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Das beste Buch aller Zeiten:
Nina George, Das Lavendelzimmer

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Wunderschön, traurig und doch Mut machend

Eine Kundin / Ein Kunde , am 25.06.2016

Agnès Ledig ist eine französische Autorin, die die Zeit während der schweren Krankheit ihres Sohnes genutzt hat, diesen wunderschönen Roman zu schreiben. Und dann hat sich die Geschichte verselbständigt, denn das Buch wurde inzwischen in sechs Sprachen übersetzt und ist sehr erfolgreich. Ich selbst bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen. Mir war einfach einmal wieder nach einem gefühlvollen Frauenbuch. Und da haben mich der Buchumschlag und der Covertext dieses Buches direkt angesprochen. Kaum angefangen musste ich dieses Buch ganz schnell durchlesen, weil es mich einfach gepackt hat!

Agnès Ledig erzählt eine Geschichte, die am Anfang einfach zu schön ist, um wahr zu sein. Doch dann geschieht ein großes Unglück. Und aus diesem Unglück entsteht am Ende ganz viel Neues. Es ist die Geschichte von Julie, einer blutjungen alleinerziehenden Mutter, die ihren dreijährigen Sohn Lulu als Kassiererin in einem Supermarkt durchbringt. Sie hat schon viel einstecken müssen, vertraut niemanden mehr, gibt aber auch nicht auf. Dann sind da Paul und sein Sohn Jerome. Paul ist ein erfolgreicher und wohlhabender Mann, der sich gerade von seiner zweiten Frau getrennt hat. Er lernt Julie per Zufall an dem Tag im Supermarkt kennen, als sie eine kleine Schwäche zeigt. Er spricht sie an, denn irgendetwas fasziniert ihn an dieser Frau. Bei einem gemeinsamen Mitttagessen in einem Restaurant lernt er Julie und ihre schwierige Situation näher kennen. Und ganz spontan lädt er sie und ihren Sohn zu einem Urlaub in die Bretagne ein – all inklusive, aber ohne Hintergedanken. Sein erwachsener Sohn Jerome, ein Arzt, der tief in der Trauer feststeckt, die der Selbstmord seiner depressiven Frau hervorgerufen hat, ist auch mit dabei. Er hält Julie anfangs für eine Glücksritterin. Doch in der Bretagne kommen sich die vier Menschen immer näher. Doch dann passiert das unfassbare Unglück, welches mich vollkommen unvorbereitet getroffen hat. Auf Grund des Klappentextes wusste ich zwar, dass etwas Schreckliches passieren würde, aber damit hatte ich nicht gerechnet.

Doch das Buch endet natürlich nicht dort. Sondern die Autorin beschreibt sehr sensibel und gefühlvoll auch die Zeit danach. Sie zeigt alle Höhen und Tiefen auf. Und sie macht sehr deutlich, wie wichtig Freundschaft und Liebe zueinander sind, denn dann kann aus einem großen Unglück auch wieder etwas wunderbares Neues erwachsen.

Mich hat dieses Buch zutiefst berührt. Die Autorin hat in diese Geschichte so viel Reife und Lebensweisheit gepackt, dass ich wieder einmal ganz viele Zitate meiner persönlichen Zitate-Sammlung hinzufügen konnte. Es ist einfach wunderschön und zu Herzen gehend geschrieben. Für mich hat es eine ganz ähnliche Qualität wie die beiden wunderbaren Bücher von Nina George „Die Mondspielerin“ und „Das Lavendelzimmer“. Alle drei Bücher sind für mich Balsam für die Seele!

Kurz bevor das Glück beginnt
von Agnès Ledig
(1)
Buch
9,95

Aus der Not eine Tugend machen – oder Träume werden wahr

Eine Kundin / Ein Kunde , am 24.06.2016

Dieses Buch habe ich als Buchhändlerin schon viel früher als sie kennenlernen dürfen. Ich bekam es vorab vom Verlag. Und dabei sprach mich zu allererst das wunderschöne Cover an. Doch dann stutze ich zweimal. 1. Die Autorin kam mir so bekannt vor. Und stimmt, ich habe vor ungefähr 16 Jahren mal zwei Bücher von ihr in Englisch gelesen. Und 2. Ein Unterhaltungsroman beim Berliner Taschenbuch Verlag? Das hat mich doch alles sehr neugierig gemacht! Und ich wurde nicht enttäuscht.

