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Nina George, Das Lavendelzimmer

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Eine bewegende Flucht

Eine Kundin / Ein Kunde , am 25.09.2016

Kennen Sie den ungarischen Autor Akos Doma? Ich kannte ihn bisher nicht. Dabei ist „Der Weg der Wünsche“ bereits sein dritter Roman. Außerdem ist er Übersetzter aus dem Ungarischen für so große Autoren wie Sándor Márai und Péter Nádas. Ich selbst bin auf ihn aufmerksam geworden, weil er einer der 20 nominierten Autoren für den Deutschen Buchpreis 2016 ist. Die Leseprobe seines Romans hat es mir so angetan, dass ich den kompletten Roman lesen musste.

Akos Doma erzählt in diesem Roman die Geschichte einer Flucht aus dem sozialistischen Ungarn. Da er selbst mit seiner Familie aus Ungarn nach Deutschland gekommen ist, weiß er mit Sicherheit, worüber er schreibt. Es ist die Geschichte der Familie Kallay, die aus der Mutter Teréz und dem Vater Károly, der Tochter Borbála und dem Sohn Misi besteht. Sie beginnt Ende der 60er Jahre mit einer Geburtstagsfeier. Die ganze Familie ist zusammengekommen und wartet auf die große Überraschung für das Geburtstagskind Misi. Es liegt etwas in der Luft, was aber noch nicht zum Greifen ist. Und dann endet der Geburtstag anders als erwartet. Denn am Ende gibt es drei Überraschungen. Damit endet der 1. Teil. Im 2. Teil, ein paar Jahre wird der Käfer so voll geladen, wie es nur geht. Die Familie bricht auf, angeblich in die Ferien an den Plattensee. Doch was die Kinder nicht wissen, ist, dass es der Beginn einer Flucht aus Ungarn ist. Die Eltern kommen mit dem System nicht mehr klar und wollen nach Deutschland. Und so beginnt die dramatische Flucht, die am Ende des Buches immer noch nicht endgültig vorbei ist, denn nicht nur in den sozialistischen Ländern lauern Gefahren, sondern auch in dem „sicheren“ Westen. Es beginnt eine Odyssee durch verschiedene Flüchtlingslager bis sie zum Ende ihrem Traum ein wenig näher sind.

Der Autor erzählt die Geschichte ausgesprochen spannend. Er ist der Erzähler der Geschichte, er wechselt immer einmal wieder die Perspektiven, damit wir einen genauen Einblick in die Gedanken und Gefühle der vier Hauptpersonen bekommen. Dies ist ein sehr geschicktes Herangehen, denn so kann er auch immer einmal einen Blick zurück in die Vergangenheit wagen. Denn natürlich tragen sowohl Teréz als auch Károly Narben aus der Vergangenheit mit sich herum. Teréz war mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester auf der Flucht vor den Russen. Dieses Abenteuer ist eine Geschichte, die Misi immer wieder hören möchte. Aber, was damals wirklich passiert ist, erfahren wir erst ganz am Ende des Buches. Und auch Károly musste bereits in jungen Jahren schlimme Erfahrungen machen. Beide Geschichten scheinen sich auf der Flucht noch einmal zu wiederholen. Langsam aber sicher lernen wir die Familie näher kennen und leiden mit ihnen. Aber in dieser Geschichte geht es nicht nur um die Flucht und die Vergangenheit. Es geht auch um Liebe und Verrat, und um Verlust.

Es ist eine wunderbare und doch sehr erschütternde Geschichte, die mich sehr erschreckt hat. Ich bin in dem gleichen Alter wie der Autor. D.h. in der Zeit, in der diese Geschichte spielte, war ich noch ein Kind. Ich wusste, dass Menschen aus dem Ostblock in den Westen flohen, aber ich wusste nicht, dass auch schon zu diesem Zeitpunkt so grausam mit ihnen umgegangen wurde. Und daran hat sich ja anscheinend bis heute nicht wirklich viel geändert. Es sind nur andere Menschen aus anderen Ländern, die fliehen und bei uns Hilfe suchen. Menschen, die mit großen Hoffnungen kommen und am Ende doch vielfach desillusioniert zurückbleiben.

Das Ende des Buchs hat mich sehr überrascht. Gerne hätte ich in einem Nachwort des Autors noch ein wenig mehr über die Hintergründe des Romans erfahren. Z.B inwieweit es eine autobiografische Geschichte ist. Nichtdestotrotz ist es ein grandioses Buch, welches zum Nachdenken einlädt.

