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123

buch

Doitscha

Adriana Altaras

EUR 18,99 *
auf Merkliste

50

27.11.2014

„Wie lebt es sich in einer gemischten deutsch-jüdischen Familie?”

Viele von Ihnen haben wahrscheinlich schon „Titos Brille“ von Adriana Altaras gelesen. Wie so oft hatte ich leider mal wieder den Anschluss verpasst und erst mit ihrem neuen Buch „Doitscha“ begonnen. Und als Einstimmung auf diese Rezension habe ich mir das Interview mit der Autorin in der NDR Talkshow vom 21.11.2014 angeguckt. Was für eine faszinierende Frau und was für ein Wirbelwind!

Adriana Altaras, geboren in Kroatien, mit ihren Eltern nach Deutschland gegangen, wo ihre Eltern in Gießen die jüdische Gemeinde aufgebaut haben, ist eine bekannte Schauspielerin und Regisseurin, die mit ihrem deutschen Mann (Westfale) und ihren beiden Söhnen in Berlin lebt. Bereits in ihrem ersten Buch „Titos Brille“ erzählt sie von ihrer eigenen Familie, aber auch von der Geschichte ihrer Eltern. In dem aktuellen Buch geht es hauptsächlich um das Zusammenleben in ihrer eigenen kleinen Familie. Der große Sohn, David, ist in der Pubertät und liefert sich einige, zum Teil handfeste, Konflikte mit seinem Vater. Für ihn ist er der „Doitscha“ und damit ein Nachfahr der Tätergeneration. David ist auf der Suche, was er nach dem Abitur machen soll. Soll er nach Israel gehen und dort für sein Land kämpfen, oder soll er in Deutschland bleiben und sich hier eine Existenz aufbauen? Der jüngere Sohn, Sammy, sieht das Ganze etwas relaxter. Er geht allerdings auch auf eine ganz normale Schule, während sein großer Bruder eine jüdische Schule besucht hat. Der kleinere hat bisher anscheinend weniger von den jüdischen Wurzeln mitbekommen. Zu den Problemen in der Familie kommt dann auch noch, dass der Vater als Komponist und Musiker zum Teil sehr zurückgezogen lebt und die Mutter als Regisseurin und Autorin viel unterwegs ist.

Adriana Altaras hat ein sehr humorvolles Buch über das Leben von Juden in Deutschland und vom Leben eines Deutschen in einer jüdischen Familie geschrieben. Sie lässt in den einzelnen Kapiteln die ganze Familie als auch Freunde zu Wort kommen. Wenn man dieses Buch oberflächlich liest, ist es eine sehr unterhaltsame Lektüre, die gängige Vorurteile gegen Juden aufrecht erhält. Aber wenn man ein wenig drüber nachdenkt, erkennt man, dass Adriana Altaras die Geschichten überzeichnet hat, um die aktuelle Situation für Juden in Deutschland darzustellen. Im Prinzip ist es eine ganz andere Art und Weise sich dem Thema Kriegstraumata zu nähern. Sie hat als Tochter von Holocaust-Überlebenden sehr viel von den Ängsten und Vorurteilen ihrer Eltern übernommen und ganz unbewusst auch an ihre Kinder weitergegeben. Dadurch, dass sie sich für einen Deutschen als Partner entschieden hat, kommt Bewegung in die Beziehung zwischen Juden und Deutschen. Doch das will erst einmal verarbeitet werden.

Herausgekommen ist ein wunderbares Plädoyer für ein friedliches Miteinander.

ebooks

Kinder des Meeres

Charlotte Lyne

EUR 15,99 *
auf Merkliste

50

27.11.2014

„Eine starke Freundschaft zu Zeiten Henry VIII”

Charlotte Lyne ist ein Phänomen unter den Autorinnen. Sie schreibt unter drei Namen und arbeitet außerdem auch noch als Übersetzerin und Lektorin. Charlotte Lyne ist ihr Name für historische Stoffe, die häufig in England spielen. Ich selbst habe von ihr bereits „Die zwölfte Nacht“ gelesen welches mir unglaublich gut gefallen hat. Dieses Buch wurde übrigens gerade als e-book wiederaufgelegt. Mit diesen Büchern ist sie eine wunderbare Alternative für Rebecca Gablé Leser/innen. Als Charlotte Roth kennen einige von Ihnen sie vielleicht auch bereits, denn da hab ich Ihnen „Als wir unsterblich waren“ ans Herz gelegt. Unter diesem Namen schreibt sie Bücher, die die jüngere deutsche Vergangenheit betreffen. Im April 2015 kommt ihr neues Buch „Als der Himmel uns gehörte“, welches u.a. von der Olympiade 1936 in Berlin handelt. Ich freue mich schon sehr darauf und werde an dieser Stelle darüber berichten. Und der dritte Name ist Carmen Lobato. Doch unter diesem Namen habe ich noch keine Bücher von ihr gelesen. Im Februar 2015 erscheint unter diesem Namen “Die Stadt der schweigenden Berge“ Doch nun zu ihrem aktuellen Roman:

„Kinder des Meeres“ spielt im England von Henry VIII. Die Hauptpersonen sind die drei Werftkinder Sylvester, Anthony und Fenella, die zusammen aufwachsen, und die eine unverbrüchliche Freundschaft verbindet. Das Buch beginnt 1511, wo in Portsmouth das neue Kriegsschiff Mary Rose vom Stapel läuft. Anthony liebt Schiffe über alles und hat dafür auch ein Händchen. Doch er wird von seinem Vater immer wieder zurückgesetzt, weil sein älterer Bruder Ralph in die Fußstapfen des Vaters treten soll. Außerdem hat Anthony ein Handicap, sein eines Bein ist verkrüppelt. Fenella ist ein Einzelkind, welches von ihrem Vater nicht gewollt wurde. Und Sylvester, der noch eine Zwillingsschwester namens Geraldine hat, ist ein musisch begabter Junge, der sich immer wieder Geschichten und Lieder für die drei ausdenkt. 1511 beim Stapellauf kommt es zu einem schrecklichen Unfall, bei dem ein Mensch ums Leben kommt. Dieser Unfall wird die drei Werftkinder ihr Leben lang verfolgen. Und so verfolgen wir das Leben und die Liebe der drei bis ins Jahr 1545, wo die Mary Rose mit ca. 700 Seeleuten und Soldaten untergeht. Mit an Bord sind Sylvester und Anthony, aber nur einer wird dieses Unglück überleben. Fenella liebt Anthony, aber auch Sylvester. Und Sylvester tut alles für seinen Freund Anthony. Anthony hingegen ist ein sehr eigensinniger Bursche, der sich an keine Regeln hält. Er lebt für den Schiffbau und seine größte Liebe neben Fenella ist die Mary Rose.

Natürlich spielt die ganze Geschichte nicht nur im Schifffahrtsmilieu, sondern auch am Hofe Henry VIII., wohin es Geraldine, Sylvesters Zwillingsschwester, geschafft hat. Es ist ein bis zur letzten Seiten ausgesprochen spannender Roman, indem wie bei Rebecca Gablé Liebe, Intrige und großartig recherchierter historischer Hintergrund sich zu einem großen Ganzen vereinen. Die Zeit ist natürlich auch ausgesprochen spannend. Es ist die Zeit der Renaissance, in der ganz viel Neues passiert. Geistliche greifen die Katholische Kirche an, Bibeln werden in verschiedene Sprachen übersetzt und Ketzer werden verbrannt. Henry VIII legt den Grundstein für die englische Seemacht, die unter seiner Tochter erst richtig groß wird. Sehr interessant ist die Darstellung von Henry VIII als auch von Anne Boleyn, die ich mir bisher anders vorgestellt hatte. Und die Mary Rose gab es wirklich, und man kann heute in Portsmouth noch Teile von ihr besichtigen. 1982 wurde sie aus dem Uferschlamm des Solent gehoben und seit 2013 gibt es ein neues Museum, im welchem sie zu sehen ist.

ebooks

Doitscha

Adriana Altaras

EUR 16,99 *
auf Merkliste

50

27.11.2014

„Wie lebt es sich in einer gemischten deutsch-jüdischen Familie?”

Viele von Ihnen haben wahrscheinlich schon „Titos Brille“ von Adriana Altaras gelesen. Wie so oft hatte ich leider mal wieder den Anschluss verpasst und erst mit ihrem neuen Buch „Doitscha“ begonnen. Und als Einstimmung auf diese Rezension habe ich mir das Interview mit der Autorin in der NDR Talkshow vom 21.11.2014 angeguckt. Was für eine faszinierende Frau und was für ein Wirbelwind!