Bei dem Klappentext kommt alles zu einfach rüber, auch wenn es natürlich in groben Zügen stimmt. Ja, Polly zieht auf die kleine cornische Gezeiteninsel Mount Polbearne und backt dort Brot. Aber warum sie dort hinzieht, gestaltet sich dann doch etwas anders. Polly und ihr ehemaliger Freund Chris haben in Plymouth eine eigene Firma gehabt. Sie haben das Leben von aufstrebenden Yuppies geführt. Doch dann ist die Blase geplatzt und sie mussten Insolvenz anmelden. Darüber ist auch ihre persönliche Beziehung zerbrochen. Polly steht jetzt vor dem Nichts. Die Summe, die ihr die Insolvenzverwalter lassen, ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Eine bezahlbare und lebenswerte Unterkunft bekommt sie davon in Plymouth nicht. Als sie ihren Suchradius ausweitet, entdeckt sie die Wohnung auf Mount Polbearne. Nach der Besichtigung ist sie zwar schockiert über den Zustand der Wohnung, entschließt sich aber trotzdem dorthin zu ziehen. Als Ausgleich zu ihrer kaufmännischen Tätigkeit hat sie schon immer leidenschaftlich gerne gebacken. Sie hatte allerdings nie vor, daraus einen Beruf zu machen. Doch es kommt ganz anders. Die Bewohner der Insel sind sehr zurückhaltend und neu Hinzugezogenen sehr abweisend. Sie wollen nicht, dass Immobilienhaie das Leben dort für die Einheimischen nicht mehr bezahlbar machen. Polly richtet sich ein. Und als sie in der einzigen Bäckerei der kleinen Insel Brot kauft, ist sie entsetzt. Und so beginnt sie in ihrer Wohnung ihr eigenes Brot zu backen. Und der Duft trägt zum Fenster hinaus. Und dann kommt peu á peu eins zum anderen.

Zu dieser sehr stimmungsvollen und märchenhaften Geschichte kommen sehr viele, sehr unterschiedliche Charaktere ins Spiel. Da sind zum einen die Fischer Tarnie und sein Crew, die schon sehr früh Freundschaft mit Polly schließen. Dann ihre Vermieterin Gillie Manse, die auch noch die Bäckerin vor Ort ist, und die absolut gegen Polly eingestellt ist. Der Amerikaner Huck, den etwas Geheimnisvolles umgibt, der verrückte, reiche Surfer Reuben und ihre beste Freundin Kerensa. Und natürlich der kleine Papageientaucher Neill. Über diese sehr bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Menschen bekommt dieses Buch etwas sehr lebendiges. Man möchte einfach dort wohnen, sich mit diesen Menschen anfreunden und das lecker Brot von Polly probieren. Und neben der Geschichte um Polly kommen durchaus noch einige ernstere Themen hinzu. Was für ein Leben führen die Fischer. Und was passiert, wenn sich die Menschen, die das Geld haben, sich einfach irgendwo einkaufen. Was bleibt für die Einheimischen dann noch übrig.

Es ist ein wunderbares Buch, in dem ich versinken konnte. Es hat einige Überraschungen für mich bereitgehalten, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Und Polly braucht lange, bis ihr Leben wirklich in allen Belangen wieder ganz normal funktioniert. Ich musste viel schmunzeln und lachen, aber ich musste auch weinen. Auch auf dieser wunderbaren kleinen Gezeiteninsel passieren Tragödien. Und wer nach der Lektüre Lust auf das lecker Brot bekommen hat, am Ende sind 7 Rezepte.

Ach übrigens, Modell für Mount Polbearne stand übrigen St. Michaels Mount, der über einen Steg von Marazion erreicht werden kann. Und dort ist es einfach himmlisch.

Die kleine Bäckerei am Strandweg
von Jenny Colgan
(9)
Buch
9,99

Ein Sommer voller Überraschungen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 17.06.2016

Bisher waren die Bücher von Janne Mommsen immer blau. Und bei blauen Büchern handelt es sich zu meist um

1. Leichte, romantische Frauenunterhaltung à la Cecilia Ahern
2. Humorvolle, witzige Unterhaltung à la Dora Heldt

Doch nun ist das neueste Buch von Janne Mommsen plötzlich in einem dunklen Grün mit einem hellen Bild in der Mitte. Hat dies etwas zu bedeuten? Treffen wir hier einen anderen Janne Mommsen als bisher? Ich selbst habe von ihm bis jetzt nur „Friesensommer“ gelesen. Und das empfand ich als nicht wirklich zu dem Umschlag passend, denn es hatte durchaus mehr zu bieten als nur leichte, romantische oder humorvolle, witzige Unterhaltung. Nun war ich auf sein neues Buch gespannt. Hier mein Eindruck zu der Geschichte.

Der Klappentext des Buches trifft den Inhalt, aber lässt ihn oberflächlicher erscheinen, als er ist. Tom ist ein Mensch, der am liebsten ganz alleine in dem alten Forsthaus ist, in dem er mit seinem Vater aufgewachsen ist. Am wohlsten fühlt er sich im Wald, wo er sich mit seinen Freunden, den Bäumen, unterhält. Doch irgendwie bekommt er sein Leben nicht in den Griff. Etwas Dunkles lauert in ihm. Und deshalb will er sich das Leben nehmen. Doch da kommt ihm Annkathrin in die Quere. Sie ist das komplette Gegenteil von ihm. Sie ist energiegeladen und eine Powerfrau, die eine Karriere im Hotelbusiness anstrebt. Doch dadurch, dass sie Tom retten will und selbst dabei schwer verletzt wird, erfährt sie etwas, was ihren Lebensplan völlig in Frage stellt. Was ist wirklich wichtig im Leben?