Der Weg der Wünsche
von Akos Doma
(1)
Buch
19,95

Eine schöne Idee

Eine Kundin / Ein Kunde , am 18.09.2016

Jetzt ist gerade der Film „SMS für dich“ angelaufen. Und da so viel über diesen Film geschrieben wird, habe ich mir einmal das Buch, welches ursprünglich bereits 2010 erschienen ist, vorgenommen. Und so wie ich den Filmbesprechungen entnehmen kann, sind beide durchaus unterschiedlich. Bei solchen Geschichten frag ich mich dann immer, wie es für die Autoren selbst ist, wenn ihre Geschichten umgeändert werden.

Der Inhalt des Buches wird zur Abwechslung einmal wirklich korrekt wiedergegeben. Es ist eine charmante Geschichte. Immer abwechselnd wird sie aus der Sicht von Clara oder Sven erzählt. So lernen wir die beiden und ihre Geschichte immer besser kennen. Clara, die langsam aber sicher zurück ins Leben findet. Clara, deren beste Freundin Katja immer wieder mit ungewöhnlichen Ideen aufwartet, um Clara aus dem Tief herauszuholen. Und nicht zuletzt Claras Mutter, die ihrer Tochter mit vielen esoterischen Tipps helfen will, und ihren Großeltern, die einfach nur liebevoll für sie da sind. Bei Sven erfahren wir von Fiona und Hilke und David, von seinem Job und seinem z.Zt. sehr schalen Leben.

Es ist ein Buch, welches mir viel Spaß gemacht hat. Eine schöne Idee, mit einem vorhersehbaren Ende. Aber natürlich gibt es zwischendrin Überraschungen, die für den richtigen Lesespaß sorgen. Ich würde mir an Ihrer Stelle genau überlegen, welche Variante der Geschichte sie erleben möchte. Ich als Leserin bevorzuge eindeutig die Version, die von der Autorin selbst stammt.

SMS für dich
von Sofie Cramer
(1)
Buch
9,99

Was für ein zeitloses, bzw. aktuelles Buch

Eine Kundin / Ein Kunde , am 16.09.2016

Was für eine Sensation! 2015 erschien weltweit ein 2. Buch von Harper Lee. Die meisten von uns haben wohl „Wer die Nachtigall stört“ entweder gelesen und/oder als wundervollen Film mit Gregory Peck geguckt. Bei mir ist es beides schon etwas her, aber ich habe auch beides in sehr liebevoller Erinnerung behalten. Da erstaunte es doch, dass Harper Lee, die zu dem Zeitpunkt 89 Jahre alt war, anscheinend schon vor „Wer die Nachtigall stört“ ein Buch geschrieben hat, welches von den Verlagen abgelehnt wurde. Wieso kam es erst 2015 heraus? Wollte die Autorin es wirklich veröffentlicht sehen?

Harper Lees Roman (geschrieben 1957) spielt in den 50er Jahren in Maycomb County, dem Ort, in dem auch „Wer die Nachtigall stört“ gespielt hat. Scout, die Tochter des Anwalts Atticus Finch, ist inzwischen erwachsen und lebt in New York. Sie wird jetzt auch nicht mehr Scout genannt, sondern Jean Louise. Sie kommt zu einem Sommerurlaub nach Hause und macht dort eine erschreckende Entdeckung. Ihr Geburtsort ist ihr fremd geworden. Sie war ja schon immer anders als die anderen Kinder. Und dies hat sich durch ihr Leben in New York noch verstärkt. In Maycomb herrschen noch die alten Sitten und Gebräuche. Die Frauen kümmern sich um die drei Ks. Sie machen sich jeden Tag hübsch für ihre Männer und plappern brav nach, was diese so von sich geben. Jean Louises Tante Alexandra, die inzwischen für ihren Bruder den Haushalt führt, kritisiert andauernd Jean Louises Aussehen. Kein Lippenstift und Hosen! Und dann merkt Jean Louise, dass sich auch die Stimmung vor Ort geändert hat. Während sich die schwarzen und weißen Mitbürger einigermaßen freundlich miteinander abgegeben haben, herrscht jetzt eine strikte Trennung. Und es hat sich in Maycomb County ein Bürgerrat gebildet, dem sehr zu Jean Louise Entsetzens auch ihr Vater und ihr Freund aus Kindertagen, Henry, angehören. Sie sind gegen die Forderung des Obersten Bundesgerichts, die den Schwarzen die gleichen Bürgerrechte zubilligen wollen. Es kommt zu einer erbitterten Auseinandersetzung mit ihrem Vater.

