungen sparen, aber soviel sollte der Leser meiner Rezension wissen: Alle Ausprägungen, alle Formen der Angst werden immer wieder und wieder durchgekaut, dabei bedienen sich die beiden abgedroschener Phrasen, Zitate, Redewendungen. Sie sparen nicht an Klischees und platten Anspielungen. Dieses ganz ursprüngliche Emotion soll uns alle beherrschen und genau in diesem Moment, irgendwo in der Mitte der Erzählung, beginnt sich der geneigte Leser zu fragen, wovor er sich eigentlich fürchtet und wie weit es ein begründetes, oder ein unbegründetes Gefühlt ist. Dieses Buch ist aber auch eine Satire über unser tiefliegendes Sicherheitsbedürfnis und eine Elegie auf die heutige Gesellschaft.

Die Installation der Angst ist als Kammerspiel konzipiert, also als ein Sprechstück mit wenigen Schauspielern auf einer Bühne, die gänzlich ohne viel Dekoration oder Kulisse auskommt. Und ohne mein zutun, hat sich dann beim Lesen genau so ein Kammerspiel in meinem Kopf abgespielt. In Gedanken war ich plötzlich nicht mehr Leser, sondern Zuschauer eines avantgardistisches Theaterstücks. Dieser Roman war mein erster des portugiesischen Schriftstellers, dass ich gelesen habe. Er hat meine Aufmerksamkeit erregt und bin mir sicher, dass seine Werke es auch weiterhin in mein Bücherregal finden.

Die Installation der Angst
von Rui Zink
(1)
eBook
12,99

Jude and Judy

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.06.2016

Für Jude ist die Schule einfach nur großes Kino. Egal was die anderen Kids machen, er lässt es einfach nicht an sich heran. Ihm ist es egal, dass er mit Judy angesprochen wird, obwohl er ein Junge ist. Es ist ihm egal, dass die anderen das Maul über ihn zerreißen, er kommt sich dann wie ein Prominenter vor. Er kommt sich vor wie ein Moviestar, der gerade die Titelseiten der Klatschblätter ziert.

Raziel Reids – Movie Star – hatte ich ziemlich schnell gelesen. Wobei es ja nichts über die Qualität einer Geschichte aussagt, wie lange man dafür braucht. Persönlich fühlte ich mich an Ben Brooks Romane - Lolito - und - Nachts werden wir erwachsen - erinnert. Beide, genauso wie auch Movie Star, haben Jugendliche als Hauptprotagonisten und bei allen dreien ist es ein Adoleszenzroman und beide Schriftsteller nehmen sich kein Blatt vor dem Mund und nennen die Dinge beim Namen.

Er beschreibt mit klaren Worten das Elend der Pubertät, im speziellen eben die Schwierigkeiten, mit denen ein homosexueller Jugendlicher konfrontiert ist, und den oft viel zu einfachen Zugang zu Drogen und Alkohol. Die teils etwas rüde und ja auch etwas derbe Umgangssprache unter einander ist mir auch sofort ins Auge gestochen. Falls er nun in dieser Geschichte, dass eine oder andere ein wenig überzeichnet hat, nun dann bin ich froh, ohne jetzt mit dem Zeigefinger zu wedeln oder glorifizieren zu wollen, in einem Umfeld aufgewachsen zu sein, wo der heimliche Griff zur Flasche Bier, oder Zigaretten ohne Haschisch, das Schlimmste war, was ein Jugendlicher seiner Eltern angetan hat. Dennoch hatte ich beim Lesen ganz stark das Gefühl, dass viel biographisches mit in die Geschichte eingeflossen ist. Nach einem Interview mit Raziel Reid eröffnete der Schriftsteller, dass der Roman auch von einem realen Fall inspiriert wurde (Im Februar 2008 erschoss ein Mitschüler den 15 jährigen Lawrence King). In ein oder zwei Rezensionen, wurde im Unglaubwürdigkeit vorgeworfen, dass ist nach dieser Info natürlich ein wenig unpassend. Aber auch negative Publicity ist Publicity: Der skandalträchtige Aufschrei hat nicht lange auf sich warten lassen. Mir hat im Gegensatz diese Geschichte sehr gut gefallen und bin gespannt, was der junge Schriftsteller noch in petto hat.

Movie Star
von Raziel Reid
(1)
eBook
14,99

 
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