Per Zufall haben die beiden in dem Sommer nach dem Vorfall am Eis beruflich miteinander zu tun. Sie müssen ausgewöhnliche Locations für den berühmten finnischen Komponisten Samu Waikonen finden, der in Schleswig-Holstein Konzerte geben will. Und die Hotelkette, für die Annkathrin, arbeitet ist der Hauptsponsor. Und so müssen diese beiden sehr unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten. Dies ist gar nicht so einfach. Und zusätzlich haben die beiden auch noch private Probleme zu lösen. Tom fürchtet um seine Bleibe und Annkathrin muss ihren drei Schwestern auf Föhr helfen, dass das Elternhaus in der Familie bleibt. Alles läuft auf ein großes Finale hinaus, bei dem das Pendel in die eine als auch in die andere Richtung ausschlagen kann. Wie werden die beiden die Probleme lösen können?

Bevor ich dieses Buch gelesen habe, war ich auf einer Lesung des Autors. Und da erzählte er, dass dieses Buch durchaus auch einen persönlichen Hintergrund hat, der ihn hat nachdenklicher werden lassen. Und das ist es, was dieses Buch auszeichnet. Es regt zum Nachdenken an, was wir aus unserem Leben machen und wie wir es genießen oder nicht. Denn niemand weiß, wie viel Zeit wir in diesem Leben zur Verfügung haben. Und ob es eine zweite Chance gibt, wissen wir erst recht nicht.

Doch auch, wenn dieses Buch einen zum Innehalten und Nachdenken anregen kann, ist es doch ein Unterhaltungsroman. Es werden einige Themen angerissen, die vielleicht hätten vertieft werden können, aber das hat der Autor nicht gemacht. Und ich finde es gut so. Das Buch unterhält, und gerade durch die Geschichte um den Komponisten Waikonen bekommt die Geschichte sogar einige sehr humorvolle Aspekte hinzu. Und das ist das wichtigste an diesem Genre. Das man zusätzlich noch etwas zum Nachdenken bekommt, ist das i-Tüpfelchen!

Zwischen den Bäumen das Meer
von Janne Mommsen
(2)
Buch
14,99

Hitler täuscht die Welt

Eine Kundin / Ein Kunde , am 09.06.2016

Oliver Hilmes ist sicherlich einigen von Ihnen durch seine Biografien „Witwe im Wahn“ und „Herrin des Hügels“ bekannt. Und auch seine anderen bisherigen Bücher waren Biographien, die sich hauptsächlich mit Menschen beschäftigten, die mit Musik zu tun haben. Doch dieses Buch ist anders. Es ist im Prinzip eine Biografie über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.

Ähnlich wie Florian Illies bei seinem Buch „1913“ reiht auch Oliver Hilmes verschiedene kleine Schnipsel zu einem großen Ganzen zusammen. Doch ich persönlich finde, dass dieses Buch weitaus mehr zu sagen hat. So sind dies keine kleinen Anekdoten über private Details mehr oder weniger berühmter Zeitgenossen, sondern der Autor schafft es, ein Bild von Berlin zu vermitteln, welches den Besuchern aus dem Ausland präsentiert werden sollte. Ein reines, gut organisiertes und offenes Deutschland, welches seine Gäste willkommen heißt. Doch es glänzt nicht alles. Unter dem glänzenden Lack arbeiten Hitler und seine Schergen bereits daran ein neues Deutschland zu schaffen.

Oliver Hilmes berichtet über jeden einzelnen Tag der Olympischen Spiele. Jedem Kapitel voran kommt erst einmal ein Bild, dann folgt der Bericht des Reichswetterdienstes für Berlin. Und danach erzählt der Autor von bekannten und unbekannten Persönlichkeiten. Dazu gehören Sportler wie Jesse Owens, Helene Mayer, Tilly Fleischer und Eleanor Holm. Künstler wie Thomas Wolfe, Mascha Kaléko, Hubert von Meyerinck, Leni Riefenstahl und Teddy Stauffer. Widerständler wie Mildred und Arvid Harnack. Die Verleger Ernst Rowohlt und sein unehelicher Sohn Heinrich Maria Ledig. Und der Konkurrenzkampf der Nazigrößen Joseph Goebbels und Hermann Göring, sowie der diplomatischen Gäste. Er blickt in die Gastronomie der Zeit, widmet sich aber auch einfachen Menschen wie Juden und Sinti und Roma, die bis dato ein ganz normales Leben gelebt haben. Er zitiert offizielle Meldungen der Staatspolizei und anderer Behörden. Und so entsteht nach und nach ein sehr differenziertes Bild dieser Zeit. Es wird immer deutlicher wie Adolf Hitler und seine Helfer den Rest der Welt manipuliert haben. Es sind nur wenige, die dies durchschauten.

Abgeschlossen wird das Buch durch ein Kapitel, in dem der Autor berichtet, was aus dem Menschen nach dem 3. Reich geworden ist, und ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis. So kann man die angesprochenen Themen noch vertiefen, auch wenn leider nicht mehr alle genannten Bücher aktuell auf dem Markt sind. Aber wofür gibt es Bibliotheken.

Ich bin von diesem Buch begeistert. Es hat mir viel Wissen auf ausgesprochen lesbare und unterhaltsame Weise vermittelt.