Es ist dies ein ganz anderes Buch als „Wer die Nachtigall stört“. Bei dem zuerst erschienenen Buch wurde die Geschichte aus Kindersicht erzählt. Es war eine sehr versöhnliche Sichtweise. „Geh hin, stelle einen Wächter“ ist da ganz anders. Harper Lee wechselt zwischen der Erzählung, wie Jean Louise nach Maycomb County zurückkehrt und den Gedanken, die sich Jean Louise macht. Es ist ein Buch, welches sich sehr intensiv mit der Zeit der Rassenkonflikte in den USA beschäftigt. Jean Louise kann einfach nicht verstehen, wie die Menschen in ihrer Heimatstadt ticken. Es ist ein großartiges Buch, was sehr zum Nachdenken anregt. Das einzige, was mir an diesem Buch gefehlt hat, ist ein Nachwort vom Verlag. Ich hätte gerne noch etwas mehr über die Entstehung des Buches, die Hintergründe und eine geschichtliche Einordnung der Zeit in den USA bekommen. Denn darüber weiß in Deutschland nicht jeder Bescheid.

Als ich dieses Buch schon relativ weit gelesen hatte, hab ich festgestellt, dass dieses Buch einfach zeitlos und damit immer aktuell ist. Denn immer wird es Menschen geben, die Angst vor Menschen haben, die anders sind. Sei es die Hautfarbe, die Religion, die Nationalität, die sexuelle Orientierung oder die Gesundheit der Menschen. Was anders ist macht Angst. Der Mensch muss sich dagegen wappnen. Und je nach Temperament kämpft er für oder gegen diese andersartigen Menschen. Besonders schwierig sind aber die Menschen, die einfach ihr Fähnchen in den Wind hängen, die sogenannten Mitläufer. Sie sind nämlich eine Grauzone und sehr schwer zu enttarnen. Und sie stützen so manches Unrechtsregime. Und genau in diese Wunde hat Harper Lee schon sehr früh ihre Finger legt. Es war kein Wunder, dass das Buch nicht erschienen ist, als sie einen Verlag dafür gesucht hat. Es hätte nämlich zu vielen Menschen einen Spiegel vors Gesicht gehalten.

Dieses Buch ist einerseits eine ideale Lektüre für Leserinnen und Leser, die gerne durchaus kritische, aber liebevolle Bücher über den Süden der USA mögen. D.h. die gerne „Gute Geister“ von Kathryn Stockett, „Grüne Tomaten“ von Fannie Flagg oder auch „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd gelesen haben. Allerdings ist dies Buch auch gerade jetzt sehr interessant für Menschen, die sich mit der aktuellen Flüchtlingssituation beschäftigen, denn auch hier kommen wieder unsere Ängste durch.

Gehe hin, stelle einen Wächter
von Harper Lee
(1)
Buch
10,00

Ein perfektes Leben?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 12.09.2016

Wahrscheinlich muss ich Ihnen die Autorin Britta Sabbag gar nicht mehr vorstellen, denn sie ist seit einiger Zeit eine ausgesprochen erfolgreiche Autorin humorvoller Frauenbücher. Nur ich habe mal wieder noch nichts von ihr gelesen. Aber das wollte ich jetzt ändern. Und so habe ich ihr aktuelles Buch „Der Sommer mit Pippa“ gelesen.

Britta Sabbag erzählt in diesem Buch keine Liebesgeschichte, sondern die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Ihre Protagonistin Sarah hat eigentlich das perfekte Leben. Sie ist eine erfolgreiche Anwältin, lebt in einer schönen Wohnung in Köln und hat die perfekte Liebe ihres Lebens gefunden – Philip. Jetzt fehlt ihr nur noch die Traumhochzeit, für die es schon lange eine Liste gibt, wie sie auszusehen hat, zu ihrem Glück. An ihrem Jahrestag passiert es dann. Philip macht ihr einen Heiratsantrag, der zwar anders ausfällt, als Sarah ihn sich gewünscht hat, aber was soll’s? Hauptsache es wird endlich geheiratet. Erst als sie mit ihrem Lieblings-Verkäufer über die geplante Hochzeit spricht, fällt ihr auf, dass sie gar keine beste Freundin hat, ja, dass sie sogar gar keine Freundin hat. Wer soll denn nun ihre Trauzeugin werden? Philipp, der seine Mutter über alles liebt, würde gerne seine Mutter in dieser Rolle sehen. Doch so sehr Sarah ihren Philipp liebt, so weiß sie doch, dass sie für ihre Schwiegermutter nie die richtige sein wird. Pragmatisch wie Sarah ist, versucht sie eine Freundin über das Internet zu finden. Doch das geht schief. So findet man keine Freundin. Doch dann kommt der Tag, an dem sie Pippa kennenlernt. Und das gleich mit einem ganz großen Auftritt. Pippa rettet sie aus den Klauen des „Schwiegermonsters“, denn anders kann man Philipps Mutter Liz nicht nennen. Als Dankeschön lädt Sarah Pippa zum Essen ein. Und obwohl die beiden Frauen extrem unterschiedlich sind, macht es bei ihnen irgendwie Klick. Und so tritt die chaotische, unkonventionelle Pippa mit ihrem flippigen Stil und ihrer frechen Klappe in Sarahs wohlgeordnetes Leben. Kann das gutgehen?