Adriana Altaras, geboren in Kroatien, mit ihren Eltern nach Deutschland gegangen, wo ihre Eltern in Gießen die jüdische Gemeinde aufgebaut haben, ist eine bekannte Schauspielerin und Regisseurin, die mit ihrem deutschen Mann (Westfale) und ihren beiden Söhnen in Berlin lebt. Bereits in ihrem ersten Buch „Titos Brille“ erzählt sie von ihrer eigenen Familie, aber auch von der Geschichte ihrer Eltern. In dem aktuellen Buch geht es hauptsächlich um das Zusammenleben in ihrer eigenen kleinen Familie. Der große Sohn, David, ist in der Pubertät und liefert sich einige, zum Teil handfeste, Konflikte mit seinem Vater. Für ihn ist er der „Doitscha“ und damit ein Nachfahr der Tätergeneration. David ist auf der Suche, was er nach dem Abitur machen soll. Soll er nach Israel gehen und dort für sein Land kämpfen, oder soll er in Deutschland bleiben und sich hier eine Existenz aufbauen? Der jüngere Sohn, Sammy, sieht das Ganze etwas relaxter. Er geht allerdings auch auf eine ganz normale Schule, während sein großer Bruder eine jüdische Schule besucht hat. Der kleinere hat bisher anscheinend weniger von den jüdischen Wurzeln mitbekommen. Zu den Problemen in der Familie kommt dann auch noch, dass der Vater als Komponist und Musiker zum Teil sehr zurückgezogen lebt und die Mutter als Regisseurin und Autorin viel unterwegs ist.

Adriana Altaras hat ein sehr humorvolles Buch über das Leben von Juden in Deutschland und vom Leben eines Deutschen in einer jüdischen Familie geschrieben. Sie lässt in den einzelnen Kapiteln die ganze Familie als auch Freunde zu Wort kommen. Wenn man dieses Buch oberflächlich liest, ist es eine sehr unterhaltsame Lektüre, die gängige Vorurteile gegen Juden aufrecht erhält. Aber wenn man ein wenig drüber nachdenkt, erkennt man, dass Adriana Altaras die Geschichten überzeichnet hat, um die aktuelle Situation für Juden in Deutschland darzustellen. Im Prinzip ist es eine ganz andere Art und Weise sich dem Thema Kriegstraumata zu nähern. Sie hat als Tochter von Holocaust-Überlebenden sehr viel von den Ängsten und Vorurteilen ihrer Eltern übernommen und ganz unbewusst auch an ihre Kinder weitergegeben. Dadurch, dass sie sich für einen Deutschen als Partner entschieden hat, kommt Bewegung in die Beziehung zwischen Juden und Deutschen. Doch das will erst einmal verarbeitet werden.

Herausgekommen ist ein wunderbares Plädoyer für ein friedliches Miteinander.

buch

Stoner

Mark Williams

EUR 9,90 *
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50

25.11.2014

„Was für ein Leben”

Vielen von Ihnen ist dieses Buch wahrscheinlich schon bekannt, denn es ist ja schon lange ein Bestseller. Ich persönlich hatte mich bisher immer von dem sehr düsteren Cover abschrecken lassen. Doch nachdem ich nun schon von einigen guten Freundinnen gehört habe, dass es so ein fantastisches Buch sein soll, habe ich es endlich auch gelesen. Und ich muss zugeben, sie hatten eindeutig Recht – was für ein großartiges Buch! Sehr überrascht hat mich, als ich am Ende des Buchs gelesen habe, dass „Stoner“ ursprünglich bereits 1965 veröffentlich und erst 2006 wiederentdeckt wurde. Danach habe ich dann auch verstanden, warum mir dieses Buch vorkam wie ein Buch aus einer anderen Zeit.

Doch nun ein wenig zum Inhalt des Buchs. Es wird die Geschichte von William Stoner erzählt. Geboren wurde er 1891 als Sohn eines Farmers im tiefsten Missouri. Durch einen zufälligen Hinweis, dass es ein neuartiges Institut an der Universität in Columbia geben sollte, bei dem man Landwirtschaft studieren kann, wird Stoner von seinen Eltern dorthin geschickt. Seinen Lebensunterhalt muss er sich selbst bei einem Vetter seiner Mutter verdienen. Doch es kommt ganz anders als von der Familie geplant. Stoner besucht einen Pflichtkurs zum Thema Einführung in die englische Literatur. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten hat ihn dieses Thema dermaßen fasziniert, dass er beschließt fortan auf englische Literatur umzusatteln. Und so bleibt er bis zu seinem Tod 1956 an dieser Universität. Er verliebt sich und heiratet. Er bekommt eine Tochter. Er unterrichtet leidenschaftlich gern und hat auch einen guten Ruf bei seinen Studenten. Doch obwohl er eigentlich ein unauffälliger Mensch ist, schafft er es einen Kollegen gegen sich aufzubringen. Und dieser versucht sein Leben zu zerstören.