Berlin 1936
von Oliver Hilmes
(3)
Buch
19,99

Franka und Tokeli

Eine Kundin / Ein Kunde , am 09.06.2016

Die Bücher von Charlotte Roth erkennt man immer sofort. Seitdem 2014 „Als wir unsterblich waren“ erschienen ist, werden die Cover nach dem gleichen Schema gestaltet – sepiafarbener Buchumschlag, ein Frauenprofil von der Seite im Vordergrund und im Hintergrund etwas zum Thema des Romans. Dies sind allerdings einmal Cover, die mir persönlich sehr gut gefallen. Bisher waren die Inhalte der beiden vorherigen Bücher so aufgeteilt, dass es eine Rahmenhandlung in der Gegenwart gab und die eigentliche Handlung in der Zeit zwischen 1911 und 1945 spielte. Dieses Mal hat die Autorin auf eine Rahmenhandlung verzichte, was mir sehr entgegen kam. Doch nun zum Inhalt.

Charlotte Roth hat zwei sehr gegensätzliche Handlungsstränge miteinander verbunden, die wieder in Berlin spielen. Da ist zum einen Franka, eine junge Frau, die anders als die anderen ist. Sie ist die Tochter eines Pastors, der sie seelisch total vernachlässigt. Frauen sind in seinen Augen nichts wert, außer dass sie zur Ehefrau und Mutter geboren sind. Doch Franka möchte gerne Zoologie studieren. Als dies in der Weimarer Republik unmöglich wird, bekommt sie mit Glück und ein wenig Hilfe ihres Onkels eine Anstellung als Tierpflegerin im Berliner Zoo. Und so ist die eine Geschichte die von Franka und ihren Mitstreitern im Berliner Zoo während des 3. Reichs bis zum bitteren Ende. Wir lernen sehr unterschiedliche, aber sehr liebenswerte Menschen und wunderbare Tiere kennen. Doch auch die Forschung des Zoos ist während dieser Zeit nicht unumstritten.

Der zweite Handlungsstrang dreht sich um Kirschla und Tokeli. Zwei jungen Sintis, die mit ihren großen Familien in 2 Wohnungen leben. Kirschla ist eine attraktive junge Frau, die ihrer Familie notfalls auch durch den Einsatz ihres Körpers zu helfen weiß. Tokeli ist ein sehr intelligenter junger Mann, der gerne Jura studieren will. Und am Anfang sieht alles gut aus. Doch dann kommt das Jahr 1936 und in Berlin finden die Olympischen Spiele statt.

Über Frankas Onkel lernen sich Franka und Tokeli unter widrigen Umständen kennen und die beiden Handlungsstränge werden zu einem.

Charlotte Roth hat in diesem Roman zwei sehr schwierige Themen angesprochen:

- Rassentheorie und Eugenik
- Die Verfolgung der Sinti und Roma

Franka erfährt über ihre eigene Familie, wozu Menschen im 3. Reich fähig sind. Und irgendwann kann sie sich nicht mehr nur um ihre geliebten Tiere kümmern, sondern muss Stellung beziehen.

Die beiden Themen, die Charlotte Roth in diesem Roman behandelt hat, sind mir tief unter die Haut gegangen. Zum Thema Judenverfolgung während der Nazizeit habe ich ja schon viel gelesen, aber zum Thema der Verfolgung der Sinti und Roma ist diese mein erster Roman gewesen. Es ist einfach erschütternd, mit welcher Menschenverachtung die Nazis vorgegangen sind. Und per Zufall habe ich danach noch ein Buch gelesen, wo gerade dieses Thema u.a. auch drin vorkommt „Berlin 1936“ von Oliver Hilmes. Und seine Schilderungen decken sich eindeutig mit den Schilderungen von Charlotte Roth.

Mir persönlich war etwas mulmig, dass der Roman im Zoo spielt, denn ich kann einfach nicht damit umgehen, wenn Tieren etwas geschieht. Natürlich war mir vom Kopf her klar, dass die Tiere während des 2. Weltkriegs gelitten haben und sehr viele umgekommen sind. Und es werden auch in diesem Roman Tiere sterben, die nicht nur eine Nebenrolle spielen. Aber die Autorin war gnädig mit mir, denn das Thema wurde nicht ausführlich breitgetreten. Trotzdem musste ich bei diesem Buch mehrfach in der Öffentlichkeit weinen.

Es ist sicherlich nicht das beste Buch von Charlotte Roth. Aber es ist aufgrund der Themen wieder ausgesprochen interessant und hat mir viel Geschichte vermittelt, die ich so noch nicht kannte. Teilweise hätte sie noch deutlich tiefer in die Themen hineingehen können. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass diese Reihe doch dem Genre Unterhaltungsliteratur angehört. Und da wäre es einfach zu viel des Bösen gewesen. Wer mehr darüber erfahren möchte, wird mit Sicherheit noch andere (Sach-)Bücher zum Thema finden.

Ein Roman, der noch lange in mir nachklingen wird!

Weil sie das Leben liebten
von Charlotte Roth
(4)
Buch
9,99

Was geschah in jenem Sommer?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 09.06.2016

2013 hatte ich Ihnen das Buch „Die Landkarte der Liebe“ von dieser Autorin vorgestellt. Ein Roman, der mich damals sehr positiv überrascht hatte. 2015 fiel mir dann das Buch „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ auf. Und erst ziemlich spät merkte ich, dass es der neue Roman von Lucy Clarke ist. Der Verlag hatte sich überraschenderweise für eine ganz andere Optik entschieden. Und dieses Buch gibt es jetzt als Taschenbuch.