Es hat mir wahnsinnigen Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Und auch wenn mir eines von Anfang an klar war, war es doch sehr spannend den Weg dorthin mit all seinen großen und kleinen Katstrophen zu verfolgen. Pippas Art stellt das ganze Leben von Sarah auf den Kopf. Ist das Leben, welches sich Sarah schon von Kindheit an ausgemalt hat, wirklich das Leben, welches sie sich wünscht? Und was ist an diesem Leben überhaupt so erstrebenswert? Es ist schon sehr spannend zu beobachten, wie Sarah sich immer mehr öffnet und anfängt Dinge zu hinterfragen. Pippa ist eine Art moderne Pipi Langstrumpf, die allerdings in ihrem Leben nicht wirklich viel Glück gehabt hat. Trotzdem nimmt sie das Leben so an, wie es kommt. Sie sieht die Menschen hinter der Maske. Und sie hat ein sehr klares Bild von dem, was richtig und was falsch ist. Und somit ist dies ein wunderbarer Frauenroman, bei dem man herzhaft lachen kann und bestens unterhalten wird. Aber es ist auch ein Roman, der einen ein wenig zum Nachdenken bringen kann. Gibt es wirklich das perfekte Leben? Und wie sieht es aus? Kann man sich selbst komplett neu erfinden? Oder bleibt dabei etwas von einem selbst zurück?

Ich habe dieses Buch sehr genossen. Und ich hoffe, dass es hiervon noch eine Fortsetzung gibt. Denn eine Frage ist für mich noch offen geblieben. Und die hängt mit der wunderbaren Pippa zusammen. Vielleicht tut uns die Autorin ja den Gefallen und schreibt noch ein weiteres Buch über Pippa und Sarah?

Der Sommer mit Pippa
von Britta Sabbag
(2)
Buch
9,99

Was für eine grandiose Idee

Eine Kundin / Ein Kunde , am 05.09.2016

Sagt Ihnen der Name Charlotte Lucas etwas? Nein? Dann kennen Sie aber vielleicht Wiebke Lorenz oder Anne Hertz? Charlotte Lucas ist ein Pseudonym der sehr vielseitig schreibenden Autorin und Journalistin Wiebke Lorenz. Und Anne Hertz ist ein Gemeinschaftspseudonym von Wiebke Lorenz und ihrer Schwester Frauke Scheunemann. Nun stellen Sie sich vielleicht die Frage, warum man unter Pseudonym schreibt, aber in diesem Fall ist es eindeutig klar. Denn die Thriller, die Wiebke Lorenz unter ihrem Namen schreibt, sind nichts für schwache Nerven. Anne Hertz schreiben humorvolle Frauenromane und Charlotte Lucas erster Roman ist ein romantischer, kluger und überraschender Frauenroman.

Die Geschichte ist von der Idee her einfach schon mal toll. Ein Filofax mit einem Kalender für das folgende Jahr, komplett mit Aufgaben für jeden Tag, die sich von normalen Terminen 100 %ig unterscheiden – ein Filofax für das perfekte Jahr. Und genau so einen findet Jonathan am 1. Januar in einer Tasche an dem Lenker seines Fahrrads, als er vom Joggen zurückkommt. Jonathan ist Anfang vierzig, geschieden, lebt in Hamburg in einer Villa in einer wohlhabenden Gegend und besitzt den renommierten Verlag Griefson & Books. Und ansonsten herrscht in seinem Leben gerade eine große Leere. Die kompensiert er dadurch, dass er äußerst rechtschaffen agiert – er schreibt Leserbriefe und ähnliches an Zeitungen und Behörden und weist darin auf vermeintliche Missstände hin. Was macht nun so jemand, wenn er etwas durchaus Wertvolles findet? Fundbüro? Viel zu unsicher! Also versucht er den Besitzer oder die Besitzerin selbst herauszufinden. Dabei verselbstständigt sich die Suche.