Es ist ein wunderbares Buch, welches sich sehr schwer beschreiben lässt. Es wird das Leben eines Menschen erzählt, der eigentlich einen unglaublichen gesellschaftlichen Sprung geschafft hat, doch aber irgendwie nie angekommen ist. Es ist ein Leben, bei dem ich überlegt habe, ob es ein glückliches oder ein unglückliches Leben ist. Was ist wichtiger und erfüllender? Eine glückliche Beziehung oder ein Beruf, der einen ausfüllt?

Stilistisch und vom Thema erinnert mich dieses Buch sehr an die Bücher des ebenfalls spät wiederentdeckten Autors Richard Yates. Ich kann es Ihnen nur wärmstens empfehlen. Lassen Sie sich nicht von dem Cover abschrecken. Es ist ein tolles Buch, welches einfach verdient, dass es möglichst viele Menschen lesen.

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50

25.11.2014

„Drei schicksalsschwere Jahre”

Was wissen Sie über den spanischen Bürgerkrieg? Meine Kenntnisse beschränken sich hauptsächlich auf die Spanne von 1936 bis 1939. Doch was geschah nachdem Franco gesiegt hatte? Viele seiner Gegner sind ins Ausland geflohen, aber gerade in den ländlichen Gegenden ging der Krieg weiter. Einige Widerstandskämpfer sind in den Untergrund gegangen und wurden von einem Gutteil der Bevölkerung unterstützt. Die Guardia Civil sollte diese Widerstandsnester ausheben und ging dabei brutal vor. Und hier setzt der neue Roman von Almudena Grandes an.

Ort des Geschehens ist ein kleiner, fiktiver Ort in Andalusien. Der Roman beginnt 1947, die Haupthandlung endet 1949. In diesem kleinen Bergdorf lebt der Junge Nino, der zu Beginn des Romans 9 Jahre alt ist. Nino ist der Sohn eines einfachen Guardia Civils und lebt mit seiner Familie in der Kaserne. Er bekommt schon mit, dass die Menschen den Bewohnern der Kaserne ablehnend gegenüberstehen. Und er bekommt auch mit, dass nachts etwas in der Kaserne vorgeht, was er sich nicht erklären kann. Eines Tages lernt er einen jungen Mann Pepe, genannt „der Portugiese“ kennen, der einsam in einer Mühle wohnt. Sie freunden sich an. Doch der Portugiese ist noch viel mehr als ein guter Freund. Er erklärt ihm einiges über seine eigene Familie und die Zusammenhänge in dem Dorf. Irgendwann muss Nino sich entscheiden, für wen er ist, denn der Kampf zwischen der Guardia Civil und den in die Berge geflohenen Freiheitskämpfer nimmt an Härte zu. Auf welcher Seite steht eigentlich der Portugiese? Und was denkt Ninos Familie wirklich? Wenn man die damalige Zeit unbeschadet überstehen wollte, „musste man sich dem Terror beugen, das Leben auf ein Minimum beschränken und nichts tun, nichts wissen, nichts sagen, musste man sehen, ohne etwas zu erkennen, hören, ohne etwas zu verstehen. So lautete die goldene Regel.“

Bereits 2010 habe ich Ihnen einen Roman der großen spanischen Autorin Almudena Grandes vorgestellt – „Das gefrorene Herz“ (Rowohlt Verlag). Jetzt ist ein neues Buch dieser Autorin im Hanser Verlag erschienen. Beide Bücher beschäftigen sich mit dem spanischen Bürgerkrieg, aber sie sind sowohl stilistisch als auch in der Handlung extrem unterschiedlich. In ihrem aktuellen Roman beschreibt die Autorin sehr einfühlsam die Situation eines Jungen, der in die Wirren der damaligen Zeit ungewollt mit hineingezogen wird. Herausgekommen ist dabei ein sehr facettenreicher Roman. Er eint ganz unterschiedliche Genres. Man kann ihn als Abenteuerroman lesen, denn Nino bewundert den Freiheitskämpfer Cencerro und wird ganz ungewollt in den Kampf mit hineingezogen. Es ist ein politischer Roman, der die damalige Zeit sehr gut beschreibt. Und es ist ein sehr poetischer Roman über das Erwachsenwerden und die Freundschaft.