Lucy Clarke ist eine Autorin, die das Meer liebt. Und das merkt man ihren Romanen an, denn auch in diesem Roman spielt das Meer wieder eine wichtige Rolle.

Gleich am Anfang werden wir Zeugen, wie Eva ihren Ehemann Jackson an das Meer verliert. Eva und Jackson waren ein Paar der schnellen Entschlüsse – kurz nachdem sie sich kennengelernt hatten, haben sie schon geheiratet. Und nun ist ihr geliebter Ehemann nur wenige Monate nach der Hochzeit ertrunken. Eva beschließt, nach einiger Zeit der Trauer, ihren Schwiegervater und ihren Schwager in Tasmanien zu besuchen. Beide hat sie noch nicht kennengelernt. Doch diese Reise wird ganz anders als sie es sich vorgestellt hat. Ihr Schwiegervater reagiert sehr zurückhaltend und ihr Schwager, der seinem Bruder zum Verwechseln ähnlich sieht, sogar sehr abweisend. Doch Eva gibt nicht auf. Und so kommt sie langsam einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur.

Lucy Clarke hat wieder eine ausgesprochen spannende Familiengeschichte geschrieben, bei der man sehr lange im Dunkeln tappt. Immer wieder kommen überraschende Wendungen. Und am Ende wird die Geschichte sogar ein wenig unheimlich. Und was mich an diesem Buch so ganz speziell begeistert hat, ist, dass nicht nur die Geschichte absolut fesselnd ist, sondern die Autorin in diesem Buch wieder die Landschaft, das Meeres und die Beobachtungen bei den Tauchgängen so beschreibt, dass ich sofort Lust bekommen habe, nach Tasmanien zu reisen.

Das Buch ist ein richtig toller Lesespaß, der supergut zu einem Urlaub passt, egal, ob Sie ihn in Tasmanien oder sonst wo lesen. Sie bekommen damit eine tragische Liebesgeschichte mit einem dunklen Familiengeheimnis und sogar ein wenig Krimi.

Der Sommer, in dem es zu schneien begann
von Lucy Clarke
(2)
Buch
9,99

Vergessen Sie das Cover und lesen Sie dieses Buch

Eine Kundin / Ein Kunde , am 28.05.2016

Heute habe ich mal wieder ein Buch, welches mir von mehreren Freunden empfohlen wurde. Und obwohl ich zumeist ganz brandneue Bücher lese – Berufskrankheit – habe ich dieses Mal meine Regeln gebrochen und das Buch von Beate Rygiert „Das Lied von der unsterblichen Liebe“ gelesen. Über das Cover hätte mich das Buch nicht im Geringsten angesprochen. Und der Klappentext ist zwar schön, aber das Buch ist doch ganz anders gewesen, als ich es mir vorgestellt habe.

Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich, dass der alte Seiltänzer Valentin der jungen und verzweifelten Cora über weise Ratschläge dazu bringen würde zu lieben, anstatt sich durch ein Feuer an ihrem Vater zu rächen. Doch Beate Rygiert erzählt eine ganz andere Geschichte mit viel mehr Hauptpersonen. Valentin, der 85-jährige Seiltänzer, der meint, der Tod hätte ihn vergessen, hat es sich inzwischen zur Aufgabe gemacht, Selbstmörder daran zu hindern von hohen Gebäuden zu springen. Und damit beginnt gleich das erste Kapitel. Und dann geht es weiter zu der 14-jährigen Cora, die ebenfalls ein großes Interesse am Tod hat, denn auch sie meint, dass sie unsterblich sei. Ihr bevorzugter Ort ist das Krematorium, denn seit dem grauenvollen Unfalltod ihres Bruders Raoul ist sie von der Macht des Feuers besessen. Und genau diese Macht des Feuers will sie nutzen, um sich an ihrem Vater zu rächen. Aber dann kommen noch einige andere Menschen dazu und die Geschichte nimmt ganz viele Handlungsfäden auf. Auf der Einäscherung von Paula, einer alten Liebe von Valentin, lernt Cora den gleichaltrigen Adrian kennen. Adrian, ein Junge, der anders als seine Klassenkameraden ist, ist sofort fasziniert von Cora, denn sie sieht genau so aus, wie die Königin in seiner Traumwelt, die er in großartigen Bildergeschichten darstellt. Für ihn ist Cora, die sich wie eine Gothic-Queen verkleidet, die große Liebe. Und durch sein Zeichentalent kommt er ihr immer näher. Die Geschichten dieser drei Hauptpersonen sind eng miteinander verknüpft. Und dies nicht nur durch die beiden Hauptanziehungspunkte Liebe und Tod. So spielen Coras Eltern Ellen und der Architekt HP Sternberg eine wichtige Rolle in diesem Roman, als auch Adrians Familie, die hauptsächlich aus seiner Mutter Sandra, seinem Vater Paul und seiner Tante Agnes bestehen. Allen Hauptpersonen ist gemein, dass sie mit ihrem aktuellen Leben hadern, ihre Träume auf der Strecke geblieben sind und sie innerlich verhärtet sind. Doch durch Zufall oder Magie ändert sich ihrer aller Leben durch die direkte oder indirekte Begegnung mit Valentin. Ganz wichtig ist auch noch ein Gebäude. Es ist das neue Gebäude einer Bank, ein Turm, der sich schneckenförmig dem Himmel entgegenstreckt. Coras Vater hat ihn erbaut. Und die Eröffnung dieses Turms ist das Finale des Romans, auf den alle Handlungsstränge hinauslaufen.