Und dann springt die Geschichte 2 Monate zurück zu Hannah, einer jungen Frau Ende Zwanzig, die sich gerade mit ihrer besten Freundin Lisa selbstständig macht. Sie haben einen Kindergarten gegründet, der anders als andere ist. Hannah ist glücklich mit Simon, ihrem Freund.

Und so wechseln mit den Kapiteln jeweils die Protagonisten, wobei Hannahs Part irgendwann parallel zu Jonathans läuft. Was haben diese beiden Geschichten miteinander zu tun? Für wen ist dieses perfekte Jahr gedacht? Und gibt es überhaupt für jemanden in diesem Buch ein perfektes Jahr?

Ich finde diese Idee mit dem Filofax total toll. Ich wünschte mir, dass mir auch jemand einmal so etwas schenken würde. In diesem Filofax steht für jeden Tag ein kluges Zitat einer berühmten Person. Dazu kommt eine Aufgabe, die dem Menschen, der sie zu erledigen hat, hilft, sich selber besser kennenzulernen, bzw. Ängste und Schwachen langsam abzulegen und wieder positiv ins Leben zu blicken. Es gibt da Aufgaben, wie eine innere Inventur zu machen, oder einfach einmal barfuß über eine Blumenwiese zu laufen (und dabei nicht an die Zeckengefahr zu denken). Es ist ein Filofax, der daran erinnert, dass wir im hier und jetzt leben und nicht der Vergangenheit nachtrauern, oder uns die Zukunft in rosigen Farben malen sollten. Was vergangen ist, ist vorbei. Und wie lange es für den einzelnen eine Zukunft gibt, weiß zum Glück zumeist niemand. Ja klar, es gibt Ausnahmen, aber auch dann muss man versuchen aus der Gegenwart das Beste zu machen.

Mir hat diese Geschichte unglaublich gut gefallen. Und sie passt natürlich auch hervorragend zu den beiden Büchern, die ich Ihnen zuletzt empfohlen habe (Serge Marquis „Ich muss nicht alles glauben, was ich denke“ und Michael Acton Smith “Calm“). Ein wunderschöner und romantischer Roman, der gut in unsere schnelllebige Zeit passt, in der wir immer öfter nur noch funktionieren, aber vergessen haben, das Positive im Leben wahrzunehmen. Er ist schön erzählt, humorvoll und enthält für Buchliebhaber einige nette Spitzen bezüglich der aktuellen Situationen der Verlage und Buchhandlungen parat.

Für mich ein Roman, der für Leserinnen von Lori Nelson Spielman „Morgen kommt ein neuer Himmel“, Jojo Moyes, aber auch Gabriella Engelmann oder Lilly Oliver optimal ist. Ein absoluter Wohlfühlroman, der durchaus auch eine Botschaft enthält und zum Nachdenken einlädt.

Dein perfektes Jahr
von Charlotte Lucas
(33)
Buch
16,00

Einfach mal innehalten und die Ruhe finden

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.09.2016

Es gibt einfach Bücher, die finden einen! „Calm – Gelassen werden und die Welt verändern“ ist so ein Buch. Mir wurde es von dem Verlagsvertreter geschenkt. Ich war anfangs etwas skeptisch, da der Patmos Verlag für mich so ein klassischer Geschenkbuch-Verlag ist. Und auch der erste Blick hinein hat mich noch nicht gleich überzeugt – viele Bilder, ganz unterschiedliche Typographie – eigentlich gar nicht meins. Aber das Cover, dieses verlaufende Blau mit dem silbernen Lichtreflex, und der Titel, der Ruhe verspricht, haben mich schon interessiert. Und jetzt, wo ich mir gerade Ruhe und Gelassenheit wünschte, habe ich jeden Morgen ein Kapitel gelesen. Und nun bin ich von diesem Buch rundum begeistert!

