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Name:
leserattebremen
Ort:
Bremen
Rezensionen:
4 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 1

nicht hilfreich: 0

Rang:
7743

leserattebremens Rezensionen

50

19.04.2012

„Spannende Geschichtsstunde”

1897 in New York: Kinder finden beim Spielen den in Wachstuch eingewickelten Oberkörper einer Leiche. Wenig später tauchen dazu passend die Beine auf. Die erste Vermutung, dass es sich um eine Versuchsobjekt von Medizinstudenten handeln könnte, ist schnell widerlegt und das New Yorker Police Department ermittelt. Wer ist der Tote, dessen Teile gefunden wurden? Und vom wem wurde er ermordet?
Doch nicht nur die Polizei jagt den oder die Täter, mit dem Fall Guldensuppe beginnt die erste öffentliche mediale Hetzjagd der Geschichte. Die Verleger Hearst und Pulitzer versuchen sich gegenseitig auszustechen, immer größer werden die Schlagzeilen und immer mehr wird in Eigenregie ermittelt. Bald sind die Journalisten der Polizei sogar einen Schritt voraus und für die nächste, größere und bessere Schlagzeile sind sie bereit einiges zu riskieren. Als Verdächtige festgenommen werden, besuchen sie diese im Gefängnis, sind immer an ihrer Seite und veröffentlichen Porträts, mit denen sie die öffentliche Meinung beeinflussen, wie es ihnen gefällt.
Paul Collins ist ein großartiges, faktenreiches Buch über den ersten Zeitungsprozess der Geschichte gelungen. Dennoch wirkt das Buch nie wie ein trockenes Sachbuch, sondern ist immer packender Krimi zugleich. Man folgt den Journalisten auf ihrer Jagd nach Spuren, verfolgt den Prozess der Angeklagten und ihre Urteile nicht distanziert, sondern ist als Leser nahe dran an den Figuren, die Collins überaus detailliert beschreibt. Der großartige Quellenanhang ermöglicht es einem, noch einmal selbst in die Recherche abzutauchen und nachzuvollziehen, wie es dem Autor gelungen ist, eine so detailgetreue und realitätsnahe Geschichte zu erzählen. Ein großartiges Buch, das einem einen Einblick in die Entwicklung der Medienlandschaft Ende des 19. Jahrhunderts und in das Leben der beiden bedeutendsten Personen in dieser Landschaft gibt: William Randolph Hearst und Joseph Pulitzer.

50

19.04.2012

„Ein Familiengeheimnis kommt ans Licht”

Diana Wagenbachs einzige noch lebende Verwandte ist ihre Großtante Emmely in England. Als sie erfährt, dass diese mit einem Schlaganfall im Krankenhaus liegt, fliegt sie sofort hin um sie zu besuchen. Ein letztes Mal kann sie mit der geliebten Ziehoma sprechen und bekommt von ihr die Aufgabe, ein altes Familiengeheimnis zu lösen. Was hat die Schwestern 1887 Grace und Victoria Tremayne so entzweit, dass Victoria ihrer Schwester einen Brief schrieb, indem sie ihr und ihrer Familie auf Ewig Hilfe anbot, wann immer sie sie brauchen sollten, nachdem Grace enterbt und davongejagt wurde? Und was hat es mit der jungen Frau auf sich, die mit genau jenem Brief 1945 vor der Tür von Victorias Nachfahren auftaucht? Für Diana beginnt eine langwierige Detektivarbeit, die sie bis ans andere Ende der Welt führen soll.
Corinna Bomann ist mit „Die Schmetterlingsinsel“ ein wunderbarer stimmungsvoller Familienroman gelungen. Ein dunkles Geheimnis hat über 100 Jahre lang die Geschicke der Familie beherrscht und als letzte Überlebende soll Diana das Rätsel lösen. Die Suche bringt sie nicht nur der Vergangenheit ihrer Familie sondern auch sich selbst näher. Die Erlebnisse von Grace und Victoria helfen ihr, ihr eigenes Leben mit neuen Augen zu betrachten und Entscheidungen zu treffen. Diana ist lebende Beispiel dafür, dass man sich nie losgelöst aus seiner eigenen Geschichte sehen kann, gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass das Schicksal uns oft unverhofft an Orte führt, von denen wir nie erwartet hätten, dass sie so wichtig werden könnten für unser Leben. Und zu Menschen, die das ganze Leben wie es bisher war ungewollt umkrempeln. Ein wunderbarer Roman über Liebe und Familie, doch auch Krieg, Vorurteile und veraltete Konventionen, die ganze Familien zerstören konnten.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

50

19.04.2012

„Großartig komplex!”

