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Artikeldetails zu Der Besuch

AutorH. G. Wells

Untertitel Roman

Abbildungsvermerk 19,5 cm

  • ISBN-103-423-13361-9
  • ISBN-139783423133616
  • Verlag dtv
  • Reihedtv-Taschenbücher
  • ÜbersetzerHermann Fuchs
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten173
  • Veröffentlicht01.08.2005
  • GenreRoman
  • Gewicht150g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelThe Wonderful Visit

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Rezensionen der Redaktion zu Der Besuch

"Der englische Schriftsteller Herbert George Wells wurde durch seine Romane [...] zum Mitbegründer der modernen Science-Fiction. [...] H.G. Wells wies in seinen Erzählungen auf die Auswirkungen menschlichen Handelns hin und kritisierte durch seine düsteren Zukunftsvisionen seine zeitgenössische Gesellschaft."
Buchreport 11.08.2011

Kurzbeschreibung zu Der Besuch

Ein Engel, der eine friedliche Landschaft Großbritanniens überfliegt, wird von einem jagdlustigen Vikar mit der Flinte aus der Luft geholt. Dieses Ereignis nimmt der Autor als Ausgangspunkt für eine scharfsinnige, pointenreiche Auseinandersetzung mit der Welt und den Zeitgenossen.
Der neue Dorfbewohner sorgt in der viktorianisch geprägten Gemeinde von Sidderton für Verwirrung und Konflikte. Im Fortgang des Romans wird immer deutlicher, wie unvereinbar die paradiesische Unschuld und Güte des Engels mit der von allerlei Vorurteilen geprägten Auffassung der Menschen ist. Für ein Wesen mit reinem Herzen ist in der Welt kein Platz, und so entschwindet zuletzt der Engel und kehrt in seine eigene Welt zurück.

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50

21.02.2012

„Vom Engel, der vom Himmel fiel”

von einer Kundin oder einem Kunden Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Der englische Schriftsteller und Pionier der Science-Fiction-Literatur H. G. Wells dürfte den meisten heutigen Lesern, wohl nicht zuletzt wegen der zahlreichen Verfilmungen, am ehesten durch seine Werke „Die Zeitmaschine“ und „Krieg der Welten“ bekannt sein. Der Großteil seiner über 60 Romane ist mittlerweile nicht mehr erhältlich bzw. wartet immer noch auf eine Übersetzung. Zwischen all diesen Klassikern der Weltliteratur, könnte „Der Besuch“ glatt untergehen, denn der Klappentext gibt wenig Aufschluss über den Inhalt, die Geschichte klingt simpel gestrickt. Ein amüsantes Märchen für Erwachsene also, das ich mir lediglich aus dem Regal zog, um Wells' Bibliographie chronologisch „abzuarbeiten“. Mit den Gedanken schon beim nachfolgenden Buch „Der Unsichtbare“, begann ich mit der Lektüre, nur um relativ schnell feststellen, dass Wells „Besuch“ mehr ist als nur sein zweiter Roman. Viel mehr.

Das wird dem Leser bereits nach wenigen Seiten deutlich. Geschickt verteilt der Autor gezielte Seitenhiebe gegen eine Gesellschaft voller Spießbürger, die in ihrer Scheinheiligkeit das Andersartige nicht anerkennen will und die gesetzten Regeln unter allem Umständen einhält. Phantasie, Musik, Kunst und Kreativität sind für sie Begriffe, die im streng geordneten Empire keinen Platz haben dürfen und die man, wenn man sie schon nicht ausmerzen kann, zumindest so gut es geht ignoriert. Wells' Abrechnung mit seiner Welt und ihren Zeitgenossen, gehört zu den besten Gesellschaftskritiken, die ich bis hierhin gelesen habe. Scharfsinnig, pointiert, entblößend und bittersüß verteilt er kräftige Seitenhiebe an die Bourgeoise, hält er ihr wortgewandt den Spiegel ins Gesicht. Dabei wird kein Satz zu viel verbraucht und keine Ausschweifungen benötigt. „Der Besuch“ liest sich auch mehr als 100 Jahre nach seiner Veröffentlichung flüssig, kurzweilig und amüsant. Zumindest bis zum letzten Drittel, wo das unschuldige Unverständnis des Engels auf menschliche Gefühle trifft und seine Reinheit zu verlieren droht. Zorn, Hass, Wut, Liebe, Angst, Schmerz. Schnell lernt der Besucher, dessen Güte den Leser bewegt und berührt, all diese Emotionen kennen. Vom straff geordneten System bleibt nichts mehr als eine Unvollkommenheit, die gegenüber der Reinheit des Engels wie Hohn und Makel wirkt.

Über gerade mal 174 Seiten (mit Nachwort) stellt Wells die von Vorurteilen geprägte Auffassung der Menschen bloß, wobei er sich allen Formen des Humors bedient. Vom anzüglichen Witz bis hin zu tiefstem schwarzen Zynismus, wenn er sich z.B. beim Leser dafür entschuldigt, dass das Dienstmädchen in seiner Geschichte nicht unscheinbar und hässlich ist, ja, sogar ein Stück von Selbstachtung besitzt. Dieses aufgesetzte Bedauern ist ein weiterer, zielgerichteter Schlag in das Gesicht der damaligen Gesellschaft, die sich aber wohl bis zum heutigen Tage nicht allzu sehr verändert haben dürfte. Würde man heute an einen Engel glauben? Würde man ihn als Freund akzeptieren? Würde man ihn gegen eine drohende Gefahr verteidigen? Unausgesprochen bleiben diese Fragen. Doch stets sind sie allgegenwärtig, regt die Handlung des Buches und das tragische und doch wunderschöne Ende zum Nachdenken an.

Eine poetische, gefühlvolle und gleichzeitig ausdrucksstarke Geschichte, welche allen Freunden großer klassischer Literatur nur zum empfehlen ist. Für mich das bisher beste Werk, das ich von diesem Autoren lesen durfte.

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