Michael Acton Smith ist ein britischer Unternehmer, der sich u.a. die Moshi Monsters ausgedacht hat. Als er irgendwann einmal am Ende war, hat er einen Urlaub ganz für sich alleine in Österreich gemacht. Dadurch ist er auf die Kraft der Meditation und Bücher zum Thema Achtsamkeit gestoßen. Dies hat ihn so motiviert und inspiriert, dass er mit anderen zusammen das Calm-Projekt gegründet hat. Denn neben dem Buch gibt es auch noch eine kostenlose Calm-App und eine Calm-Homepage im Internet (leider nur in Englisch).

In diesem Buch bekommt der Leser viele interessante Informationen zu 8 verschiedenen Themen:

- Natur
- Schlaf
- Reisen
- Beziehungen
- Arbeit
- Kinder
- Kreativität
- Essen

Die einzelnen Kapitel müssen nicht chronologisch hintereinander gelesen werden. Man kann sich das Thema herauspicken, welches einen gerade interessiert. In den einzelnen Themen werden psychologische Hintergründe beschrieben. Es gibt passende Zitate, Vorschläge, was man selbst umsetzen kann und immer wieder Meditationsvorschläge. Das Ganze ist liebevoll mit schönen Bildern und Grafiken unterlegt, so dass man das Gefühl hat, einen Zeitschriftenartikel zu lesen.

Mir haben dieses Buch und auch die dazugehörige App schon zu einiger Ruhe und Gelassenheit verholfen. Natürlich ist der Weg noch weit, aber ich werde immer wieder einmal einen Blick in dieses Buch werfen, damit ich mein Wissen auffrischen kann.

Ich kann dieses Buch allen denen empfehlen, die gerne Zeitschriften wie Happinez oder Flow u.ä. lesen, die auf der Suche nach Ruhe und Gelassenheit sind, aber nicht gleich in die richtig schwierigen und komplexen Bücher einsteigen möchten. Dies ist ein richtig schönes Einsteigerbuch, um sich erst einmal überhaupt mit diesem Thema vertraut zu machen.

Calm. Gelassen werden und die Welt verändern
von Michael Acton Smith
(1)
Buch
18,00

Was für ein zauberhaftes Buch für kleine und große Menschen.

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.09.2016

Vielleicht kennen Sie Britta Sabbag durch ihre humorvollen Frauenromane, oder die Kinderbücher. Aber zusammen mit Maite Kelly und der Illustratorin Joelle Tourlonias hat sie die bezaubernde Hummel Bommel erfunden. Eine kleine Hummel, die in ihrer Insektenkrabbelgruppe große Schwierigkeiten hat, da sie nur so kleine Flügelchen hat. Die anderen verspotten sie und sagen, dass man mit diesen winzigen Flügeln doch gar nicht fliegen kann. Sie macht sich traurig auf den Nachhauseweg und fragt andere Fluginsekten nach ihren Flügeln. Jedes erzählt ihr etwas zu seinen eigenen, ganz speziellen Flügeln, aber fast niemand kann Hummel Bommel wirklich helfen. Aber letztendlich schafft es natürlich auch die Hummel Bommel zu fliegen.

Inzwischen gibt es schon eine ganze Reihe von Hummel Bummel Bilderbüchern, wobei ich nur dieses eine kenne. Aber alle eint, dass sie Themen für Kinder behandeln, die sich aber auch wunderbar als Geschenkbücher für Erwachsene eignen.

Der erste Band „Die kleine Hummel Bommel“ ist das ideale Geschenk für Menschen, denen es an Mut fehlt, einfach einmal etwas auszuprobieren. Die liebevollen Zeichnungen und die kleinen Texte sorgen einfach für gute Stimmung.

Die kleine Hummel Bommel
von Britta Sabbag
(12)
Buch
12,95

2. Herz = 2. Chance?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 25.08.2016

Vor fast genau zwei Wochen habe ich Ihnen Susanna Ernsts Buch „So wie die Hoffnung bleibt“ empfohlen. Es war ein Roman aus der aktuellen Werbekampagne des Knaur Verlags „Genau meins“ Und heute habe ich nun das zweite Buch aus dieser Kampagne für Sie. Ebenfalls wieder eine ganz ungewöhnliche Geschichte, die mich begeistert hat.

Lily Oliver ist eine Münchner Autorin, die unter anderen Pseudonymen schon ganz unterschiedliche Bücher herausgebracht hat. Unter Lily Oliver ist es ihr erster Roman.

Endlich mal ein Klappentext, dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist. Und dann noch das tolle Zitat von der großartigen Autorin Nina George, der ich nur zustimmen kann.