Wie soll man ein derart komplexes Buch in ein paar Sätzen zusammenfassen? Kurz gesagt geht es um die Erfindung der Fotografie, die vielleicht doch schon viel früher stattgefunden haben könnte, als heute bekannt ist. Und es geht um den Maler Silvius Schwarz und seine Geliebte Sophie von Schlosser, eine Mathematikerin, und ihr Verhältnis zueinander.
Doch das ist längst nicht alles, denn der Autor erzählt seine Geschichte nicht einfach chronologisch als historischen Roman. Auf drei verschiedenen Erzählebenen mit unterschiedlichen narrativen Stilen schafft er ein Gesamtwerk, dass die Menschen auf unterschiedlichste Art einbindet. Auf erster Ebene erzählt der Herausgeber von seinem Leben, wie er die Texte über Silvius Schwarz entdeckte und wie am eine regelrechte Obsession entwickelt, alles zu besitzen und zu wissen, was es zu diesem am Anfang als Hirngespinst erscheinenden Maler gibt.
Dann lässt der Herausgeber den Leser an zwei weiteren Textarten teilhaben, zum einen Originaltexte aus der Zeit, von einem Stummen Druckleger in Dresden geschaffen. Sechs Bögen gibt es insgesamt, die es für den Herausgeber zu finden gibt. Und letztlich von ihm den als halb fiktional, halb real bewerteten Briefroman mit den Briefen von Sophie und Silvius, in denen der Maler Silvius Schwarz von seinen Entwicklungen berichtet.
Die Briefe, und besonders die von Sophie, muss ich an dieser Stelle einmal besonders hervorheben. Dem Autor gelingt es auf unglaublich gute Art und Weise, einen Stil zu schaffen, der so glaubwürdig ist, dass man versucht ist zu denken, die Originalbriefe hätten neben Mathias Gatzas Schreibtisch gelegen, während er diesen Roman schrieb. Fiktion und Realität sind so nah, dass sie zu verschwimmen drohen und den Leser auf einen schmalen Grat zwischen Glauben und Zweifeln schicken. Sophie ist in ihren Briefen als Person so plastisch, temperamentvoll und faszinierend, dass man gerne selber einmal einen ihrer wunderbaren und völlig ungekünstelten Briefe bekommen würde.
„Der Augentäuscher“ ist kein Buch, das man einfach nebenbei verschlingen kann, man muss sich auf den speziellen Stil des Romans mit seinen verschiedenen Personen und Ebenen einlassen, um Gefallen daran zu finden. Meiner Meinung nach ist Mathias Gatza ein außergewöhnliches und faszinierendes Buch gelungen!

20

19.04.2012

„Leider nicht so gut wie erhofft”

In der erste Hälfte seines Lebens war Einstein überdurchschnittlich produktiv, von der zweiten Hälfte hat man kaum Aufzeichnungen. Gibt es vielleicht ein letztes Geheimnis, die alles erklärende Formel, die der Wissenschaftler mit ins Grab genommen hat? Oder hat er sie vielleicht seiner Tochter Lieserl hinterlassen? Der Journalist Javier Costa und die Doktorandin Sarah Brunet werden auf eine Schnitzeljagd rund um die Welt geführt, auf der Suche nach Einsteins letztem Geheimnis.

Flucht vor dem Unbekannten

Das klingt zunächst einmal sehr spannend, die beiden folgen unterschiedlichsten Hinweisen und man weiß nie, von wem diese Hinweise eigentlich kommen. Gleichzeitig wird ihr weg immer mehr von Leichen gesäumt, Menschen die ihnen weiterhelfen sollten oder etwas über Einstein herausgefunden haben, werden ermordet und so wird aus der Jagd der beiden auch schnell eine Flucht vor etwas Unbekanntem.

Chaotisch und enttäuschend

Der Anfang des Romans ist daher auch sehr packend und spannend, die einzelnen Figuren werden eingeführt, Sarah und Javier auf die Fährte gelockt, zunächst alleine, später zusammen. Sie reisen durch Europa, dann durch Amerika. Leider fällt die Spannung ab der Mitte des Buches völlig in sich zusammen, die gesamte Geschichte wird wirr und undurchsichtig, viele mögliche Handlungsoptionen angedeutet, aber keine wirklich bis zum Ende durchgespielt. Am Ende fand ich die Handlung nur noch platt und uninspiriert. Man muss den Autoren zugute halten, dass sie eine wirklich gute Idee hatten, die Umsetzung war leider nicht so gelungen wie erhofft. Alles in allem ein eher enttäuschendes Buch.