Beate Rygiert erzählt ihre Geschichte in 7 Tagen. Denn 7 Tage braucht Cora von dem Kennenlernen Adrians bis zu der Umsetzung ihrer Rache. Doch diese sieben Tage verändern das Leben all der Personen, die ich eben aufgeführt habe. Mich hat die sehr ungewöhnliche Erzählweise dieses Romans fasziniert. Sie ist ganz anders als alles andere, was ich bisher gelesen habe. Die Autorin erzählt aus der Sicht der allwissenden Erzählerin. So kann sie sehr geschickt schon kleine Hinweise auf die weitere Handlung geben, ohne dass sie wirklich etwas verrät, wie z.B. „Hätte er genau hingesehen, dann wäre ihm vielleicht ein dunkler Punkt aufgefallen, der sich deutlich von dem hellen Gestein abhob und langsam aber stetig in Richtung Stadt bewegte.“ (e-book Seite 419) Wer ist dieser Valentin, der es schafft, die Menschen zu berühren? Er tut eigentlich gar nichts besonderes, aber eine Begegnung mit ihm verändert die Menschen. Und so beginnt für einige der Hauptpersonen etwas Schönes und Neues und andere stehen plötzlich vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens. Und dann kommt der 7. Tag mit dem großen Finale, was mich umgehauen hat. Das Buch endet ganz anders als ich es erwartet habe. Aber das Ende ist stimmig und eigentlich die logische Konsequenz zu allem, was die Autorin aufgebaut hat.

Dieses Buch hat magische Qualitäten, ohne dass es Fantasy ist. Es ist ein wunderbarer, ganz ungewöhnlicher Roman, der für alle Leser und Leserinnen ab 14 Jahren ist, die mal Mut und Lust auf etwas ganz anderes haben.

Das Lied von der unsterblichen Liebe
von Beate Rygiert
(4)
Buch
16,99

Eine Wahnsinns-Herausforderung

Eine Kundin / Ein Kunde , am 22.05.2016

Es gibt einfach Bücher, die finden einen. So ging es mir mit diesem Buch von Christian Seebauer. Ein lieber Freund hat es mir vorgeschlagen, ich fand, dass es sich sehr interessant anhört und habe es mir sofort als e-book heruntergeladen. Dann passierte erstmals nichts weiter. Doch als es mir vor kurzem mental nicht so gut ging, da habe ich es wieder hervorgeholt und gelesen. Und da war es genau das Buch, was ich in dieser Zeit brauchte.

Der Autor Christian Seebauer, Jahrgang 1967, ist ein Mann mit Mut, der sich Herausforderungen stellt. Und weil er außerdem eine sehr verständnisvolle Familie hat, gelingt ihm das, wovon viele Menschen sicherlich träumen. Er beginnt nach einer Krise ein neues Leben. Sein erstes Leben war ganz klassisch. Da er von seinem Traum Künstler zu werden nicht hätte leben können, überzeugte seine Familie ihn, einen anständigen Beruf zu ergreifen. Er studierte Elektrotechnik und Informationstechnik. Um sein Studium zu finanzieren, landete er in der Finanzbranche, in der er nach seinem Studium hängenblieb und die Karriereleiter immer weiter hinaufstieg. Doch das war nicht das, was er eigentlich wollte. Und so endete dieses erste Leben mit einem Burnout. Er zog die Reißleine und begann peu à peu sein zweites Leben. 2010 wanderte er den Jakobsweg an der Küste entlang. Darüber schrieb er sein erstes Buch „Jakobsweg an der Küste“, welches 2012 im Pro Business Verlag erschienen ist. Dies gibt es leider nicht als e-book.

Doch er suchte noch einmal die Herausforderung und entschied sich für den weitaus weniger bekannten Pilgerweg – den Israel National Trail oder Shvil Israel. Das sind 1014 km mit einem Gesamtanstieg von 20.120 Höhenmetern. Der Weg führt von Eilat im Süden bis hinauf zum Kibbuz Dan kurz vor der libanesischen und syrischen Grenze. Er will diesen Weg in umgekehrter Richtung ganz alleine gehen, und er will ihn ohne Geld gehen, d.h. er ist auf die Hilfe der Menschen vor Ort angewiesen. Er ist aber natürlich bereit für sein Essen und seinen Schlafplatz zu arbeiten. Und so berichtet er in diesem Buch von den sieben Wochen, die diese Reise dauert.

Es ist ein faszinierendes Buch über einen ungewöhnlichen Mann, der sich einer Wahnsinns-Herausforderung stellt. Christan Seebauer führt die ganze Zeit Tagebuch und fotografiert, so dass er hinterher ein sehr persönliches und Mut machendes Buch schreiben kann. Er beschreibt wunderbar die Landschaft und die Menschen, die ihm begegnen. Er beschreibt aber auch sehr genau, wie es in ihm innendrin aussieht und was diese Reise mit ihm persönlich macht. Mit dieser Reise geht er mehr als einmal an die äußersten Grenzen seines Körpers. Er ringt mit sich, ob er aufgeben soll, doch er schafft es, diesen Weg bis zum Schluss zu gehen.