Lily Oliver erzählt die Geschichte von Gwen und Noah immer wieder abwechselnd aus den Perspektiven der beiden. Am Anfang eines jeden Kapitels steht ein Zitat aus dem Internetforum „jungundherzkrank, dem Forum, über das sich die beiden kennengelernt haben. So können wir die beiden jungen Protagonisten viel besser kennenlernen, denn so erfahren wir auch ihre Gedanken und Ängste. Die Autorin beschreibt diese Geschichte mit ganz viel Feingefühl, so dass man die Beweggründe von Gwen und Noah sehr gut nachvollziehen kann. Obwohl dieses Buch für Erwachsene geschrieben wurde, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das Buch schon etwas für Jugendliche ab 14 Jahren ist. Gerade dadurch, dass die Hauptpersonen so jung sind.

Mich hat sowohl die eigentliche Geschichte sehr fasziniert, als auch die Beziehung und die Kommunikation zwischen Gwen und Noah. Vor einiger Zeit habe ich das Buch von David Wagner „Leben“ gelesen. Das war seine ganz persönliche Geschichte über seine Lebertransplantation. Schon damals habe ich angefangen, nachzudenken, wie es mir persönlich wohl ginge, wenn ich auf eine Transplantation angewiesen wäre. Und Lily Oliver ist dieses Thema ganz anders angegangen. Niemand erkennt die Ängste und die Schuld, die das Mädchen Gwen durchlebt. Sie hat das Herz einer anderen Person. Das Herz einer Person, die nicht freiwillig gestorben ist. Sie hat eine große Verantwortung damit übernommen. Wie soll sie damit fertigwerden. Alle sagen ihr immer nur, wie toll es ist, dass es geklappt hat. Alle wollen, dass sie ihr Leben ganz normal weiterlebt. Aber niemand sieht, wie es ihr wirklich geht. Und diese Gefühle, die Gwen zu dieser gravierenden Entscheidung treiben, hat Lily Oliver großartig erfasst. Ich habe mir schon ziemlich früh während der Lektüre überlegt, ob 1. Patienten vor so einem Eingriff psychologisch betreut werden, damit sie sich der ganzen Thematik, die auf sie einströmt, bewusst werden? Und 2. ob Menschen, die zu Depressionen neigen, grundsätzlich mit so einem Thema umgehen können?

Aber nicht nur das Thema Organtransplantation hat mich zutiefst berührt, sondern auch das Thema Kommunikation. Gwen und Noah reden ganz viel miteinander. Aber sie behalten auch ganz viel für sich. Und dieses teilweise, weil sie den anderen nicht enttäuschen wollen, oder weil sie einfach annehmen, dass der andere den gleichen Gedanken hat. Und so entstehen Missverständnisse. Dadurch öffnet dieses Buch einem auch die Augen, dass man wirklich offen miteinander reden sollte. Denn wie soll der andere die eigenen Gedanken erkennen? Wenn Gwen und Noah viel offener miteinander gesprochen hätten, wäre das Buch viel kürzer gewesen. Zum Glück haben sie es aber nicht gemacht, denn somit haben wir ein wunderbares Buch geschenkt bekommen, dem ich ganz viele Leser und Leserinnen wünsche!

Mich hat dieses Buch total mitgerissen. Ich mochte gar nicht aufhören und war ganz traurig, dass ich es vorab lesen durfte, denn so konnte ich es noch nicht empfehlen.

Die Tage, die ich dir verspreche
von Lily Oliver
(56)
Buch
9,99

Grübeln Sie auch so viel?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 25.08.2016

Serge Marquis ist ein kanadischer Arzt, der sich in diesem Buch ganz speziell mit dem ewigen Grübeln beschäftigt. Er verspricht, dass wir nach der Lektüre „Das Grübeln beenden, gelassener leben“. Und da ich auch so eine Grüblerin bin, habe ich dieses Buch gelesen.

Die Idee des Autors ist ausgesprochen interessant. Der Grübler in uns ist unser Ego. Und dies stellt er sehr bildhaft als einen Hamster in einem Hamsterrad dar. Da ich mich grad auch sehr viel mit den Themenkomplexen „Positives Denken“ und „Achtsamkeit“ beschäftige, hatte ich am Anfang etwas Schwierigkeiten mit diesem Buch. Da rät der Autor, sich zurückzunehmen. Für mich war es am Anfang ein Widerspruch zu den anderen Themenkomplexen. Doch nach der Lektüre denke ich anders darüber und meine, dass sich dies alles miteinander kombinieren lässt. Denn alle Themenkomplexe eint, dass wir im Hier und Jetzt leben sollen. Meditationen, die den Kopf lehren sollen, spielen sowohl bei der Achtsamkeit als auch bei diesem Buch eine essentielle Rolle. Und auch wenn ich verstärkt auf meine Gefühle und meinen Körper achten soll, so ist das doch etwas anderes als das Ego im Hamsterrad, was Serge Marquis beschreibt.