Ich habe die Lektüre dieses Romans sehr genossen. Man muss sich allerdings ein wenig Zeit dafür nehmen, denn Almudena Grandes schweift wie andere spanische und lateinamerikanische Autoren gerne mal etwas von ihrer eigenen Handlung ab. Und so kann man leicht den Überblick verlieren.

buch

Kinder des Meeres

Charlotte Lyne

EUR 19,99 *
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50

22.11.2014

„Eine starke Freundschaft zu Zeiten Henry VIII”

Charlotte Lyne ist ein Phänomen unter den Autorinnen. Sie schreibt unter drei Namen und arbeitet außerdem auch noch als Übersetzerin und Lektorin. Charlotte Lyne ist ihr Name für historische Stoffe, die häufig in England spielen. Ich selbst habe von ihr bereits „Die zwölfte Nacht“ gelesen welches mir unglaublich gut gefallen hat. Dieses Buch wurde übrigens gerade als e-book wiederaufgelegt. Mit diesen Büchern ist sie eine wunderbare Alternative für Rebecca Gablé Leser/innen. Als Charlotte Roth kennen einige von Ihnen sie vielleicht auch bereits, denn da hab ich Ihnen „Als wir unsterblich waren“ ans Herz gelegt. Unter diesem Namen schreibt sie Bücher, die die jüngere deutsche Vergangenheit betreffen. Im April 2015 kommt ihr neues Buch „Als der Himmel uns gehörte“, welches u.a. von der Olympiade 1936 in Berlin handelt. Ich freue mich schon sehr darauf und werde an dieser Stelle darüber berichten. Und der dritte Name ist Carmen Lobato. Doch unter diesem Namen habe ich noch keine Bücher von ihr gelesen. Im Februar 2015 erscheint unter diesem Namen “Die Stadt der schweigenden Berge“ Doch nun zu ihrem aktuellen Roman:

„Kinder des Meeres“ spielt im England von Henry VIII. Die Hauptpersonen sind die drei Werftkinder Sylvester, Anthony und Fenella, die zusammen aufwachsen, und die eine unverbrüchliche Freundschaft verbindet. Das Buch beginnt 1511, wo in Portsmouth das neue Kriegsschiff Mary Rose vom Stapel läuft. Anthony liebt Schiffe über alles und hat dafür auch ein Händchen. Doch er wird von seinem Vater immer wieder zurückgesetzt, weil sein älterer Bruder Ralph in die Fußstapfen des Vaters treten soll. Außerdem hat Anthony ein Handicap, sein eines Bein ist verkrüppelt. Fenella ist ein Einzelkind, welches von ihrem Vater nicht gewollt wurde. Und Sylvester, der noch eine Zwillingsschwester namens Geraldine hat, ist ein musisch begabter Junge, der sich immer wieder Geschichten und Lieder für die drei ausdenkt. 1511 beim Stapellauf kommt es zu einem schrecklichen Unfall, bei dem ein Mensch ums Leben kommt. Dieser Unfall wird die drei Werftkinder ihr Leben lang verfolgen. Und so verfolgen wir das Leben und die Liebe der drei bis ins Jahr 1545, wo die Mary Rose mit ca. 700 Seeleuten und Soldaten untergeht. Mit an Bord sind Sylvester und Anthony, aber nur einer wird dieses Unglück überleben. Fenella liebt Anthony, aber auch Sylvester. Und Sylvester tut alles für seinen Freund Anthony. Anthony hingegen ist ein sehr eigensinniger Bursche, der sich an keine Regeln hält. Er lebt für den Schiffbau und seine größte Liebe neben Fenella ist die Mary Rose.