Was mich persönlich an diesem Buch so begeistert hat, ist einerseits diese Willensstärke des Autors, der es tatsächlich schafft sein Ziel ohne Geld zu erreichen. Er ging mit viel zu viel Ballast los (Gepäck und seelisch), doch nach und nach „verliert“ er das, was ihm sein Leben schwer macht. Was ich selber gar nicht bedacht habe, ist, dass er natürlich auf diesem Weg kaum Möglichkeiten hatte, sich und seine Wäsche zu waschen. Andererseits begeistert mich das Israel, was er beschrieben hat. Das ist ein ganz anderes Israel als das, welches wir aus der Presse kennen. Er beschreibt ein Land, wo sowohl die Juden als auch die Araber sehr freundlich, aufgeschlossen und neugierig auf ihn reagiert haben. Er hat unwahrscheinlich viele hilfsbereite Menschen kennengelernt. Und er durfte erfahren, dass die Juden ihn mit offenen Armen aufgenommen haben obwohl er Deutscher ist, dass sie sogar dankbar dafür waren, dass er sich für ihr Land interessiert. Und dann hat mich noch der ökologische Aspekt fasziniert. Es gibt in Israel einen jüdischen Nationalfonds JNF-KKL e.V., der sich seit 1901 um Israels Umwelt kümmert. Er bewahrt die Wasserressourcen und sorgt dafür, dass Israel nach und nach weiter aufgeforstet wird.

Und auch wenn dieses Buch bei einem christlichen Verlag erschienen ist, ist es kein eigentlich christliches Buch. Christian Seebauer spricht zwar in Extremsituationen mit Gott, aber er sagt selbst, dass er eigentlich kein klassischer Gläubiger ist. Er glaubt an seinen Gott. Und Gott kann für jeden Menschen etwas anderes sein und ist an keine Religion gebunden.

Abgerundet wird das Buch durch einen großen Bild- und Informationsteil. Wer sich an den Bildern erfreuen möchte, sollte allerdings zu dem Buch greifen. Da sind dem e-book doch deutlich seine Grenzen aufgezeigt.

Israel Trail mit Herz
von Christian Seebauer
(1)
eBook
15,99

Das schwarze Notizbuch

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.05.2016

Fast wäre mir dieser Roman nie begegnet. Aber so geht es uns ja eigentlich allen immer wieder. Es gibt Bücher, die entdecken wir in der Buchhandlung, durch Freunde, über die Empfehlung von anderen, oder vielleicht sogar über die Internetseiten, die andere Bücher passend zum letzten Kauf vorschlagen. Aber es gibt eben auch so viele, denen wir einfach nicht über den Weg laufen, oder sie nicht laut genug „Nimm mich! Lies mich!“ rufen. Bei dem Buch „Frostgras“ hatte ich pures Glück. Ich habe die Autorin bei einer Veranstaltung kennengelernt. Und da haben wir uns auch über ihre Bücher unterhalten. Das Repertoire von Angelika Lauriel ist breit gestreut – es gibt Lektüren für Kinder, die gerade Französisch lernen, Krimis, Liebesromane und Fantasy. Da ich noch nie etwas von ihr gelesen hatte, wollte ich wissen, welches ihr persönliches Lieblingsbuch ist. Und so bin ich an „Frostgras“ gekommen.

Angelika Lauriel erzählt in diesem Roman die Geschichte von Julia, Paul und einem unbekannten, dunkelhaarigen jungen Mann. Alle drei sind so um die 18 Jahre alt. Julia und Paul leben und studieren in Trier. Von dem unbekannten jungen Mann wissen wir es nicht. Doch weshalb ist dieser Unbekannte wichtig? Die Geschichte beginnt damit, dass Julia dieser jungen Mann in der Bahn auffällt. Er ist sehr attraktiv, aber auch ganz anders als die anderen Altersgenossen. Er wirkt sehr verschlossen, und er schreibt mit der Hand! in ein in Leder gebundenes Notizbuch. Irgendetwas an ihm fasziniert Julia und regt ihre Fantasie an. Als er ebenfalls in Trier den Zug verlässt, vermutet sie, dass er zum Studienbeginn dorthin reist. Als sie aussteigt, merkt sie, dass er das Notizbuch im Zug hat liegenlassen. Sie versucht noch ihn zu erreichen, aber sie sieht ihn nur noch in einem Auto mit Rügener Kennzeichen wegfahren. Und so beginnt sie in dem Notizbuch zu lesen. Sie hofft somit etwas über ihn herauszufinden, damit sie das Notizbuch zurückgeben kann. Doch diese Lektüre nimmt sie immer mehr gefangen. Das, was er schreibt, weist so viel Ähnlichkeit mit ihrer persönlichen Situation auf. Und es trifft sie zutiefst in ihrer Seele. Irgendwie fühlt sie sich ihm seelenverwandt.

Paul ist Julias Freund schon aus Kindergartentagen. Aus der unschuldigen Kinderfreundschaft ist inzwischen eine Liebesgeschichte geworden. Paul ist immer für Julia da. Doch dieses Notizbuch ist ihr Geheimnis. Und irgendwie bringt dieses Notizbuch alles durcheinander. Julia beginnt über ihr Leben nachzudenken. Und sie fängt an Fragen zu stellen. Ganz speziell ihrer Mutter. Denn Julia kennt ihren Vater nicht. Und nach und nach erfährt Julia immer mehr über die Vergangenheit. Doch was haben dieser geheimnisvolle Junge und sein Notizbuch damit zu tun?