Mir hat dieses Buch geholfen, wobei ich natürlich immer noch daran arbeite, mich zurückzunehmen. Aber es klappt immer öfter. Und ich erkenne die Falle immer früher, so dass ich immer seltener hineintappe.

Der Autor beschreibt seinen Stoff sehr verständlich und mit Humor. Die Beispiele, die er bringt, sind auf jeden Fall nachvollziehbar. Da werden sich die meisten Menschen wiederfinden. Und da das Buch nur 144 Seiten umfasst, hat man es schnell durchgelesen.

Ich muss nicht alles glauben, was ich denke
von Serge Marquis
(1)
eBook
11,99

Hat diese Liebesgeschichte eine Chance?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 23.08.2016

Wer meine Buchbesprechungen regelmäßig liest, weiß, dass ich ein großes Interesse an dem Staat Israel und an der Nahost-Problematik habe. Da ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass mich gerade dieses neue Buch von Dorit Rabinyan angesprochen hat, denn es geht um eine Liebesgeschichte zwischen einer jungen Jüdin und einem jungen Palästinenser. Zusätzlich hat mich der Hinweis des Verlages extra neugierig gemacht: „Das Buch wurde vom israelischen Erziehungsminister von der Lektüreliste der Oberstufe gestrichen, was auch in Deutschland ein starkes Presseecho hervorrief.“ Denn ich fragte mich – und frage mich immer noch – warum denn bloß?

Die eigentliche Geschichte ist kurz erzählt. In New York lernt die Übersetzerin Liat, wohnhaft in Tel Aviv, per Zufall den Maler Chilmi kennen. Sie finden sich beide ausgesprochen sympathisch und verbringen gleich den ganzen restlichen Tag zusammen. Doch es gibt hierbei ein großes, unüberwindlich erscheinendes Hindernis: Chilmi ist ein Palästinenser aus Ramallah. Gegen ihren Willen verliebt sich Liat in ihn. Und auch Chilmi liebt Liat. Doch welche Chance hat diese Liebe? Für Liat ist von vorne herein klar, dass sie nur für die Zeit ihres 6-monatigen Aufenthalts in New York Bestand haben kann. Und so verfolgen wir diese Liebesgeschichte über die 6 Monate in New York, aber wir folgen den beiden auch danach, wo sie wieder in ihrer jeweiligen Heimat angekommen sind.

Dorit Rabinyan besticht durch ihre ausdrucksstarke Erzählweise. Besonders die wunderschön geschriebene Liebesszene im Kapitel 7 ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Sie malt Bilder, sie sieht ganz tief in die Seele hinein und hat es geschafft, mich ganz tief in diese Geschichte hineinzuziehen. Was ist dies für eine Zeit, in der sich zwei Menschen nicht lieben dürfen, weil ihre Nationen keinen Frieden miteinander finden. Immer wieder flackern in den Gesprächen zwischen Liat und Chilmi Themen auf, die auch sie sehr unterschiedlich wahrnehmen, z.T. sich sogar nicht einigen können. Aber ihrer Liebe tut es keinen Abbruch. Und dann kommt das Ende, was mich vollkommen umgehauen hat! Aber lesen Sie dieses Buch selbst. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Ein Aspekt dieses Buches hat mich besonders berührt. Und das ist die Angst, von bekannten Menschen entdeckt zu werden, die von dieser Liebe nichts wissen dürfen. Da liebt man einen Menschen und hat trotzdem Angst zu seiner Liebe zu stehen. Wie sieht dies für den anderen aus. Ist man die Liebe nicht wert? Schämt sich der eine für die Liebe? Und diese Thematik betrifft nicht nur die Liebesgeschichten zwischen Juden und Palästinensern, sondern auch homosexuelle Paare, Paare mit verschiedenen Hautfarben oder verschiedener Religionen. Und damit ist dieses Buch für mich auch noch einmal ein ganz spezieller Augenöffner.

Ein fantastisches Buch, was für Liebe und die Toleranz zwischen den Menschen wirbt!

Wir sehen uns am Meer
von Dorit Rabinyan
(51)
Buch
19,99

 
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