Natürlich spielt die ganze Geschichte nicht nur im Schifffahrtsmilieu, sondern auch am Hofe Henry VIII., wohin es Geraldine, Sylvesters Zwillingsschwester, geschafft hat. Es ist ein bis zur letzten Seiten ausgesprochen spannender Roman, indem wie bei Rebecca Gablé Liebe, Intrige und großartig recherchierter historischer Hintergrund sich zu einem großen Ganzen vereinen. Die Zeit ist natürlich auch ausgesprochen spannend. Es ist die Zeit der Renaissance, in der ganz viel Neues passiert. Geistliche greifen die Katholische Kirche an, Bibeln werden in verschiedene Sprachen übersetzt und Ketzer werden verbrannt. Henry VIII legt den Grundstein für die englische Seemacht, die unter seiner Tochter erst richtig groß wird. Sehr interessant ist die Darstellung von Henry VIII als auch von Anne Boleyn, die ich mir bisher anders vorgestellt hatte. Und die Mary Rose gab es wirklich, und man kann heute in Portsmouth noch Teile von ihr besichtigen. 1982 wurde sie aus dem Uferschlamm des Solent gehoben und seit 2013 gibt es ein neues Museum, im welchem sie zu sehen ist.

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40

07.11.2014

„Der schwierige Weg einer starken Frau”

Beate Sauer ist eine deutsche Autorin, die sich auf historische Themen spezialisiert hat. „Die Rache der Heilerin“ ist die Fortsetzung von „Am Hofe der Löwin“, die beide im Goldmann Taschenbuchverlag erschienen sind. Man kann allerdings beide Bücher für sich alleine lesen. Mir ist vor der Lektüre nicht bewusst gewesen, dass ich erst mit dem 2. Band begonnen habe.

Beate Sauer erzählt in „Die Rache der Heilerin“ die Geschichte der jungen Adela. Adela lebt glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Francis, einem Ritter, und ihrem Sohn Luce in der Normandie. Als Richard Löwenherz zusammen mit seinem Bruder einen Aufstand gegen ihren Vater Henry II. anzettelt, muss Francis auf ihrer Seite in den Krieg ziehen. Dort verliert er sein Leben, und Adela bleibt alleine zurück. Doch damit beginnt erst ihr Leiden, denn eine Familienfehde aus dem Buch „Am Hofe der Löwin“ bricht wieder aus. William de Thorigny will endlich Rache dafür, dass seine Familie damals das Anwesen Adelas Eltern abtreten musste. Er stöbert Adela auf und rächt sich auf brutalste Weise an ihr. Dann brennt er das Anwesen ab. Doch Adela und ihr Sohn überleben. Und so beginnt eine Flucht nach England, bei der Adela immer wieder um ihr Leben und das ihrer Liebsten fürchten muss. Doch es kommt der Tag der Rache.

Dieser Roman liest sich sehr spannend. Die Autorin erzählt nicht nur die Geschichte von Adela und Luce, sondern auch von ihrer Schwester Ann, die als Nonne in einem Kloster in der Normandie lebt. Eine weitere wichtige Rolle nimmt Simon de Bohun ein, der der beste Freund von Francis war und jetzt als adeliger Spielmann die Herzen der Frauen erobert. Er hat von Francis die Aufgabe bekommen, sich nach dessen Tod um Adela und Luce zu kümmern. Doch dafür muss er sie erst einmal finden. Und im Hintergrund versuchen Richard Löwenherz und seine Stiefschwester Matilda einige Fäden zu ziehen und Ränke zu schmieden.

Herausgekommen ist ein sehr spannender Roman, der in einer turbulenten Zeit spielt. Durch den häufigen Wechsel der unterschiedlichen Hauptpersonen bleibt die Spannung extra lange bestehen. Dies ist das richtige Lesefutter für Fans von den Romanen um „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz.

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50

07.11.2014

„Ein opulentes Fest für die Sinne”

Lawrence Norfolk ist ein britischer Autor, der bereits mit seinem ersten Roman „Lempière’s Wörterbuch“ 1992 einen riesigen Erfolg verbuchen konnte. Auch sein zweiter Roman „Ein Nashorn für den Papst“ konnte an diesen Erfolg anschließen. Allerdings sind beide Romane anscheinend auf Deutsch leider nicht mehr erhältlich. 2012 erschien ein neuer Roman, der vom Knaus Verlag wunderschön gestaltet herausgebracht wurde. Und jetzt gibt es das Buch auch als Taschenbuch, wobei mir die Gestaltung bei weitem nicht so gut gefällt.