Die Autorin hat einen Roman geschrieben, der mich sehr schnell ganz intensiv berührt hat. Während sich die Geschichte entwickelt, wechselt sie die Erzählperspektiven zwischen einem Erzähler von außen und der Ich-Perspektive von Paul. Doch auch in Julias Psyche können wir sehr gut hineinsehen, denn im Laufe der Geschichte entwickelt sich Julias innere Stimme immer mehr und stellt Julias bisheriges Denken und Handeln in Frage. Dadurch und durch die Einträge in dem schwarzen Notizbuch hat mich dieses Buch richtig hineingezogen und zutiefst berührt. Was ist es, was die Geschichte des Unbekannten in Julia aufweckt? Gibt es da tatsächlich eine Gemeinsamkeit? Ist er ein Seelenverwandter? Oder gibt es tatsächlich eine gemeinsame Vergangenheit?

Herausgekommen ist eine Geschichte über Liebe und Verlust, eine Geschichte über Trauer und Trauerbewältigung. Wie viel Wahrheit verträgt ein Mensch? Und wenn, in welchem Alter. Aber es ist auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden, das langsame Abnabeln vom Elternhaus und die erste Liebe. Und obwohl es wohl eigentlich ein Jugendroman ist, habe ich dieses Buch mit großem Spaß und Genuss gelesen. Angelika Lauriel hat so viel Gefühl und Intensität in diese Geschichte gepackt. Und trotzdem wirkt dieses doch recht kleine Buch mit seinen 240 Seiten nie überladen. Für mich war es eine absolute Entdeckung, und ich bin sehr froh, dass das Buch und ich uns gefunden haben. Und nun hoffe ich natürlich, dass Sie sich dieses Buch auch nicht entgehen lassen.

Frostgras
von Angelika Lauriel
(1)
eBook
9,99

Inga und die Männer – ein Thema für sich

Eine Kundin / Ein Kunde , am 29.04.2016

„Ist das Liebe oder kann der weg“ ist der Debütroman von Anke Maiberg, die im realen Leben Juristin und Mutter ist. Aber als Autorin kann sie mal so richtig ihre andere Seite ausleben und beschert uns einen ausgesprochen witzigen Roman.

Inga, einen junge Frau, die in Berlin lebt und einen „tollen“ Job als Übersetzerin hat, steht plötzlich vor den Trümmern ihrer Liebe. Sie hat ihren Freund in Flagranti mit einer anderen erwischt. Nun sinnt sie auf Rache. Um sich erst einmal von dem Schock zu erholen, reist sie zu ihrer Tante Lisbeth nach Freesbüll, einem fiktiven Ort in der Nähe von Husum. Doch, die Ruhe und das Verständnis, welches sie sich von ihrer Tante erhofft hat, währen nicht lange. Beim morgendlichen Walken entdecken die beiden unverhoft einen Toten in einem Gebüsch. Tante Lisbeth erkennt die Leiche und hat auch gleich eine Vermutung, warum Sönke Asmussen ermordet wurde. Denn der Ermordete war ein strikter Gegner gegen den Windpark, der in naher Zukunft in Freesbüll eröffnet werden soll. Und obwohl ein sehr kompetenter und attraktiver Kriminaloberrat namens Carsten die Ermittlung übernimmt, meint Tante Lisbeth, dass sie und Inga ihm unter die Arme greifen sollten. Doch diese Mordermittlung ist nicht das einzige Problem, mit dem Inga plötzlich zu kämpfen hat. Unversehens kann Inga sich nämlich kaum vor Verehrern retten. Und dann will ihre Tante mit ihr auch noch unbedingt in eine Quizshow, ihre beste Freundin hat ein Problem mit einem jungen Mädchen, welches ihr anvertraut wurde und Inga will doch einfach nur endlich die Liebe ihres Lebens für sich gewinnen.

Herausgekommen ist ein schräger und witziger Roman, bei dem die Hauptperson Inga jedes nur mögliche Fettnäpfchen mitnimmt. Anke Maiberg hat einige sehr witzige Charaktere geschaffen, die man sofort ins Herz schließt. Wie z.B. Tante Lisbeth, die eine sehr eigenwillige Meinung zum Thema Liebe hat und überhaupt eine sehr gewöhnungsbedürftige, egozentrische, aber selbstbewusste Frau ist, Jan, ein Kleinstadt-Casanova, der sich für das Glück der Frauen hält, Svenja, die Klatschtante des Ortes, Sassi, ein junges Mädchen, das endlich ein It-Girl sein möchte, und, und, und.

Wenn Sie also mal wieder Lust auf ein wenig überdrehten Slapstick mit Liebe und Mord haben, dann kommen Sie hier voll auf Ihre Kosten. Ich persönlich bin schon gespannt auf den 2. Roman von Anke Maiberg, der bereits in Arbeit ist.


Ist das Liebe oder kann der weg?
von Anke Maiberg
(5)
Buch
8,99

 
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