Lawrence Norfolk erzählt in diesem Roman die Geschichte von John Saturnall, der eine fiktive Figur, die er im England des 17. Jahrhunderts angesiedelt hat, ist. Er ist der Sohn von Susan, einer Heilerin und Hebamme, die in einem kleinen Dorf im Tal von Buckland lebt. Allerdings sind sie und ihr Sohn in diesem Dorf Außenseiter. Als im Tal viele Kinder krank werden, eskaliert die Situation. Mutter und Sohn müssen in die umliegenden Wälder fliehen, denn der fundamentalistische Prediger Timothy Marpot verdächtigt Susan der Hexerei. Susan flieht mit John zu einer Ruine im Wald, die der legendären Bellicca, der Begründerin des Geschlechts der Saturnalls, gehört haben soll. Dort zeigt Susan ihrem Sohn ihren heiligsten Schatz – ein altes Buch, in dem die Sage von Saturnalls Fest“ niedergeschrieben wurde. „Saturnalls Fest“ wurde bereits im Paradies mit ausgefallenen Gerichten gefeiert. Alle Menschen kamen zusammen und schmausten. Die gesellschaftliche Rangordnung wurde aufgehoben. Und dieses Fest soll der Legende nach auch in der Ruine von Bellicca begangen worden sein. Doch der Sage nach wurden diese Feste mit dem Aufkommen des Christentums verboten, denn die Christen hielten es für Sünde. Doch im geheimen wurde das Wissen um dieses Fest immer weitergetragen. Susan ist dem kalten Winter im Wald nicht gewachsen und stirbt. John wird von einem alten Priester gerettet und durch einen Helfer ins Herrenhaus von Buckland gebracht. Dort wird er erst Küchenjunge und arbeitet sich durch sein großes Wissen schließlich zum Küchenchef hoch. Das Leben könnte für ihn schön sein, doch es geschehen einige Dinge, die sein Leben völlig auf den Kopf stellen. Zum einen verliebt er sich nicht standesgemäß und zum anderen wird der König abgesetzt und die ganze Küchenmannschaft muss mit dem Lord in den Krieg ziehen. Wird John den Krieg überleben und bekommt seine Liebe eine Chance?

Lawrence Norfolk hat einen unglaublich opulenten Roman geschrieben. Jedem Kapitel wird ein wunderbarer Druck und ein Kapitel „aus Das Buch des John Saturnall, welches verzeichnet die geheimsten Künste des berühmten Kochs, darunter vorzüglich die Rezepte für das Festmahl, welches seinen Ruf befestigt. Gedruckt im Jahre des Herrn sechzehnhunderteinundachtzig.“ vorangestellt, welches die ungeheuerlichsten Gerichte beschreibt. Die eigentliche Handlung ist ausgesprochen spannend und in einer brillanten Sprache geschrieben. Und der Autor versteht es, die grausame Zeit unter Cromwell und seinen Puritaner mit all seinen Schrecken wieder auferstehen zu lassen.

Es ist schon erstaunlich – selten finde ich literarisch anspruchsvolle historische Romane, doch dies ist einmal wieder so einer!

buch

Hannahs Briefe

Ronaldo Wrobel

EUR 9,99 *
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40

07.11.2014

„Max und Hannah – eine Liebesgeschichte?”

Dies vorab: Es ist ein ungewöhnliches Buch und ganz anders als ich es mir an Hand des Klappentextes und des Covers vorgestellt hatte. Denn es ist beim besten Willen keine klassische Liebesgeschichte!

Ronaldo Wrobel ist ein brasilianischer Jude, der als Schriftsteller, Journalist und Rechtsanwalt in Rio de Janeiro lebt. Sein erster Roman wurde vom brasilianischen Kulturministerium, die Übersetzung vom Deutschen Übersetzerfond gefördert. Er erzählt darin einen Teil der jüdischen Geschichte, nämlich den der jüdischen Auswanderen aus dem Osten Europas nach Brasilien.

Seine Hauptperson ist Max. Max ist ein jüdischer Schuster, Mitte Dreißig und lebt in Rio de Janeiro. Er lebt ganz unauffällig und allein. Manchmal geht er zu Prostituierten, aber nicht zu den jüdischen, den sogenannten Polacas. Das passt nämlich nicht in sein Weltbild. Eines Tages wird er auf die Polizeistation gebeten, wo man ihn zwangsverpflichtet, dass er Briefe aus dem jiddischen ins portugiesische übersetzt. Und bei dieser Tätigkeit entdeckt er Hannah, die einen regelmäßigen Briefverkehr mit ihrer Schwester Guita in Buenos Aires unterhält. Hannahs Briefe sind so wunderbar, teilweise lebensklug, teilweise poetisch, so dass er sich nur auf Grund dieser Briefe in sie verliebt. Er hat keine Adresse von ihr, und doch versucht er sie ausfindig zu machen. Und eines Tages steht sie in seinem Laden, und er erkennt sie an Hand ihrer Handschrift. Doch wer ist Hannah wirklich? Erst nach und nach entdeckt er die Wahrheit über Hannah. Und immer, wenn er denkt, er weiß jetzt wirklich alles über sie, erfährt er wieder etwas Neues. Und so jagt er eigentlich ein Phantom.

Das Buch hat mich mehrfach überrascht. Der Autor versteht es fesselnd zu erzählen. Aber er ist auch ein typischer lateinamerikanischer Autor und erzählt seine Geschichte nicht stringent durch, sondern schweift immer mal wieder ab. Und so kommt man der eigentlichen Geschichte nur sehr langsam näher, erfährt aber viel über das jüdische Leben in Polen und Russland Anfang des 20. Jahrhunderts als auch über das jüdische Leben in Brasilien in den dreißiger Jahren. Kennen Sie die Verbrecherorganisation Zwi Migdal? Wenn nicht, werden Sie sie in diesem Roman kennenlernen. Und gerade wo ich dachte, jetzt kommt das große Finale mit der Auflösung, wechselt der Autor plötzlich die Erzählperspektive.

Ein spannendes Buch über einen mir völlig unbekannten Aspekt in der jüngeren jüdischen Geschichte. Es ist teilweise eine Liebesgeschichte und doch auch wieder ein Spionage-Roman. Sehr ungewöhnlich und sehr lesenswert.

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40

07.11.2014

„Der schwierige Weg einer starken Frau”

Beate Sauer ist eine deutsche Autorin, die sich auf historische Themen spezialisiert hat. „Die Rache der Heilerin“ ist die Fortsetzung von „Am Hofe der Löwin“, die beide im Goldmann Taschenbuchverlag erschienen sind. Man kann allerdings beide Bücher für sich alleine lesen. Mir ist vor der Lektüre nicht bewusst gewesen, dass ich erst mit dem 2. Band begonnen habe.

Beate Sauer erzählt in „Die Rache der Heilerin“ die Geschichte der jungen Adela. Adela lebt glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Francis, einem Ritter, und ihrem Sohn Luce in der Normandie. Als Richard Löwenherz zusammen mit seinem Bruder einen Aufstand gegen ihren Vater Henry II. anzettelt, muss Francis auf ihrer Seite in den Krieg ziehen. Dort verliert er sein Leben, und Adela bleibt alleine zurück. Doch damit beginnt erst ihr Leiden, denn eine Familienfehde aus dem Buch „Am Hofe der Löwin“ bricht wieder aus. William de Thorigny will endlich Rache dafür, dass seine Familie damals das Anwesen Adelas Eltern abtreten musste. Er stöbert Adela auf und rächt sich auf brutalste Weise an ihr. Dann brennt er das Anwesen ab. Doch Adela und ihr Sohn überleben. Und so beginnt eine Flucht nach England, bei der Adela immer wieder um ihr Leben und das ihrer Liebsten fürchten muss. Doch es kommt der Tag der Rache.

Dieser Roman liest sich sehr spannend. Die Autorin erzählt nicht nur die Geschichte von Adela und Luce, sondern auch von ihrer Schwester Ann, die als Nonne in einem Kloster in der Normandie lebt. Eine weitere wichtige Rolle nimmt Simon de Bohun ein, der der beste Freund von Francis war und jetzt als adeliger Spielmann die Herzen der Frauen erobert. Er hat von Francis die Aufgabe bekommen, sich nach dessen Tod um Adela und Luce zu kümmern. Doch dafür muss er sie erst einmal finden. Und im Hintergrund versuchen Richard Löwenherz und seine Stiefschwester Matilda einige Fäden zu ziehen und Ränke zu schmieden.

Herausgekommen ist ein sehr spannender Roman, der in einer turbulenten Zeit spielt. Durch den häufigen Wechsel der unterschiedlichen Hauptpersonen bleibt die Spannung extra lange bestehen. Dies ist das richtige Lesefutter für Fans von den Romanen um „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz.

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